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schlaff

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schlaff adj.

Bd. 15, Sp. 292
schlaff, adj. laxus, remissus, mhd. slaf, gen. slaffes, ahd. slaffer, slapher Graff 6, 802, mnd. nnd. slap, mndl. nndl. ebenso. schlaff scheint in naher etymologischer beziehung zu schlafen zu stehen (vgl. dieses I). man hält auch das gleichbedeutende adj. schlach für urverwandt (s. dieses) und vergleicht auszerhalb des germanischen griech. λήγω, λαγαρός, lit. slygti, schlummern Fick4 1, 577. nach einer anderen vermutung ist schlaff mit altslov. slabŭ, schlaff, schwach und lat. labi, labare zusammenzustellen Kluge5 324b. — der comparativ, der ahd. als slaffor, slaphor bezeugt ist Graff 6, 803, lautet nach Steinbach 2, 425 sowol schlaffer als schläffer, heute meist schlaffer. — über den gebrauch von schlapp im hochd. vgl. dieses. 11) bei der spärlichkeit älterer zeugnisse für schlaff, das ahd. remissus, marcidus, torpens, mollis, debilis, desidiosus, dissolutus, iners, ignavus glossiert Graff 6, 802, läszt sich die bedeutungsentwicklung des wortes an der hand der belege nicht verfolgen. wenn die allgemein gebilligte annahme eines etymologischen zusammenhangs mit schlafen richtig ist, so liegt es nahe, die beziehung auf den schlafenden oder matten, erschöpften körper, der der spannenden kraft ermangelt und den eindruck des losen, welken macht, als den ältesten gebrauch zu bezeichnen. so heiszt es mhd.: sumeliche aldâ sâhen geschoʒ von den luften kumen, daʒ hete schiere benumen den ir leben, die eʒ traf, wande eʒ machte sie sô slaf, daʒ sie nider vielen tôt. pass. 196, 52 Köpke. heute wird in solchem sinne meist die form schlapp verwandt. in der sprache des heeres schlapp werden, eine schlappe haltung. von theilen des körpers, die nicht angespannt, sondern lose, locker sind: mit schlappem, schlaffem arme schreiben, adverbial den arm schlaff herunter hängen lassen. ebenso mit bezug auf den thierkörper, schlaffe ohren, die herab hangen, nicht gerade in die höhe stehen. Campe: ein pferd hat schlaffe ohren, wenn es krank ist. Adelung; er (Calmuck, ein pferd) stand im öden stall, und hieng die schlaffen ohren. Zachariae renomm. 3, 281. schlaffe haut, welke, nicht gespannte, straffe. schlaffe züge des antlitzes. ähnlich: der runtzeln schlaffe wunden verstellen meine haut. Fleming (1666) 114. 22) von da aus mag es übertragen sein auf andere sinnliche dinge, die dem schlaffen körper und seinen theilen ähneln, besonders wenn sie wie er der kräftigen spannung und straffheit fähig sind. so wird es der gegensatz zu 'gespannt, straff, steif' in allgemeiner sinnlicher anwendung: laxus, das nicht gedan (gedehnt) ist, slaff. voc. von 1482 bei Lexer mhd. handwb. 2, 952. von bogen, schlaffer bogen, arcus remissus, relaxatus Stieler 1806: mnd. een boghe, de altoes ghespannen is, de wort enter (entweder) slap edder tobreckt. quelle bei Schiller - Lübben 4, 229a. von der bogensehne und anderem ähnlichen: schlaffer zügel Steinbach 2, 425, von seyten (saiten) Gottsched sprachkunst (1762) 138; schlaffes seil, schlaffe sehne Adelung; diese barken waren blosz mit ballast angefüllt, und hiengen jede an einem doppelten aber schlaffen ankerthau, um dem anschwellenden strome nachgeben zu können. Schiller 9, 52; in bildern: sus wurden alle die seiten (des saitenspiels) slaf wande si zubrochen hiengen dekeinen galm entfiengen dar abe si clungen alsam ê. pass. 