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stoebern

mhd. bis spez. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

stöbern verb.

Bd. 19, Sp. 3
stöbern, verb. zu oben stöber, m.: 11) im eigentlichen sinne von den das wild aufsuchenden hunden gebraucht: sie (die isländischen wasserhunde) stöbern aus dem rohr, gleich einem jagdhunde die füchse, ottern und wilden katzen mit besonderem fleisz, dasz man ihnen desto besser im schieszen beykommen kann Fleming teutscher jäger 182b; einen hasen aus seinem lager stöbern vgl. Engel 3, 108; die hunde stöbern das wild aus dem dickicht Campe; und immer lauter erhob sich der jagdruf, die koppel stöberte durch den wald Benzel-Sternau ebenda; dort links ab, gegen den see zu stöbern die hunde Alexis Roland von Berlin 2, 159. so schon in der schilderung der verkehrten welt: da bullen die bauren, und lieffen die hund mit spreiszen heraus, grinnen die hanen und kräiten die sew, und plerten die hüner und stöberten die schaaff Finkenritter B 2 b. — besonders beliebt in zusammensetzungen, welche das jägerische bild noch deutlicher machen, wie aufstöbern (s. th. 1 sp. 751): so diese hunde alles aufstöbern sollen Fleming teutscher jäger 182b; seltener ausstöbern: stöber sind hitzige hunde, stöbern alle graben, ecken und winkel aus Heppe lehrprinz 14 (s. th. 1 sp. 988), und entsprechend fortstöbern (s. th. 4, 1, 1 sp. 35): aufsuchen und fortstöbern Fleming teutscher jäger 182a. 22) in erweiterter bedeutung von jedem 'aufsuchen, aufscheuchen, auftreiben', zunächst (und noch der ursprünglichen sphäre nahe) von den jägern, welche mit den stöbern (s. oben) jagen: ich bin schon zu lange auszer jagdübung, ob mich's gleich gelüstet, wieder ein mahl eins mit zu [] stöbern maler Müller 3, 366; ich ritt pferde zu tod, tauchte unter schiffszügen weg, schwamm durch die reiszendsten stromschnellen, stöberte tagelang in bergen und wäldern Kürnberger novellen 1, 66; vgl. sogar des unzufriednen stöbernde jagd wird endlich widerlich Grillparzer 3, 107. doch liegt den folgenden gebrauchsweisen vielmehr der vergleich zu grunde (wie ein stöber eines aufsuchen und scheuchen). 2@aa) als nächstes reiht sich hier an aus einem gewandstück die flöhe stöbern u. s. w.: indem Jupiter so drohete, zog er in gegenwart meiner und der gantzen partey die hosen herunter ohn einzige scham, und stöberte die flöhe darausz, welche ihn, wie man an seiner sprencklichten haut wohl sahe, schröcklich tribulirt hatten Simpl. 217 neudr.; aber wie schön wird es lassen, wenn dir zum trinckgelde für deine kuplerey ein paar birckene kehrbürsten die flöhe von dem rücken stöbern werden Günther 1002. 2@bb) feinde auseinandersprengen und aus dem lande jagen: aber schleunig wurden sie (die ins land eingefallenen feinde) gestöbert und irer in die zwei hundert erschlagen und muszten ungeschaffener sachen fünf bote verlaufen und hinter sich den feinden lassen Waiszel chronik 182a; er nam auch Apuliam und Calabriam ein und stöberte die Saracenen aus Siciliam Nigrinus papist. inquisition 461; hat er endlich die Bractianer ... übermannet und von einander in städten gestöbert Simplic. 4, 867 Keller; in neuerer zeit von der razzia der obrigkeit auf strolche u. dergl.: urlauber? es war ja ein deserteur; ... als der gendarm im dorfe nach ihm stöberte, war er davon Rosegger 14, 225; bin ... aufgesessen, um ein biszl zu stöbern. s' ist wieder nit sauber im gau Pocci komödienbüchlein 2, 112. (bildlich:) dein blaues auge soll doch wol eine verbuhlte Italienerin aus seinem herzen stöbern Klinger theater 1, 243. näher wieder zu 1 rückt (wohl zunächst im jargon vornehmer kreise): unsern bedienten wiar i' stöbern fortjagen, entlassen Hupel Wiener dialekt 158a, vgl. auch Albrecht Leipz. mundart 216b. 2@cc) einen aus dem bette stöbern, ihn zwingen aufzustehen und unter der decke hervorzukriechen ( Campe); vgl. Bernd Posen 295; den will ich bald aus dem bette stöbern ihn herauswerfen Adelung; daneben auch einen aus den federn stöbern. 