krümmen ,
krumm machen. 11)
die form. 1@aa)
mhd. krümben
und krumben, krummen (
Renner 120
b),
wie krümbe
und krumme
krümme, die zweite form als die ältere mit nicht durchgedrungenem umlaute; ahd. urspr. chrumbian,
bezeugt ist nur gechrumpta
u. ähnl. Graff 4, 610,
alts. crumban,
mnd. krummen
curvare Dief. 164
b,
rhein. krommen
das., 45
b, 239
b.
c (
vergl.kromen unter 4,
a, γ,
mit m
gleich mm)
neben crummen
Teuth. 61
b,
über das o
s. u.krumm I, 1,
a und 3,
a, krumme 1;
auch nl. krommen.
entlehnt dän. krumme.
auch noch altengl. cromin, crumben,
s. Stratm. 127. 1@bb)
auch nhd. anfangs noch krümben
z. b. Maaler 254
b, krümbt wie ein bogen
arquatus (
so) 254
c,
neben krümmen
ebenda; am längsten hielt sich das b
vor t, gekrümbt H. Sachs
u. 4,
c, β,
noch Weckherlin
neben krümmen (
s. u. 2,
a, δ),
gewöhnlich gekrümpt
z. b. Luther
u. 3,
b; bei Dasyp. 368
d neben einander gekrümpt, gekrümmet
und gekrümt.
auch, wie krommen
unter a, so krömpt (: kömpt) H. Sachs
unter 4,
b, β,
s.kromp
u. krumm I, 3,
a. noch bair. krümpen,
selbst krümpfen (
s. d.) Schm. 2, 386,
vergl. Abr. a S. Clara
unter 2,
a, δ, krumpen
unter 4,
a, γ. 1@cc)
wie bei krümme (
s. d. 1,
b)
fehlt auch hier oft der umlaut noch lange wie im mhd. und nd. (1,
a): krummen,
curvare. voc. inc. teut. n 7
b,
voc. th. 1482 r 5
a, krumpter
curvatus das., krummen
flectere Dief. 239
b, krumben 146
b, 16.
jh. munz krummen
s. 2,
b, δ,
obwol damals manches u
ein ü
meinen kann. Dagegen findet sich gerade hier oft auch i
für ü
im 15. 16.
jh.: crimmen flectere Diefenb. 239
b,
curvare 164
b (
aus éinem voc.);
falcare, krymmen 223
b; iedoch ist disz volk gewon ir haar zuo krimmen und aufzuobinden in einen knoden. Frank
weltb. 52
b; so krimen sie sich wie ein schlang. Murner
luth. narr 191
Scheible; und streckt und krymbt sich wie ein wurm. Brant 85, 33,
wahrscheinlich in folge des verflieszens von krümmen
mit krimmen
im sprachgefühl, das bei krimmen
zu beobachten war, s. sp. 2308
und weiter u. 5;
wie nahe treten sich sachlich z. b. das krymmen
colica Dief. 131
b und Brants krymbt sich wie ein wurm,
das y
erscheint da fast wie ein in der verlegenheit eingeschlagener mittelweg zwischen ü
und i,
wie öfter. 22) krümmen
in eigentlicher bedeutung. 2@aa)
den menschen, die glieder, das haar krümmen. 2@a@aα)
das alter, krankheit, der tod krümmt
den menschen, s. u. kramm II, 1: an händ und füsz gekrümmt,
gelähmt. Aler 1246
b; so nun der tod den rychen krümpt, kein guot er mit ihm nimpt. Kolrosz
spil von fünf. betrachtn. D ij
a; ein greis, den alter, frost und gram und gicht und krampf und hunger krümmten. Hagedorn 2, 52; Anakreon, den wein und alter krümmen. Uz 1, 99. gekrümmter rücken Stieler 1044, den rücken krümmen wie eine katze Ludwig 1078,
oder wie ein schmeichler. den hals krümmen Maaler, den kopf,
hängen lassen: ihr (
heuchler) krümmet seufzend eure köpfe, doch euer welthasz ist verstellt. Hagedorn 3, 54. 2@a@bβ)
auch der in eisen gelegte gefangene wird, ist gekrümmt (
vgl.krumm schlieszen
sp. 2445): ich ... bin gekrümmet in schweren eisern banden.
