gurt,
m. , gurt, gurte,
f., gürtel, sattelgurt, band. form. mnl. gort,
m., gorde,
f., im ahd. nicht bezeugt; mhd. als simplex sehr selten, häufiger die composita über-, umbe-, undergurt.
daher postverbales substantiv zu gürten,
vb., s. Walde-Pokorny 1, 608. —
das starkflectierte masc. gurt
herrscht in älterer wie neuerer literatur vor. der plur. lautet im nom., gen., acc. gurte,
z. b. Jacobsson 2, 173
b; Th. L. v. Jacob
volksl. d. Serb. 2, 251; v. Alten 1, 36;
ostmd. gorte
treszlerb. 241
Joach.; in älterer zeit ist er zuweilen umgelautet: under den gürten Mynsinger 70
lit. ver.; mit gürten Lohenstein
Armin. 2, 484
a;
hierzu gürt (
pl.) Seiler
Bas. 156.
das fem. lautet im sing. frühnhd. meist ohne flexionskennzeichen gurt,
z. b. (
nom.)
2. Mos. 28, 8
u. ö.; Henisch 1783
f.; (
dat.) Joh. Arndt
paradiszgärtl. (1626) 85; (
nom.) Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 76
a;
so auch noch (
acc.) Pfeffel
poet. vers. 7, 196; (
dat.) Jean Paul 5, 107
Hempel; (
dat.) E.
M. Arndt
ansicht. d. teutsch. gesch. (1814) 91.
abweichend: gurte (
voc. 1482), gorte (
md. 15.
jh.)
cingula Diefenbach
gl. 563
c; 120
a;
ferner gurten (
schwach nom. sing.)
ebda 563
c; H. Frölich
offenb. d. natur (1591) 9; Henisch 1783;
mundartl. die gurten
noch jetzt, s. Schmeller-Fr. 1, 943; Hartmann-Abele
volksschausp. i. Bay. 56; Jacob
Wien 78
a; Staub-Tobler 2, 445;
mit umlaut: gürt (
acc.)
theatr. diab. (1575) 305
a; gürte (
dat.) Lindenborn
Diog. 1, 181.
gegenwärtig ist das fem. nur (
in der bed. '
band'
u. '
gurtbogen')
in der form gurte
allgemeiner verbreitet (
s. 2; 4).
hierzu wird ein schwacher plural gurten
gebildet, wie er (
in der bed. '
sattelgurt')
schon frühnhd. belegt ist: Aymont (1535) p 1
b; Ryff
traumb. (1570) 102
a;
nd. gorden (
m.?)
Lüb. zunftrollen nr. 379
Wehrm. starke fem. pluralform ist selten: gürte Luther 24, 91
W.; Hohberg
georg. cur. 2, 158.
als n. findet sich gurt
bei Jacobsson 2, 173
b (
neben dem m.); Staub-Tobler 2, 444;
vielleicht schon könig vom Odenwald 62 (
s. unter 1).
bedeutung und anwendung. 11)
im gebrauchsbereich von gürtel. 1@aa)
band, riemen, gürtel zum gürten der kleider. heute nur selten neben gürtel;
als kräftiger empfunden, daher in gehobener literatursprache bevorzugt. vereinzelt schon im 13.
jh.: (
er hob die beiden männer) ho uf impor, wen er si ot gevazzit vor zurucke hatte in den gurt Nic. v. Jeroschin
kron. v. Pruzinl. v. 12973
Strehlke; (
die frauen weben) zyechen unde teppich, stullachen, daz sage ich, gurte haben sie uzderkorn und einz, dran henket man daz horn könig vom Odenwald 62
Schröder; seit dem 16.
jh. häufig: seine gurt drauff sol derselben kunst und wercks sein
2. Mos. 28, 8;
auch 39, 5; (
ein spieler, der) seines weibs kleinoter, ring, gurt und sturtz verspielt Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 390; auch darf ein (
jäger-)junge noch kein ... hirschfänger tragen, sondern blos mit dem gurt um den leib gehen v. Heppe
lehrprinz (1751) 221; (
in einem kleide) das unter der brust über einen gurt ... ein wenig sich senkt Gleim
briefw. 1, 278
Körte; dichterisch: mutter der liebe, dir weiht Kallirhoe den kranz hier; Pallas, die locke dir; dir o Diana den gurt Herder 26, 82
Suph.; gürt ihm den gurt, und häng ihm um das schwert Rückert
werke (1867) 9, 128;
in jüngster zeit besonders auch für den hosengürtel, der die hosenträger ersetzt: farbiges hemd, verschlissene sammthose, gurt, abgetragener rock J. Greber
Lucie (1901) 10.
