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martern

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
19 in 15 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

martern

martern

Marter f. ‘Folter, Qual, Peinigung’, ahd. martira, mart(a)ra (8. Jh.), mhd. marter, martere ‘Blutzeugnis’, besonders ‘Christi Passion, Kruzifix, Qual, Pein, Verfolgung, Folter’ ist als ein Wort des frühen Christentums entlehnt aus kirchenlat. martyrium ‘Blutzeugnis für die Wahrheit des Christentums, der christlichen Religion, Leiden, die die Märtyrer zu erdulden haben’, auch ‘Märtyrergrab, Kapelle’ (errichtet zum Gedenken an Märtyrer), griech. martýrion (μαρτύριον) ‘das Bezeugen, Zeugnis, Beweis, Zeichen’, dann auch (im Neuen Testament) ‘Verkündigung des Evangeliums, Predigt’. Das im Dt. auftretende fem. Genus beruht vielleicht auf dem Einfluß von Qual und Pein. Zugrunde liegt griech. mártys (μάρτυς), (dor.) mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, kirchensprachlich ‘Blutzeuge’, eigentlich wohl ‘Zeugnis’, Verbalnomen zu einem Verb mit der Bedeutung ‘sich erinnern’, vgl. aind. smárati ‘erinnert sich, gedenkt’, griech. mérimna (μέριμνα) ‘Sorge, Besorgnis’ und (nicht sicher) lat. memor ‘sich erinnernd, eingedenk’. Aus dem Griech. übernommenes kirchenlat. martyr gilt anfangs für den ‘Augenzeugen des Lebens und Wirkens Christi’, danach für einen Menschen, der sich trotz Folter und Tod zum Christentum bekennt (s. unten Märtyrer). Eine parallele Entwicklung erfährt martyrium. Marter bezeichnet zunächst sowohl die Passion Christi wie auch den Leidensweg der Heiligen und der Bekenner Christi, später (16. Jh.) auch die Folterung eines Gefangenen oder Verbrechers sowie das dazugehörige Gerät und geht schließlich in den (im Mhd. nur vereinzelt bezeugten) allgemeinen Gebrauch von ‘Schmerz, Not, Elend’ über. Marterl n. ‘Gedenkkreuz, -tafel am Weg für einen Unglücksfall’ (19. Jh., südostd.), deminutive Ableitung von Marter im Sinne von ‘bildliche Darstellung des Lebens und Leidens Christi, Kruzifix’ zum Gedächtnis (15. Jh.). martern Vb. ‘foltern, peinigen’, ahd. martirōn, mart(a)rōn (8. Jh.), mhd. martern, marteren ‘zum Märtyrer machen, ans Kreuz schlagen, foltern, plagen’. Märtyrer m. ‘Christ, der für seinen Glauben in den Tod gegangen ist’, dann allgemein ‘ein für sein Glaubensbekenntnis, für seine Überzeugung oder für seine politischen Ziele und Handlungen Verfolgung, Gefangenschaft, Peinigung oder Tod Erleidender’, ahd. martarāri (10. Jh.), martirāri (11. Jh.), mhd. marterære, merterære, im Nhd. bis ins 19. Jh. noch Märterer, aus lat. martyr, griech. mártyr (μάρτυρ) ‘Zeuge’, im Ahd. mit dem Suffix der Nomina agentis -āri weitergebildet; seit dem 16. Jh. in der Form Märtyrer formal wieder an das griech.-lat. Vorbild angelehnt. Martyrium n. ‘Opfertod, Blutzeugenschaft, schweres Leiden um seines Glaubens, seiner Überzeugung willen, Qual’ (19. Jh.), kirchenlat. martyrium (s. oben).
2699 Zeichen · 64 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    marternstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +5 Parallelbelege

    martern , marteren stn. Krist sich ze marterenne gap Msf. 30,13.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Martern

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Martern , verb. reg. act. Marter, d. i. einen hohen Grad der Schmerzen verursachen, zunächst körperlicher Schmerzen, her…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    martern

    Goethe-Wörterbuch

    martern a jdn (mit Folterwerkzeugen) körperlich peinigen, (zu Tode) foltern; auch in bildh Zshg [ Iphigenie: ] der König…

  4. modern
    Dialekt
    marterntr. v.

    Lothringisches Wb. · +3 Parallelbelege

    martern [mâtərn, Ptc. gəmâtərt Bo. ] tr. v. martern.

  5. Sprichwörter
    Martern

    Wander (Sprichwörter)

    Martern War nicht martern vnd fluchen kann, der dient zu keinem Kriegsmann. – Petri, III, 114; Henisch, 1160, 51.

  6. Spezial
    martern

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    mar|tern vb.tr. (quälen, foltern) martorjé (-jëia), tormenté (tormënta), tortoré (-rëia).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit martern

13 Bildungen · 2 Erstglied · 6 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von martern 2 Komponenten

mart+ern

martern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

martern‑ als Erstglied (2 von 2)

marternōt

KöblerMhd

marter·nōt

marternōt , st. F. nhd. martervolle Not Q.: Kreuzf (1301) E.: s. martere, nōt W.: nhd. DW- L.: Lexer 426a (marternōt), LexerHW 2, 2054 (mart…

martern als Zweitglied (6 von 6)

abmartern

DWB

abmartern , cruciare, nnl. afmartelen, abquälen. du marterst mein herz grausam ab; ein thier, den leib abmartern; sich sein leben langsam ab…

durchmartern

DWB

durch·martern

durchmartern , heftig martern, durchbohren, lancinare, cruciatibus luxare et quasi discerpere Stieler 1243 . sih an sinen schoenen lip so ro…

vermartern

Lexer

ver·martern

ver-martern swv. ganz martern. si vermartert mîn herz Ls. 2. 168,108.

zermartern

DWB

zer·martern

zermartern , verb. , übermäszig martern ( s. martern th. 6, 1684), peinigen, 1) Jesus, glaubenszeugen: indem sie auf den zermarterten leichn…

Ableitungen von martern (5 von 5)

Entmartern

Campe

○ Entmartern , v. trs. durch Martern herausbringen, erzwingen. Einem ein Geständniß entmartern. Das Entmartern. Die Entmarterung.

Ermartern

Campe

Ermartern , v. trs. durch Martern erlangen, erzwingen. Das Ermartern. Die Ermarterung.

gemartern

KöblerMhd

gemartern , sw. V. Vw.: s. gemarteren*

vermartern

Lexer

ver-martern swv. ganz martern. si vermartert mîn herz Ls. 2. 168,108.

zermartern

DWB

zermartern , verb. , übermäszig martern ( s. martern th. 6, 1684), peinigen, 1) Jesus, glaubenszeugen: indem sie auf den zermarterten leichn…