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siel

ahd. bis Dial. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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15 in 13 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

siel n. m.

Bd. 16, Sp. 952
siel, n. m. schleuse, abzugsgraben; im deichbau 'eine deichschleuse, das hinter dem deiche zusammenlaufende wasser herauszulassen und zugleich zu verhüten, dasz nicht das vor dem deiche aufschwellende wasser hinter den deich laufe'. Jacobsson 4, 160a. das wort ist, wie die sache, auf die marschgegenden beschränkt. die etymologie des wortes ist dunkel. Weigand 2, 713. ansprechend ist die vermutung von Franck 1208, der es (im anschlusz an ten Doornkaat Koolman 3, 183a) mit norw. schwed. sil sieb, sila seihen, mittelengl. (und neuengl. dial.) sīlen, sile zusammenstellt, auf *sîgwl zurückführt und als l-ableitung zu altem sîgan, sîhan auffaszt (die von Grimm gramm. 13, 405 versuchte erklärung scheitert an der unverkennbaren durchgängigen länge des î). 11) das wort ist dem fries.-nd. sprachgebiete eigenthümlich. 1@aa) es ist zufrühest im altfries. reichlich bezeugt, s. Richthofen 1014b f., und als sîl noch im heutigen fries. (Saterland, Wangeroog, nordfries.) lebendig. 1@bb) im nd. und nl. tritt es so spät und in beschränktem umfange auf, dasz hier wol die annahme der entlehnung aus dem fries. statthaft ist. von den bei Förstemann namenb. 22, 1337 zusammengestellten ortsnamen des 9.—11. jahrh. scheiden die auf hd. oder slav. boden von vorn herein aus, die mit -sile als 2. bestandtheil zumeist schon wegen danebenstehender e - formen (-sele); auch würde die bedeutung kaum composition mit einem personennamen gestatten. (diese gehören zu alts. seli, wohnsitz, womit Grimm das wort zusammengeworfen hatte.) nach abzug dieser bleiben dann auch Silobiki (wüstung bei Holzminden) und Silihêm (Sielen an d. Diemel), beide aus dem 9. jahrh., recht zweifelhaft. 1@cc) mnl. sîl Schiller-Lübben 4, 206b f. (belegt in einer Rasteder urk. und bei Renner), mnl. sijl, aquagium (gemmula vocab. Antwerpen 1490) s. horae belg. 7, 14a: aquagium ... sijl, syle, kalle, conduyt, sluysz. Dief. gloss. 43b (gemma gemmarum. Cöln 1507); incile ablasz o. bett (aque), sijl, ain sail, slusz ... nl. goote, hueel, zijl, tocht. 291c (nl. glossare); sijle, sille, holl. fris. incile, aquagium, cataracta. dazu die anm.: quae vox adhuc in regione Groningana superstes est, et ab ea zijl-recht, zijl-rechters. Kilian. jetzt zijl, f. älter und verbreiteter ist auf nd.-nl., wie auf hd. boden, das lat.-franz. lehnwort schleuse, s. dasselbe, theil 9, 659. 1@dd) in nd. mundarten als sîl, siel (vereinzelte nebenform sied, siedje s. nd. korrespondenzbl. 18, 84) noch jetzt weit verbreitet: hamb. syl Richey 254, brem. siel 'eine schleuse, oder ein unter dem wasserdamm durchgehender kanal, der das inländische überflüssige wasser in die see, oder in einen flusz durchläszt: welcher, wenn er klein ist, mit einer fallthüre, wenn er aber gröszer ist, mit zwoen starken flügelthüren versehen ist, die bey dem andrange des inländischen wassers sich selbst öffnen, bey dem anflusse der flut aber, oder bey dem anschwellen des ausländischen wassers, sich selbst schlieszen.' brem. wb. 4, 786, holst. siel 'in der marsch ein graben, der mit einer hölzernen oder steinernen röhre das wasser unter den deich durchleitet ... 2) hamb. kanäle oder flete, die zur abführung der unreinigkeiten zwischen den erben durchgiengen ... itzt ist in Hamb. ein siel eine leitung unter der erde, wodurch der unrath mit dem spülwasser aus den häusern abflieszt.' Schütze 4, 102 f.; altmärk. sîl (schleuse, wasserröhre; stadtthor) Danneil 191b f.; ostfries. siel (1) schleuse, 2) abzugsriole eines kellers, 3) zuleitungsröhre zu einem brunnen, der keine quelle hat) Stürenburg 246a, sîl ten Doornkaat Koolman 3, 182b, preusz. sîl Frischbier 2, 341a; auch im westf. Hessen Vilmar 385. auffällig ist dies vereinzelte vorkommen im binnenlande. in hd. mundarten nirgends bezeugt. vgl. auch nd. korrespondenzbl. 8, 30, anm. 1. 22) in die schriftsprache ist das wort erst in neuerer zeit und mehr als technischer ausdruck aufgenommen. zuerst verzeichnet bei Frisch 2, 276c: siel, subst. neutr. ist sonderlich bey den teichen oder see - dämmen gebräuchlich, claustrum aggerale; emissorium. eine öffnung in der aufgeworfenen teich - erde, wodurch sich das gesammlete wasser in das meer ergiessen kan. Adelung schreibt siehl, Jacobsson 4, 160a siel, syl, syhle. während das wort im fries. und mnd. masc. ist, wird es im nhd. gewöhnlich als neutr. gebraucht. belege: da wo in den tiefen bäche rieseln, erheben sich hochgewölbte brücken oder siehle durchziehen den weg, wo er niedriger liegt. domherr Meyer darstellungen aus Nord-Deutschland 17; in genauer, fast unzertrennlicher verbindung mit dem ganzen deichwesen stehen die schleusen, in den Marschen siele genannt. Allmers marschenb.3 36; soweit ... wird der siel durch den deich und die bärmen bedeckt. 38. vgl. auch sieltief. — in abweichender bedeutung: in den sihlen (kleine buchten, welche vom meer aus eine kurze strecke den bächen entgegen gehen) von Grönland, der Hudsonsbay und Neufundland. Oken 6, 189; in Ostfriesland, an der küste der Nordsee, gibt es buchten, die gleichsam kleine hafen bilden und siele heiszen. Heine 6, 86 Elster; die hauptsache für den fischer, der auf seinem einsamen siel wohnt, ist der fischfang. ebenda. 33) verschiedene arten werden durch zusammensetzungen bezeichnet: balkensiel aus aufeinander gelegten balken zusammengefügte schleuse;
5349 Zeichen · 136 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    siel

