Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
kirren
kirren
kirre Adj. ‘gefügig, zahm’, vorwiegend kirre machen, werden, mhd. kürre, (md.) kurre, kirre ‘zahm, mild’, mnd. quere, anord. kyrr, kvirr ‘ruhig, friedlich’, got. qaírrus ‘freundlich, sanftmütig’. Herkunft ungewiß. Wenn die Bedeutung ‘zahm, mild’ aus ‘matt, beschwert, niedergedrückt’ erklärbar ist, lassen sich die germ. Formen verbinden mit lit. gùrti ‘zerfallen, zerfließen, schwach werden’, lett. gurt ‘matt, schwach werden’, lit. gurlùs, lett. gurls ‘müde, matt, schwach’ und griech. barýs (βαρύσ), lat. gravis ‘schwer’, auch ‘niederdrückend, beschwert’, weiter mit aind. gurúḥ ‘schwer’ sowie got. kaúrus ‘lästig, schwer’, kaúrjan ‘drücken, belästigen’. Auszugehen ist von der Wurzel ie. *guer(ə)- ‘schwer’ bzw. für die oben genannte Wortgruppe um kirre von einer Suffixbildung ie. *g‐ͧerəro-. Diese hält in: Hist. Sprachforsch. 103 (1990) 286 ff. jedoch mit einer Bedeutung ‘vom (Ochsen)stachel gezwungen’ für eine Ableitung von ie. *gueru- ‘Stange, Spieß’ (wozu awest. grava- ‘Stock’, air. bi(u)r ‘Speer, Spieß’, lat. verū ‘Spieß’, got. qaíru ‘Stachel’); kirre ‘zahm’ (kirre machen bei Taubenzüchtern auch ‘beruhigen, locken’) würde damit (im Hinblick auf ‘Ochsenstachel’) einem Wort aus dem Bereich der Tierhaltung zugeordnet. – kirren Vb. ‘zähmen’ (16. Jh.), in der Jägersprache ‘locken, ködern’ (18. Jh.).