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scherzen

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

scherzen verb.

Bd. 14, Sp. 2597
scherzen, verb. jocari. wort, das vor der mhd. zeit nicht belegt werden kann und von dunkler herkunft ist. die annahme Weigands, dasz es mit ahd. skerôn mutwillig sein, zusammenhänge, ist schwerlich richtig. in verwandtschaft steht mhd. scharz sprung, entlehnt ist ital. scherzare (Diez4 397) schäkern. die formen gehören der schwachen conjugation an, doch wird bei Grimm Reinhart s. 387 aus dem renner eine starke präsensform er schirzet angeführt. Bedeutung. 11) von thieren, froh, mutwillig springen, mutwillig sein, dann auch in geschlechtlichem sinne, vgl. 2, a: sîn scherzen unde sîn schal (vom esel) was sô vreislich und alsô grôʒ. Reinhart s. 383; eins tages sach ichn scherzen (den hahn) mit sînen gspunsen ime garten. s. 394; (man) laet in scherzen als ein visch, mit twerhen sprüngen als ein hasen. K. v. Haslau der jüngling, in Haupts ztschr. 8, 563, 412; sie grînent sam die hunde und scherzent sam diu kelber. Berthold v. Regensburg 1, 46; daʒ diu wisel mit dem hasen schimpf und scherz. Megenberg 149, 16; und als sich die feltmus geilten und scherczten under ainander. Steinhöwel Äsop 102 Österley; walfische, die du gemacht hast, das sie drinnen (im meere) scherzen. ps. 104, 26; eigenthümlich vom rufe des kuckuks: der guckguck scherzt, der aurhan pfalzt. Uhland volksl.2 185. noch jetzt mundartlich vom wilden laufen des rindviehs bei groszer sommerhitze Frommann 4, 489. 6, 201. Lexer 218. Albrecht 199. Zingerle 49, oder überhaupt = hastig laufen Frommann 6, 174. 201, in der sprache der jäger vom spielen des jungen wildes unter einander v. Train 1, 266. scherzen, hüpfen in übertragener anwendung: diu (die seele) mac wol von fröuden scherzen. Lampr. v. Regensburg 4185. 22) übertragen auf den menschen, munteres thun oder muntere rede pflegen. 2@aa) vom tändeln, kosen im liebesverkehr, in derbem sinne: peculari schertzen mit den frauwen unzimlich. Dief. 419a; ward gewar, das Isaac scherzet mit seinem weibe. 1 Mos. 26, 8, vgl. dazu die umschreibung: (da Isaac) mit seiner Rebecca schertzte unnd guter ding war unnd sie lacheten unnd tiletzeten freundlich mit einander, sihet es der Philister könig. Mathesius hochzeitspredigten (1579) 38b; es leiden auch die weiber nicht, das man mit jnen scherze. Henneberger preusz. landtafel (1595) 161; schärzt ein alter mit einem jungen weib, so lacht der todt. Lehmann 165; ze hant begunt er scherzen mit ir an einem bette. ges. abent. 2, 224. in harmloser anwendung: schertzen, kurtzweilen, ludere, jocari, nugari Maaler 349d; di alten man mit groen perten die lieben mir nit als ser im herzen, als wenn die jungen mit mir scherzen. fastnachtsp. 738, 8; dein weib, die deines hertzens und hauses kron und ehr, wirt deines keuschen schertzens auch andren eine lehr. Weckherlin 286; Amandus setzt sich zu ihr und galanisirt mit derselben. Pickelh. macht sich indessen zur zofe und schertzet mit ihr. Schoch studentenleben K 5. besonders häufig in der liebeslyrik des 17. und 18. jahrh.: lieber will ich deine (Amors) schmerzen, als nicht küssen und nicht scherzen. Uz 1, 41; erlernt von muntern herzen die kunst beglückt zu scherzen. Hagedorn 3, 65; jeder scherzet, jeder herzet dann sein liebelein. Hölty 175 Halm; Zephyr scherzet mit des mädchens busen. 52; erinnern sie sich des reitzenden genius, halb faun, halb liebesgott, der flatterhaft um alle blumen scherzet, um alle buhlt, doch nur die schönsten herzet. Wieland 10, 107; unsinnlicher: ja, wenn die lippen auf lippen sich legen, wenn kusz und kusz mit ergetzlichkeit schertzet. Lohenstein 277; sie hatte kaum das flügelkleid und einen bessern putz empfangen, so scherzten witz und freundlichkeit in beiden grübchen ihrer wangen. Hagedorn 3, 91; allgemein von munterem reden oder thun: mit bœsen worten soltu lützel scherzen, dâ mite vertrîbestu der helle smerzen. meisterl. der Kolm. handschr. 187, 29; nach wollust meines hertzen wil ich heben an zu schimpffen und zu schertzen. bergreihen 40, 3 neudr.; geschertzt ist nicht geschimpfft. Günther 400; diu henn arbait vast in dem airsetzen, und singet doch nâch der gepurt, alsô nâch dem smerzen gêt die frawe scherzen. Megenberg 194, 2; muest obg'nanter bischof Oswald auch ainen priester seins ambts entsetzen, in die zal der laien rechen, das derselbig mit ainem evangelio nur gescherzt het; und der evangelier war vom gaul, het den hals abgefallen. Aventin chron. 