    Althochdeutsches Wörterbuch

    siel- s. auch sêla.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sielstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    siel stn. dim. zu si; das weibchen. Megb. 195,4.

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    sielM., N.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    siel , M., N. Vw.: s. sīl (2)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Siel

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Siel , des -es, plur. die -e, ein nur in den Niederdeutschen Marschländern übliches Wort, eine Schleuse unter einem …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Siel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Siel ( Deichschleuse ), Vorrichtung mit beweglichem Verschluß, um aus eingedeichten Niederungen das Wasser durch den Dam…

  6. modern
    Dialekt
    Sielm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Siel , Sielen m. : 1. a. 'Zugstrang des Pferdegeschirrs', de Siele [ PS-Hirschth ]. — b. 'Nebenseil für das junge Pferd,…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit siel

112 Bildungen · 106 Erstglied · 4 Zweitglied · 2 Ableitungen

siel‑ als Erstglied (30 von 106)

sielacht

DWB

siel·acht

sielacht , f. der landbezirk oder die gemeinde, deren gebiet durch ein siel abgewässert wird und die zu seiner unterhaltung verpflichtet ist…

Sielachtsinteressent

DRW

sielacht·s·interessent

Sielachtsinteressent, m. Mitglied einer Sielacht (I) bdv.: Sielachteingesessene syhllachts interessenten 1648 J. Beckmann, Wortschatz des Si…

sielanlage

DWB

siel·anlage

sielanlage , f. : handbuch der zweckmäszigsten systeme von abritt-, senkgruben- und sielanlagen. von Karl Möllinger ( titel ). Höxter 1867.