die kennzeichnenden beiwörter von gürtel
kehren hier wieder, aber weniger zahlreich und mannigfaltig; z. b. auf material und herstellung bezüglich: es schien nach dem ledernen gurt, den er um den leib trug, ein reisender viehhändler zu sein Hebbel
werke 8, 221
Werner; das ganze brustgebild ... bis wo den leib der goldne gurt umschlieszt H. v. Kleist 2, 35
Schm. (
Penth. iii);
hinsichtlich der form wird besonders die breite hervorgehoben: (
der reisende sorgte) für eine ungeheuer breite gurt um den leib Jung-Stilling
schr. (1835) 4, 38; (
fahne) deren stock in einem breiten gurt steckte Fontane I 2, 210.
auch mit der standesbezeichnung ritterlich
findet sich gurt: als er kommen war, gürteten sie ihm den ritterlichen gurt alsbald ab, und befohlen, dasz er ein priesterlich kleid anlegen solt G. Älurius
Glaciographia (1625) 359;
vgl. hierzu gürtel 6 c.
in verbindung mit verben, die verwendung des gurtes als träger und behälter spiegelnd: (
ein mensch, der) in den händen ... ein schwerd und dolchen, und ein paar handröhre in der gürte truge Lindenborn
Diog. (1742) 1, 181;
elliptisch: (
wo) jeder auf eigne faust richter spielt, den revolver im gurt C. Viebig
schlaf. heer (1904) 1, 181; ein schwert, mit jaspis reich bezogen, glüht an seinem gurt Schiller 6, 398
Göd.; diese pistole, die ich mir wegen des silbernen beschlags in den gurt steckte A. v. Arnim 10, 24
Gr.; er zog ganz ruhig eine pistole aus dem gurt Eichendorff
w. (1864) 3, 36; er risz wütend die faustwaffe aus dem gurt Watzlik
pfarrer v. Dornloh (1930) 241. —
in speziellen anwendungsbereichen; bei bestimmten berufstätigkeiten: '
der gürtel, den arbeitsame leute von leder umgürten ... wenn sie schwer heben oder das getraide hauen' Zincke
ök. lex. (1744) 1009;
bei fuhrleuten und reitern Krünitz 20, 393; '
kuppel oder wehrgehenk des jägers' Heppe
wohlred. jäger (1763) 154
a;
vgl. auch dess. lehrprinz (1751) 260
und Jacobsson 2, 174
b; '
leibgurt des spinners'
zschr. f. d. wortforsch. beiheft 9, 40 (
wortschatz v. Lübeck).
im bair. der schmuckgürtel der männer: die gurten, die gurt Schmeller-Fr. 1, 943; Schöpf 225; (
Goliath) in der perlengestickten gurten ein langes schwert Hartmann-Abele
volksschausp. 56. —
übertragen vom gürtel
des als menschengestalt vorgestellten sternbilds des Orion: Orions sternicht gurth Lohenstein
Epicharis (1685) 28; (
ich sah) Orions hellen gurt Herder 29, 377
Suphan. poetisch gelegentlich in weit hergeholten bildern und übertragungen, z. t. gürtel 8 b
ähnlich: den weiszen gurt, gewebt aus sonnen, legt er (
der himmel) zum erstenmal um sich J. E. Schlegel
ged. (1787) 1, 65; gottes donnergewölk im farbigen gurte des friedens rollt ostwärts J. H. Voss
ged. (1802) 3, 88; wie'n gurt umschnallt seine (
des Montblanc) hüft ein wald Heine 2, 225
Elster; (
die skalden waren in jeder schlacht umgeben mit) einer schirmenden gurt von jünglingen, skaldaburg genannt Jean Paul 5, 107
Hempel. in einigen redeweisen; im gleichen sinne wie unter dem gürtel tragen (
s.gürtel 4)
findet sich: der mir (
der schwangeren) under der gurt ligt, sol solchs an dir rechnen
theatr. diabol. (1569) 360
b;
dagegen vereinzelt: schon am 22. mai war er wieder in Berlin, um feuer hinter dem gurt zu machen,
d. h. um auf alle ... im sinne der ... neuen aussichten ... zu wirken R. Haym
leben M. Dunckers (1891) 104. sich mit jemandes gurt binden
etwa für '
gemeinsame sache mit ihm machen': (
Chursachsen, Brandenburg) gedachten nicht also sich mit der cardinäl und mönche gurt zu binden, sie wuszten allbereit ein bessern bund zu finden (
mit Schweden) Opel-Cohn
dreiszigj. krieg (1862) 284.
