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haus

nhd. bis nhd. · erste Belege seit 8./9. Jh. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
19 in 16 Wb.
Verweise rein
62
Verweise raus
262
Treffer Präfix
2.255 in 30 Wb.
Knoten 1-Hop
324
Komposita
0+
Sprachstufen
6

Hauptquelle · Grimm (DWB, 1854–1961)

haus n.

Bd. 10, Sp. 640

haus , n. domus. I I. form und herkunft. Im gothischen ist das wort nur in dem einmal vorkommenden compositum gud-hûs gotteshaus, tempel erhalten und wird sonst durch razn ersetzt; dagegen findet es sich in allen andern alten dialecten übereinstimmend in neutralem geschlecht und in der form hûs, eine form die ihren langen vocal zufrühest im mittelenglischen und im bairischen seit dem 14. jahrh. in den diphthongen umsetzt, so dasz dort house, hier haus entsteht. auf letzterem grunde ruht die nhd. schriftform. das mnl. nnl. wandte sich zur form huys, huis. was die ableitung des wortes betrifft, …

Lautwandel-Kette

Von der ie. Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Haus

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Das Haus , des -es, plur. die Häuser, Diminut. das Häuschen, Oberd. Häuslein. 1. In der weitesten Bedeutung, ein Behältn…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Haus

    Goethe-Wörterbuch

    Haus ca 70 mal -ß (bes hs, auch vor Flexionsendung), deutl seltener -ss; gelegentl, bes in Br Kleinschr; vereinzelt Zusa…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Haus

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Haus , s. Meyers Wohnhaus .

  4. unbekannt
    Haus

    Wander (Sprichwörter)

    Haus 1. Alte Häuser haben trübe Fenster. Dän. : Gammelt huus haver dumme vinduer. ( Prov. dan., 315. ) 2. Alte Häuser le…

  5. modern
    Dialekt
    Haus

    Schweizerisches Idiotikon · +6 Parallelbelege

    Haus Band 2, Spalte 1468 Haus (I) N. 2,1468 Faksimile ansehen

  6. Spezial
    «Hausn des Buches»

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    «Haus , n des Buches» «Дом , м книги»

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Wortbildung

Komposita mit haus

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Lesefassung · zusammengeführt aus DWB + Pfeifer

Was haus war, ist und bedeutet hat

Eine Bekleidung, die mit den Jahrhunderten an den Beinen hochgewandert ist — von der Wade über das Knie bis zur Hüfte. Der Name aber blieb derselbe, seit dem 9. Jahrhundert.

Im Althochdeutschen, im 9. und 10. Jahrhundert erstmals belegt, bezeichnet hosa noch nicht die Hose, wie wir sie kennen. Glossen geben das lateinische tibialia wieder — eine Bedeckung des Unterschenkels — und ocrea, einen Beinschiener oder Stiefelschaft. Was wir heute Hose nennen, hieß noch bruoch: das pruoh, das die Schamteile bedeckte und kürzer oder länger zum Oberschenkel hinabreichte.

„hose, f., meist plur. hosen, femoralia. vom ahd. pruoh, mhd. bruoch unterschieden, welches die um die schamtheile gehende, nach art unserer schwimmhosen verfertigte und kürzer oder länger zum oberschenkel hinabreichende beinbekleidung bezeichnet, drückt hose allgemein die bedeckung des unterschenkels aus." — Grimm, DWB Bd. 10, Sp. 1837

Das Mittelhochdeutsche kennt die hose bereits paarweise — die Lexer-Belege zeigen, dass „hosen" als Plural die Regel ist, nicht der Singular. Und sie wandert schon: bei Notker bedeckt sie noch den Fuß und die Wade, bei Konrad von Würzburg reicht sie schon zum Knie. Im Mittelniederdeutschen mit dem typischen Längezeichen hōse, ergänzt um Komposita, die das Stück Stoff in seine handwerkliche Welt einbetten: hosenmaker, hosenbant, hosenstrick.

Der etymologische Befund verbindet hose mit Wörtern, die zunächst weit weg scheinen. Die indoeuropäische Wurzel ist *(s)keu- „bedecken, umhüllen" — und sie steckt auch in Haus, Haut, Hort, Hütte, Scheune, Schuh. Pfeifer rekonstruiert eine s-Erweiterung *(s)keus-, aus der germanisches *husōn- wird, und daraus althochdeutsches hosa.

