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Riemen

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Riemen

Bd. 3, Sp. 1110
Der Riemen, des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben auch häufig, der Riem, des -ens, plur. die -en; ein Wort, welches überhaupt eine Ausdehnung nach allen Seiten, besonders aber nach der Länge bedeutet. 1. * Eine Ausdehnung nach allen Seiten; eine im Hochdeutschen ungewöhnliche Bedeutung, in welcher es nur noch im Nieders. üblich ist, wo ein Riemen Papier so viel als ein Ballen, d. i. eine Zahl von 10 Rieß, ist; Engl. Ream. Obgleich alle Wörter, welche eine Ausdehnung in die Länge bezeichnen, auch eine Ausdehnung in die Höhe und Dicke bedeuten können, und sehr oft wirklich bedeuten, so kann doch Riemen in dieser Bedeutung auch füglich zu dem veralteten Riem, Reim, eine Zahl, gerechnet, oder auch als eine Figur von der folgenden Bedeutung angesehen werden, etwa, weil man eine solche Quantität Papieres ehedem mit Riemen zusammen gebunden. S. aber auch Remel, ein Bündel Flachs. 2. Noch häufiger aber, eine Ausdehnung in die Länge, ohne beträchtliche Breite und Dicke. 1) Überhaupt, wo es noch in verschiedenen einzelnen Fällen vorkommt. In der Baukunst werden die kleinsten Glieder, welche vornehmlich zur Absonderung der andern dienen, von einigen Riemen, von andern aber Plättlein genannt. Vitruv nennt sie Regulas, welches von Riemen nur im Endlaute verschieden ist. An den Wasserteichen werden die Riegel oder Querhölzer, welche die Pfähle verbinden, Riemen genannt, und im Nieders. ist Rimm ein jeder Riegel oder Querbalke, wo beyde Wörter auch nur im Endlaute verschieden sind. Mit vorgesetztem T ist Trahm im Oberd. ein Balken, Trabs, S. auch Trumm. Auch die Seitenbreter eines Schiffes heißen im Nieders. Rimmen. Bey den Fleischern werden gewisse schmale aus einem Rinde gehauene Streifen Fleisch Riemen genannt, wohin der Vorderriemen, der Wurzelriemen, und der ausgekörnte Riemen gehören. Ein Riemen Lachs ist im Niederdeutschen ein halber geräucherter Lachs, wegen seiner Länge und geringen Breite. Bey den Werkleuten einiger Gegenden wird der zehnte Theil des Quadrat- oder Kreuzmaßes und dessen Unterabtheilungen ein Riemen genannt, und alsdann ist das Riemenmaß so viel als das Kreuz- oder Quadrat-Maß, die Riemenruthe eine Kreuz- oder Quadrat-Ruthe, der Riemenschuh, der Riemenzoll, ein solcher Schuh oder Zoll. Besonders gehöret hierher das Niederdeutsche Riemen oder Riem, ein Ruder an den Galeeren und Schaluppen, entweder auch von[] der langen schmalen Gestalt, oder auch unmittelbar mit dem Stammbegriffe der Bewegung, von welchem jener nur eine Figur ist, so daß es von Ruder nur im Endlaute verschieden ist; Nieders. Reem, Lat. Remus, Franz. Rame, Griech. ερετμος, welches zunächst zu reiten, bewegen, gehören. Daher Nieders. reemen, riemen, rudern, Lat. mit der intensiven Ableitungssylbe -igen, remigare. Vermuthlich gehöret auch das Arab. Rumph und im Plural Rimah, eine Lanze, ein Spieß, hierher, so wohl wegen der Länge, als auch wegen der Bewegung, so fern er geworfen wird. 2) In engerm Verstande mit dem Nebenbegriffe der Biegsamkeit und des daraus herfließenden Begriffes des Bindens und Verbindens. (a) * Überhaupt, wohin das Re, Ree, Reim bey dem Hornegk gehöret, welches so wohl einen Fallstrick, als auch einen jeden Strick bedeutet. Im Wallisischen ist rhwym binden, und im Angels. Ream, Reama, ein jedes Band. Mit vorgesetztem Gaumenlaute ist im Schwed. Grimma und im Dän. Grieme die Halfter. Im Deutschen ist es in dieser weitern Bedeutung veraltet, wo man es, (b) im engern Verstande nur noch von einem ledernen Bande, von einem schmalen langen biegsamen Streifen Leders gebraucht. Der Bindriemen, Schuhriemen, Knieriemen, Nähriemen, Kutschenriemen u. s. f. Eine Kutsche hängt in Riemen, wenn der Kasten auf starken biegsamen ledernen Riemen stehet. An einem Pferdegeschirre hat man Brustriemen, Schwanzriemen u. s. f. Einem Pferde Riemen legen, S. Haarfeil. Die Riemen ziehen müssen, figürlich im gemeinen Leben, Geld suchen, bezahlen müssen, in die Büchse blasen müssen, wegen des mit Riemen versehenen ledernen Geldbeutels gemeiner Leute. Sprichw. aus anderer Leute Haut ist gut Riemen schneiden, auf anderer Leute Kosten oder mit anderer Leute Schaden ist es nicht schwer, sich einen Vortheil zu verschaffen. An kleinen Riemen lernen die Hunde Leder kauen, von kleinen Vergehungen gewöhnt man sich nach und nach zu größern Verbrechen. Anm. In dieser letzten engsten Bedeutung bey dem Ottfried Riumo, im Nieders. Reem, im Schwed. Rem, im Finnländ. Ruoma, im Griech. ῥυμα, welches aber auch einen Strick bedeutet, im Pohlnischen Rzemien, im Böhm Remen. Daß bey den Lateinern Remus nicht allein ein Ruder, sondern auch einen Riemen, Lorum, bedeutet habe, erhellet unter andern auch aus dem Servius. Die in den gemeinen Sprecharten übliche Form Riem klingt im Hochdeutschen hart und niedrig.
4745 Zeichen · 68 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    riemen