als symbol und träger von kräften und eigenschaften, wie u. gürtel 6.
als symbol weiblicher scham: die weiber aber sitzen fur der kirchen ... und wenn jemand fur ubergehet und eine von jnen hin weg nimpt und bey jr schlefft, rhümet sie sich wider die andern, das jene nicht sey werd gewest wie sie, das jr der gurt auffgelöset würde
Bar. 6, 43; eine, die sich nicht an den gurt kommen lies (
der die burschen nicht zu nahe zu treten wagten) Frenssen
Jörn Uhl (1902) 461. —
im sinne von '
zierende wappnung',
wie u. gürtel 6 a,
meist von ethischen begriffen im gefolge des bibelwortes gerechtigkeit wird die gurt seiner lenden sein und der glaube die gurt seiner nieren
Jes. 11, 5 (Luther
zitiert auch ... eyn gurtel ... ein gurt 12, 281
W.); (
er) begürtet seine lenden mit dem gurt der gerechtigkeit Stumpf
Schweizerchron. (1606) 355
b; umbgürte meine lenden und nieren mit der gurdt der keuschheit Joh. Arndt
paradiszgärtl. (1626) 85; der lenden gurt sey klarer warheit schein Opitz
opera (1690) 3, 144; die liebe gegen gott und den nechsten wird ... das band oder der gurt der vollkommenheit genennet Harsdörffer
t. secretar. (1656) 1, 694;
mit ausgeführtem bilde: (
wir sind) umbgürtet mit der harmoni göttlicher warheit als mit einer ährnen gurt und geschupten eisenschurtz Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 188.
ohne das starke ethos, rein zuständlich: ... seiner nieren gurt ist friede Ramler
lyr. ged. (1772) 330; zieh hin im gurte deiner kraft ins edle Schweizerland Schubart
schr. (1839) 4, 132; (
die vorsehung gottes) ist der gurt, womit ich mich morgens gürte
ders. leb. u. gesinn. 2, 285. 1@bb)
gürtel, um geld darin zu tragen, wie gürtel 2 b: sieh, was dem metzger eine gurt voll geld unter dem brusttuch hervorschaut Hebel 2, 201
u. ö. Behaghel; er zog einige wechselbriefe hervor, so wie einen mit gold angefüllten gurt G. Keller
w. (1889) 4, 212;
vgl. Martin-Lienhart 1, 234
b; Jos. Müller
rhein. 2, 1502;
ähnlich auch: die paar harten stücke, die noch ... in dem gurt eingenäht steckten Gaudy
w. (1844) 2, 39; vom markt heimgekehrt, ihnen aus dem ledernen gurt das geld vorzuzählen
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 2, 11;
vgl.: das täschchen ... das an meinem gurte hing und neben ... anderen dingen einen teil der letzten barschaft enthielt G. Keller
w. (1889) 2, 206;
bildlich von der biene: ... immer mehrend ihren werthen gurt, die reiche katze um des leibes mitten Droste-Hülshoff
w. (1879) 1, 82
Schücking; mit reichgefülltem gurt kehrten emsige bienen ... heim Ebner-Eschenbach
schr. (1893) 3, 162. 1@cc)
in weiterem sinne '
schurz': (
Adam u. Eva) machen yhn schürtz oder gürte von blettern geflochten Luther 24, 91
W.; Hesiodus habe nackte wettkämpfer ohne gurt eingeführt Joh. H. Voss
krit. blätter (1828) 2, 336; wie ein Dorier der erste war, der ... den lästigen gurt ... abwarf K. O. Müller
Dorier (1824) 2, 260;
vgl. succinctorium gurte Diefenbach
gl. 563
c;
cingulus gurt, schurtz 120
b. 1@dd)
die stelle des körpers, wo der gürtel sitzt. ebenso wie u. gürtel 5
als '
scheidelinie, mitte zwischen ober- und unterleib': die alten Sachsen haben den huren die haar und kleider abgeschnitten bisz an die gürt
theatr. diabol. (1575) 305
a; von dem gurthe bisz an die knie war sie zwar mit einer zarten leinwand verhüllet Lohenstein
Armin. 1, 1127
a; (
die) bisz über den gurth watenden
ebda 2, 850; ein camisol, das nur bis auf den gurt gehet Ludwig
dt.-engl. (1716) 822;
dagegen nur vereinzelt im directen sinne von '
taille': der gurt, die hüfften, da wo ein mensch sich gürtet
ebda; gleich an augen und haupt dem donnerfrohen Kronion, gleich dem Ares an gurt, und an hoher brust dem Poseidon Voss
Ilias (1793)
ges. 2,
v. 479.
