schürze,
f. ein stück zeug zur bedeckung des unterleibes und der schenkel, ähnlich wie schurz,
m., nur meist als frauentracht. es steht in engster beziehung zu schurz,
woselbst über die etymologie gehandelt ist, ist aber ein gemeingermanisches wort (
grundform *skurtjô),
vgl. altn. isländ. skyrta,
norw. skjørta, skjurta, sjorta Aasen 697
a,
dän. skjorte;
mittelengl. schirte, sherte, shurte,
engl. shirt,
vgl. Skeat 548
b,
überall in der bedeutung hemd, besonders mannshemd; ferner mnl. schorte,
supparus, supparum, et succinctorium, praecinctorium, castula Kilian;
holländ. schort,
vgl. Franck 859,
mnd. schorte (
? vgl. schurz 1,
e) Schiller-Lübben 4, 121
a.
vgl. zum ganzen Weigand 2, 652
f. Kluge
5 339
a. J. Grimm
gramm. 1
3, 435. 3, 447.
kl. schr. 6, 332.
dem ältern hochd. ist das wort vollkommen fremd; in der nhd. schriftsprache begegnet es erst in der 2.
hälfte des 17.
jh. (
zuerst bei Comenius, 1657).
mundartlich ist schürze
besonders im nd. allgemein verbreitet in der form schörte, schört, schorte;
doch ist zu beachten, dasz es hier auszer der im nhd. herrschenden bedeutung, die sich überall findet (
nur in Hamburg dafür plate
oder vörschoot Richey 238,
in Bremen schorte
und vörschorte
brem. wb. 4, 677),
auch andre verwendungen aufweist, nämlich 1)
frauenrock (
der ursprünglichen bedeutung näher stehend),
so in Blankenese schöt
nd. korrespondenzbl. 8, 45;
ein '
dünner weiblicher rock, der um den halben leib geschürzt wird, und bis auf die füsze hinab geht'
brem. wb. 4, 677. Richey 238,
in Hamburg auch regen - schörte,
schwarzer überrock der erwachsenen. ebenda, s. auch Schütze 4, 62;
ostfries. (over-)schört,
überwurf, blouse Stürenburg 232
a. 2)
schleife, knoten Richey 238.
brem. wb. 4, 677. Schütze 4, 62,
vielleicht erst aus dem verb. schürzen
gebildet. die bedeutung '
schürze'
ist bezeugt bei Strodtmann 374
b.
brem. wb. a. a. o. Schütze 4, 62. Dähnert 410
b (
auch mannsschurz). Mi 76
b. Stürenburg 232
a. ten Doornkaat Koolman 3, 136
b. Schambach 184
b. Woeste 230
b.
auf hochd. gebiete ist das wort nur ganz vereinzelt bei Hertel
sprachsch. 223
für das thür. Winterstein (
in der form schyrzen)
bezeugt. man kann demnach annehmen, dasz das gemein - germanische schürze
dem hochd. sprachstamme früh verloren gegangen und durch die neubildung schurz,
m. ersetzt, und dann erst im 17.
jahrh. wieder aus dem nd. eingeführt ist. auffällig ist dabei nur, dasz schorte
auch im mnd. nur so schwach bezeugt ist; ist es vielleicht auch ins nd. erst von auswärts (
etwa aus dem nl.)
eingedrungen? 11)
semicinctium, ein fürtuch, ein schürtze. Corvinus
fons lat. 152
b;
ventrale ein fürtuch, eine schürtze. 715
b; schürtze,
f. schürtzel,
n. it. schürtztuch,
n. schürtz-
ò schurtzfleck,
m vor-schürtze,
f. grembiale ... v. fleck, vortuch
etc. Kramer
dict. 2, 684
b; die schürze,
succinctorium, succinctium, supparum Stieler 1942; schürtze (die)
succinctorium foemineum, perizonium Steinbach 2, 525; schürze, der weibs - persohnen, sonderlich der bürgerlichen,
praecinctorium foeminarum Frisch 2, 235
a; weiber kleidung sind: das leibichen ... die schürtzen. Comenius
sprachenth. 513; schürtze ist ein von weiszer leinwand, scheyer, schwäbisch, coton, nesseltuch, glatt und gestreift, cammertuch, falten-tuch, terletenk oder andern klaren gewebe und zeug, langes und in falten gebrachtes, auch oben in einem bund zusammen gereyhetes tuch, so die weibes-bilder fürzubinden pflegen; sind von vielerley arten: als schlecht oder mit mahler-nahd (
musterstickerei) durchnehet und gezogen, mit spitzen, canten, zäcklein frisiret und umstochen, bogenweise ausgeschlungen, mit oder ohne saum, auch öffters blinden saum, mit bündlein auffgesetzet oder nur mit einem bande durchzogen, weisz, blau oder bunt, mit oder ohne latz, lang oder kurtz, deren letztere tändel - schürtzen genennet ... sind; das schwäbische frauenzimmer machet die langen schürtzen von schwartzen stoff, damast, atlas, taffet, cammelot und andern zeugen so um und um mit schwartzen breiten spitzen starck frisiret seynd. in Ulm und Augspurg heiszen die schürtzen fürflecke, in Straszburg und Saltzburg für-tücher, in Nürnberg fleck oder schurtz. Schultz
alltagsleben 49.