gebet Manasse 9,
var. gebogen und verkrümbt worden; dasz der feind mich nun in fremden landen gefangen hält und krümmt in schweren eisern banden. Rompler v. Löwenhalt 14. 2@a@gγ) die hand krümmen,
in sehr verschiednem sinne: wenn sie die hand krümmen und nur ein wenig geldes an die armen geben sollen. Olearius
pers. ros. 6, 7,
s. eine krumme hand machen
für bestechen sp. 2445 (
β). auch wie er an eim frembden end gebraucht hab sein gekrümpte hend. Scheit
grob. S 4
a,
d. h. gestohlen, wie krumme finger machen. 2@a@dδ) das maul krümmen,
verziehen, s. unter krumm sp. 2440: wie der mor ihn (
der mit ihm kämpfen wollte) sahe, spottet er sein, krümmete das maul über in, gieng also in gaukelsweise mit dem Theagene zu spielen, tanzet daher
u. s. w. buch d. liebe 227
c; ja oftmals werden sie (
die bettelmönche, beim disputieren) so grimmig ... und sehen an einander greslich ... und krümmen oft die meuler gar, auf das man recht ir witz erfar. Fischart
s. Domin. C 3
a (1, 147
Kurz); das maul krümmen, als äszens schlehen.
flöhhatz 828
Scheible (2, 51); der gotlos mit gekrümbtem mund. Weckherlin 35 (
ps. 10, 5); wir krümpen zwar das maul darüber. Abr. a S. Clara
etw. f. alle (1711) 2, 771; wenn die recension unter sechs bogen ist, so musz ich schon das maul krümmen (
musz es gut sein lassen, kann nur das gesicht verziehen). Schiller 1257
a,
an Petersen, der eine ausführliche recension der räuber geben sollte. auch die nase krümmen,
rümpfen, se moquer de quelcun Rädlein 568
b,
mit dat. der person: wenn er auch dem Abdala die nase krümmete. Luther 8, 19
a. 2@a@eε) einem kein haar krümmen,
nicht das geringste zu leide thun (
vgl. 4
2, 21),
wol aus raufereien entstanden, wo es über die haare
geht (
s.haar III, 6): ich wil keim krümmen einigs haar. Murner
schelmenz. 13
a; sie werden nichts thun und ausrichten, gott wolle es denn haben, auch nicht ein haar krümmen uns oder jemand. Luther,
s. hannov. mag. 1846
s. 168; der deinem balg ein härchen krümmt, dem ist von uns der tod bestimmt. Hagedorn 2, 34.
Aber auch kräuseln hiesz das haar krümmen: krummen,
crispare crines. voc. inc. teut.; das haar mit dem pfriend krümmen oder kraus machen,
capillos torquere ferro Maaler 254
c; ein ieder alter gouch sol die jor nit ansehen .... das har lassen krümmen, als ob es noch gel (
blond) were. Murner
geuchm. 928
Scheible, noch bei Rädlein sich krümmen wie das haar,
kraus werden; s. krumm für kraus II, 2,
b, β.
noch anders bei Frank
unter 1,
c, das volle haar aufbinden. 2@bb)
anderes krümmen. 2@b@aα) den bogen krümmen,
krumm biegen (
vgl.krümmer 1): krümmet den türkischen flitschbogen über das knie, legt die sennen
an. Fischart
Garg. 180
b (
Sch. 332); krümbt wie ein bogen, oder was einem bogen gleich ist,
arquatus. Maaler 254
c. einen draht krümmen, bogenweise
oder hakenweise krümmen Ludwig 1078. 2@b@bβ)
früher selbst gleich wölben: crummen, als ein timmer crum maken,
camerare. Teuthonista 61
b,
auch in einem nd. voc. 15.
jh. camerare krummen Dief. 92
c,
hd. gekrymmet
cameratus das., gekrummet
voc. opt. Lpz. 1501 E ij
a,
gemma Straszb. 1518 D iij
a; gekrümmet, gewölbet ..
arcuatus Dasyp. 368
d.
