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Küche

mhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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12 in 12 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Küche

Bd. 11, Sp. 762
Küche, der zur Bereitung der Speisen bestimmte Raum eines Gebäudes. In kleinern, nur von einer Familie bewohnten Häusern wird sie nach englischer Sitte oft in das Souterrain verlegt, von wo allerlei bei der Bereitung der Speisen sich entwickelnde Gerüche weniger leicht in die Wohnräume gelangen. In der Regel steht die K. mit Speisekammer, Spülküche, Anrichteraum und Küchenstube für den Aufenthalt der Dienstboten in Verbindung. Eine gut angelegte K. muß hell, geräumig, im Sommer kühl (also nach N. oder NO. gelegen), vom Vorplatz aus zugänglich, gut ventiliert und feuersicher sein; sie erhält deshalb einen guten Rauchabzug und einen wenigstens in der Nähe der Feuerstelle mit Tonplatten belegten oder mit Blech überzogenen hölzernen Fußboden oder einen Fußboden aus nicht wasserdurchlässigen (Mettlacher) Fliesen, die sich am leichtesten und gründlichsten reinigen lassen. Die Wände der Küchen werden, um abgewaschen werden zu können, am besten mit Ölfarbe gestrichen oder mit glasierten Platten oder Mettlacher Fliesen bekleidet. Sehr bequem ist die Zuleitung von Wasser zur K., sei es aus einem natürlichen Wasserlauf, aus einem unter dem Dach des Hauses aufgestellten Reservoir oder aus einer Wasserleitung, sowie ein Gußstein zum Ableiten des unreinen Wassers mit Wasserverschluß, um das Eindringen übelriechender Gase aus dem Abflußkanal zu vermeiden. Die neuern Küchen in größern Städten enthalten auch Abwaschtische mit Zuleitung von kaltem und warmem Wasser. Über Kochherde und Kochmaschinen s. d. Als Heizmaterial benutzt man Holz, Torf, Braun- und Steinkohlen, Koks oder Grude, in neuerer Zeit mehr und mehr Gas, auch wohl Elektrizität. In größern Städten kocht man jetzt vielfach mit Gas, das vor dem Ausströmen mit so viel Luft gemischt wird, daß es nicht rußt. Außer dem Ort, in dem gekocht wird, bedeutet K. auch das Produkt der Kochkunst (z. B. gute K., soviel wie gut zubereitete Speisen). Man bezeichnet damit aber auch den Charakter der zubereiteten Speisen, die Art und Weise dieser Zubereitung in den verschiedenen Ländern und unterscheidet französische, englische, italienische, russische, deutsche K. etc. Die französische K. ist die berühmteste und am weitesten verbreitet; fast auf der ganzen Welt und namentlich in allen Hotels der Großstädte genießt man Speisen, die auf französische Art zubereitet sind. Die charakteristischen Merkmale dieser K. bilden: die Sorgfalt bei der Zubereitung, die Leichtigkeit und der Wohlgeschmack der Speisen selbst, der Wert, den man auf seine Saucen legt, der Grundsatz, daß nur das beste Material zur Verwendung gelangen soll, und endlich das Überwiegen der Vor- und Zwischenspeisen (hors d'œuvres, entrées, relevées, entremets). Die echte französische K. ist die beste der Welt und hat nach und nach einen ganz wesentlichen Einfluß ausgeübt auf die Küchen der andern Länder. Die englische K. bevorzugt das Solide und Kräftige; große Stücke Fleisch (Roastbeef, Schinken), in Wasser gekochtes Gemüse und Pie (Pudding). Namentlich wird in den Häusern des Mittelstandes viel kaltes Fleisch auch zum Mittagstisch genossen. Zum Fleisch werden sehr scharfe Reizmittel gegeben: Pickles, scharfe Pfeffersaucen (die sogen. englischen Saucen) und andre Würzen. Beim Kochen werden Fleisch und die andern Speisen wenig gesalzen; man fügt das Salz und zwar in großen Quantitäten erst beim Essen hinzu. Daß der Engländer liebe, das Fleisch halbroh zu genießen, ist Aberglaube, entstanden durch den Mißbrauch, den man mit der sogen. »englischen K.« auf dem Kontinent getrieben hat. Rind- und Hammelfleisch sollen rasch und saftig gebraten sein und beim Anschneiden eine leicht rötliche Färbung zeigen. Dagegen verlangt auch der Engländer, daß Kalb- und Schweinefleisch, Geflügel und Wild richtig durchgebraten werden. Die alte englische K. verschwindet auch in England mehr und mehr; sie ist durch französische Einflüsse und Köche ganz wesentlich beeinflußt worden. Eine deutsche K. im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es nicht; unsre moderne K. hat von den ausländischen Küchen mehr entlehnt als die K. irgend einer andern Nation. Dabei ist oft der Geist des Originals verloren gegangen und nur die verschwommene, geschmacklose Nachahmung der Form geblieben. Die K. Norddeutschlands lehnt sich sehr an England an. Das Fleisch wird meist gebraten genossen. Sehr beliebt sind Fische, Gemüse, auch Hülsenfrüchte und Kartoffeln. Die mitteldeutsche K. ist die schlechteste; bei ihr dominiert die Suppe und da wieder die Wassersuppe oder Suppe aus Bier, Milch, Obst etc. Fleisch wird am häufigsten gekocht, oft ausgekocht. Ferner findet das Innere der Tiere mehr als in andern Gegenden Verwendung: Gekröse, Kaldaunen, Kuttelflecke, Schöpsbutten, Bröschen, Euter etc. Gut zubereitet sind in der Regel die Gemüse, besser als in Frankreich. Die süddeutsche K. zeichnet sich aus durch gute Suppen, vortreffliches Rindfleisch und durch schmackhaftes Backwerk. Das Fleisch wird sehr viel gebacken und paniert gegessen: Kalb-, Lämmerfleisch, Geflügel und Fische. Kalbfleisch ist in verschiedener Zubereitung sehr beliebt, Hammelfleisch dagegen sehr selten, Schweinebraten häufiger. Das Gemüse wird vernachlässigt, Kartoffeln sind weniger beliebt. Anstatt mit Butter wird viel mit Schweinefett (Schmalz) und Öl gebraten und gebacken. Das Hauptgewicht wird aber auf die Mehlspeisen gelegt, in deren Zubereitung Ausgezeichnetes geleistet wird. Vgl. Kochkunst.
5400 Zeichen · 65 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    küche

