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Knospe

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Knospe

Bd. 11, Sp. 192
Knospe, bei den Tieren ein Teil des Körpers, woraus ein neues Individuum hervorgeht und mit dem elterlichen Tier in Zusammenhang bleibt, oder sich von ihm loslöst (s. Fortpflanzung, S. 794). Im Gegensatz zum Ei besteht die K. aus vielen Zellen, und zwar beider oder dreier Keimblätter (s. d.), wenn es sich um ein dreischichtiges, d. h. mit Mesoderm versehenes Tier handelt. Die Fortpflanzung durch Knospen, die Knospung, ist eine Art der ungeschlechtlichen Vermehrung (s. Fortpflanzung) und kommt bei Wirbellosen, besonders bei niedern Formen (Schwämmen, Cölenteraten) häufig vor, findet sich aber auch noch bei den Moostierchen und Manteltieren. Sie führt sehr oft zur Bildung von umfangreichen Kolonien (z. B. bei den Korallen); das durch Knospung erzeugte Junge braucht dem elterlichen Tier nicht zu gleichen, so erzeugen die festsitzenden Hydroidpolypen durch Knospung frei schwimmende Quallen. Von der Teilung unterscheidet sich die Knospung hauptsächlich dadurch, daß die Teilstücke nicht wie dort ungefähr gleich, sondern die K. viel kleiner und unvollkommener organisiert ist als das Elterntier. In der Botanik ist K. (Auge, Gemma) das Jugendstadium eines Pflanzensprosses, in dem die wesentlichsten Teile bereits angelegt, aber noch nicht entwickelt sind. Man unterscheidet an der K. die Knospenachse, die an ihrer Spitze den zur Neubildung befähigten Vegetationspunkt (s. d., Knospenherz, Stammscheitel) trägt, und die Blattanlagen (Fig. 3). Die letztern sind entweder alle noch im unentwickelten Zustand vorhanden (nackte Knospen, z. B. bei Rhamnus, Viburnum), oder ein Teil derselben am Knospengrund hat sich zu schuppenförmigen Niederblättern (Knospenschuppen, Knospendecken, squamae s. perulae, tegmenta) umgebidet, welche die zartern Teile der K. schützend umhüllen. Der Schutz, den die Knospenschuppen gegen starke Abkühlung und Austrocknung gewähren, wird häufig noch durch einen Überzug der K. von Harz, Gummi, Wachs u. dgl. oder durch Haarbewuchs erhöht. Bisweilen wird die K. auch ganz oder teilweise von dem stehenbleibenden Blattgrund eines Blattes eingehüllt (Interpetialarknospen, z. B. Robinia Philadelphus u. a.). Die Ausgestaltung der K. ist einerseits von der gegenseitigen Lage der Blätter (Deckung, aestivatio, foliatio, praefoliatio), anderseits von der Lagerung der Teile des einzelnen Blattes (Knospenlage, vernatio) abhängig. Bezüglich der erstern unterscheidet man die offene Deckung (aestivatio aperta), wenn sich die Blattränder in der K. nicht berühren, die klappige Deckung (ae. valvata), wenn die Blattränder wie die Klappen einer Kapsel aneinander liegen, und die dachige Deckung (ae. imbricata), wenn die Blattränder übereinander greifen. Das einzelne Blatt ist bezüglich seiner Knospenlage entweder flach (vernatio plana) oder längs der Mittelrippe zusammengelegt (v. conduplicata), längs mehrerer Nerven gefaltet (v. plicata), verschieden gerollt (v. involuta, revoluta, convoluta, circinata) oder zerknittert (v. corrugata). Nach der Lage, welche die K. am Sproß einnimmt, unterscheidet man die Terminalknospe (gemma terminalis, Gipfel-, Haupt- oder Endknospe), die die Sproßspitze einnimmt (Fig. 1 bei g), und Seitenknospen (gemmae laterales, Fig. 1 bei s), die seitlich an der Sproßachse in der Achsel eines Blattes angelegt werden und in bezug darauf als Achselknospen (gemmae axillares) bezeichnet werden. In der Regel steht in der Achsel eines Blattes, das in seiner Beziehung zu der K. als Deckblatt (Trag-, Stütz-, Mutterblatt) bezeichnet wird, eine einzige Achselknospe, doch finden sich gelegentlich, z. B. bei Lonicera, Gleditschia u. a., noch eine oder mehrere neben oder über derselben; diese werden Neben- oder Beiknospen (gemmae accessoriae) genannt. Die Achselknospen bedingen die Verzweigung des Hauptsprosses, Stämme, die keine Seitenknospen entwickeln (die meisten Palmen, Zykadeen, Baumfarne), bleiben unverzweigt. Anderseits schlägt bei manchen Pflanzen die Gipfelknospe regelmäßig fehl, und die zunächst darunter folgende Seitenknospe setzt den Zweig fort, z. B. bei der Linde, Ulme, Heinbuche, Haselnuß; bei Syringa (Fig. 2) endigt der gipfelknospenlose Zweig mit zwei gegenständigen Seitenknospen. Eigentliche Gipfelknospen haben z. B. Eiche, Roßkastanie, Pappel, Ahorn. Knospen, die nicht in regelmäßiger Abhängigkeit von der Blattstellung angelegt werden, sondern regellos an ältern Pflanzenteilen auftreten, werden als Adventivknospen (gemmae adventitiae) bezeichnet. Dahin gehört der Wurzelausschlag (Wurzelbrut), d. h. Knospen, die an den Wurzeln von Pappeln, Sauerkirschen und auch bei manchen krautartigen Pflanzen, wie Taraxacum, Sonchus u. a., auftreten. Auch die aus dem Überwallungswulst des stehenbleibenden Stumpfes gefällter Erlen, Pappeln etc. hervorbrechenden Sprosse (Stockausschlag) sind auf Adventivknospen zurückzuführen. Dagegen gehen die an ältern Teilen der Baumstämme sich bildenden Laubtriebe meist aus schlafenden Augen (Schlafaugen) hervor, d. h. aus regelmäßig angelegten Achselknospen, die, auf frühem Entwickelungsstadium stehen bleibend, von der Stammrinde überwallt wurden und erst nach jahrelanger Ruhe zur Entwickelung kommen. Je nach der Art des Sprosses, der aus der K. hervorgeht, unterscheidet man: Blattknospen (gemmae foliiparae), die zu einem blütenlosen Laubtriebe werden, und gemischte Knospen (gemmae mixtae, Fruchtaugen, Tragknospen), die Anlagen von Laubblättern und Blüten enthalten. Als Blütenknospe (alabastrum) wird die noch geschlossene Einzelblüte bezeichnet. Ein besonderes biologisches Verhalten zeigen die Winterknospen (hibernacula) mancher einheimischen Wasserpflanzen, wie Myriophyllum, Utricularia, Potamogeton u. a., indem sie sich von der Sproßachse loslösen und zu Boden sinken, um im Schlamm am Grunde der Gewässer, gegen Frost geschützt, zu überwintern, während der sie erzeugende Sproß zugrunde geht. Vgl. Simon, Die Knospen der bekanntesten deutschen Laubholzbäume und Sträucher (Marburg 1902).
5996 Zeichen · 86 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KNOSPEswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    KNOSPE swm. holzschuh. Schmeller 2,376. knospot mit holzschuhen bekleidete leut Wolk. 3,2,17.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    knospeM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    knospe , M. nhd. Knospe, Blüte Hw.: vgl. mhd. knospe E.: Ableitung von Knopf, Kluge s. u. Knospe; germ. *knuba-, *knubaz…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Knospe

