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Honig

ahd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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19 in 17 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Honig

Bd. 9, Sp. 531
Honig (lat. Mel), der von den Bienen, besonders der Honigbiene (Apis mellifica, s. Bienen), aus den Nektarien der Blüten gesammelte, in ihrem Körper verarbeitete und in besondere Zellen des Bienenstockes entleerte süße Saft. Die aus dem Stocke genommenen Waben kommen ohne weitere Zubereitung in den Handel (Scheibenhonig), oder man zerschneidet sie und läßt den H. frei ausfließen (Jungfernhonig). Werden die Waben schließlich ausgepreßt (Preßhonig) und ausgekocht, so erhält man den Seimhonig. Tafelhonig ist reiner guter H Vorteilhafter wird der H. mit der Zentrifugalmaschine (s. Tafel »Bienenzucht«, Fig. 13) unter Erhaltung der Waben gewonnen (Schleuderhonig). Der von den Bienen im Frühjahr angesetzte Maihonig übertrifft den Herbsthonig an Wohlgeschmack, ebenso der Kraut- oder Landhonig, den die Bienen aus vielen verschiedenen Blumen sammeln, den Heidehonig, der nur von dem Heidekraut (Calluna) und Buchweizen stammt. Als bester H. gilt der von Lindenblüten stammende Lindenhonig. H. ist eine gelbliche oder bräunliche, mehr als sirupdicke, anfangs fast durchsichtige Flüssigkeit vom spez. Gew. 1,415–1,440, die nach längerm Aufbewahren blumenkohlartige Kristallisationen von Zucker absetzt, auch wohl ganz zu einer kristallinischen Masse erstarrt; er schmeckt süß, oft ein wenig scharf, riecht angenehm balsamisch; doch richten sich Geruch und Geschmack, auch die Farbe, bemerkbar nach den Pflanzen, von denen der H. stammt. Die Gewinnung beeinflußt ebenfalls die Farbe, Schleuderhonig ist heller als Preßhonig. Giftige Pflanzen können giftigen Honig geben (vgl. Delibal). Der H. enthält etwa 75–80 Proz. Trockensubstanz, davon 70 Proz. Zucker und zwar Fruchtzucker (Levulose) und Traubenzucker (Dextrose), welch letzterer allmählich kristallisiert; er enthält ferner, solange er frisch ist, etwas Rohrzucker, außerdem Protemkörper (1–1,2 Proz.), Ameisensäure, Farbstoff, Schleim (0,1 Proz.), Mineralstoffe etc. H. reagiert schwach sauer (Gehalt an Ameisensäure), polarisiert nach links (wegen des vorwiegenden Gehalts an Fruchtzucker), doch kommen auch reine Naturhonige vor, die schwach nach rechts polarisieren. Rußland, Polen, Ungarn, Griechenland, Spanien, Frankreich, Deutschland und Amerika liefern bedeutende Mengen H. Unter den Handelssorten ragen hervor: der Havanna- und der Illinoishonig (weißlichgelb, kristallinisch, wenig aromatisch), der H. von Valparaiso und Santo Domingo, der italienische (besonders der römische, der sehr häufig verfälscht wird), der französische, besonders der von Narbonne, der polnische, und von den deutschen Sorten der holsteinische gelbe. Der ungarische H. ist gering. H. geht leicht in Gärung über und muß an einem kühlen Ort aufbewahrt werden. Kristallinisch gewordener H. wird wieder klar beim Erwärmen. Für medizinische Zwecke reinigt man H., indem man ihn mit 2 Teilen Wasser eine Stunde bis nahe auf 100° erhitzt, dann auf 50° abkühlen läßt, filtriert und im Dampfbad zur Sirupskonsistenz verdampft. Auch setzt man vor dem Filtrieren von seinem Pulver befreite, grob zerstoßene Holzkohle oder in Wasser gerührtes Filtrierpapier und, wenn er sauer reagiert, etwas Schlämmkreide zu. Verfälschungen von H. sind recht häufig. Wichtiger aber ist die Herstellung von Kunsthonig (in Preußen jährlich ca. 56,000 Ztr.) aus Stärkezuckersirup und Fruchtzucker (invertiertem Rübenzucker). Wird künstlich hergestellter Invertzucker auf richtige Konzentration gebracht und mit einigen Bestandteilen des