Auch von völliger rundung (
vergl. Zachariä
unter 4,
d und krumm II, 2,
d, α): zum schlusse der abhandlung ist eine zusammengekrümmte schlange, ungefähr so wie man die ewigkeit malt. Rabener 2, 69. einen hecht krümmen,
rund biegen, s. krollhecht,
krummhecht. 2@b@gγ)
die last der früchte krümmt den ast
u. ä.: manche rose krümmt den stiel, weil sie niemand brechen will. Chr. Weise
überfl. ged. A 2
a. einen baum krümmen,
arborem inflectere Steinbach 1, 942, das krümmen des weinstocks,
incurvatio vitis Frisch 1, 552
a. 2@b@dδ) münzen krümmen,
krumm biegen: gekrümmte ducaten,
torques ex scutatis inflexis. Stieler 1044; eine schnur gekrümmter ducaten um den hals. Musäus
volksm. 1826 2, 61; da (
bei der begegnung mit Karlstad in Jena 1524) greif
d. Luther in sein taschen und zog ein goldgülden heraus und gab in dem Karlstad und sprach, nempt hin und greift mich nur tapfer an, frisch auf mich! Karlstad nam den gülden, zeiget in allen beisitzern .... krümpt in und leget in in seinen beutel. Luther 2, 494
a,
K. kennzeichnet so als ausweis für die zukunft das geldstück, mit dem ihn L. selbst zum gegner geworben. münze krümmen
im alten münzwesen, in den bauernartikeln i. j. 1525
wurde u. a. verlangt: item es sol kainer kain munz krummen bei dem brand, sonder die .. in die bestetigten munzschmiten schicken und antworten, die sol ime bezahlt werden nach der satzung
u. s. w. Öchsle
bauernkrieg 290,
es musz entwerten sein, devalvieren, durch verbiegen. 2@b@eε) einem einen filz krümmen,
ein kraftwort des 17.
jahrh.: also hat
d. Mirus unwissend dem poeten überholfen und uns theologis unschuldiger weise einen guten filz krümmen müssen, der uns auch zukommen ist. P. Leyser
bei G. Frank, J. Major Halle 1863
s. 38 (
aus Tentzels
cur. bibl. 1705
s. 687).
wol wie einem einen filz abziehen, austheilen
u. ä. 3, 1633
fg., worin die eig. bedeutung von filz
und die bed. starker verweis absichtlich schwankend gehalten sind. 2@cc) krümmen
in abgekürztem ausdruck für '
durch krümmen machen, bilden': häklein und schleiflein krümmen,
to make hooks and oilets. Ludwig 1078; eh unbarmherzig die hand des alters über dich fährt und runzeln auf die stirne krümmt. Zachariä
ged. (1761) 471; einst krümmte Hesperus einen silbernen nachen aus seinen strahlen. J. Paul
freiheitsb. 73.
ähnlich das wasser anderstwo hin krümmen,
deflectere amnem in alium cursum Aler 1246
b,
krümmend leiten. 33)
unsinnlich, geistig, bildlich. 3@aa) krümmen
und schlichten,
vergl.krumm und schlecht sp. 2449;
von der logik heiszt es: hie vindt man loica mit irer list (
kunst), die lert was valsch und unrecht ist, sie krumpt, sie slicht, sie genzt, sie trent.
fastn. sp. 740, 12; sihe an die werk gottes, denn wer kan das schlecht machen, das er krümmet?
pred. Sal. 7, 14; von nichts kan er (
der pabst) nichts machen, das krumm schlichten und das schlecht krümmen ... ihm ist niemand gleich dann gott allein, darumb kan er alles thun was gott thut. Fischart
bienk. 1588 134
a. 3@bb) das recht krümmen oder beugen,
to wrest or force the sense of the law Ludwig,
torquere jus Maaler: du solt nit gaben nemen, dann die gaben blendend die scharfsichtigen und krümmend und zerstörend die rechten sachen.
Züricher bibel 1530
2 Mos. 23, 8 (Luther verkeren die sachen der gerechten).
Ähnlich von gewaltsamer auslegung: wie sie sich und sunst vil betriegen, die heilig gschrift krümmen und biegen. Brant 103, 6; wiewol wir alle .. den spruch .. dahin gekrümpt und gereimpt (
dasz er das fegefeuer beweise). Luther 3, 412
b; sie (
die kirche) ist über die vätter, regirt, wendt, kehrt, krümpt und zwingt sie nach irem gutdunken. Fischart
bienk. 1588 38
b. 3@cc)
ähnlich die sprache krümmen: unser redner und schreiber, voraus so auch latein können, biegen und krümmen unser sprach ... felschens mit zerbrochnen lateinischen wörtern, machens mit groszen umbschweifen unverstendig. Aventinus
chron. 1
a.