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Knospe , plur. die -n, Diminut. das Knöspchen, Oberd. Knösplein, die rundlichen Knöpfe oder Knoten in dem Gewächsrei…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Knospe

    Goethe-Wörterbuch

    Knospe a Pflanzensproß, aus dem sich ein Blatt, eine Blüte od ein neuer Trieb entwikelt; meist in fachlich-botan Diskurs…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Knospe

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Knospe , bei den Tieren ein Teil des Körpers, woraus ein neues Individuum hervorgeht und mit dem elterlichen Tier in Zus…

  6. modern
    Dialekt
    Knospef., m.

    Pfälzisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Knospe f., m. : wie schd., Knoschp [verbr. mittl. VPf östl. Teil der südl. VPf O-PS Kaislt u. Umg. mancherorts übrige Pf…

  7. Sprichwörter
    Knospe

    Wander (Sprichwörter)

    Knospe 1. An der Knospe sieht man schon, was eine Rose werden will. 2. Aus Knospen werden Rosen. Frz. : Le bouton devien…

  8. Spezial
    Knospe

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Knos|pe f. (-,-n) fió (fios) m. , spizorel (-rí) m. , pope (popi) m. , edl (edli) m. ▬ Knospe n treiben sfioré; mené for…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit knospe

49 Bildungen · 40 Erstglied · 9 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von knospe

knospeln + -e

knospe leitet sich vom Lemma knospeln ab mit Suffix -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

knospe‑ als Erstglied (30 von 40)

Knospedospe

MeckWB

Knospedospe f. (?) verächtlich für aus Werg gesponnenes Linnen Schw Pinn .

knospeht

KöblerMhd

knospeht , Adj. nhd. klotzig, klump Q.: BdN (1348/1350), OvW E.: s. eht, haft, knospe W.: nhd. DW- L.: Lexer 111c (knospoht), Hennig (knospo…

knospel

FWB

1. ›Anschwellung, Beule‹.; 2. ›Bindegewebe‹.