79, 20 Hahn; schaue des todes zerbrochenen bogen unter den füszen, schaue die sehne die auf dich gezogen schlaff und zurissen. A. Gryphius (1698) 2, 266; freier: si wanderte also ebene do si Cristes minne traf, daʒ ir wart irdesch leben slaf swie sichs ir vor vil hô ûf spien. pass. 373, 39 Hahn. von losem, weichem, schlotterndem zeug: schlaffe wäsche, die durch den gebrauch ihre steife verloren hat. Adelung; was frommte dir nach einem halben säculum beständiger entbehrungen ein rittergut, wann dir in schlaffer hose knackt das morsche knie? Platen 253. ähnlich schlaffe winterstiefeln Jacobsson 7, 225a (in der sprache des heeres ist schlappstiefel soviel wie schlapper kerl, schwächlicher, wenig ausdauernder mensch). schlaff von blumen, welk: mich ärgern würd' es, flattern sehn welke festons und schlaffe rosen. Immermann 13, 259 Boxberger. anders in der botanik schlaffe traube, biegsame Campe, in gleichem sinne schlaffer stengel ebenda, schlaffe frucht, in der der same lose ist. ebenda. freier in nautischer sprache schlaffer wind, wind von geringer stärke. Jacobsson 7, 225a, gegensatz zum steifen wind. mhd. zeigt slaf in der anwendung auf sinnliche dinge auch den weiteren sinn von kraftlos, machtlos: Christinen was daʒ vuer slaf (konnte ihr nichts anhaben), wand sich ir dekeine nôt von der grôʒen hitze erbôt. pass. 343, 38 Köpke. 33) wie von körperlichen zuständen schon in alter zeit von geistiger oder moralischer mattigkeit, kraftlosigkeit: slaphen glosse zu dissolutis (corde). Jes. Sir. 2, 15. Steinmeyer-Sievers 1, 564, 62; slapher glosse zu remissus (in operibus tuis). Jes. Sirach 4, 34. ebenda 1, 566, 23; schlaffe seele: ein system läszt sich nicht zur belustigung noch mit einer schlaffen seele lesen, womit man etwa einen roman lieset. Adelung; hier (bei wilden) konnte die schlaffe seele noch nicht einmal eine erfahrung fest halten, die sich doch täglich wiederhohlte. Schiller 9, 86; wenn Wielands ausgespielte flöte nun auch nicht mehr die schlaffe seele rührt. Thümmel reise 7 (1803), 132. schlaffes herz: nichts rührt sein schlaffes herz, als kluge münzgesetze. Hagedorn 1, 121. von eigenschaften der seele, des gemüts: sîn grimmekeit wart an im slaf, die sich ein teil von im brach. pass. 122, 92 Köpke; sîner tugende wart niht slaf, swaʒ ouch sich an im sachte. 598, 82. mit bezug auf verstand, gedanken: die sinne wâren im alle slaf der er zu kunste nicht enwielt. Marienlegenden 15, 34 Pfeiffer; swes in hete vor bedûcht von manigen valschen abgote, daʒ gedêch nu gar zu spote unt wart alleʒ an im slaf. pass. 549, 51 Köpke. auch von dem, worin sich innere schlaffheit äuszert: allen übeln der kultur muszt du mit freyer resignation dich unterwerfen, muszt sie als die naturbedingungen des einzig guten respektieren; nur das böse derselben muszt du, aber nicht blosz mit schlaffen thränen, beklagen. Schiller 10, 441. 44) wie matt, kraftlos, machtlos in allgemeiner unsinnlicher anwendung: ach sobald sie (die umarmung) zerfallen ist, so hat dieses schlaffe leben nichts stärkeres mehr, womit es euch verknüpfen kann, als den anfang des — zweiten. J. Paul Hesp. 1, 248. 55) wie schlaff machend, erschlaffend, sinnlich: schlaffes wetter, den körper schlaff machendes. unsinnlich: daher müssen sie (die hofleute) fremde fehler den ganzen tag in ohren haben gegen die schlaffe weile. J. Paul Hesp. 2, 51.
6701 Zeichen · 105 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schlaff