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    riemen s. rüemen.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Riemen

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Riemen , des -s, plur. ut nom. sing. im gemeinen Leben auch häufig, der Riem, des -ens, plur. die -en; ein Wort, wel…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Riemen

    Goethe-Wörterbuch

    Riemen 1 schmaler, geschmeidiger Lederstreifen a als vielseitig einsetzbares Utensil zum Befestigen bzw Sichern von Gege…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Riemen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Riemen (Remen , fälschlich Ruder) , das von Menschen gehandhabte Werkzeug zur Bewegung von Booten und kleinen Fahrzeugen…

  5. modern
    Dialekt
    riemen

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    riemen Band 6, Spalte 912 riemen 6,912

  6. Sprichwörter
    Riemen

    Wander (Sprichwörter)

    Riemen 1. An den riemen lernen die hund das leder fressen. – Franck, II, 70 a ; Egenolff, 310 a ; Gruter, I, 5; Lehmann,…

  7. Spezial
    Riemen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Rie|men m. (-s,-) 1 ciol (cioi) m. 2 (Lederband, Lederschnur aus Rohleder) juntla (-les) f. 3 (Leibgürtel) centöna (-nes…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit riemen

154 Bildungen · 98 Erstglied · 52 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von riemen 2 Komponenten

rie+men

riemen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

riemen‑ als Erstglied (30 von 98)

Riemen I

SHW

Riemen I Band 4, Spalte 1399-1400

Riemen II

SHW

Riemen II Band 4, Spalte 1399-1400

Riemenjoch

SHW

Riemen-joch Band 4, Spalte 1399-1400

Riemenacker

PfWB

riemen·acker

Riemen-acker m. : FlN. » Im Riemen oder Rühmen und auch Riemenacker beim Gänsbrückl sind schmale Ackerstücke« [BZ-Ingh (Der Wasgau-Bote 24. …

riemenâder

Lexer

rieme·nader

riemen-âder swf. an der riemenâdern er ir lieʒ, er dructe sie sô lîse, daʒ ir die sêle ûʒ gienc Mor. 1,4174. vgl. daʒ ich mit riemen lîhter …

riemenartig

GWB

riemen·artig

riemenartig zu ‘Riemen’ 1b; in metasprachl Zshg [ mBez auf die serbische Volksdichtung ‘Des Mohrenkönigs Tochter’ ] Das Wort, das Sie Gürtel…

riemenbein

DWB

riemen·bein

riemenbein , n. himantopus, auch riemenfusz oder dünnbein genannt, eine vogelart. Adelung.

Riemenbrot

RhWB

riemen·brot

Riemen-brot re·i.m- Saarbg-Schoden n.: nicht ausgebackenes Br., das einen Riemen 2 a δ hat.

Riemendreherei

Meyers

riemen·dreherei

Riemendreherei , Herstellung der runden und flachen Schnürriemen, Litzen oder Kordeln zum Schnüren von Schuhen, Korsetten, für Drehbänke und…

Riemenfisch

Meyers

riemen·fisch

Riemenfisch (Bandfisch , Regalecus Brünn .), Gattung der Stachelflosser aus der Familie der Bandfische ( Trachypteridae ), in den europäisch…

riemenfusz

DWB

riemenfusz , m. 1) ein flächenmasz: ist die fläche einen fusz lang und einen zoll breit, so wird diese ein riemenfusz genannt. Jacobsson 3, …

Riemengetaue

Meyers

Riemengang , Riemengetaue , s. Riemendreherei .