Honigs, wie Mineralstoffe, organische Säuren, Wachs, Farbstoff etc., selbst Blütenstaub, versetzt, so ist das Fabrikat chemisch von echtem H. nicht sicher zu unterscheiden. Deutschland produziert jährlich etwa 200,000 dz H., führte aber 1903: 30,321 dz (auch künstlichen H.) im Werte von 1,4 Mill. Mk. ein, davon etwa die Hälfte aus Chile, doch ist dieser chilenische H. gar kein H., sondern Palmensaft, der von Lebkuchen- und Bonbonfabrikanten gern verarbeitet wird. Man benutzt den H. als Genußmittel, zu Backwaren (Honigkuchen, Lebkuchen, Pfefferkuchen) und Konfitüren, zur Konservierung von Früchten und andern Nahrungsmitteln, zu Getränken (Honigwein, Honigbier, Honigobstwein, Met etc.), in den Apotheken zur Darstellung einiger Präparate (Rosenhonig, Sauerhonig etc.). H. ist ein gesundes Nahrungsmittel, ein Eßlöffel voll H. enthält 75 Wärmeeinheiten, also mehr als ein Ei und ist nahrhafter als Malzextrakt. In der Schweiz, in Frankreich etc. wird H. vorzugsweise zum Frühstück genommen. – H. war eins der ersten Nahrungsmittel der Menschen. Milch und H. oder der Extrakt der feinsten Teile daraus war die Kost der Götter (Ambrosia); Zeus, als Zögling der Honignymphe Melissa, ist auch Mischkünstler dieses Honigtrankes. Als er seinen Vater Kronos überfallen wollte, schläferte er ihn durch H. ein. Die Alten glaubten, daß der H. als Tau vom Himmel falle; in der nordischen Götterlehre träufelt von der heiligen Esche der Tau (Hunangsfall, Honigfall) auf die Erde, und von ihm nähren sich die Bienen. Der griechische Mythus läßt die Nährerinnen des Zeus, die Bienen, endlich von diesem mit der Kunst belohnt werden, den H in Wachstafeln, als Kost für den Winter, zu bewahren. Bei Moses und in den Psalmen, im Hohenlied Salomos und an andern Orten der Bibel wird des Honigs rühmend gedacht; Johannes der Täufer lebte in der Wüste zum Teil von H. Bei den Hebräern durfte H. nicht zu Speiseopfern benutzt werden; nur Erstlinge vom H. wurden dargebracht, gehörten aber den Priestern. Homer, Euripides, Ovid, Vergil besingen den H. wegen seiner trefflichen Eigenschaften. Nach Diodor von Sizilien bildete H. die Hauptnahrung vieler Völker Italiens. Nach Platon opferte man in den ältesten Zeiten den Göttern nichts als mit H. bestrichene Früchte. Allgemein hielt man H. für ein treffliches Nahrungs- und Heilmittel. Doch kannte man auch die giftigen Eigenschaften manchen Honigs (Sprichwörter), und der pontische H. war durch Xenophons Rückzug berüchtigt genug. Der H. von Hyble in Sizilien und vom Hymettos in Attika war wegen seines Aromas berühmt, der von Korsika stand in üblem Ruf wegen seines Taxusgeschmacks. Auch der Koran erwähnt den H., und arabische Ärzte haben mehrfach davon gehandelt. Nach Strabon legten die alten Assyrer Leichen in H., um sie zu konservieren; auch Agesipolis, König von Sparta, Agesilaos und Alexander d. Gr. wurden nach ihrem Tod in H. gelegt. Auch Skythen und Perser, später auch andre Völker, wie die Römer, benutzten H. zum Einbalsamieren der Leichen. Der Kaiser Iustinianus wurde mit H. und Wachs einbalsamiert. Ebenso benutzte man H. zur Konservierung von Früchten und andern Nahrungsmitteln. Durch die Einführung des Zuckers und die Verminderung des Wachsverbrauchs zu Kerzen sank die Bedeutung des Honigs sehr erheblich. Vgl. Arnold, Der H., dessen Bedeutung, Wert und Verwendung (Ansbach 1886); Lahn, Lehre der Honigverwertung (2. Aufl., Oranienburg 1888); Pauly, Der H. und seine praktische Verwertung (2. Aufl., Graz 1890); Eckhoff, Der reine Bienenhonig (Vegesack 1893); »Denkschrift über den Verkehr mit H.«, ausgearbeitet im kaiserlichen Gesundheitsamt (Berl. 1903).
7089 Zeichen · 115 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    honig