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Schlaff , -er, -este, adj. et adv. Mangel an der Spannung, an der Steife habend; im Gegensatze dessen was straff und ste…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schlaff

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    schlaff einmal Subst neutr in Kleinschr kraftlos a körperlich spannungslos; einmal mit der Konnotation des Leblosen Dant…

  3. modern
    Dialekt
    schlaffAdj.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schlaff Adj. : 1. 'locker, ohne Spannkraft', schlaff [vereinzelt, Lambert Penns 134]; vgl. schlapp 1. — 2. 'sanft, gelin…

  4. Spezial
    schlaff

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schlaff adj. 1 (nicht gespannt) löcher (-ri, -ra) 2 (welk) flace (-ci, -cia) 3 ‹fig› (matt, kraftlos) flace (-ci, -cia) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schlaff

30 Bildungen · 24 Erstglied · 0 Zweitglied · 6 Ableitungen

Zerlegung von schlaff 2 Komponenten

sch+laff

schlaff setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schlaff‑ als Erstglied (24 von 24)

schlaffeln

SHW

schlaff-eln Band 5, Spalte 333-334

schlaffern

SHW

schlaff-ern Band 5, Spalte 333-334

schlaffdarm

DWB

schlaff·darm

schlaffdarm , m. : slafdarm, omentum. quelle bei Schm. 2 2, 507, vielleicht dasselbe wie schlackdarm ( s. dieses oben sp. 255).

schlaffdrmelig

ElsWB

schlaffdrmelig Adj. schlaftrunken. ‘Ja das ... Gesind ist jhm kaum Gehorsam: Ist murrisch, widerbefftzig ... schlaffdrmelig’ Fisch. Garg. …

schlaffen

DWB

sch·laffen

schlaffen , verb. zu schlaff, schlaff sein oder werden, ahd. slaffên, tabescere, torpere, torpescere, gislaffet, hebetatus Graff 6, 804 , mh…

schlaffenster

DWB

schlaf·fenster

schlaffenster , f. fenster im schlafzimmer, nd. slpfinster Woeste 239 b : sie ( die nachtigall ) flog den berg, den tiefen thal, bis dasz s…

schlafferer

DWB

schlaff·erer

schlafferer , m. et schlapper, elumbis, segnis, jacens, supinus, segnior, languidior, solute ac negligenter agens, somno torpidus, languidum…

schlaffern

RhWB

schlaf·fern

schlaffern -af- MGladb schw.: habgierig zusehen. — Abl.: die Schlaffer(er)ei, dat Geschlaffer(sch); schlafferig, der Schlafferjanes Habgieri…

schlaffheit

DWB

schlaff·heit

schlaffheit , f. zustand des schlaffen, ahd. slafheit Graff 6, 804 , mhd. ebenso. die glossen sopor, slaffhayt Dief. 542 c , schleffhayt nov…

schlafficht

DWB

schlaf·ficht

schlafficht , adj. et schlappicht, flaccidus, remissus, languidus, et idem quod schlaff. Stieler 1806 : schlaffichter als eine welke rube. 1…

schlaffieber

DWB

schlaf·fieber

schlaffieber , n. fieber, das mit einer unnatürlichen neigung zu schlafen verbunden ist, febris soporosa Campe, febris typhodes Stieler 479 …

Schlaffittich

Wander

schlaf·fittich

Schlaffittich Sie kriegt mich beim Schlaffittich. – Holtei, Eselsfresser, 212. Einen beim Schlaffittchen nehmen, kriegen. In Litauen auch: B…

Schlaffittig

Campe

schlaf·fittig

Х Der Schlaffittig , — es , o. Mz . wahrscheinlich aus schlaff und Fittig zusammengezogen, ein schlaffer oder schlapper herabhangender Fitti…

schlaffke

DWB

schlaffke , m. in Ost- und Westpreuszen ein name des brassen, cyprinus brama. Frischbier 2, 279 a und 1, 108 a .

schlafflamme

DWB

schlaf·flamme

schlafflamme , f. flamme, die die zauberische kraft besitzen soll, zu verhindern, dasz die schlafenden bewohner eines hauses erwachen, von e…

schlaffrau

DWB

schlaf·frau

schlaffrau , f. 1 1) beischläferin, in älterer sprache. Schm. 2 2, 507. Lexer mhd. handwb. 2, 956 . in der form schlouffrowe ( vgl. schlauf …

schlaffung

DWB

schlaf·fung

schlaffung , f. das schlaff werden, sein. Stieler 1806 ( vgl. oben schlaffheit), slaffunge, liquescentia Dief. 332 c . heute nur noch im com…

Ableitungen von schlaff (6 von 6)

erschlaffen

DWB

erschlaffen , 1 1) intr. elanguescere, torpescere, dissolvi, ahd. arslafên ( Graff 6, 804 ): die kräfte erschlaffen; der mage ist erschlaft;…

erschlaffung

DWB

erschlaffung , f. torpor: die erschlaffung des deutschen reichs.

geschlaff

DWB

geschlaff , adj. schlaff, nicht genug angespannt Knothe wb. d. schles. mundart in Nordböhmen 251 .

geschlaffen

PfWB

ge-schlaffen , ge-schläpfen schw. : ' auftauen und schlüpfrig werden ', vom gefrorenen Boden, gschlaffe, 's gschlafft [verbr. mittl. u. südl…

unschlaff

DWB

unschlaff , adj. , gth. v. schlaff: Lavater physiogn. fragm. 2, 270 . —