Riemenharz

RhWB

riemen·harz

Riemen-harz -hǫrts Bitb-Dudeld n.: präpariertes H. (zum Einfetten von Transmissionsriemen).

riemen als Zweitglied (30 von 52)

Backenriemen

Adelung

backen·riemen

Der Backenriemen , des -e, plur. ut nom. sing. an den Hintergeschirren der Pferde, Riemen, welche sich an den Hinterbacken befinden.

Bauchriemen

Adelung

bauch·riemen

Der Bauchriemen , des -s, plur. ut nom. sing. ein breiter Riemen, welchen man um den Unterleib schnallet, die Erschütterung des Eingeweides …

Bindriemen

Wander

bind·riemen

Bindriemen 1. Wenn es auf den Bindriemen kommt, ist niemand bei ihm zu Hause. Wenn es zur Sache selbst, zum Handeln kommt, will sich niemand…

Brustriemen

Adelung

brust·riemen

Der Brustriemen , des -s, plur. ut nom. sing. ein lederner Riemen an dem Vorderzeuge eines Pferdes, welcher um die Brust gehet; das Brustbla…

Bundriemen

Wander

bund·riemen

Bundriemen Es gehet um den Bundriemen. – Murner, Vom luth. Narren; Eiselein, 102. Die Sache wird ernst. Lat. : Medius teneris. ( Erasm., 440…

Büecherriemen

Idiotikon

Büecherriemen Band 6, Spalte 909 Büecherriemen 6,909

erriemen

MWB

err·iemen

erriemen swV. ‘nach etw. zielen, trachten’, mit Akk.: mocht ich selbe icht guͤtz derriemen, / ich hiet gern vollew vaz Teichn 144,64 MWB 1 2…

Färbepfriemen

Adelung

faerbe·pfriemen

Der Färbepfriemen , des -s, plur. car. oder ohne Artikel, Färbepfriemen, S. Adelung Färberblume .

geriemen

MWB

geri·emen

geriemen swV. ‘jmdn. binden, fesseln’ also mocht den menschen niemen / in der hell pant geriemen / noch in daz himelreich hin auf, / nur sei…

Hangeriemen

Adelung

hanger·iemen

Der Hangeriemen , des -s, plur. ut nom. sing. derjenige Riemen, woran etwas hangt; besonders, diejenigen Riemen, worin eine Kutsche hangt.

hetzriemen

DWB

hetz·riemen

hetzriemen , m. ein lederner riemen, an dem der jäger die windhunde zur hetzjagd hält: vom strick aus hetzen. dieses geschiehet folgendermas…

hiefriemen

DWB

hief·riemen

hiefriemen , m. der riemen an dem das hiefhorn hängt. Frisch 1, 452 b .

knieriemen

DWB

knie·riemen

knieriemen , m. auch knieriem, ursprünglich knierieme. 1 1) riemen als knieband, kniegurt. Frisch 1, 528 a . 2 2) besonders knierieme der sc…

Koppelriemen

Adelung

koppel·riemen

Der Koppelriemen , des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, der lederne Riemen, womit die Jagd- und Rüdenhunde zusammen gekoppelt werden.

koppriemen

DWB

kopp·riemen

koppriemen , m. bei pferden, riemen der ihnen um den hals gezogen wird, um das koppen zu verhindern. Adelung.

leitriemen

DWB

leit·riemen

leitriemen , m. riemen zum leiten, für den jagdhund: leitriem, woran man den leithund führt. Frisch 1, 606 a ; für die wagenpferde: der jung…

lenkriemen

DWB

lenk·riemen

lenkriemen , m. riemen am pferdegeschirr einer kutsche, womit die pferde gelenkt werden. Jacobsson 2, 601 b .

nähriemen

DWB

nahr·iemen

nähriemen , m. schmaler und dünner riemen, womit die sattler nähen. Jacobsson 3, 127 a .

Packriemen

Adelung

pack·riemen

Der Packriemen , des -s, plur. ut nom. sing. ein Riemen, so fern derselbe zur Befestigung eines Packes dienet. Besonders lederne Riemen, das…

pfriemen

DWB

pfriemen , verb. mit einem pfriem stechen, bohren, heften Stieler 1450 : wie er einen doctor gefangen, in eine badstube geschmidet, .. darna…

Ableitungen von riemen (4 von 4)

beriemen

DWB

beriemen , loris instruere.

erriemen

MWB

erriemen swV. ‘nach etw. zielen, trachten’, mit Akk.: mocht ich selbe icht guͤtz derriemen, / ich hiet gern vollew vaz Teichn 144,64 MWB 1 2…

geriemen

MWB

geriemen swV. ‘jmdn. binden, fesseln’ also mocht den menschen niemen / in der hell pant geriemen / noch in daz himelreich hin auf, / nur sei…

zerriemen

Idiotikon

zerriemen Band 6, Spalte 912 zerriemen 6,912