vielleicht auch: ihr (
der jünglinge) haupt kann er mit blumenkränzen, mit rosen ihren gurt umwunden sehn Göthe 16, 183
W. (
geheimnisse v. 348). 1@ee)
in einigen übertragungen technischen gebrauchs gleicher art wie gürtel.
von einem bleiring um den baum, wie u. gürtel 7: wann aber die öpffel anfahen zu wachsen ... so thu die gurt wider hinweg
M. Herr
feldbau (1551) 122
b;
von einer gürtelartigen verstärkung am kanonenrohr, frz. ceinture Fäsch
kriegslex. (1735) 403
a; Eggers 1, 1124; Wolff
math. lex. 633;
vgl.gürtel 7.
geographisch, als lehnübersetzung von gr. ζώνη,
lat. zona, wie u. gürtel 8 a: wann man nun diese (
grade) mit iren underen zusammenthut ... mag man die zonam oder gurten nennen H. Frölich
offenbarung d. natur (1591) 9; welchen gurt oder umbkreisz wir den zodiacum nennen Paracelsus
op. (1616) 2, 553
Huser. wohl in gleicher lehnübersetzung, im sinne von '
streifen, gegend': auff das die werme des fewers die zon oder den gurdt des alembics (
teil des experimentiergefäszes) nicht erreichen mag Thurneysser
alchymia (1583) 31. 22)
in der baukunst terminologisch ausgebildet. 2@aa)
gürtelartige verzierung. an einem gebäude: ein gurt oder sims, der am ganzen hause hinläuft, gibt das bild, dasz ihm drinnen eine balkenlage entspreche
V. v. Strausz
lebensführ. (1888) 2, 279;
neben dem balkengesims
oder balkengurt,
der die stockwerke trennt, auch für brüstungsgesimse
oder fenstergurte,
s. O. Mothes
ill. baulex. (1882) 2, 546: (
rechts am portal ein schlangenkopf) der sich mit dem halse in das gesims verliert, links ... steigt aus dem gesims ein schlangenschwanz herab, so dasz, die gurt als leib betrachtet, eine schlange die ganze kirche umgiebt Th. Kerner
d. Kernerhaus 24;
vgl. schon Kramer ziergurt an einem bolwerk, an einem gebäu
dt.-it. (1700) 1, 577
b;
s. auch gurtband, -sims.
ein stufenförmiger absatz scheint in den folgenden belegen gemeint zu sein: gurt an gebeuden
praecinctiones (
Vitruv.) Stieler 716; Aler
dict. (1727) 1, 995
b;
vgl.gürtel 8 b; aber der fischer von auszen vernahm mit innigem lachen jegliches wort. er war auf den gurt an der mauer gestiegen, dicht am fenster das ohr Mörike 1, 262
Göschen (
idylle v. Bodensee); an seinem (
des turmes) untern gurt war eine merkwürdige alte inschrift eingehauen
ebda 3, 178.