Sielarbeit

DRW

siel·arbeit

Sielarbeit, f. wie Sielwerk ohne verseumnuß die syhl-arbeit zubefodern: wie dann auch uͤber alle, bey den rechten syhlen, der darunter schwe…

Siᵉlblad

WWB

siel·blad

Siᵉl-blad n. 1. Vordergeschirr [Lippe]. — 2. Kissen auf dem Rücken des Pferdes ( Wbg Nh).

sielbote

DWB

siel·bote

sielbote , m. bote zu bestellungen und ankündigungen in sielsachen. Adelung. Jacobsson 7, 349 a , auch sielläufer, nd. sielbade und siel-löp…

Sielbothe

Adelung

siel·bothe

Der Sielbothe , des -n, plur. die -n, eben daselbst, ein eigener Bothe, zur Bestellung und Ankündigung in Sielsachen.

sieldeich

DWB

siel·deich

sieldeich , m. mit einem siel versehener deich. Adelung ; ' der deich über dem siele, soweit solcher von der sielacht mit unterhalten werden…

Siᵉldruk

WWB

siel·druk

Siᵉl-druk m. Wundstelle auf dem Hals des Pferdes, der durch den Druck des Kummets entstanden ist ( Mes Br).

Sielein

Pfeifer_etym

siel·ein

sie Pers.pron. f. der 3. Person Sing. und m. f. n. der 3. Person Plur. Das Pers.pron. der 3. Person wird im Germ. allgemein mit dem Pronomin…

sielen

DWB

sie·len

sielen , verb. , auch siehlen geschrieben. 1 1) zu siel, wasser ( durch ein siel ) ableiten. Adelung. Jacobsson 4, 160 a . brem. wb. 4, 786 …

sielenbau

DWB

sielen·bau

sielenbau , m. bau der siele, schleusen, die kunst siele zu bauen. Campe.

sieleneisen

DWB

sielen·eisen

sieleneisen , n. , bez. siehleneisen, an den sielen (siele, f. ) angebracht, damit man den karren besser regieren kann. Jacobsson 7, 349 a .

sielennagel

DWB

sielen·nagel

sielennagel , m. , preuszisch, nd. sêlenagel, 1) nagel, stift in den sielen; 2) sielenstrang, der das lederne brustblatt an den schwengel he…

sielflügel

DWB

siel·fluegel

sielflügel , m. wasserbefestigung, vorsetzung an einem siel, um bei zu starkem ausfalle des wassers abspülung zu verhüten. Jacobsson 4, 162 …

sielfrei

DWB

siel·frei

sielfrei , adj. frei von der pflicht, zur unterhaltung des siels beitragen zu müssen. Jacobsson 4, 162 a .

sielfren

KöblerAe

sielfren , Adj. nhd. silbern, aus Silber gemacht ÜG.: lat. argenteus Gl Hw.: vgl. anfrk. *silverin, as. siluvrīn*, ahd. silabarīn*, afries. …

Sielfriede

DRW

siel·friede

Sielfriede, m. ¹Schutz (II), Sonderfriede für alle an der Erbauung, Erhaltung und Überwachung von ¹Sielen (I) beteiligten Personen, insb. fü…

sielgeld

DWB

siel·geld

sielgeld , n. geld, das zur unterhaltung eines siels gegeben wird. Adelung. brem. wb. 7, 787 ; ostfries. sielgeld, sielschatt beitrag der si…

Sielgerechtigkeit

DRW

siel·gerechtigkeit

Sielgerechtigkeit, f. Recht zum Anlegen eines ²Siels (I) und zur Schweintrift (I) vgl. Schweinemast (III) unsers stiftz syellgerechticheit u…

siel als Zweitglied (4 von 4)

Ārschsīel

Adelung

arsch·siel

† Das Ārschsīel , des -es, plur. die -e, in den Bergwerken, ein lederner Riemen, welchen die Grubenjungen über den Hinterleib tragen, den Ka…

fusiel

LmL

fusiel -is ( vel fusiela -ae) f. Notenzeichen der Mensuralnotation — notational symbol in mensural notation 1 nach oben und unten gestielte …

semifusiel

LmL

semifusiel -is f. Note der Mensuralnotation — note in mensural notation 1 ohne Bestimmung von Notenform und Wert — with no determination of …

Ableitungen von siel (2 von 2)

Besielen

Wander

Besielen Es ist zum Besielen. ( Schles. ) Sehr lächerlich (s. begrunzen, Einkacken).

siele

DWB

siele , f. riemen, zugriemen, pferdegeschirr. das wort steht im ablaut zu seil, s. dieses, sp. 208 f., und seilen, m., sp. 221, und ist wie …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „siel". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/siel/dwb?formid=S28305
MLA
Cotta, Marcel. „siel". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/siel/dwb?formid=S28305. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „siel". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/siel/dwb?formid=S28305.
BibTeX
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