Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SËDEL stm. stn.
1. sitz, auf dem einer oder mehrere platz haben, aher sessel, thron, aber auch bank, divan u. dgl. was Nib. 1699,2 banc heisst, wird 1718,1 sedel genannt. der herro in dem himile sedel sîn Windb. ps. 35. daʒ gemach schein purpervar, dâ sînes vater sedel stât Albr. 13. c. du bist daʒ küneclîche sedel, dar ûf got selbe wolte sitzen g. sm. 1729. vgl. XXXV, 34. der ûf daʒ keiserlîche sedel wart erhaben Pass. K. 668, 4. Gêrlint diu übele dienen ir dô hieʒ die si an vrowen sedele harte selten lieʒ Gudr. 1051,2. trôny, daʒ bedewtet gotes sedel Suchenw. 41,1303. — ich vant die stüele leider lære stân, dâ wîsheit adel und alter gewalteclîche sâʒen ê. hilf den drin noch wider in den rinc, lâ si niht lange ir sedeles irre gân Walth. 102,22. Gêren bat man an den sedel gân platz nehmen, sich setzen Nib. 688,4. 520,1. Etzel nahm die lieben geste bî der hant. er brâhte si ze dem sedele dâ er ê selbe sâʒ das. 1750,1. 1127,1. vgl. auch 347,1. von dem sedele stên, stân aufstehen Gudr. 685,1. 1012,1. besonders aus höflichkeit, um jemand zu empfangen Nib. 343,2. 397,4. 1125, 4. 1658,3. aus ehrerbietung das. 1718,1. 1724,1. als botschafter, der seinen auftrag ausrichtet das. 1131, 1. vgl. 1169,2. 689,1. er spranc von sîme sedele als er in komen sach das. 1746,3. 712,1.
2. sitz an der speisetafel, dann auch die einrichtung der sitze bei einem mahle. nâch ir alter si sâʒen, sunderbar âʒen; dâ saʒ der altiste an dem sedil hêriste, der minnist an dem sedil nidirist Genes. D. 95,3. dô gie mit im ze sedele zu tische vil manec wætlîcher man Nib. 745,4. daʒ wol ein poynder landes was vome sedel an tavelrunder Parz. 775,15. den sedel schuof hêr Gâwân ordnete an, wie jeder der gäste an den einzelnen speisetischen sitzen sollte das. 636,22. der wirt der schuof den gesten den sedel über al, den hœhsten unt den besten zuo zim in den sal liess die vornehmsten gäste bei sich in dem saale speisen Nib. 1961,1 Ho. dar quâmen vursten edele den man schûf ir sedele Albr. 12,12. der wirt schuof sedel ûf daʒ gras Hahn ged. 88,45. die viere ich zuo einem sedel mische denen weise ich einen tisch an, an welchem sie zusammen speisen Lohengr. 166. vgl. gesedele, gesidele.
3. sitz auf dem pferde, sattel. die pfert erschrâken, daʒ si von sedeles raste die rîtenden wurfen Pass. K. 607,42.
4. der ort, wo man sich niedersetzt oder niederlässt, wohnsitz. diu sunne gie ze sedele ging unter Genes. fundgr. 25,10. diu mâninne gât niht ze sedele an deme niu noch an deme wedele Diemer 342,27. — ir herze was ein stête sedel Cristes Pass. K. 176,18. ir gemach was dunne ûf der armen werlde sedel das. 468,47. Troiêri vuorin in der werilte wîdin irri after sedele Anno 372. dâ (in Constantinopel) was der keiser sedel Kirchb. 599,64. zwô wonunge hatte der bischof edel, dâ phlag her habin vil sîn sedel das. 610,4.
5. landsitz, bes. einer gefreiten oder adelichen person. Schmeller 3,198.