Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
marke stf.
1. die (durch zeichen abgesteckte? doch siehe marc) grenze. enpfangen wart vil schone daʒ minnicliche kint ûf zweier lande marke Gudr. 13,1. si kômen ûf die marke Nib. 176,1. dô fundens ûf der marke slâfende einen man das. 1571,3. zwischen menscheit unde gote stân ich rehte inmitten ûf der marke Frl. Kl. 20,10. in confinio terrarum nostrarum quod vulgo marcha dicitur bei Haltaus 1316. vergl. RA. 496.
2. das grenzland. ze Norwæge in der marke Nib. 682,3. dirre march herre, als die Burgunden die bairische grenze betreten, Nib. 1485, 4. so hiessen die nach und nach vorgeschobenen grenzländer Deutschlands gegen den osten marken. von Brandinburch der marke Jerosch. Pf. 88. a. Tene (wohl gen.) marke.
3. die (abgegrenzte) unterabtheilung eines gaues. vergl. RA. 496; auch wohl synonym mit gau gebraucht. diu marche Gesên Genesis fundgr. 2,78,20 und das. 72,18. in deme gouwe Gesê (Gosen). dann überhaupt: bezirk, länderei. vgl. Haltaus 1315. dô der künic Gunther sô vil der bürge sach und ouch der wîten marke Nib. 372,2, wo freilich auch noch grenzland gemeint sein kann, da ja Isenstein unmittelbar auf der grenze gedacht wird. in den gedichten ist überhaupt nicht immer zu entscheiden, ob die bedeutung 2 oder 3 in anwendung zu bringen ist. z. b. eine wîte marke die Nuodunc ê besaʒ Nib. 1840,3. swaʒ die marke nutzes hât die ich hân vonme rîche W. Wh. 178,8. — nehein lant ist so chleine, man ne muʒe iʒ denne teilen, marche unde bistum, grascefte unde herzochtum, daʒ teilet man chlaine Diemer 280,9. do quam der keiserliche bote, der gewaltige der starke, in des tuvels marke bezirk, Pass. K. 82,24. vgl. das. 539,44.
4. das der gemeinde gehörende gesammteigenthum, im gegensatze vom privatbesitze. vgl. RA. 494 fg.
5. da der wald sowohl zur grenze sich besonders eignete, als auch meistens gemeindeeigenthum war, so heisst marke oft geradezu so viel wie wald. vgl. RA. 497. Haltaus 1316. Scherz 1000.
6. markgericht? rechtshandel? vgl. Gr. w. 2,260: vnd so ein parthei binnen Romelfanger vogtei missel oder notigh zu marken hett, so soll der, so es vonnotten hette, zu vnsers hern meyer daselbst gehen, dem burgen geben; alssdan soll der den partheien ein tagh ansetzen vnd so in der gutte in ein fhoer ein mark ingesetzt wurde, kost die insatzungh ein sester weins; wurden der auch in ein fhoer zwœ oder drei ingesetzt, kosten sie auch nur ein sester; were ess aber ein anfelt mark, dieselb kostet zween sester. vnd so die parteien in der gutte begertten vnd angefangen hetten zu marken, soll ess nit durch aburkunden streittigh gemacht werden Gr. w. 2,260. vgl. hovemarke.