Knospel I

RhWB

Knospel I -o-, –ǫ-, Pl. -əln, –ələ Bitb-Tarforst , Wittl-Bausend , Koch-Alflen Driesch , Kobl-Lay , May-Kirchesch , Sieg-Menden , Wippf-NWip…

Knospel II

RhWB

Knospel II -ō- = Stachelbeere s. Knurschel.

Knospel III

RhWB

Knospel III -ǫsp- nach Wk. IV 7 in Sieg-Böding Buisd Eischd Eschmar Meind Mülld Rott Sieglar , Bo-Vilich , Monsch-Rötgen ; -- Aach-Bardenbg…

knospeln

RhWB

knospeln -ǫ- = zanken s. knispeln;

Knospenbeißer

Campe

knospen·beisser

Der Knospenbeißer , des — s , d. Mz . w. d. Ez. der Name derjenigen Ziefer, welche die Knospen der Pflanzen abbeißen oder zerstören.

knospengras

DWB

knospen·gras

knospengras , n. sparganium erectum, ein gras das an sumpfigen orten wächst, auch riedknospe, rindknospe, igelsknospe, igelskolbe. Nemnich 4…

knospenhäutchen

DWB

knospen·haeutchen

knospenhäutchen , n. das feine häutchen das die blütenknospe, blumenknospe umschlieszt. M. Kramer (1768) , Campe, der auch knospenhaut f. an…

Knospenhaut

Campe

knospen·haut

Die Knospenhaut , Mz. die — häute ; oder das Knospenhäutchen, des — s , d. Mz . w. d. Ez. in der Pflanzenlehre, die feine Haut, welche die K…

knospenhülle

DWB

knospen·huelle

knospenhülle , f. ebenso: die knospen ( der waldbäume ) liegen .. unter .. schuppenartigen bedeckungen verborgen, welche man knospenhüllen o…

knospenkleid

DWB

knospen·kleid

knospenkleid , n. ebenso, dichterisch: (rose) die die rothen lefzen weiset und doch gleichwol noch zur zeit umb sich hat ihr knospenkleid. M…

knospenkranz

DWB

knospen·kranz

knospenkranz , m. kranz aus knospen: die jungfrau ... mit ihrem knospenkranze von rosen. J. Paul ; endlich blühte der knospenkranz der hoffn…

knospenmund

DWB

knospen·mund

knospenmund , m. der sich öffnenden rose zugeschrieben: und halbgeöffnet schweigt der rose knospenmund. Rückert ges. ged. 1, 23 .

knospenraupe

DWB

knospen·raupe

knospenraupe , f. eine raupenart, larva tuberosa. Nemnich wb. 311 . gewiss von knospe 2, höcker auf dem körper der raupe.

knospenreich

DWB

knospen·reich

knospenreich , reich an knospen: wird ... des glückes lenzmorgen erblühn und stets knospenreich. Platen 131 .

knospenreis

DWB

knospen·reis

knospenreis , n. knospendes reis, vgl. knospenzweig : ha! mein thyrsus sei ein knospenreis! Claudius 1 u. 2, 194.

knospe als Zweitglied (9 von 9)

Blüthknospe

Adelung

Die Blüthknospe , plur. die -n, diejenige Knospe an den Gewächsen, in welcher die Blüthe noch unentwickelt liegt, zum Unterschiede von den B…

fruchtknospe

DWB

frucht·knospe

fruchtknospe , f. die die blüte und damit auch die künftige frucht in sich enthaltende knospe, das fruchtauge, die tragknospe, gemma florife…

laubknospe

DWB

laub·knospe

laubknospe , f. gemma foliifera, blätterknospe an bäumen und sträuchern, im gegensatz zur blütenknospe. bildlich: in der literarischen laubk…

Pappelknospe

Adelung

pappel·knospe

Die Pappelknospe , plur. die -n, die Laubknospen des schwarzen Pappelbaumes oder der schwarzen Äspe, welche im Frühlinge einen überaus balsa…

Trageknospe

Adelung

trage·knospe

Die Trageknospe , plur. die -n, an den Gewächsen, die Frucht- oder Blüthknospen, zum Unterschiede von den Blätterknospen.

Traubenknospe

Wander

trauben·knospe

Traubenknospe Die Traubenknospe, die me in der Hackete (Hackezeit) sieht, darf me mit em Karst wegschlage. ( Schwaben. ) Weil sie doch in de…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „knospe". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/knospe/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „knospe". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/knospe/meyers. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „knospe". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/knospe/meyers.
BibTeX
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