ein gefühl: das natürliche gefühl des schönen krümmen. Lavater,
gleichsam verbiegen. 3@dd) das schicksal, unglück krümmt den menschen: ein jeder, den die hand des schweren schicksals krümmt, dem sie den letzten hauch der müden hoffnung nimmt. Hagedorn 1, 97, beugt
sagt man jetzt, niederbeugt,
im anschlusse an 2,
a, α,
aber hier zugleich oder mehr innerlich gemeint. 3@ee)
in sittlicher anwendung: dort (
auf dem lande) lebt ich unerreicht von vorwitz und von sorgen, durch keinen zwang gekrümmt, durch keinen neid berückt, der stillen wahrheit treu ... Hagedorn 1, 28,
zwang der gesellschaft, der '
gerades'
urtheilen und thun ausschlieszt, im anschlusse an das krümmen des rückens
beim unterwürfigen. ähnlich vom '
geraden'
urtheil: und werdet, hoff ich, selber nicht erwarten, dasz euer spiel (
ränkespiel) mein grades urtheil krümmt. Schiller 352
a (
Piccol. 4, 4). das krümmen und kriechen der seele J. Paul
Hesp. 4, 32,
doch kann das zu sich krümmen
gehören (
s. 4,
e, β). 44) sich krümmen. 4@aa)
vom menschen, 4@a@aα)
den rücken, die glieder krümmen: nam er sich an, als ob er vom pferd steigen wolt und supplicieren ... krümbt sich zusamen wie ein hogeriger igel
u. s. w. Garg. 230
a (
Sch. 431).
auch krumm werden: wie im alter der innere und der äuszere mensch sich mit einander gegen die grube krümmen. J. Paul
Kamp. 46,
vergl. 2,
a, α.
dazu gekrümmt (
s. e, a): predigt er, in einen sessel gekrümmt, schwach und kolsternd, voller galle gegen die jetzige zeit
u. s. w. Lessing 3, 247,
zugleich nach dem folgenden. 4@a@bβ)
sich beugen oder sich krumm halten: trawrigkeit schlecht natürlich den kopf nider, das man gehet und sich krümmet wie ein schilf. Luther 5, 532
b.
besonders von verbeugung in unterwürfigkeit oder schmeichelei: wenn dir ein mann, den du nicht kennst, begegnet ... scharf nach dir schielt, sich ehrerbietig krümmt. Hagedorn 1, 126; alle sind geneigt, den fürstlichen dienern überall grosze vorzüge einzuräumen. sollte aber der mann, der seinen ellenbogen auf seinen eigenen tisch stützt .. nicht eben so gut sein, als der sich im dienste krümmet? Möser
phant. 1, 151; tief bis an die erde krümmte sich Hummel. Pestalozzi
Lienh. u. G. 1, 22.
daher für sich demütigen, s. 4,
c, γ. 4@a@gγ)
wie von den gliedern, dem körper überhaupt, so auch vom gesichte, den gesichtsmuskeln: man sah ihr faistes angesicht und herz als für dem tod sich krümmen, dörren, schrinken. Weckherlin 70 (
ps. 18, 68),
sich formlos einziehen, einschrumpfen, darin tritt die vermutlich älteste bed. von krumm
in verjüngter fassung auf, gleich schrinken (
s.krank I,
d);
das meint auch 'krummen [
d. i. sich krümmen] oder falten oder in sich ziehen,
oboriari, curvari'
voc. 1482 r 5
b,
in andern voc. oborior, krimpen
oder krimmen Dief. 388
b (
s. dazu 5), zu hauf kromen (
s. unter 1,
a), zusam krumpen (
s. 1,
b am ende)
nov. gl. 267
b;
vergl. sich krimmen
sp. 2307
unten und 2305
unten. s. auch einkrümmen. 4@bb)
auch sich in krummen linien hin und her bewegen, sich winden. 4@b@aα)
z. b. wie ein tänzer; von trunkenen erzählt Hugo von Trimberg: der sibende krümbet sich und swanzet, der ahte mit der katzen tanzet.