2@dd) besonders nach büchern stöbern, unter alten beständen und in heimlichen ecken nach büchern, documenten oder sonst erinnerungen der vergangenheit suchen. die sphäre macht deutlich: die johannisbeerhecken lachen uns aus, dasz wir bei ihrem duft in solchem alten moder stöbern Gutzkow ritter vom geiste 1, 76; bei meiner vorliebe, in altem gerümpel zu stöbern Seidel vorstadtgeschichten 120; nur zum vorwande stöberte er in einer ecke, als habe er dort etwas zu suchen Polenz Büttnerbauer 1, 112; insbesondere: er (Kovachich) reist ... und stöbert in allen archiven nach diplomen und handschriften Jacob Grimm an Wilhelm 365; der oheim hatte eine ziemlich starke bibliothek, in der ich nach gefallen stöbern und lesen durfte, was ich wollte E. Th. A. Hoffmann 10, 90, vgl. auch: Jamud hatte sich die ersten vier jahre hindurch wenig um die bibliothek gekümmert, oder es war ihm nicht eingefallen, darinnen herum zu stöbern Jung-Stilling 6, 124; solche jagd wird im einzelnen geschildert: er ... stöberte zwischen den bestaubten bänden Storm 2, 190 (vgl. aus Schleiermachers leben 2, 173); daneben noch deutlicher und auch gebräuchlicher: beim stöbern unter alten büchern Strausz 7, 300; so kann sie kommen und unter den büchern stöbern, wie sie es wohl mag, wenn der herr nicht zu hause ist M. Beer werke 777; unterdesz sasz die schulkranke Laura in ihrem stübchen und stöberte unter den alten liederdrucken Freytag 7, 111; auch nach münzen stöbern Dahlmann in dem briefwechsel mit Jac. und Wilh. Grimm 1, 462; vgl. sie lungern ganze tage auf dem markt und auf der burg herum, stöbern alte sachen aus dem schutt [] Mörike 3, 99; zuletzt auch er stöberte in seinen taschen Vischer auch einer 1, 77; er faszt das brod und kann's nicht theilen und stöbert, sucht mit wirrem eilen in allen taschen Droste-Hülshoff 2, 41. 33) in einer begrifflichen vermischung mit dem folgenden intrans. stöbern, doch noch völlig angeschlossen an unser jägerisches bild: der wind stöbert die schneeflocken wie wenn es federwild wäre, vgl. recht wie der weih do fleuhet her, die jungen hüner stöbret seer Murner Aeneis 322b; denn die erschreckliche menge der feuerflammen ... schienen wegen des starcken windes, welcher dieselbe umbtriebe, und von dem sie biszweilen zusammen geblasen, bald wieder von einander gestöbert wurden Ziegler asiatische Banise (1689) 650; schon hoben. sich die schweren nebel von den äckern, zerrissen vom stöbernden ost Viebig das schlafende heer 1, 89; als zauberische handlung: das hexenwetter, das sie zusammengestöbert hatte, stöbert sie, wie luftblasen hier und dorthin Herder 23, 366; substant: das röckchen vorm stöbern des blasenden windes über der brust zusammenhalten Viebig das schlafende heer 1, 233. 44) bildlich: stöbernder argwohn, verdacht, welcher der wahrheit auf die spur zu kommen sucht: es war vergebens, dasz die hausfrau, um den stöbernden verdacht des gatten von der familie Hahn abzulenken, viele andere vermuthungen aufstellte Freytag verl. handschr. 1, 270.
6876 Zeichen · 73 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    stöbernswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    stöbern swv. ib. aufstöbern, jagen, zu folgern aus dem vorig. — vgl. Schm. Fr. 2, 719.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Stöbern