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    küche s. küchen;

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    KücheDie

    Campe (1807–1813) · +2 Parallelbelege

    Die Küche , Mz. die — n ; Verkleinungsw. das Küchlein , (auch wol Küchelchen), des — s , d. Mz . w. d. Ez. überhaupt ein…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Küche

    Goethe-Wörterbuch

    Küche (im Vers) gelegentlich ‘Küch(’)’ 1 Raum/Örtlichkeit mit einer Feuerstelle, einem Herd zum Kochen od (in erweiterte…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Küche

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Küche , der zur Bereitung der Speisen bestimmte Raum eines Gebäudes. In kleinern, nur von einer Familie bewohnten Häuser…

  5. modern
    Dialekt
    Kueche

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Kueche II [Khyùχə M. ] m. der vorn aufwärts gekrümmte Schlittenbalken. s. Mankel 75. — Schweiz. 3, 145. Bayer. 1, 1222.

  6. Sprichwörter
    Küche

    Wander (Sprichwörter)

    Küche 1. Ae wenijer em än de Kächen dît, ä biesser schmackt se. – Schuster, 266. 2. Aus fremder Küche lassen sich leicht…

  7. Spezial
    Küche

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kü|che f. (-,-n) 1 (Raum zum Kochen) ciasadafüch (ciasesdafüch) f. 2 (Kücheneinrichtung) ciasadafüch (ciasesdafüch) f. 3…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kueche

308 Bildungen · 299 Erstglied · 7 Zweitglied · 2 Ableitungen

kueche‑ als Erstglied (30 von 299)

Kueche(n)ber

Idiotikon

Kueche(n)ber Band 4, Spalte 1468 Kueche(n)ber 4,1468

küchelbacher

DWB

kuechel·bacher

küchelbacher , m. der küchel bäckt, von oberd. bachen backen: kuchlpacher, cupedinarius. Aventinus gramm. bei Schm. 2, 279 , noch bair. küec…

küchelbad

DWB

kuechel·bad

küchelbad , n. : an etlichen orten vertrinkt man die kinder, helt kindschenken, kindbetthöf, küchelbad. S. Frank weltb. 129 a ; die kindtauf…

küchelbäcker

DWB

kuechel·baecker

küchelbäcker , m. dasselbe in mehr md. form, nicht selten als name. das fem. kchelbeckerin bei Mathesius Sar. 10 a .

küchelbeck

DWB

kuechel·beck

küchelbeck , m. küchelbäcker in älterer form: kuchelpeck, krapfenpeck oder pastillenpeck, pastillarius. voc. theut. 1482 r 7 a .