auch sonst finden sich namentlich im hochd., wo das wort der volkssprache ja fremd ist, vielfach andre ausdrücke dafür verwendet. so führt Adelung
auszer den genannten an fürsteck (
Augsburg), fürling, fürbrettling (
rotwelsch).
am verbreitetsten ist im hochd. fürtuch,
s. theil 4, 1, 920
ff. man unterscheidet die schürzen nach dem, der sie trägt, in frauen-, weiber-, kinder-,
auch manns-schürze Kramer
dict. 2, 684
c (
vgl. unten 3),
nach ihrer bestimmung in arbeits-, haus-, küchen-, gesellschafts-, tändelschürze,
bei Kramer
auch bad-, spül-, reib-, feg-, wasch-, abwaschschürze, badeschürze
castula Stieler 1942 (
vgl.schurz),
ferner staub-, unterschürze,
nach dem stoff in leinwand-, seiden-, taft-, flor-, damast-, spitzenschürze,
nach der farbe lohschürze,
flammeum Stieler 1942,
nach form und schnitt in latz-, falten-, blousen-, haftel-, reif-, brust-, knieschürze (Göckingk
pros. schr. 257), achsel-
oder ärmelschürze (
mit armlöchern, besonders für kinder),
bei Kramer sack-
oder schubsack-
und schlapp-, schleppschürze,
s. Kramer
a. a. o. Stieler 1942
und die einzelnen zusammensetzungen. 1@aa)
belege aus der litteratur: eine röthe, dasz ich denke, ihre schürze wird angehen, flammt über ihr antlitz empor. H. v. Kleist
Käthchen 1, 1; sieh das blut auf meiner schürze, meiner jüngsten taube blut. Herder 28, 410
Suphan (
Cid 7); zum chorrock, der uns wohlgefiel, gaben die schwestern ihre schürzen. Göthe 2, 222. 1@bb)
mit adjectivischer bestimmung: eine saubere, neugewaschene schürtze, eine schmutzige .. schürtze, grobe schürtze, klare schürtze, weisze, blaue, grüne, schwartze schürtze. Kramer
dict. 2, 684
c; blaue, weisze schürze; grobe schürze,
supparum ex tela trilice, stupea, cannabina, klare,
sive leinwadschürze,
ex bysso, sindone; gebleichte schürze,
ex linteo fole curato, ungebleichte schürze; faltichte schürze,
sinubus ordinatum Stieler 1942; ich schenkte ihr neulich eine abgelegte weisze schürze; aber sie liesz sie aus hochmuth in der stadt ponso färben. J. Paul
kom. anh. zum Titan 1, 23; ein dickes weibsbild ... reinigte die durch gartenarbeit beschmutzten hände an der blauen schürze. Amzengruber
3 4, 194; hol mir aus meiner commode, wo cornetten und hemder und schürzen bey dutzenden liegen, eine häusliche schürze. Zachariä
s. 295 (
Phaeton 1, 35). 1@cc)
verbale fügungen: eine schürtze anthun, anlegen, ein schürtzel umbinden, eine schürtze vorbinden, vor sich binden; eine schürtze tragen, in der schürtze gehen, ein schürtzel an-
oder umhaben; ohne schürtze gehen. Kramer
dict. 2, 684
c; so kömmt ietzt alles hoch, ietzt ist es an den tagen, dasz unser jungfern-volk will nicht mehr schürtzen tragen.
jungfern-anat. bei Schultz
alltagsleb. s. 48. 1@dd)
der schwangern wird die schürze zu kurz: eer ward de schörte so kort. Dähnert 410
b; heuboden, gartenwald, ihr wiszt, warum die schürze sich so zur ungebühr dem armen Lenchen kürze. Voss 6, 174.
