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mähre

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
15 in 11 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

mähre f.

Bd. 12, Sp. 1467
mähre, f. pferd. 11) ahd. meriha, mhd. merhe, ags. mere und myre, engl. mare, altnord. merr, überall mit der bloszen bedeutung stute, die feminine weiterbildung des masc. ahd. marah, mhd. march und marc, ags. mearh und mearg, altnord. marr, eines wortes, das in der form marka auch als gallisch bezeugt ist (Graff 2, 844. gesch. d. d. spr. 1, 31), und das ross, vornehmlich das streitross bezeichnet; dieses masc. ist für die nhd. schriftsprache nur noch als erster theil der zusammensetzungen marschall und marstall (s. d.) verdunkelt vorhanden, lebt aber noch im oberen Etschlande als neutr. march, plur. marcher, in der bedeutung schlechtes pferd, schindmähre (Schöpf 422). das fem. hat seinen der mhd. form entsprechenden guttural bis heute im bair. sprachgebiete behalten: bair. merhen, merh Schm. 1, 1650 Fromm., kärnt. merche, merchen Lexer 190, tirol. mörch (neben märr) Schöpf 422, im übrigen verloren, ein verlust, der im md. nd. schon alt: runcina mehre Dief. 504a (md.); equa mere Dief. nov. gloss. 153b (nd., gegen 1417), doch im 16. jahrh. in den schriftquellen noch nicht allgemein geworden ist, beispiele unten. 22) die eigentliche und bis ins 16. jahrh. allgemeine bedeutung von mähre ist stute: equa merch, merhin, merhe, merie Dief. 206a; merhe, vulg. gurr oder studen, runcina, dicitur equa rusticalis. voc. inc. theut. n 6b; equa ein mere, muttergaul Alb. R 3a; die märch, equa Maaler 281b; merch, studte, fole, equa Schottel 1363 (neben mähre equa 1360); wie der schelhengst schreiet, gegen allen meren. Sir. 33, 6; es sind drei merchen unter den pferden. Frey garteng. 79; er hett auf seiner strew vier schöner mutterpferden oder mern stahn. Kirchhof wendunm. 150b; da (am stalle) stet meins vaters merch da vor und rühelt ser an dem tor. fastn. sp. 436, 23; knecht. sag, welche mich am liebsten hab. zigeuner. das ist im stal dein merhen grab (grau), der du gibst alle tag zu essen. H. Sachs 3, 3, 8a; und noch bei Göthe: da bat er (Isegrim): fraget mir doch, verkauft uns die stute nicht etwa das fohlen? und wie theuer? da ging ich zu ihr und wagte das stückchen. liebe frau mähre, sagt ich zu ihr: das fohlen ist euer, wie ich weisz; verkauft ihr es wohl? 40, 128, doch nach dem nd.: he bat mi, dat ik vragen scholde, efte de merje vorkopen wolde ere volen, unde ok, wo dure. sus gink ik to er up eventure. ik sprak: segget mi, merje vruwe, ik wêt, dat dit volen is juwe u. s. w. Reinecke fuchs 3749; mundartlich lebt diese bedeutung noch jetzt in Baiern, Tirol; schweizerisch mera stute, mutterpferd Tobler 316a; märe stute Seiler 203b; in Rheinfranken: di mähr, das weibliche pferd, der klepper Waldbrühl 188; niederd. mere stute Schambach 133b; mär stute, wenn sie ein fohlen hat Danneil 132a. 33) mähre, verallgemeinert, pferd überhaupt: er traf jhn .. so unseuberlich, dasz Saurimarsz von der merren herab bürzelt. Garg. 198b; also gieng meine mehr mit mir dahin in einem stetigen trab. Simpl. 1, 19 Kurz (vorher: schleuderte mich .. auf ein lAeer baurenpferd. s. 18); der junge held, bedeckt mit seinem schild, sprengt unter sie, und wirft mit seinem speere den, der ihr führer schien, so kräftig von der mähre, dasz ihm ein blutiger strom aus mund und nase quillt. Wieland 22, 58 (Oberon 2, 4); gewöhnlicher mit verächtlichem nebensinne, elendes pferd, eine bedeutung, die gegen ende des 17. jahrh. entwickelt und auch mundartlich weit verbreitet ist (vergl. auch schindmähre): märe, et alia dialecto merch, equus vilis et macer Stieler 1250; wie grosz war aber sein erstaunen, als er statt seiner zwei glatten und wohlgenährten rappen ein paar dürre abgehärmte mähren erblickte. H. v. Kleist 4, 9; der pachter vom holzhof hätte lust zu dem polacken, mit dem euer gnaden neulich verunglückten. man soll ihm die mähre hingeben, meint der reitknecht, ehe ein zweites unheil geschehe. Schiller menschenfeind, 5. scene; herunter, junker Grobian, herunter von der mähre, dasz ich dich sitte lehre! Bürger 54a; umgeschaut! uns ereilt der wagen, der mit knöchrichten mären karrt! Voss 5, 247; den pferden wars so schwach im magen: fast muszt der reiter die mähre tragen. Uhland ged. 329; in einem bilde: armer tropf! aus dieser lage reiszen? .. und auf mehr raffiniert dein fingerhut voll gehirn nicht? und damit trabt deine mähre zum stalle? Schiller räuber 1, 2. 44) mähre scheltwort für liederliches weibsbild, schon im ahd. mhd. merihun sun, filius meritricis, merhensun Lexer mhd. wb. 1, 2111: bair. merh, mörch, verächtlich weibsperson Schm. 1, 1650 Fromm.; kärntn. merche, merchen liederliche weibsperson, hure Lexer 190; niederd. mär liederliches frauenzimmer Danneil a. a. o., im henneb.-fränkischen wird mit all mêre ein häszliches altes weib oder jungfer bezeichnet Fromm. 4, 307; märe im Baselbiet schelte für ein böses weib Seiler, in allen diesen mundarten neben den oben angeführten bedeutungen; märe, equa, etiam de meretrice dicitur: es ist eine lose märe, vile scortum est. Stieler 1250; das kind ist des vaters arbeit — halten zu gnaden — wer das kind eine mähre schilt, schlägt den vater ans ohr (Miller zum präsidenten). Schiller kab. u. liebe 2, 6; auch in halb kosendem sinne, im munde niederer personen (vgl.hure th. 42, 1959, hürlein 1967): ich wolte sehen, ob ich der losen möhre auch zu einen latze kaufen könnte (ein bauer in bezug auf seine tochter). Schoch stud. leb. D 1; die lose möhre hat lange nicht dran gewolt. D 2; das rammeln gefiehl der losen möhre so schändlich wol. D 4; die lose möhre ware so läufisch, ich glaub ich hette sie nicht erhalten, wenn ich ihr ein brett fürgebunden hette. ebenda; ob er der närrischen mehre (der dienstmagd, die ihm einen liebesbrief geschrieben) es sonst mit einer bedrohung wolte zu verstehen geben lassen, dasz sie von dergleichen dingen abstehen möchte. polit. stockf. 89.
5857 Zeichen · 130 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Mähre

