Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Seige
Seige
seigen Vb. ‘niedersinken, sich senken’, ahd. sīgan ‘tröpfeln, niedersinken, sich neigen’ (9. Jh., gisīgan ‘herabfließen’, anasīgan ‘hereinbrechen’, 8. Jh.), mhd. sīgen ‘sich senken, niederfallen, tropfend fallen, fließen, strömend sich bewegen’, asächs. sīgan ‘sinken’, mnd. sīgen ‘niedersinken, tröpfeln’, mnl. sīghen ‘seihen, niedersinken, durch etw. hindurchfließen lassen’, nl. zijgen, afries. sīga, aengl. sīgan ‘sinken, gleiten’, anord. sīga, schwed. (mundartlich) siga ‘sinken, tröpfeln’ (germ. *sīgan), verwandt (durch grammatischen Wechsel) mit seihen (s. d.). Bereits in frühnhd. Zeit wird das starke Verb seigen ungebräuchlich, ebenso wie das dazu gebildete schwache Kausativum seigen ‘sinken machen, senken, neigen’ (z. B. von der Waagschale), mhd. seigen, anord. siga. Länger halten sich hingegen die zugehörigen Ableitungen wie seigern Vb. ‘die Tiefe ausloten, Metalle tröpfelnd ausschmelzen’ (16. Jh.), spätmhd. seigern ‘Münzen mit der Waage auf ihren Wert prüfen und sondern’; Seige f. ‘Neigung, Bodensenke’, im Bergbau ‘vertiefte Stelle, in der Grubenwasser ablaufen kann’, mhd. seige; seiger Adj. ‘unklar, trübe’ von Flüssigkeiten, mhd. seiger, ‘senkrecht’ gemäß dem Bleilot (16. Jh.); Seiger m. ‘Sand-, Wasseruhr’ (nach dem Herabrieseln des Sandes, dem Abtröpfeln des Wassers), ‘Turmuhr’ (nach dem einer Unruh ähnlichen schwingenden, zur Regulierung mit verschiebbaren Gewichten versehenen Waagebalken), mhd. seiger ‘Münzwaage, Sand-, Wasseruhr’.