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2. Kêtzer

mhd. bis sprichw. · 18 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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20 in 18 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

2. Kêtzer

Bd. 2, Sp. 1562
2. Der Kêtzer, des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Ketzerinn, eine Person, welche Grundirrthümer in der Heilsordnung behauptet, und in weiterer, besonders in der Römischen Kirche üblichen Bedeutung, eine jede Person, welche von dem angenommenen Lehrbegriffe nur in einem oder dem andern Stücke abweichet; beydes in hartem und beleidigendem Verstande. Im Scherze wird auch wohl ein jeder, welcher in einer oder der andern Sache von den angenommenen Meinungen oder herrschenden Grundsätzen aller Art abweicht, ein Ketzer genannt. Anm. Im Schwabenspiegel, um welche Zeit dieses Wort im Deutschen vielleicht zuerst vorkommt, Ketzer, im Niedersächs. Ketter, im Dän. Kiätter, im Schwed. Kaettare, im Pohln. Kacerz. Man hat eine Menge Ableitungen dieses dunkeln Wortes in Vorschlag gebracht, ohne daß man dadurch der Gewißheit[] viel näher gekommen wäre. Ich will hier nur einige der wahrscheinlichsten anführen, vorher aber anmerken, daß dieses Wort bey unsern ältesten Alemannischen und Fränkischen Schriftstellern nicht vorkomme; indem Notker theils sich statt dessen der Wörter Irrar, Keloubirre, Globirre, Loubirre, bedienet, theils das Lat. Haereticus behält. Zwar wird in Raban Mauri Glossario Secta durch Cazam erkläret, wofür Diecmann Cazari lesen will; allein diese Verbesserung ist zu willkührlich, zumahl da dieses Wort noch mehrere Jahrhunderte nach dem Raban nicht gefunden wird. Die vornehmsten Ableitungen sind folgende. 1) Von dem Lat. Haereticus, welcher Meinung Frisch beypflichtet, und sie dadurch unterstützet, daß in Luthers Schriften und bey dem Kaisersberg mehrmahls Kerzer und Kerzerey vorkommen. Über dieß ist bekannt, daß die meisten kirchlichen Ausdrücke der Deutschen aus dem mittlern Lateine entlehnet, oder doch buchstäblich nach demselben übersetzt sind. 2) Andere kehren es um und lassen das mittlere Lat. Haereticus nach dem Deutschen Ketzer gebildet seyn, und leiten dieses von katzen, kätzen, verbinden, anhängen, ab, (S. 2. Katze.) Allein das mittlere Lat. Haereticus, welches aus dem Griech. herstammet, ist älter als die christliche Religion in Deutschland, und war schon zu Augustini Zeiten völlig gangbar. Indessen ist es nicht unwahrscheinlich, daß man Haereticus von haerere abgeleitet, und nach dieser Abstammung auch das Deutsche Ketzer von dem gedachten katzen gebildet habe. In figürlichem Vorstande kommt ketsen im Holländischen und im Oberdeutschen ketschen, keschen, in den vorigen und neuern Zeiten noch häufig vor, so wohl für nachfolgen, sectari, als auch thätig, für ziehen, hinter sich her schleppen, wovon Frisch bey dem Worte Ketschen nachgesehen werden kann. Ketzer würde also ursprünglich einen Anhänger, Nachfolger bedeutet haben. 3) Da noch in den gemeinen Mundarten ketzern, durch gemachte Ritzen theilen, spalten, üblich ist, (S. Aufketzern,) welches ein Frequentativum von dem alten katten, katsen, schneiden zu seyn scheinet, so haben einige es daher geleitet, und Ketzer durch einen Sectirer erkläret, der Spaltungen in der Religion macht. 4) Im 15ten und 16ten Jahrhunderte wurde Ketzer, so wie das Schwedische Kaettare, mehrmahls von einem Sodomiten und in weiterer Bedeutung von einem jeden im höchsten Grade lasterhaften Menschen gebraucht. Schon Königshoven gebraucht Kezery für Sodomiterey, und Kaisersberg erwähnet der Kuhkezer, Bubenkezer, Frawenketzer, und an einem andern Orte nennet er die Sodomiterey der Walen Ketzerey, weil sie besonders in Italien sehr üblich war. Noch Matthesius braucht Eheketzerey für Ehebruch, und Stumpf Ketzerey für Laster, Boßheit: Er hatte sich mit Diebstahl, und Mörd in aller Ketzerey gehalten. Zum Unterschiede nannte man alsdann die Abweichung in Glaubenslehren die Ketzerey an dem Glauben. Wachter leitet es in dieser Bedeutung von dem Ital. Cazzo, penis, Ihre aber von dem Schwed. kåt, leichtfertig, geil, Kättja, Geilheit, und dem Holländ. kesan, keysen, huren, und Ketsmerie, ein brünstiges Pferd, her. Da dem Worte Ketzer, besonders in der Römischen Kirche, ein sehr verhaßter Nebenbegriff anklebet, so haben einige geglaubt, daß man es aus Haß von dieser eigentlichen Bedeutung auf die kirchliche übergetragen habe. In dem Augsburg. Stadtrechte aus dem 13ten Jahrhunderte heißt es Kap. 269: Wer den ander mußet (heißet) ainen Ketzer, ain mainaider, oder ainen dieb, ain verräter, ain räuber, ain bößwicht u. s. f. Im mittlern Lat. bedeutet Gazara eine Here. 5) Viele Wahrscheinlichkeit hat endlich auch die Meinung derjenigen vor sich, welche es von Catharus ableiten, einem[] Nahmen, welchen sich die Novatianer anfänglich selbst gaben, von dem Griech. καθαρος, rein, und welchen man nachmahls auch im verächtlichen Verstande den Waldensern und andern abweichenden Religionsparteyen beylegte. Die Waldenser bekommen ihn im zwölften und den folgenden Jahrhunderten in der herrschenden Römischen Kirche sehr oft, und da diese die zahlreichsten und furchtbarsten Gegner der herrschenden Kirche waren, zu gleicher Zeit auch das Deutsche Wort Ketzer gangbar wird, so ist es wahrscheinlich, daß dieses Wort nachmahls einem jeden, der in Religionswahrheiten abweicht, geblieben ist. Schon die Italiäner verwandelten das th in Catharus in den Zischlaut, und nannten einen Waldenser Gazaro, im mittlern Lat. Cazerus, Gazarus. In einer Österreichischen Urkunde von 1317 in Duellii Excerptis hist. geneal. S. 45 unterschreibt sich Heinrich der Chetzer.
5360 Zeichen · 58 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KETZERstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    KETZER stm. ketzer. lat. gr. Catharus . ketzer juden heiden Vrid. 26,20. der ketzer lêre das. 26,15. vgl. einleit. LXV. …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    2. Kêtzer

