Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
RECKE swm.
1. der verfolgte verbannte, der der aus seinem vaterlande vertriebene, der gezwungen in der fremde lebende, heimathlos umherirrende. so wird es in ahd. glossen erklärt lat. exul, profugus, extorris, advena. vgl. dô si dara recchen wâren unde si wallôten fone diete ze diete, fone rîche ze rîche Notk. ps. 104, 12. ebenso ist die bedeutung von wrekkeo im Heljand (vgl. das jetzige engl. wretch), u. von reccheo im Hildebrantsliede. so ist noch in der kaiserchr. 136,29 bei Diemer rekke synonym der ellende man (das. 136,15). nicht immer ist zu entscheiden, ob das wort die eigentliche bedeutung noch beibehalten hat oder nur in der späteren allgemeineren gebraucht ist, so wenn Genes. fundgr. 2,73,8 Jakob in Egypten ein êrlîcher recke genannt wird, oder Maria fundgr. 204,15 die heil. drei könige recken ziere heissen, oder wenn Siegfried sich dem riesen. einen recken nennt Nib. Z. 75,21.
2. der ausserhalb seiner heimath (gleichviel ob gezwungen oder ungezwungen) kriegsdienste suchende abenteurer, der als solcher in sold stehende. sicher ist diese bedeutung noch in der redensart in recken wîse varn, als einzelne, herumziehende krieger. wir suln in recken wîse varn zetal den Rîn Nib. Z. 52,71, wenige im gegensatz zur begleitung eines ganzen heeres. di zwêne degene alsô wîs mit in gegen Plûrîs in recken wîse wolten varn, wan si mit sæʒe noch mit scharn dâ niht erwerben kunden Lanz. 6237. ein stattliches auftreten war dabei natürlich nicht ausgeschlossen, wie schon die Nibel. zeigen. er solde in grôʒen êren in recken wîse over mer varen, sô mohter sîn êre aller beʒist bewarn Rother H. 560 (wie im Nib. liede: es war so gefahrloser als mit drohender heeresmacht). der herverte ist ein teil zô vil, unde ob du iʒ tuon wil, so mahtu dich allerbeste bewarn, wiltu in recken wise over mer varen das. 589. ich muoʒ ûʒme lande in eines recken wîse varen, unde wil mich anders namen das. 720. Rother giebt sich dann wirklich für einen geächteten aus, das. 924. — vgl. ferner dô si den hort nu hâte, dô brâhtes in daʒ lant vil der vremden recken: jâ gap der frowen hant, daʒ man etc. Nib. Z. 171,41. ir sult den solt den fremden recken geben Alph. 202,4.
3. jeder krieger, doch so dass nicht der stand, sondern die tüchtigkeit, die herzhaftigkeit bezeichnet wird. so werden sowohl die könige wie ihre vasallen wie die hintervasallen dieser recken genannt, also tüchtiger, erprobter krieger. ich bin ouch ein recke und solde krône tragen, sagt Siegfried, Nib. Z. 17,51. Schîonatulander ein kintlîcher recke MS. 2,129. a. beispiele aufzuzählen ist unnöthig. vir fortis übersetzt es bei Jerosch. Pf. 6a. das wort ist recht eigentlich zu hause in den gedichten der deutschen heldensage, selten, ja meist gar nicht in den höfischen aus dem französischen übersetzten gedichten, nur ausnahmsweise von solchen dichtern verwandt, die auch sonst dem volksthümlichen näher stehen. so wird das wort auch wohl später noch ganz besonders von den helden der deutschen sage gebraucht. als man schrîbet von den recken, daʒ si vâhten mit den tieren Teichn. 25. waʒ man ê von recken las, daʒ ist vor im ein goukelmær das. 24. vgl. sturmrecke. — spottend wird so der esel genannt, altd wälder 3,191,145. ein esel zuo eim lewen sprach: got grüeʒ dich, bruoder recke Boner. 14,7. 4. übertragen. mich daucht, ich wær der kunst ein reck, ein rechter held in meiner kunst, Suchenw. 43,40.