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    honig s. honag.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Honig

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Das Honig , des -es, plur. inus. der süße Saft, welchen die Bienen aus den Blüthen des Pflanzenreiches eintragen. Die Bi…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Honig

    Goethe-Wörterbuch

    Honig im Vers Gen ‘Honiges’ ReinF II 94 ; in ‘Reineke Fuchs’ gelegentl neutr; etwa ein Drittel der Belege im Bild od met…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Honig

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Honig (mel) , die bekannte süße Substanz, welche von den Bienen aus dem verschluckten Nektar im ersten glatten Magen ber…

  5. modern
    Dialekt
    Honig

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Honig [Hûnik Roppenzw. Liebsd. Banzenh. ; Hùnik Su. Geberschw. ; Hyùnik M. ; Honi Bf. Str. ( JB. VIII 199) K. Z. ; Hùni …

  6. Sprichwörter
    Honig

    Wander (Sprichwörter)

    Honig 1. Aussen Honig, innen Galle. Mhd. : Ûzen hönik und innen gall. ( Suchenwirth, XXIV, 238. ) 2. Das ist schlechter …

  7. Spezial
    Honig

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ho|nig m. (-s,-e) 1 mil (mils) f. 2 ‹fig› (Süßes) duc m. , mil f. ✒ die Spinne saugt Gift, die Biene Honig aus allen Blu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit honig

412 Bildungen · 383 Erstglied · 26 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von honig

hon + -ig

honig leitet sich vom Lemma hon ab mit Suffix -ig.

honig‑ als Erstglied (30 von 383)

Honigbart

SHW

Honig-bart Band 3, Spalte 693-694

Honigberg

SHW

Honig-berg Band 3, Spalte 693-694

Honigbiene

SHW

Honig-biene Band 3, Spalte 693-694

Honigbier

SHW

Honig-bier Band 3, Spalte 693-694

Honigbirne

SHW

Honig-birne Band 3, Spalte 693-694

Honigblume

SHW

Honig-blume Band 3, Spalte 693-694

Honigbrot

SHW

Honig-brot Band 3, Spalte 693-694

Honigbube

SHW

Honig-bube Band 3, Spalte 693-694

Honigeimer

SHW

Honig-eimer Band 3, Spalte 695-696

Honigernte

SHW

Honig-ernte Band 3, Spalte 695-696

Honigessig

SHW

Honig-essig Band 3, Spalte 695-696

Honigfaß

SHW

Honig-faß Band 3, Spalte 695-696

Honiggasse

SHW

Honig-gasse Band 3, Spalte 695-696

honiggelb

SHW

honig-gelb Band 3, Spalte 695-696

Honigglas

SHW

Honig-glas Band 3, Spalte 695-696

Honiggras

SHW

Honig-gras Band 3, Spalte 695-696

Honighafen

SHW

Honig-hafen Band 3, Spalte 695-696

Honigjahr

SHW

Honig-jahr Band 3, Spalte 695-696

Honigkanne

SHW

Honig-kanne Band 3, Spalte 695-696

honig als Zweitglied (26 von 26)

Êssighonig

Adelung

essig·honig

Der Êssighonig , des -es, plur. inus. in den Apotheken, ein aus Honig und Essig bereiteter Syrupp; Oxymel simplex, Sauerhonig.

futterhonig

DWB

futter·honig

futterhonig , m. , auch n., honig womit die bienen im winter oder im frühlinge gefüttert werden. Krünitz 15 (1786) , 584. im Oldenburgischen…