dafür sie trägt etwas unter ihrer schürze. Wander 4, 393. 1@ee)
man trägt gegenstände in der schürze, daher die schürtze voll, eine schürtze voll äpfel,
una grembiata di mele Kramer
dict. 2, 684
c; dann kam der leutpriester aus der küche zurück, hielt sein gewand wie eine gefüllte schürze und schüttete einen platzregen von geräucherten gangfischen vor seinen gast. Scheffel
Ekkeh. 79; wenn Sylvia der magd, dasz sie mit vollen schürtzen vom wasser und vom marckt, was in der stadt passirt, nach hause bringen soll, befiehlt. Günther 405.
freier: Lisette, dann sollst du mich, und Belinden segnen, wenn schönheit, gold und glück in deine schürze regnen. Zachariä
s. 287 (
schnupft. 5, 234).
bildlich sagt man auch in der schürze
von dem, was die frau dem manne als mitgift zubringt: siehe, der wackre student, der mich bildete, nimt zur belohnung dann die ergiebige pfarr' in deiner schürze, du jungfrau. Voss 2, 135. 1@ff)
man bedeckt oder verhüllt mit der schürze das gesicht: Marinina .. legte sich gleich, mit dem gesicht, über das sie noch ihre schürze deckte, gegen die wand gekehrt, nieder. Brentano 4, 247; die tochter barg das gesicht hinter der schürze und schluchzte. Anzengruber
3 3, 328;
trocknet die thränen damit u. ähnl.: sie verhüllen — o die guten mütter! — oft die feuchten augen in die schürze, wenn sie wider willen diese hügel sehn. Hölty 51
Halm; sein mädchen trocknet ihm die thränen mit ihrer schürz'. Schubart 2, 47; doch die andre fing urplötzlich bitterlich laut an zu weinen, und die regenschwere schürze drückt' sie schluchzend an die augen. Keller 10, 154. 1@gg)
man hält etwas unter die schürze,
um es zu verbergen, zu schützen u. ähnl.: (
sie) stieg auf den taubenschlag, und pustete, rieb sich die hände (
vor kälte), stekte sie unter die schürz'. Voss 2, 285.
ähnlich: er kömmt, so rief der (
vor furcht) aufgeregte bube, und drängte sich unter die schürze der alten. Gotthelf
Käthi cap. 12;
so sprichwörtlich: das wäre lustig, wenn jetzt ein jeder heim wollte, unter der mutter schürze sich verbergen.
Uli d. knecht (1846) 54. — einer under die schürze greifen,
scrutari ventrale Stieler 1942. 1@hh) an jemandes schürze hangen,
übertragen, einem frauenzimmer nachlaufen, von ihr nicht lassen können, vom liebhaber; in milderem sinne: ich vertraue gern auf die bitten meiner frommen schwester und hänge mich an ihre schürze. Freytag
ahnen 5, 32.
im bilde: da und dort erblinkt die Seine, diese magd, die ewig wandert, aber nie den herr'n entrinnet, die ihr an der schürze hangen. Keller 10, 216. 1@ii) die schürze küssen: sie ruft dem koch, voll erstaunen sieht er die gräfinn vor sich stehn, und sinkt ihr zu füszen, hört ihr verlangen hierauf, und küszt ihr zitternd die schürze. Zachariä
s. 297 (
Phaeton 1, 76).
bildlich, einer die schürze streichen,
schmeicheln, den hof machen: der Franzose Marchand ist nach Dresden gekommen, hat sich hinter die Dehnhof gesteckt und ihr die schürze gestrichen, und so ist er zu einem concert bei hofe gekommen. Brachvogel
Friedem. Bach 1, 18. 22, 2@aa)
da die schürze
für gewöhnlich nur von frauenspersonen getragen wird, so dient sie als abzeichen und symbol des weiblichen geschlechts, vgl.: ein lust- oder trauerspiel in dem sich beinkleid und schürze präsentiren, und zwar ein, so bald es sich präsentirt, gebietendes beinkleid, dem alle schürzen unvermeidlich gehorchen, und gegentheils eine eben so mächtige schürze, die, nachdem man sie einmal gesehen, alles erlaubt macht. Herder 23, 398
Suphan; und zuletzt wird die fremde einen andern kerl aus dir machen, der mit der art, die schürzen trägt, besser umzuspringen weisz. Ludwig 1, 156.