2, 188, 11; dasz aber i. f. g. mit mir als derselben diener scherzten. Schweinichen 2, 86; scherze nicht mit einem groben menschen. Sir. 8, 5; guthertzig geschertzt. Garg. 15; mit groszen herren ist nicht allzeit gut schertzen. Olearius pers. reisebeschr. 343; badende nymphen im weiher, welche mit groszer unbefangenheit im wasser scherzten. Musäus volksm. 2, 21; von thieren: die beweglichen funken unzähliger leuchtender insekten, die in den gebüschen scherzten. 1, 55. übertragen: das gestad schertzt auch mit dem schiff, wann das wasser dem land zulieff. Fischart glückh. schiff 391: oder wandle mit mir, holde begleiterin (die phantasie) in die tage des flügelkleids, die in scherzendem tanz über mein haupt entflohn. Hölty 72 Halm; die heutigen zwiespalte der häuslichen liebe hatten seine ganze scherzende seele aus den fugen gezogen. J. Paul Hesp. 1, 114; mit einer scherzenden miene. Adelung. mit dem acc. und zusätzen der wirkung: die falten von der stirne, sorgen hinweg scherzen; ein witziger geist scherzte mir den hut vom kopfe. Rabener 2, 133; wird ein bild .. unterm plaudern aufs papier gescherzt. Göthe 29, 62; das laster .. scherzt die ernsthafte stimme der religion hinweg. Schiller 2, 9. 2@bb) im directen gegensatz zu ernst, im sinne des nicht ernst gemeinten, wahren: sie sprach: du solt nit scherzen, myn drut gesell, sag war! Altswert 141, 5; davon so lâ dîn scherzen, sît ich dich hân gesetzet ze fröuden mînem hertzen. Hadamar v. Laber jagd 696; darauf ohn alles scherzen er nach ihnen greifen läszt. wunderhorn 1, 135 Boxberger; stets spielen mit gefahr, mit strengem ernste scherzen, ist ihr gebräuchlichs thun. Fleming 220; mit frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen. Göthe 12, 164; der scherzenden, der ernsten maske spiel vereinigt uns aufs neu in diesem saal. Schiller prolog zu Wallenstein; wie? sollt ich's nun im ernst erfüllen müssen, weil ich zu frey gescherzt mit dem gedanken? Wallensteins tod 1, 3. 2@cc) mit dem sinne des leichtfertigen, selbst ungehörigen: gott seinen herren kennen und ihn tragen ihm hertzen, mit gott kheins wegs nit schertzen. Soltau volksl. 1, 448; gott gieb mir eînen geist, der nicht im glauben schertze und wancke hin und her. Fleming 21; der mit dem himmel scherzt. Opitz 1, 7; schaff in mir ein reines herze, einen neuen geist gieb mir, dasz ich ja nicht länger scherze mit der sünden lustbegier. L. A. Gotter ach mein Jesu, welch verderben; wie gewissenlos Laomedontier mit treu und glauben scherzen. Schiller Dido 99; wolan es ist fürwar hie nicht schertzens, sondern gilt entweder ewige seligkeit oder ewige verdamnis. Luther 3, 97. mit einer person oder sache scherzen, sie zum narren haben, ungehörig mit ihr umgehen: dann Philipp mit im nicht scherzen liesze. Lindener Katzipori 171; mit einem schieszgewehr ist nicht zu scherzen, es geht leicht los. 2@dd) transitiv, in der bedeutung verspotten, höhnen, in der sprache des 17. jahrh.: ihr hertzen böser art, ihr schnöden übelthäter, schertzt ja den himmel nit und die gedult der götter. Opitz 2, 53; Creon. hast du denn mein verbot gewust in diesen sachen? Antig. warum nicht? ja gewust. es war doch offenbahr. Creon. und hast du dies geschertzt, was doch befohlen war? 1, 177; ach wiedrige natur! du schertzest unsre schmerzen. Fleming 617; wil dich ein wetter schertzen, ein sturm ergretzen, rag beständig über ihn, dasz er mit spott und hohn den kürtzern müsse ziehn. S. Dach 651 Österley; gott lässet sich nicht schertzen. Rist sabb. seelenl. 37; so leichtfertig, dasz du uns in unserer äuszersten trübseeligkeit noch schertzest. Simpl. 1, 200, 9 Kurz; sagte .. Simplicium damit zu schertzen. 4, 248, 1; das kaiserliche jawort in acht zu nehmen, auf das solches nicht gescherzet werde. verhandl. der schles. fürsten u. stände vom j. 1618 s. 70; darumb wie sie durch ihr tägliches ausznehmen und tägliches verstoszen andre schertzet, also wird sie von andern wieder geschertzt. Opitz 2, 252; noch bei Gleim in diesem sinne: da stehen sie, die schönen um mich und sehn mich an! und scherzen mich und sagen: 'du bist ein alter mann!' 2, 294.
8513 Zeichen · 160 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schërzenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    schërzen stn. grôʒ unweter sunder scherzen Kirchb. 730,62. sîn ( des esels ) scherzen und sîn schal Reinh. s. 383. w. ga…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schêrzen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Schêrzen , verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    scherzen