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Stöbern , verb. regul. welches in den gemeinen Sprecharten in doppelter Gestalt üblich ist. I. Als ein Neutrum mit dem H…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    stöbern

    Goethe-Wörterbuch

    stöbern [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    stöbernschw.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    stöbern schw. : 1. 'etwas suchend durchwühlen, in alten Sachen herumsuchen', stewere (šdēwərə) [mancherorts VPf], stewwe…

  5. Sprichwörter
    Stöbern

    Wander (Sprichwörter)

    Stöbern Wenn man stöbern (reinigen, verbessern, refomiren) will, muss man oben anfangen. – Siebenkees, 272; Simrock, 991…

  6. Spezial
    stöbern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    stö|bern vb.intr. 1 (kramen) chirí (chir), trá sotissura 2 (umherfliegen) joraté (-tëia) 3 (vom Schnee) gní soflada into…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit stoebern

23 Bildungen · 0 Erstglied · 18 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von stoebern 2 Komponenten

sto+ebern

stoebern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

stoebern als Zweitglied (18 von 18)

Únterstöbern

Campe

Únterstöbern , v. ntr . mit haben, es stöbert unter, untergestöbert, unterzustöbern , stöbernd unter etwas fliegen. D. Unterstöbern .

abstöbern

DWB

abstöbern , abstergere: waschen, aufräumen, abstöbern. mägdelob 64. s. DWB abstäuben .

aufstöbern

DWB

auf·stoebern

aufstöbern , aufregen, aufsteubern: das wild aufstöbern, ein seltnes buch aufstöbern; das ernste wort gemahl stöbert alle zweifel in ihrem b…

ausstöbern

DWB

aus·stoebern

ausstöbern , excutere, s. DWB ausstäubern , DWB aussteubern : da stöbert man mich wider aus. H. Sachs III. 3, 25 ; die wege mit besemen auss…

bestöbern

DWB

bestöbern , pulvere conspergere: bringt auf bestöbertem gefieder der winter ball, konzert und schlittenfahrten wieder. Gotter 1, 83 . s. DWB…

durchstöbern

DWB

durch·stoebern

durchstöbern , neugierig und eifrig durchsuchen, wie durchstören, man findet auch durchstäubern, durchsteubern; niederd. dôrstöwern Schambac…

einstöbern

DWB

ein·stoebern

einstöbern , frequentatives einstieben, vgl. DWB stöbern . wie man unpersönlich sagt es stöbert, pulveres, nives volitant, gilt auch es stöb…

entstöbern

DWB

ent·stoebern

entstöbern , frequentativ von entstieben: dichter schnee entstöberte den wolken; solch ein schwall von geschossen entstöberte dort der Achai…

erstöbern

DWB

erstöbern , indagare, erspüren, aufstöbern: er dringt in ihre ( der natur ) tiefste werkstatt ein, erstöbert ihre letzten, heimlichsten gese…

Herumstöbern

Campe

herum·stoebern

Herumstöbern , v. intrs . so viel als herumstäubern . S. d. Auch als ntr . herumfliegen. Die Federn stöbern herum. Das Herumstöbern .

Nachstöbern

Campe

nach·stoebern

Nachstöbern , v. I) intrs . soviel als nachstäubern . II) ntr . mit haben , hinten nach, noch mehr stöbern, d. h. fein regnen, schneien. — D…

umstöbern

DWB

umstöbern , vb. 1) trennbar, umher-, herumstöbern: welcher teuffel wolt euch alle ... allezeit wissen zu finden, da ihr doch kein bleibende …

verstöbern

DWB

ver·stoebern

verstöbern , verb. , aus verstäubern, dem factitivum von verstieben, verstäuben entstanden. Stieler kennt nur versteupern, zersteupern, pulv…

zerstöbern

DWB

zer·stoebern

zerstöbern , verb. , wie auf-, durch-, aus- von 1 stöbern ( th. 10, 3, 3), einer ableitung aus stöber, m., eine art kleiner jagdhunde ( ebda…

Ableitungen von stoebern (5 von 5)

bestöbern

DWB

bestöbern , pulvere conspergere: bringt auf bestöbertem gefieder der winter ball, konzert und schlittenfahrten wieder. Gotter 1, 83 . s. DWB…

entstöbern

DWB

entstöbern , frequentativ von entstieben: dichter schnee entstöberte den wolken; solch ein schwall von geschossen entstöberte dort der Achai…

erstöbern

DWB

erstöbern , indagare, erspüren, aufstöbern: er dringt in ihre ( der natur ) tiefste werkstatt ein, erstöbert ihre letzten, heimlichsten gese…

verstöbern

DWB

verstöbern , verb. , aus verstäubern, dem factitivum von verstieben, verstäuben entstanden. Stieler kennt nur versteupern, zersteupern, pulv…

zerstöbern

DWB

zerstöbern , verb. , wie auf-, durch-, aus- von 1 stöbern ( th. 10, 3, 3), einer ableitung aus stöber, m., eine art kleiner jagdhunde ( ebda…