Renner 10256; sie (
die kinder vor den närrischen eltern) müssen inen bossen und cramanzen machen und sich krümmen und biegen, als wolten sie den morischgentanz tanzen. Keisersb.
brös. 76
b,
von gedrechselten '
complimenten',
s. dazu viel krums und kramanzens machen
sp. 2451 (
ε)
und krumme sprünge
sp. 2448. 4@b@bβ)
sich im schmerze hin und her winden: kum ich zu ir (
des nachts) und wil ains schimpfen (
scherzen), so krümpt sie sich und wirt sich rimpfen und sagt sich krank und macht sich schwach.
fastn. sp. 771, 14,
so klagt ein mann über seine frau; er (
der verwundete) krümmet sich, fiel nider zu iren füszen, wie er sich krümmet, so lag er verderbet. Luther
richt. 5, 27; krümet sie sich und gebar, denn es kam sie ire wehe
an. 1 Sam. 4, 19; in dem ein bawer zu im kömpt (
zum zahnbrecher), der sich sehr hin und wider krömpt (
s. unter 1,
b), geleich samb ein groszbauchet weib, der hett die würm in seinem leib. H. Sachs 1, 529
d (1590 396
d). 4@b@gγ)
besonders in dem bilde sich krümmen wie ein wurm,
der getreten wird: (
der sterbende) streckt und krymbt sich wie ein wurm. Brant 85, 33; es ist kein würmlein nicht so klein, es krümbt sich, wirft man drauf ein stein. Fischart
flöhhatz 1610 J 1
b; windet und krümmet sich wie ein armer wurm. Clajus
auferst. J. Christi 37.
selbst ohne diesen zusatz, so geläufig ist das bild: zertreten sie die elende, die sich, zerknirscht von reue, scham und selbstverachtung, zu ihren füszen krümmt. Schiller 293
a (
don Carl. 4, 19),
dasz an den wurm
gedacht ist, zeigt das zertreten.
dazu gekrümmt,
wie unter a, α Lessing: meine knie umklammernd, mit verzweiflung, wie ein wurm vor mir gekrümmt, fleht er mich
an. Schiller 446
a (
M. Stuart 5, 13). 4@cc)
bildlich, geistig, sittlich. 4@c@aα) '
sich winden und drehen',
um einer peinlichen aufgabe sich zu entziehn, ausflüchte suchen (
s.krumm sp. 2448): doch wan man sie zun kranken (
haben) wil, so krimen sie sich wie ein schlang, dan sie nit gern thun disen gang. Murner
geuchm. 191
Scheible, von mönchen, die seelsorge thun sollen; hier ist das geld errungen! ... wie wand und krümmt' er sich! Göthe 11, 173 (
scherz, list u. r. 4).
ähnlich von dem in die hölle gestürzten Satan: so fleuch denn hinunter, und krümme dich in neuen entwürfen herum zu der neuen empörung. Klopstock
Mess. 13, 888,
er ist als schlange gedacht, die im schmerz sich windend zugleich auf neue tücke sinnt (
vgl.krümme 3,
d),
zugleich nach b, γ. 4@c@bβ)
anders im 16.
jahrh. von sünde und selbstsucht: sie (
die weiber) seint gemacht von einem krummen ripp. darum so krümmen sie sich zu allen dingen Keisersb.
narr. 113
a,
falls es daher gehört, vgl. krümme des willens
sp. 2455
unten. dazu wieder gekrümmt: sonder wir sind gekrümbt abwertz zu uns selb durch die eigen lieb. H. Sachs 2, 1, 70
d,
gleich krümmen uns
nach unten. das ist theologisch mystisch gemeint, die richtung des willens soll gerade aufwärts zu gott gehn, beim selbstsüchtigen aber krümmt sich
der wille auf sich selbst zurück; das wird klar bei Luthers krumm
sp. 2451 (
γ). 4@c@gγ)
noch anders bildlich: am rande seiner gruft krümmt sich dein stolz umsonst. Gotter 2, 163,
demütigt sich, nach a, β; in den fesseln eines weibes sich krümmen und winden. Engel
Lor. Stark xxix,
wie ein gefangener der unter schmerz sich den fesseln zu entwinden sucht, nach b, β; mein stolz krümmte sich unter der schande. Schiller 707
b (
verbr. aus verl. ehre),
leidend und sich ohnmächtig empörend zugleich, es ist wol an den getretenen wurm
b, γ gedacht; ach herr, man krümmt und krammt sich so. Göthe 13, 4 (
puppensp., prol.),
windet sich mühsam durch, durch das mühsame leben, vgl. aber unter 5.
