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Schêrzen

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
20 in 15 Wb.
Sprachstufen
7 von 16
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schêrzen

Bd. 3, Sp. 1428
Schêrzen, verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, da es denn überhaupt solche Handlungen und Bewegungen vornehmen bedeutet, welche keine weitere Absicht haben, als sein Vergnügen, seine Lustigkeit an den Tag zu legen. In diesem Verstande scherzen die Kälber, die Hunde u. s. f. wenn sie sich erlustigen. Die Wallfische scherzen im Meere, Ps. 104, 26. Bey den Dichtern scherzen die Weste um das Laub, umscherzen die Blumen. In engerer Bedeutung scherzet man, wenn man Reden, und in noch engerm Verstande witzige Reden vorbringt, welche zur erlaubten Belustigung unserer und anderer dienen, andere zu einem anständigen Lachen bewegen. Mit einer Person oder Sache scherzen, sie zum Gegenstande seines Scherzes machen. Nicht mit sich scherzen lassen. Damit ist nicht zu scherzen. Über etwas scherzen. Mit einer scherzenden Miene, besser, mit einer scherzhaften. In beyden Fällen oft im Gegensatze des Ernstes. Es war nicht mein Ernst, ich habe nur gescherzet. Ein falscher Mensch geht mit seinem Nächsten betrüglich um, und spricht darnach: ich habe gescherzt, Sprichw. 26, 19. II. * Als ein Activum, für verspotten, verhöhnen. Opitz sagt von einem buhlerischen Frauenzimmer; wie sich durch ihr tägliches Aufnehmen und tägliches Verstoßen andere scherzet, also wird sie von andern wieder gescherzet. Scherzt ja den Himmel nicht und die Geduld der Götter, Opitz. Wenn hier ein Eselskopf mich den Poeten nennt, Und scherzt mich, wie er meynt, ebend. d. i. schimpft, so wie unser heutiges Schimpf ehedem gleichfalls Scherz bedeutete. Wer nicht würdig trinkt und isset, Der scherzt des Herren Leib und Blut, ebend. Im Hochdeutschen ist dieses thätige Bedeutung völlig unbekannt, obgleich noch Gleim singt: Da stehen sie die Schönen Um mich und sehn mich an, Und scherzen mich und sagen: Du bist ein alter Mann! So auch das Scherzen. Anm. Es kommt dieses Wort, so viel ich gefunden habe, weder in unsern ältesten Schriften noch in den sonst verwandten Sprachen vor, außer daß die Italiäner ihr scherzare daher entlehnet haben. Indessen hat es doch alles Ansehen eines sehr alten Wortes. Die Ableitungssylbe -zen ist bey vielen Zeitwörtern ein Zeichen eines Intensivi, und allem Ansehen nach ist scherzen ein solches Intensivum von scheren, entweder so fern es überhaupt, hurtige, lustige Bewegungen machen, oder auch so fern es aufziehen, verspotten bedeutet, welche Bedeutung wenigstens in dem Activo scherzen[] unläugbar ist. Merkwürdig ist nur, daß das Intensivum in der anständigsten Bedeutung üblich ist, dagegen scheren bis zum großen Haufen hinab gesunken ist. S. Scheren 2.
2648 Zeichen · 39 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    schërzenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    schërzen stn. grôʒ unweter sunder scherzen Kirchb. 730,62. sîn ( des esels ) scherzen und sîn schal Reinh. s. 383. w. ga…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schêrzen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Schêrzen , verb. reg. welches in doppelter Gestalt vorkommt. I. Als ein Neutrum, welches das Hülfswort haben erfordert, …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    scherzen

    Goethe-Wörterbuch

    scherzen 200 Belege, iUz ‘spaßen’ mit etwa 25 Belegen; vereinzelt subst Inf 1 Späße machen, herumulken a durch Worte, Ve…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Scherzen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Scherzen , das Spielen des Wildes untereinander, auch das Umherwerfen von Moos und Erde, das die Hirsche aus Mutwillen b…

  5. modern
    Dialekt
    scherzen

    Rheinisches Wb.

    scherzen šEtsə Rees-Wesel ; -Es- Elten schw.: absol. einen flachen Stein über eine Wasserfläche hüpfen lassen; s. auch s…

  6. Sprichwörter
    Scherzen

    Wander (Sprichwörter)

    Scherzen 1. Beim Scherzen ist keine Ehrerbietung. – Simrock, 8979 a . Lat. : Jocus aufert reverentiam. ( Seybold, 259. )…

  7. Spezial
    scherzen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    scher|zen vb.intr. 1 (im Scherz äußern) dí por damat 2 (Spaß treiben) fá damat, fá matades, matié (-iëia) 3 (sich vergnü…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit scherzen

8 Bildungen · 2 Erstglied · 3 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von scherzen 2 Komponenten

scher+zen

scherzen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

scherzen‑ als Erstglied (2 von 2)

scherzengefieder

DWB

scherzen·gefieder

scherzengefieder , n. , wie scherzfeder, s. dort: geyle satyri und geyszmänlin, schertzengefider, höllhacken. Garg. 18 a ; das schertzengefi…

scherzenkraut

DWB

scherzen·kraut

scherzenkraut , n. name von sempervivum tectorum, in der gegend von Augsburg. Pritzel-Jessen 372 .

scherzen als Zweitglied (3 von 3)

durchscherzen

DWB

durch·scherzen

durchscherzen , eine zeit mit scherzen zubringen. 1 1. untrennbar. bis, nach durchscherzter nacht, die kühle morgenstunde die schatten und d…

verscherzen

DWB

versch·erzen

verscherzen , verb. mit scherzen zubringen, verbringen. 1 1) mit guter nebenbedeutung, die zeit verscherzen, unter scherzen hinbringen: nhd.…

Ableitungen von scherzen (3 von 3)

bescherzen

DWB

bescherzen , joco excipere, jocari, weniger als bespotten: sollte man das nicht bescherzen, was uns verdrieszt? Göthe 3, 294 ; jede art von …

Erscherzen

Campe

Erscherzen , v. trs. durch Scherzen erlangen, erhalten. Das Erscherzen. Die Erscherzung.

verscherzen

DWB

verscherzen , verb. mit scherzen zubringen, verbringen. 1 1) mit guter nebenbedeutung, die zeit verscherzen, unter scherzen hinbringen: nhd.…