„Hose f. ‚Beinkleid', ahd. hosa (9./10. Jh.), mhd. hose, asächs. hosa, mnd. mnl. hōse, aengl. hosa, anord. hosa führen auf ie. *(s)keus-, eine s-Erweiterung der mehrfach weitergebildeten und verbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‚bedecken, umhüllen'." — Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen

Die entscheidende Wanderung passiert im 16. Jahrhundert. Bis dahin teilte sich die Beinbekleidung in zwei Stücke: bruoch für oben, hose für unten. Ende des Mittelalters verschmelzen sie — und der Name bruoch verschwindet mit dem Stück. Die hose bedeckt jetzt das, was sie vorher nicht bedeckte. Das Wort bleibt, das Ding wandert. Adelung und Campe schreiben im 18. Jahrhundert nur noch von der Hose, plur. die -n als „enge Bekleidung der Beine und der Geschlechtstheile" — als wäre das schon immer so gewesen.

In den modernen Mundarten überlebt der Plural als Norm. Das Pfälzische Wörterbuch verzeichnet die Hose ausdrücklich als f. Pl.: in pfälzischer Mundart heißt es „die Hose anziehe", auch wenn nur ein Stück gemeint ist. Im Norden — Schleswig-Holsteinisches Wörterbuch — konkurriert das Wort mit dem niederdeutschen Büx, im Rheinischen mit Buks. Aber überall: dasselbe alte ie. *(s)keu-, dasselbe „bedecken".

Zwei Quellen nebeneinander

DWB ↔ Pfeifer

Der historische Voll-Eintrag (Grimm) und die etymologische Komprimierung (Pfeifer) im direkten Vergleich.

Grimm DWB

Bd. 10, Sp. 1837 · 1854–1961

haus , n. domus. I I. form und herkunft. Im gothischen ist das wort nur in dem einmal vorkommenden compositum gud-hûs gotteshaus, tempel erhalten und wird sonst durch razn ersetzt; dagegen findet es sich in allen andern alten dialecten übereinstimmend in neutralem geschlecht und in der form hûs, eine form die ihren langen vocal zufrühest im mittelenglischen und im bairischen seit dem 14. jahrh. in den diphthongen umsetzt, so dasz dort house, hier haus entsteht. auf letzterem grunde ruht die nhd. schriftform. das mnl. nnl. wandte sich zur form huys, huis. was die ableitung des wortes betrifft, so ist sein schlieszender consonant als nicht wurzelhafter, als rest eines mittel oder werkzeuge andeutenden suffixes -as, goth. -is, -isa zu nehmen, so dasz das alte hû-s zunächst für hû-is steht und…

Pfeifer etym.

Etym. Wb. d. Deutschen

Haus n. ‘Gebäude, Bewohner desselben, Geschlecht, Hauswesen’. Das gemeingerm. Substantiv ahd. hūs ‘Gebäude, Familie, Hauswesen, Geschlecht’ (8. Jh.), mhd. hūs ‘Gebäude, Wohnung, Hütte, Schloß, Rathaus, Haushaltung, Familie, Geschlecht’, asächs. mnd. aengl. anord. hūs, mnl. huus, nl. huis, engl. house, schwed. hus, got. in gudhūs ‘Gotteshaus’ läßt sich vielleicht im Sinne von ‘Bedeckendes’ an ie. *(s)keus- anschließen (wozu auch Hose und Hort, s. d.), eine s-Erweiterung der weitverbreiteten Wurzel ie. *(s)keu-, *(s)keu̯ə-, *(s)kū- ‘bedecken, umhüllen’ (s. Haut, Hode, Hütte, Scheune, Schuh). – Häuschen n. ‘kleines Haus’ (17. Jh.); vgl. ahd. hūsilī(n) (8. Jh.), hūsil (Hs. 13. Jh.), mhd. hiuselīn, hiusel. Die Wendung (ganz) aus dem Häuschen sein, geraten ‘aufgeregt, außer sich sein’ (um 1800) …