Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
schnöde Adj.
schnöde Adj.
schnöde Adj. ‘verächtlich, geringschätzig, gemein’, mhd. snœde ‘Verachtung ausdrückend, vermessen, übermütig, rücksichtslos’, mit passivischer Bedeutung ‘verächtlich, ärmlich, erbärmlich, schlecht, gering’, mnd. snȫde ‘wertlos, klein, gering, armselig, schlecht, kümmerlich, ungesund, gemein, ehrenrührig’, mnl. snōde, nl. snood ‘verrucht, boshaft, niederträchtig’, anord. snauðr ‘arm, kahl’, schwed. snöd ‘schnöde’, ablautend aengl. besnyþian ‘berauben’ sowie anord. snoðinn ‘kahlgeschoren’, frühnhd. (alem.) beschnotten ‘knapp, kaum hinreichend’ (15. Jh.) und anord. snøggr ‘kurzhaarig’. Geht man von einer Bedeutung ‘beißend, greifend, schnappend’ mit Weiterentwicklung zu ‘kahl, geschoren’ aus, so ist Anschluß der genannten Formen an die verbreitete lautmalende, mit germ. sn- anlautende Wortgruppe (s. Schnabel) möglich. Allerdings kann auch aind. kṣṇáuti ‘schleift, wetzt, schärft’, kṣuráḥ ‘Rasiermesser’ und lat. novācula (als Ableitung von *novāre aus *ksneu̯ā-) ‘Scher-, Rasiermesser’ vergleichend herangezogen werden, so daß sich über ie. *ksneu- Anschluß an die Wurzel ie. *kes- ‘kratzen, kämmen’ (wozu aslaw. česati ‘kämmen, abstreifen’) bzw. deren Erweiterung ie. *ksen-, *kseu- ergibt. Während in älterer Sprache die ursprüngliche passivische Bedeutung vorherrscht, heute nur noch in Wendungen wie schnöder (‘erbärmlicher’) Lohn, Undank, schnödes Gold, setzt sich in nhd. Zeit die mhd. noch zurückstehende aktivische Bedeutung ‘Geringschätzung, Verachtung ausdrückend’ durch, vgl. eine schnöde (‘gemeine’) Antwort, jmdn. schnöde (‘geringschätzig’) behandeln.