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schlaraffe

nhd. bis Dial. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlaraffe

Bd. 15, Sp. 493
schlaraffe , m. faulenzer, wollebender müsziggänger, auch narr. mhd. sluraff, in einem zinsbuche des klosters Allerheiligen als familienname. Mone anz. 8, 615. wahrscheinlich zusammensetzung von slûr, m., das faulenzen und der faulenzer. Lexer mhd. handwb. 2, 992 und affe im sinne von thor. vgl. Weigand4 2, 582. sluraffe bietet auch die mnd. übersetzung von Brants narrenschiff, wo es wol als etymologisch nicht verstandenes lehnwort aus dem hd. aufzufassen ist: de sluraffen sint noch mannigerhande. Zarncke Brants narrensch. 459b. im aleman. des 15. und 16. jahrh.: schluraff (der) vast schläfferig mensch, veternosus. Maaler 357a; das schluraffen schiff. Brant narrensch., s. unten schlaraffenschiff. im heutigen ruhlaischen schluiraff, schlaraffe, nichtsnutz. Regel 262. sonst zeigt das frühere nhd. die regelrechte diphthongierung des mhd. û, so bei H. Sachs und noch bei Stieler. H. Sachs schreibt auch schlaweraffenland, belege s. unter schlaraffenland. allmählich wurde der ursprung des wortes vergessen und der accent auf die zweite silbe verlegt. so entstand die heute übliche form schlaraffe (vgl.malaffe als nebenform zu maulaffe, oben theil 6, 1797), die um 1600 aufgekommen oder allgemeiner üblich geworden ist. die ältesten belege dafür s. ebenfalls unter schlaraffenland. in Brants narrenschiff erscheint neben schluraffe (s. oben) in der bedeutung müsziggänger schluderaffe, eine form, in der wol eine beziehung zu schludern, schlendern, nachlässig arbeiten, mhd. slûdern, schleudern, schlenkern Lexer mhd. handwb. 2, 990 vorliegt, mag sie nun, wie Zarncke Brants narrensch. 455 annimmt, die ursprüngliche gestalt des wortes darstellen, oder, was mehr für sich hat, durch spätere anlehnung entstanden sein. vergl. oben schlaweraffe: die gelerten müssen sich schier schamen ir ler, und kleyt, und jres namen .. man spricht schow, umb den schluderaffen der tüfel beschiszt uns wol mit pfaffen. 163, 118 Zarncke. eine entsprechende bildung mit diphthongiertem vocal bietet Stieler: schlauraffen- sive schlaraffenland, .. quasi der schlauderaffen land, otiosorum ingeniorum quaelibet somniantium regio beata et voluptuosa. 1063. schlauderaff war nach Vilmar 353 lange zeit ein Marburger familienname, der erst vor kurzem ausgestorben ist. mundartliche entstellungen des worts zeigen das östr.-schles. schndffland und das schwäb. araffenland. Pöschel in Paul und Braunes beitr. 5, 417. 11) für das alter der verbindung des märchens von der Utopia mit diesem ausdrucke liefert der von Mone a. a. o. beigebrachte beleg vom jahre 1347 keinen beweis. die ältesten deutlichen zeugnisse dafür sind aus dem 15. jahrh., vgl. schlaraffenland. es kann wol als sicher gelten, dasz das wort zunächst ohne beziehung auf die Utopia gebraucht worden ist. die fastnachtspiele bieten es mehrfach in verbindung mit anderen, meist komischen namen, woraus für die bedeutung jedoch nicht viel zu erschlieszen ist: her Schlauraff und her Rudiger, her Ocker und Lullzapf, tret her. 259, 12; darum, Lapp, Götz, Löffel und Droll, Maulfrank, Haunolt, Schlauraff und Knoll, Molkenpauch und wer ir seit, seit mit eur pulschaft vor ungheit und pit euch voln zuo wünschen hail, das jar zuo ziechen am narrensäil. 287, 4; Lullap, Seutut und Studvol, Weidenstuck, Schlauraff und Fleuchdenzol, Fiselman, Lantschalk und her Feltrud tret her und laszt eur henderl verstan! 372, 11; Lullars, Schlauraff und Flauchdensol, Schlotmok, Lantschalk und der Foltrud .. dret her und last eur hendel ferstan! 790, 13. im früheren nhd. erscheint es sonst deutlich im sinne von faulenzer, träger, arbeitsscheuer mensch: die neunten seind schluraffen, das seind die fulen und tregen, sie ligen allwegen darnider, die gefallen alle dem tüfel wol. Keisersberg brösaml. 1, 59b; und du schlauraff (im original spensolato) mir zu haus kummest, wann du arbeiten soltest. Bocc. (1535) 140b. so wird es auch heute noch landschaftlich gebraucht. 22) durch die besondere beziehung auf geistige trägheit, denkfaulheit entwickelt sich dann wol die bedeutung 'einfältiger mensch, thor', die die folgenden stellen zeigen: (schöffe:) seit ain mal ich das köden schol, so gefallt es mir von in peden (den processierenden) nit wol, und halt sie für recht schlauraffen, das sie so vil red ausz eim solchen machen. fastnachtsp. 610, 13; do ich (ein unmuthiger, nicht erhörter liebhaber) sasz also gedenken, die sprach: schluraff, wie wilt henken din kopf so ganz uf die erden? Zimm. chron.2 1, 589, 6. an den mit absicht thörichten, närrischen, den fastnachtsnarren erinnert es, wenn sich die mitglieder einer weitverbreiteten verbindung, die wol aus den rheinischen carnevalsgesellschaften entstanden, unter närrischen formen heitere, durch die kunst verschönte geselligkeit und treue freundschaft pflegen will, Schlaraffen und ihre gesellschaft schlaraffia nennen. in zusammenhang damit steht der landschaftlich, so im Unter-Elsasz übliche gebrauch von schlaraff im sinne von larve, maske. damit darf man dann vielleicht das bair. schlaraffel, f. als verächtliche bezeichnung eines alten weibes Schm.2 2, 532 in verbindung bringen, so dasz es eigentlich 'häszliche larve, scheusal' bedeuten würde. 33) indem das fabelhafte land des müszigganges (Cucania, franz. Coquaigne, Cocagne, vgl. Pöschel a. a. o. 404), in dem jeder genusz ohne arbeit jedem zu theil wird, mit dem namen schlaraffenland bezeichnet wurde, bildete sich die heutige bedeutung 'wollebender müsziggänger' heraus. der schlaraffe wurde gewissermaszen der bewohner dieses landes, der in mühelosem genusse sein leben verbringt: die welt ist nicht aus brei und mus geschaffen, deswegen haltet euch nicht wie schlaraffen; harte bissen giebt es zu kauen: wir müssen erwürgen oder sie verdauen. Göthe 2, 266; Faustin, ein müsziger schlaraffe, sasz tag und nacht bey wein und spiel. Langbein ged. (1800) 2, 114; das land der schlaraffen: euch (mauern, die mit gedichten beschrieben sind) wird entzückt die künft'ge welt begaffen, denn jeder ort, wo meine Musen winseln, liegt ohnediesz im lande der schlaraffen. Platen 212a. vergl.Schlaraffen, n. und Schlaraffenland. der zusammenhang des wortes mit affe tritt deutlich hervor in der wendung schlaraffen feil haben, wie sonst maulaffen feil haben: dasz sie keinem menschen nütz seind, all dieweil sie da umb zoten gehen und schlauraffen feil haben. Westphal faul-teuffel F 3a; hae stt d unn ht schluiraffen feil. Regel 262; oberd., subst.: es braucht's nit dein albers, dein albers rumschwanzen und schloraffenfeilhalten, schlankelter bu! v. Ditfurth balladen des 16.—18. jh. bei Pöschel in Paul u. Braunes beitr. 5, 417.
6640 Zeichen · 120 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlaráffe

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Schlaráffe , des -n, plur. die -n, eine Person, welche ihr Leben in einem hohen Grade des trägen Müßigganges zubring…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schlaraffe

    Goethe-Wörterbuch

    Schlaraffe Bewohner des Schlaraffenlandes; im Vergl u Bildzshg Die Welt ist nicht aus Brei und Mus geschaffen,|Deßwegen …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schlaraffe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Schlaraffe (ältere Formen Slûraffe, Schlauraffe , zusammengesetzt aus mittelhochdeutsch slûr = Faulenzerei, und Affe), g…

  4. modern
    Dialekt
    Schlaraffef.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Schlaraffe f. : 1. a. 'Fastnachtsmaske', Schlaraff (šlaˈraf) [BZ-Billh Dernb, PfId. 123 Stoll 43, 185/86]; Pl. -e [ebd.]…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlaraffe

13 Bildungen · 13 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von schlaraffe

schlaraff + -e

schlaraffe leitet sich vom Lemma schlaraff ab mit Suffix -e.

schlaraffe‑ als Erstglied (13 von 13)

schlaraffengesicht

DWB

schlaraffen·gesicht

schlaraffengesicht , n. verzerrtes, lächerliches gesicht, wie es in der baukunst dargestellt wird. Jacobsson 7, 229 a , auch gesichtsmaske, …

schlaraffenland

DWB

schlaraffen·land

schlaraffenland , n. das erdichtete land der schlaraffen, älter Schluraffen-, Schlauraffen-, Schlaweraffenland, mnd. Sluraffenlant. vgl. sch…

schlaraffenleben

DWB

schlaraffen·leben

schlaraffenleben , n. leben, wie es die Schlaraffen führen, müsziges genuszleben, leben ohne sorgen, in Wien mit schlimmer nebenbedeutung da…

schlaraffenschiff

DWB

schlaraffen·schiff

schlaraffenschiff , n. : das schluraffen schiff, titel eines capitels von Brants narrenschiff bei Zarncke 104 b ( cap. 108). zu der form ver…

Schlaraffentraum

GWB

schlaraffen·traum

Schlaraffentraum im Bild Der Handel mit dem Auslande stockt und selbst der innere Verkehr..so mögen die Einzelnen denn..aus dem S., in dem s…

schlaraffenwelt

DWB

schlaraffen·welt

schlaraffenwelt , f. welt der Schlaraffen, erdichtete welt des genusses, in bildlicher verwendung: das mädel sezt sich alles teufels gezeug …

Schlaraffenzeit

GWB

schlaraffen·zeit

Schlaraffenzeit für eine Zeit sorglosen Genusses u Überflusses [ Goethes Ersuchen während der frz Besatzung, ihm das Haus am Frauenplan zu ü…