    Goethe-Wörterbuch

    scherzen 200 Belege, iUz ‘spaßen’ mit etwa 25 Belegen; vereinzelt subst Inf 1 Späße machen, herumulken a durch Worte, Ve…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Scherzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Scherzen , das Spielen des Wildes untereinander, auch das Umherwerfen von Moos und Erde, das die Hirsche aus Mutwillen b…

  5. modern
    Dialekt
    scherzen

    Rheinisches Wb.

    scherzen šEtsə Rees-Wesel ; -Es- Elten schw.: absol. einen flachen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen; s. auch s…

  6. Sprichwörter
    Scherzen

    Wander (Sprichwörter)

    Scherzen 1. Beim Scherzen ist keine Ehrerbietung. – Simrock, 8979 a . Lat. : Jocus aufert reverentiam. ( Seybold, 259. )…

  7. Spezial
    scherzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    scher|zen vb.intr. 1 (im Scherz äußern) dí por damat 2 (Spaß treiben) fá damat, fá matades, matié (-iëia) 3 (sich vergnü…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit scherzen

8 Bildungen · 2 Erstglied · 3 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von scherzen 2 Komponenten

scher+zen

scherzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

scherzen‑ als Erstglied (2 von 2)

scherzengefieder

DWB

scherzen·gefieder

scherzengefieder , n. , wie scherzfeder, s. dort: geyle satyri und geyszmänlin, schertzengefider, höllhacken. Garg. 18 a ; das schertzengefi…

scherzenkraut

DWB

scherzen·kraut

scherzenkraut , n. name von sempervivum tectorum, in der gegend von Augsburg. Pritzel-Jessen 372 .

scherzen als Zweitglied (3 von 3)

durchscherzen

DWB

durch·scherzen

durchscherzen , eine zeit mit scherzen zubringen. 1 1. untrennbar. bis, nach durchscherzter nacht, die kühle morgenstunde die schatten und d…

verscherzen

DWB

versch·erzen

verscherzen , verb. mit scherzen zubringen, verbringen. 1 1) mit guter nebenbedeutung, die zeit verscherzen, unter scherzen hinbringen: nhd.…

Ableitungen von scherzen (3 von 3)

bescherzen

DWB

bescherzen , joco excipere, jocari, weniger als bespotten: sollte man das nicht bescherzen, was uns verdrieszt? Göthe 3, 294 ; jede art von …

Erscherzen

Campe

Erscherzen , v. trs. durch Scherzen erlangen, erhalten. Das Erscherzen. Die Erscherzung.

verscherzen

DWB

verscherzen , verb. mit scherzen zubringen, verbringen. 1 1) mit guter nebenbedeutung, die zeit verscherzen, unter scherzen hinbringen: nhd.…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „scherzen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/scherzen/dwb?formid=S07157
MLA
Cotta, Marcel. „scherzen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/scherzen/dwb?formid=S07157. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „scherzen". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/scherzen/dwb?formid=S07157.
BibTeX
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