Küchelbecker

Wander

kuechel·becker

Küchelbecker Wo es viel Küchelbecker hat, da isset man desto mehr Kuchen. – Lehmann, 807, 19.

küchelbret

DWB

kuechel·bret

küchelbret , n. kuchenbret: kuchelbrette, plathanus ( Hesych. ) Aler 1248 b , küechelbret Schönsleder g 7 a .

küchelchen

DWB

kuechel·chen

küchelchen , n. kleine küche: der windofen wird in der kinderstube ( in der neuen amtswohnung ) in wenigen stunden stehen und das küchelchen…

Küchel(e)

ElsWB

kuch·ele

Küchel(e) [‘ X iələ Roppenzw. ; Khiχl Str. ; Khìχl U. ] n. 1. kleine Küche. 2. Räucherkammer Roppenzw. — Schweiz. 3, 129. Bayer. 1, 1221.

küchelhütte

DWB

kuechel·huette

küchelhütte , f. hütte, bude wo küchel gebacken und verkauft werden, bair. 17. jh., s. Schm. 2, 279 .

küchelig

RhWB

küchelig = edelfaul s. bei Küken;

kücheln

DWB

kuch·eln

kücheln , küchel backen, in Süddeutschland viel gebraucht und reich entwickelt. s. küchel . mnd. entspricht kôken tortas facere Dief. 589 c …

kücheln I

RhWB

kücheln I = kauern s. bei kauchen II.

kücheln II

RhWB

kücheln II -øx- Mörs-Rheinbg , Emmerich schw.: Purzelbaum schlagen; ower de Kopp k.; öwerk.; hei reul (rollte) de Berg heronder, dat hei köc…

küchelspitz

DWB

kuechel·spitz

küchelspitz , m. eisen, womit die gebackenen küchel aus dem siedenden schmalze geholt werden. Schmeller 2, 279 . auch küechelspiesz Birlinge…

Küchenabgang

GWB

kuechen·abgang

Küchenabgang Abfall aus der Küche [ ein Bewohner von Palermo: ] was wir aus dem Hause werfen, verfault gleich vor der Thüre über einander. I…

küchenaccidentien

DWB

küchenaccidentien , pl. nebeneinkünfte bei einem küchenamte: die küchenaccidentien der köchin bekommen dadurch einen zuwachs. L. Tölpels bau…

küchenamt

DWB

kuechen·amt

küchenamt , n. 1) ein amt in einer fürstl. küche, z. b. das des küchenmeisters, küchenschreibers. Adelung. mlat. officium coquinae Wackern. …

küchenartig

GWB

kuechen·artig

küchenartig scherzhaft-okkasionell iSv auf die Belange der Küche hin ausgerichtet, darauf konzentriert August ist .. ganz haus- und kellerha…

küchenarznei

DWB

kuechen·arznei

küchenarznei , f. : ( die geizigen, welche aus furcht vor mitessern sich heimlich gütlich thun ) heiszen winkelzerer, katzenfresser, küchena…

kueche als Zweitglied (7 von 7)

Gerüchteküche

RDWB1

Geruecht·e·kueche

Gerüchteküche f сплетни, разговоры в кулуарах Die Gerüchteküche brodelt. - Слухи расползаются.; Сплетники не дремлют.; Поползли слухи.; Стал…

Teufelsküche

RDWB1

Teufelsküche f in die ~ kommen / geraten idiom. - заварить кашу идиом. , разг. , попасть в переделку идиом. , попасть в передрягу идиом.

Wohnküche

RDWB1

Wohnküche f кухня, встроенная в гостиную или столовую

Herrenküche

Wander

herren·kueche

Herrenküche Herrenküche schadet dem Magen und bringt den Rock um den Kragen. Schadet der Gesundheit und untergräbt den Wohlstand des Hauses.…

Hundsküche

Wander

hunds·kueche

Hundsküche Er ist in der (kommt in die) Hundsküche. – Eiselein, 334. Wo alles auf ihn, wie in der Küche auf einen Hund, losrennt, um ihn zu …

Ableitungen von kueche (2 von 2)

geküche

DWB

geküche , n. gekochtes: er giebt nichts geräuchertes, früchte, geküche trägt er auf. Hippel lebensl. 1, 287 . eigentlich wol geköch ( s. d. …

urküche

DWB

-küche fürst Pückler briefw. 7, 351 ,

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Cotta, M. (2026). „kueche". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kueche/meyers
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Cotta, Marcel. „kueche". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kueche/meyers. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kueche". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kueche/meyers.
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