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    2. Der Kêtzer , des -s, plur. ut nom. sing. Fämin. die Ketzerinn, eine Person, welche Grundirrthümer in der Heilsordnung…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ketzer

    Goethe-Wörterbuch

    Ketzer 1 (streitbarer) Vertreter eines vom althergebrachten, katholischen Christentum abweichenden Glaubens, Häretiker; …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Ketzer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Ketzer ( Härētiker ), überhaupt alle, die von der als rechtgläubig allgemein anerkannten Kirchenlehre abweichen, zu unte…

  5. modern
    Dialekt
    Këtzer

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Këtzer [ X atsər S.; sonst Khatsər fast allg.; Khætsər Str. ] m. Schlingel, durchtriebener, ausgelassener Mensch; einer,…

  6. Sprichwörter
    Ketzer

    Wander (Sprichwörter)

    Ketzer 1. Es ist kein Ketzer, er hat seinen Glauben. Holl. : Daar is geen ketter, of hij heeft zijn letter. ( Harrebomée…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ketzer

124 Bildungen · 108 Erstglied · 14 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von ketzer

ketzeln + -er

ketzer leitet sich vom Lemma ketzeln ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von ketzer 2 Komponenten

ket+zer

ketzer setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ketzer‑ als Erstglied (30 von 108)

ketzerbart

DWB

ketzer·bart

ketzerbart , m. schimpfwort für evangelische wie ketzer selbst, vgl. knasterbart ; ein mönch droht solchen von der kanzel, dasz wenn sie sic…

ketzerbir

Lexer

ketzer·bir

ketzer-bir swf. eine art birnen. ketzer-, ketzapiren Germ. 9,205. 198 (16. jh. ).

ketzerbirn

DWB

ketzer·birn

ketzerbirn , f. eine birnenart, ketzerpiren pl., bair. 16. jh. Pfeiffers Germ. 9, 205 ( unten ). 198.

ketzerbube

DWB

ketzer·bube

ketzerbube , m. gleich ketzer 2: cinedus, paticus u. s. w., ketzerbube. B. Trochus G 4 b ( Dief. 118 c ), eig. gewiss allgemein gleich ketze…

ketzerbuch

DWB

ketzer·buch

ketzerbuch , n. liber haereticus: des abergloub ist ietz so vil, do mit man gsuntheit suochen will, wann ich das als zuo samen suoch ( conj.…

ketzerbuoch

Lexer

ketzer·buoch

ketzer-buoch stn. ketzer-, zauberbuch Narr. 38,10. 110 a , 167. vgl. ketzerîe.