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    1. Die Mähre , plur. die -n, Diminut. das Mährchen, Oberd. Mährlein, ein sehr altes Wort, welches, 1. Ein Pferd überhaup…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Mähre

    Goethe-Wörterbuch

    Mähre fem Pferd, speziell Stute; einmal abwertend in bildlichem Zshg [ Reineke zu einer Stute: ] Liebe Frau M. .. das Fo…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Mähre

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Mähre , altes, abgetriebenes Pferd.

  4. modern
    Dialekt
    Mähre

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Mä h re [Márə Roppenzw. Hi. Banzenh. ; Marə Su. und nö. davon allg.; zuweilen Mari Ingersh. ; Mærə Str. ] f.; m. M. 1. S…

  5. Spezial
    Mähre

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Mäh|re f. (-,-n) 1 (altes, schlechtes Pferd) ciaval vedl m. 2 (abwertend) bëch (bëc) m. , rozun (-s) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit maehre

10 Bildungen · 8 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

maehre‑ als Erstglied (8 von 8)

Mähre (Equus)

Wander

maehre·equus

Mähre (Equus) Mähre (Equus). 1. Besser eine alte Mähre als gar kein Pferd. 2. Eine alte Mähre frisst ebenso viel als ein junges Ross. It. : …

Mährenfüttchen

RhWB

Mähren-füttchen -fø- Ahrw-Dernau n.: Gerstenkorn am Augenlid.

Mährenseiche

RhWB

maehren·seiche

Mähren-seiche -zek(ə), –zēk, –ei- (s. S.) Bergh-Blatzh Heppend Hüchelhv , Geilk-Gangelt , Heinsb-Breberen , Kref-Fischeln , Mörs-Binsh Schwa…

maehre als Zweitglied (1 von 1)

ackermähre

DWB

acker·maehre

ackermähre , f. equa aratoria, equus arando enervatus. ackermerre. Fischart Garg. 81 a .

Ableitungen von maehre (1 von 1)

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „maehre". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/maehre/dwb?formid=M00433
MLA
Cotta, Marcel. „maehre". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/maehre/dwb?formid=M00433. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „maehre". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/maehre/dwb?formid=M00433.
BibTeX
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