gleich sich einziehen, einschrumpfen (
s.α,
γ): wie krümmen alsdann der tugenden höchste sich in das kleine! wie fliegt ihr wesen verstäubt in die luft aus. Klopstock. 4@dd)
von dingen, die sich bewegen oder zu bewegen scheinen, z. b.: was ein haken werden will, krümmt sich bei zeiten,
sprichwort, besonders von menschen gebraucht, zu krumm
gleich sittlich verwachsen, zuerst wol von bäumen, ästen (
s. das sprichwort unter krücke II, 1,
a); mit einem lachenden strausz will ich den sonnenhut zieren, von dem die schimmernde schleife sich krümmt. Zachariä (1761) 442,
von völliger rundung, wie unter 2,
b, β.
von '
schlängelnder'
bewegung (die schlange krümmt sich),
ein bach sagt: ich krümme mich nur sachte fort durch wiesen. Göthe 1, 209. 4@ee)
unter umständen wird das sich
unterdrückt, d. h. bleibt dem gefühl überlassen. 4@e@aα)
beim part. praet. gekrümmt (
s. schon u. a, α.
b, γ.
c, β): bald aber öfnet sich ein strich von grünen thälern, die, hin und her gekrümmt, sich im entfernen schmälern. Haller (1777) 45; ein furchtsam weggekrümmter wurm. Göthe 12, 34,
und zwar beidemal deutlich mit praesensbedeutung, wie u. c, β; blosz den himmel umbrausete ein auf die erde gekrümmtes bleigewölk. J. Paul
Hesp. 4, 49. 4@e@bβ)
beim substantivischen infin. und part. praes.: die krümmenden hügel. Voss
Virg. georg. 1789 2, 391,
später (1799) gewundene anhöhe,
lat. saltusque profundi; das krümmen einer fortkriechenden schlange. Ludwig; auch das krümmen eines zerquetschten wurms ist einem zarten menschen nicht gleichgültig. Herder; auch wo sie mit allem krümmen und winden seine (
des Mäcenas) schwache seite doch nicht ganz verbergen können. Wieland
Horaz. briefe 1, 2. 4@e@gγ)
selten beim einfachen verbum: der weg (
im Haslithal) .. ist über allen ausdruck schön, er krümmt zwischen den hohen bergen bald herüber bald über die Aar. Göthe
an fr. v. Stein 1, 259,
wenn nicht '
macht krümmungen'
dahinter gedacht ist. 55)
endlich vermischung mit krimmen,
s. schon dort (
sp. 2308).
wie echtes krümmen
auch krimmen
geschrieben wurde in der übergangszeit (
s. unter 1,
c),
so erscheinen solche krümmen,
die mehr oder weniger deutlich krimmen
meinen. hauptsächlich von leibschmerzen, '
bauchkneipen',
das als ein krimmen (grimmen)
bezeichnet wurde, in welcher auffassung zuerst, läszt noch folg. sehen: so kömpt Kreistle und krümt sie (
die kinder) im leibe. Eyring 1, 68,
das Kreistle
musz eine art kobolt sein, in der sprache der mütter aufbewahrt; plötzlicher schmerz wurde vorgestellt als von dergleichen geistern bewirkt (
s. unter krimmen II, 5).
dann mit vergessen des urspr. subjects: hat ins krümmen angestoszen,
s. sp. 2307
mitte, vgl. das. aus dem froschm. die var. krimmet
und krümmet.
endlich sich krümmen,
wobei die äuszere erscheinung des geplagten sich in die vorstellung bestimmend eindrängte, dasz man an krumm, krümmen 4,
b dachte: er hätte gemeint, er müsse sich todt krümmen (
an magenkrämpfen). Gotthelf 3, 181;
schweiz., wo doch ü
und i
in der aussprache noch geschieden sind, gibt Stalder 2, 137
geradezu es krümmt mich,
grimmt mich. auch in Göthes sich krümmen und krammen (4,
c, γ,
vergl. unter krammen 2)
ist der kern vielmehr krimmen,
s. d. II, 2,
a und I, 3,
g. s. auch das krummen
und krimmen
unter 4,
a, γ.
da sieht man vor sich, wie ein absterbendes wort sich umkleidend in ein benachbartes rettet, freilich zugleich darin untergehend.