martern,
verb. marter anthun, foltern, quälen. ahd. martarôn, martorôn,
mhd. marteren, martern,
mnd. merteren Schiller-Lübben 3, 78
b,
martirizare merteren, pineghen Dief.
nov. gloss. 247
b;
eine nebenform die ableitendes r
in l
umsetzt, zeigt sich früh und noch im 17.
jh.: ahd. martolôn
bei Otfrid,
s. Kelles glossar 387;
mhd. nhd. martyrizare marteln, martiln, Dief. 350
b; Cyriacus ... fuor mit eilftusend megden gen Koln und wart mit in gemartelt.
d. städtechron. 8, 17, 20; do nu die römeschen keiser ... also sere die cristenheit durchehtetent und merteltent, das dicke uf einen dag hundertwerbe tusent cristen gedötet und gemartelt wurdent. 9, 713, 20; die arme gemartelte seele. Philander 1, 171. martern
als transitives und reflexives verbum wird gesagt 11)
in bezug auf das leiden und den kreuzestod Christi: Krist sich ze marterenne gap, er lie sich legen in ein grap.
minnes. frühl. 30, 13; sie (
Maria) sach ihn (
Christum) martern und beinigen, wol für die sünd der seinigen. Wackernagel
kirchenl. 5,
nr. 1425, 43; du marterst ihn am kreuzesstamm mit nägeln und mit spieszen. P. Gerhard 69, 31;
in bezug auf die peinigung der glaubensbekenner: gemartert werden,
martyrium pati, admoveri martyrio, veritatem fidei sanguine suo obsignare. Stieler 1243; was in Olint und Sophronia (
in Cronegks trauerspiele) christ ist, das alles hält gemartert werden und sterben, für ein glas wasser trinken. Lessing 7, 7; drauf der landpfleger Marcian durch zorn ergrimmet und erbran, gab sie (
die h. Barbara) den henkers buben preisz, die martern sie auf alle weisz. Wackernagel
kirchenl. 5,
nr. 1481, 94; sie ... frageten jn, ob er sewfleisch essen wolt, oder den ganzen leib mit allen gliedern martern lassen? 2
Macc. 7, 7; meine brüder, die eine kleine zeit sich haben martern lassen, die warten jtzt des ewigen lebens, nach der verheiszung gottes. 36; liesz jhn noch herter martern denn die andern. 39. 22) martern,
foltern und körperqual zufügen: marteren,
excruciare, cruciare, adhibere et habere quaestionem tormentis, excarnificare, plectere, sich lassen peinigen und marteren,
carnificinam subire Maaler 284
b; einen auf der folter martern,
equuleo aliquem discruciare. Steinbach 2, 29; furwar er trug unser krankheit, und lud auf sich unser schmerzen, wir aber hielten jn fur den, der geplagt und von gott geschlagen und gemartert were.
Jes. 53, 4; da er gestraft und gemartert ward, thet er seinen mund nicht auf. 7; welche (
gefangene bauern) ganz nichts einwilligen wollen, deszwegen sie hernach grawsamlich gemartert worden.
Phil. Lugd. 4, 232; ach, wer hett traut der bösen stuck von meim vermaledeiten weib? (
spricht der mann) ich will deszhalben jren leib reiszen, martern und ubel blewen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 64, 162; nun aber, wenn du die gefahr (
die qual in der hölle) viel hundert tausend tausend jahr hast kläglich ausgestanden und von den teufeln solcher frist ganz grausamlich gemartert bist, ist doch kein schlusz vorhanden. Rist
in Wackernagels leseb. 2 (1876), 526;
mit angabe der wirkung: einen tod martern,
cruciatibus conficere aliquem Frisch 1, 646
c; sie haben ihn zu tode gemartert,
cruciatu eum confecerunt. Steinbach 2, 29;
das verneinende part. ungemartert,
mit der eigentlichen bedeutung ohne auf die folter gelegt zu werden, wird ironisch verwendet für gern, mit behagen: in vollheit (
trunkenheit) gibt sich mancher blosz, beicht dapfer ungemartert losz von vielen groszen bubenstückn. B. Ringwald
l. w. 74; martern
auch von den qualen durch krankheit, naturereignisse: die gicht martert ihn sehr; darumb wurden sie mit derselbigen gleich (
mit gleichen feindlichen thieren) billich geplagt, und wurden durch die menge der bösen würme gemartert.