als abzeichen der weiblichen thätigkeit: den eersten morgen (
nach der hochzeit) heet et: fix! nim du de schört, gif mi de büx! Voss 2, 161. 2@bb)
daher auch schürze
metaphorisch geradezu für frauenzimmer, vgl. Kluge
studentensprache 124
a: freylich könnte ich dann parthien thun, die mich mit den gröszten familien im lande in verbindung brächten: aber, man dächte dann doch wohl, dasz ich einer schürze mein glück verdankte. Weisze
lustsp. 2, 222; Buchen ist ein leichtsinniger mensch, der jeder schürze den hof macht. Zedlitz
dram. werke 4, 3; aber die schürzen bei hofe finden es schö
n. Brachvogel
Friedem. Bach 1, 18; damit ich wenigstens einen freien menschen habe, an den ich mich halten kann, einen menschen, der nicht in den fesseln der schürzen steckt. Benedix
dram. werke 9, 188 (
lustsp. 3, 8); fünf jahr is's, dasz ich nach keiner schürze frag'. Anzengruber
3 2, 180.
so in sprichwörtern wie: er ist in jede schürze verliebt; wer jeder schürze nachläuft, bringt keine unter die haube; die schürzen sind hier klüger als die hosen. Wander 4, 393. 33)
zuweilen tragen auch männer schürzen,
doch sagt man dafür lieber schurz (
bez. schurzfell,
s. daselbst): um die lenden hatte er (
der geisterseher) eine weisze schürze geschlagen, die mit geheimen chiffern und symbolischen figuren bezeichnet war. Schiller 4, 214.
so besonders gewisse handwerker (
vergl.schurz 1,
d): bader erkennt man an der schürze. Göthe 8, 38 (
Götz 1); wie schürzen die handwerker (
unterscheiden), die gelbe den gärber, die grüne den glaser, die braune den tuchmacher, die weisze mit einem rothen ochsen den fleischer. J. Paul 31, 2 (
nach Campe
tragen tuchmacher und weber gewöhnlich grüne tuchschürzen, färber blaue leinwandschürzen).
vergl. auch die zusammensetzungen bader-, frisier-, glaser-, lauferschürze (
theil 6, 329)
u. a. m.: ein knabe, der eine frisirschürze umgegürtet und ein weiszes jäckchen anhatte. Göthe 18, 142; der kellner kam und brachte ein gesicht mit, das der hoffnung, deren farbe seine glaserschürze trug, auf der stelle das leben nahm. J. Paul
palingenes. 1, 93. 44)
technisches und besonderheiten. 4@aa)
in der jägersprache die langen haare an den äuszern geschlechtstheilen des weiblichen rehes, s. Jacobsson 4, 66
a, '
am feuchtblatte des roth-, damm- und elenwildes' Behlen 5, 558. Thüngen
weidm. pract. 309,
vgl.schurz 4,
d: bei dem rehwildpret aber welches an statt der ruthen hinten einen zopf lange weisze und starke spiszhaare hat, wird solcher genennet die schürze, anderswo der spiegel, die scheibe; eben so heiszet auch das weiszgilbige haar, das dem rothwildpret hinten um die keulen her sitzet. Heppe
leithund 205; auch die ricke hat keine blume, sondern das waidloch sowohl als das feigenblat unter demselben, liegt frey, aber aus dem leztern hängt ein langer zopf haare, den man die schürze nennet, und woran man von hinten gleich, in einiger entfernung, eine ricke von einem bock unterscheiden kann.
jagdl. 1, 186. 4@bb) '
bei gänsen, enten, putern u. s. w. der theil der haut vom brustknochen bis zum steisze, welcher aufgeschnitten wird, wenn man das thier ausnimmt und durch welche man die füsze des thieres zu stecken pflegt' Campe. 4@cc)
ausdruck des lederhandels, eine art schaffelle (?): braune schaffelle (lohgare), sehr begehrt, wurden je nach qualität und grösze und zwar grosze waare mit 60—63 thlr. per 100 stück bezahlt, mittelgrosze 35—40 thlr. per 100 stück. schürzen je nach schwere bis 11 thlr. per decher (10
stück).
meszber. aus Leipzig im Frankf. journ. vom 27.
april 1873, 2.
beil. 2
b. 4@dd)
im bergwesen schürzen, fangschürzen, '
an dem wassergöpel kurze ketten, woran die schachtstangen gehangen werden, und die nur so lang sind, dasz das zeug damit ohne hindernis auf- und abgehen kann' Jacobsson 2, 66
b;
vgl.schurz 4,
b. 4@ee)
eine schaar von menschen. so gebraucht man auch schürze
in der bei schurz 5,
c erklärten bedeutung. —
ferner früher in Königsberg eine vereinigung von malzbräuern, die einander bei ausgegangenem biervorrat aushalfen Frischbier 2, 323
c. 4@ff)
im bergwesen auch schürzen, n. (?),
eine schwebende strecke Scheuchenstuel 219. Veith 434.