Glashonig

Adelung

glas·honig

Das Glashonig , des -es, plur. inus. ein Art Honiges, welche durchsichtig wie Glas ist, und auch Zuckerhonig genannt wird.

humsahonig

AWB

humsahonig st. n. ( z. Bed. des Bestimmungsworts vgl. DWb. IV,2,1905. 1910 s. vv. hummen, humse, humsen). — Graff IV,961. Mit -ng infolge Na…

jungfernhonig

DWB

jungfern·honig

jungfernhonig , m. n. der beste und reinste honig aus einem bienenstocke. auch der honig der von den jungferbienen eingetragen wird; das jun…

lebhonig

DWB

leb·honig

lebhonig , m. der grobe gezeidelte honig, der in einen sack gethan und ausgepreszt wird, honig in fladen ( der erste bestandtheil des wortes…

lindenhonig

DWB

linden·honig

lindenhonig , m. honig den die bienen von der lindenblüthe eintragen. Jacobsson 2, 616 b .

palmhonig

DWB

palm·honig

palmhonig , m. honig, welchen die bienen in der palm- oder knospenzeit eintragen ( s. palme 5). Jacobsson 3, 185 b .

Rauhhonig

Adelung

rauh·honig

Das Rauhhonig , des -es, plur. doch nur von mehren Arten oder Quantitäten, die -e, im Honighandel, rauhes Honig, d. i. solches, welches so w…

rosenhonig

DWB

rosen·honig

rosenhonig , m. mit rosen eingekochter honig, rhodomeli. Frisch 2, 126 c , mhd. rôsenhonic, nl. roosenhoonigh Kilian. 1 1) eigentlich: wer r…

sauerhonig

DWB

sauer·honig

sauerhonig , m. ein aus honig und essig bereiteter syrup: sogar eine gevatterschaft bleibt für eine arme magd immer ein sauerhonig und helld…

scheibenhonig

DWB

scheiben·honig

scheibenhonig , m. honig, der noch in den scheiben befindlich ist ( s. scheibe 3, o ). Jacobsson 3, 568 a .

seimhonig

DWB

seim·honig

seimhonig , m. der vom wachs abgesonderte honigseim, mel liquatum. Overbeck bienenwb. (1765) 43 , honig, der nicht von selbst aus den waben …

sommerhonig

DWB

sommer·honig

sommerhonig , m. bei den bienenzüchtern der honig, den die bienen im sommer eintragen. Adelung, den die bienen um den längsten tag in den ge…

Steinhonig

Adelung

stein·honig

Das Steinhonig , des -es, plur. car. alter verhärteter Honig in den Scheiben; Zuckerhonig, weil er die Consistenz des Zuckers bekommt.

tonnenhonig

DWB

tonnen·honig

tonnenhonig , m. , honig, welcher nach der ausbrechung mit den scheiben in tonnen gestampft wird, auch rauchhonig, zum unterschiede vom seim…

waldhonig

DWB

wald·honig

waldhonig , m. ( früher auch n. ) der von den wilden bienen in hohlen bäumen zusammengetragene honig: mel silvestre. voc. inc. teut. C 2 a ;…

zuckerhonig

DWB

zucker·honig

zuckerhonig , m. 1) eine art zucker: ind schuymen alwege dat oeverste ( von dem im kessel siedenden zuckerrohr ) aeff dat sij in tonnen ader…

Ableitungen von honig (3 von 3)

Enthonigen

Campe

Enthonigen , v. trs. bei den Wachsbleichern, des Honiges berauben, vom Honige reinigen. Das Wachs enthonigen. Das Enthonigen. Die Enthonigun…

honige

BMZ

honige swv. 1. bin voll honig. dâ honiget diu tanne Trist. 17986. den diu zunge honget und daʒ herze gallen hât Walth. 30,13. daʒ honigende …

verhonigen

DWB

verhonigen , verb. zu honig machen, versüszen: dein speis mit zucker ist besprengt, aber mit gfar auch sehr vermengt. was der honig daran ve…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „honig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 19. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/honig/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „honig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/honig/meyers. Abgerufen 19. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „honig". lautwandel.de. Zugegriffen 19. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/honig/meyers.
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