weish. Sal. 16, 1. 33) martern,
übertragen dann auch mit sächlichem object: ich habe auch zween gehabt, die geschickter davon zu mir geschrieben haben, denn
d. Carlstad, und nicht also die wort gemartert nach eigenem dunkel. Luther 3, 104
a; etliche martern das wort donec (bis das) und sol heiszen (darumb das). 8, 67
a; solchs ist die öffentliche gewisse warheit, unangesehen, wie er selbs und seine heuchler diese wort martern und creuzigen, denn sie sind zu clar und zu gewaltig. 218
a; zu solchem kraut (
waid) haben sie eigene mülen erfunden, auf welchen disz kraut gemartert und zerkrecht würd. Bock
kräuterb. 204;
vinum infectum, gepülvert, gemartert. Alb. Nn 2
b,
vgl. dazu ketzern 4,
th. 5, 645. 44) martern,
in der späteren sprache gern bezüglich innerer qualen: durch diese niedrige behandlung hofften sie (
Egmont und Oranien) den hochmuth dieses priesters zu martern. Schiller
hist.-krit. ausg. 7, 126; einen mit vorwürfen, zweifeln martern; ich bin nicht bös geboren; doch erst jetzt erstaun ich, wie ich lieblos ihn gemartert. Göthe 10, 298; der neidische, den jede vollkommenheit seines mitmenschen martert. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 163; die umliegenden dorfschaften berichten nämlich, dasz einmal eine braut, die auf dem kammerwagen ... den armen ihres bräutigams unter einem gewitter mit scheugewordenen pferden entgegenfuhr, unter die räder gestürzt und vor seinen gemarterten augen den getäuschten hoffenden geist aufgegeben habe. J. Paul
Qu. Fixl. 31; es foltert sie der traum, es martert sie der tag mit scheuslicher gestalt und zagenden gedanken. Günther 584; o musz ich euch, ihr auen, die ihr uns oft verbargt, noch ferner grünen schauen? ihr martert meinen geist, reizt ihr gleich das gesicht, ihr zeigt mir Doris bild, und zeigt mir Doris nicht. Chr. E. v. Kleist (1763) 91;
bezüglich eines heftigen verlangens: gar zu lange mag ich sie doch nicht martern, mein liebes Lorchen; was haben sie denn von dem briefe an G. gedacht, den ich ihnen vor einer stunde zusendete? Rabener
briefe 113; es martert mich alle tage nicht zu wissen, was dort vorgeht. Bettine
briefe 2, 80. 55) martern,
reflexiv: denn ich habe, gott sei lob und dank, kein bitter noch böse herz, .. darumb habe ich auch friede und ruge, aber wer mir gram und bitter ist, der martert sich und rechent mich an jm selber. Luther 6, 8
b; er (
der Franzose, Italiäner u. s. w.) martert sich nicht lange, bis er das reimwort künstlich ausgesucht; kaum denkt er erst, wo nehm ich dis her, so hat er schon, was er gesucht. Drollinger 97; schau, wie so oft ein dichter ängstlich ringt, bis nach den regeln ihm ein vers gelingt! er martert sich, verdreht, versetzt, verschränkt. 297; nun schwitzt er (
der dichter eines epigramms) tag und nacht, ein zweites auszuhecken. vergebens; was er macht, verdirbt. so sticht ein bienchen uns, und läszt den stachel stecken, und martert sich, und stirbt. Lessing 1, 2; eitel ringt das göttlichste genie, martert sich an schlappen saiten müde. Schiller
hist.-krit. ausg. 1, 191.
vgl. auch sich abmartern.