ketzerei

DWB

ketze·rei

ketzerei , f. haeresis, mhd. ketzerîe, auch ketzerheit, nd. ketterie, nl. ketterij, dän. kjetterie. 1 1) kirchlich. 1@a a) eigentlich, ketze…

ketzerei

FWB

1. ›von der herrschenden religiösen oder konfessionellen Lehre abweichende Überzeugung, falscher Glaube, Häresie‹; 2. ›Sodomie‹

ketzereifer

DWB

ketzer·eifer

ketzereifer , m. religiöse verfolgungssucht, fanatismus: grausamer wüterich, verfluchter ketzereifer! Haller (1777) 91 .

ketzeren

KöblerMhd

ketze·ren

ketzeren , sw. V. nhd. zum Ketzer machen, hetzen Hw.: vgl. mnl. ketteren, mnd. kettæren (2) Q.: Netz (Anfang 15. Jh.) E.: s. ketzer W.: nhd.…

Kêtzerey

Adelung

ketze·rey

Die Kêtzerey , plur. die -en. 1) Die Fertigkeit, Grundirrthümer in der Heilsordnung zu behaupten, und in weiterer Bedeutung, besonders in de…

ketzerfeuer

DWB

ketzer·feuer

ketzerfeuer , n. scheiterhaufen, flamme zur verbrennung der ketzer, ketzerverbrennung: o wie manchs herrlich buch mich mügt ( ärgert ), dasz…

ketzerfürst

DWB

ketzer·fuerst

ketzerfürst , m. heresiarcha, ketzerfurste. Dief. 275 c , hauptketzer, vgl. unter ketzerkrone.

Ketzerg(e)spräng

Idiotikon

Ketzerg(e)spräng Band 10, Spalte 869 Ketzerg(e)spräng 10,869

ketzergelt

KöblerMhd

ketzer·gelt

ketzergelt , st. N. nhd. Ketzergeld, konfisziertes Vermögen der Ketzer Q.: DRW (1429) E.: s. ketzer, gelt W.: nhd. DW- L.: DRW

ketzergemeine

DWB

ketzer·gemeine

ketzergemeine , f. ketzerische secte, gemeinde: weil wir so blind und sicher sein mitten in der ketzergemein. Scheibles flieg. bl. 184 ( v. …

Ketzergericht, geistliches

Herder

Ketzergericht, geistliches , kirchliche Inquisition (inquisitio haereticae pravitatis) , heißt das für Ausmittelung und Niederhaltung von Hä…

Ketzergericht, weltliches

Herder

Ketzergericht, weltliches , Staats-Inquisitionen , kamen auf, indem sich die Staatsgewalt der kirchlichen Inquisition bemächtigte, die Compe…

ketzergeschōz

KöblerMhd

ketzergeschōz , st. N. nhd. Ketzergeschoss, Geschoss zur Bekämpfung der Ketzer Q.: Urk (1431) E.: s. ketzer, geschōz (1) W.: nhd. DW- L.: DR…

ketzer als Zweitglied (14 von 14)

brotketzer

DWB

brot·ketzer

brotketzer , m. qui propter panem sectae alicui se applicat. Stieler 955 .

Fecketzer

BWB

Fecketzer Band 2, Spalte 2,500

Fucketzer

BWB

Fucketzer Band 2, Spalte 2,698f.

Pecketzer

BWB

Pecketzer Band 2, Spalte 2,45f.

Pfucketzer

BWB

Pfucketzer Band 2, Spalte 2,698f.

Tocketzer

BWB

Tocketzer Band 3, Spalte 3,1819

Weinketzer

Wander

wein·ketzer

Weinketzer Das seynd Weinketzer, die den guten Wein mit Schwefel vnd Schmier verderben, er fehrt doch wol sein Strassen. – Lehmann, 880, 50.

Ableitungen von ketzer (2 von 2)

verkëtzeren

ElsWB

verkëtzere n [fərkhatsra Su. ; fərkhatsərə K. Z. Han. ] verderben, böswillig beschädigen, durch unzeitiges dummes Geschwätz nicht gelingen l…

verketzerung

DWB

verketzerung , f. ketzererklärung, entstellung des wahren sachbestandes. Adelung 4, 1455 .

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APA
Cotta, M. (2026). „ketzer". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/ketzer/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „ketzer". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/ketzer/adelung. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „ketzer". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/ketzer/adelung.
BibTeX
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