vereinzelt bei säulen, wohl für eine bestimmte wulstung der basis: (
von den 5
arten von) seulen, wie selbe mit ihren fuszgestellen, leisten, vierungen, gurden, ringen ... unterschieden werden Harsdörffer
gesprächsp. (1641) 8, 437;
vgl. der ring
sive gurt der seulen
annulus, torques, torus, torulus Stieler 1693; Krünitz 20, 393;
s. auch gürtlein. 2@bb)
der eigentlichen bed. '
gürtel'
ferner gerückt, mehr der bed. '
band' (
u. 4)
entsprechend, speciell bei gewölben für die das gewölbe stützenden bogen, s. Mothes
ill. baulex. (1882) 2, 546;
als fem., gurte,
pl. gurten Karmarsch-Heeren 4, 190: (
mit) gürten überruck gewölbt (1619) E. Holl
bei Meyer
hauschron. d. fam. H. 72; merkwürdig war mir ein tonnengewölbe mit stark vortretenden gurten W. Stier
hesperische blätter (1857) 36; (
von einem kellergewölbe:) die gurte der alten wölbung ... verwandelten sich ihm Freytag
ges. w. 4 (1909) 69 (
soll u. hab.); (
die schatten) beginnen hörbar am gewölb zu gaukeln und auf und ab die gurten anzuklimmen L. Schücking
in Droste-Hülshoff
briefe (1893) 30.
s. auch gurtbogen. —
bei brücken wohl für die steinerne wölbung: (
bei einer flut der Mosel) der brücke gurt erbebt Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 412.
anders bei eisenbrücken, für die einfassung des gitterwerks, die zugleich die eisernen spannbögen oder geraden träger bildet, s. Meyer
konv.-lex.6 8, 531: der eine gurt (
wird) auf 'zug' ... beansprucht Karmarsch-Heeren 2, 81; die wagerechten gurte v. Alten 2, 564. 33)
sattelgurt. die vorstellung des gleichmäszig umschlieszenden gürtels weicht hier der des befestigenden bandes oder riemens (
vgl. 4);
seit etwa 1400
in gleichmäsziger häufigkeit belegt, z. b.: der afterraif was hänfein und der gurt pestein
fastnachtspiele 440
Keller; 1½ mark vor setil, zoume, gorte
Marienb. treszlerb. 241
Joachim; durch dieses heyden stärck ... must jtzt die gurt entzwey am sattel unten reissen D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636)
ges. 23,
str. 87; den gurt, der vom sattel umb den leib gemacht wird J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 28; (
ich bückte) mich, als wenn ich etwas am gurte (
des reitesels) zu thun hätte Göthe 24, 30
W.; er sasz in der gurt unter der stute br. Grimm
ir. elfenmärchen (1826) 114; jene stellen des sattels, der gurten und des andern geschirres der eselin Stifter
w. (1901) 3, 62
Sauer; in bestimmungen der körpergegend mehr oder minder abstract: (
dem boten) wurde nachts sein pferd bis an die gurt in hafer gestellt (1560)
bei Grimm
rechtsalt.4 1, 545; durch eine leidlich gangbare furt reitend, in der den gäulen das wasser noch über die gurte reichte und den reitern in die stiefel schöpfte Bernh. v.
d. Marwitz
stirb u. werde (1931) 104; (
ein pferd,) schlank und voll im gurt Auerbach
schatzkästl. (1862) 1, 160;
und nicht nur von reittieren: um das gurt werden die kühe gemessen
bei Staub-Tobler 2, 444. 44)
band. speciell eine breite, feste bandart von gutem hanfgarn, wie sie ursprünglich besonders zu sattelgurten verwendet wurde, s. Zincke
öcon. lex. (1744) 1008: gurten, wie an den satteln zu bauchgurten genommen werden Döbel
jäg.-practica (1754) 2, 75;
im 15.
jh. mit der bezeichnung leinen
belegt: (
das pferd erzählt:) ain mennlin bint mich mit ... lynin gürten Steinhöwel
Esop 237
lit. ver.; vgl. auch basten oben 3.
in weiterer verwendung zu betten, stühlen, polsterungen, als trag- und ziehbänder u. s. w.: dasz er geschwind unter das bett kriechen und füsze und hände in die gurte stecken solle, welche das bett trugen, um sich ... zu verstecken Heinse 2, 177
Schüddek.; der sitz des wagens ist von weichen gurten Hackländer
soldatenleben (1850) 150; der gurt (
mit dem er den holzschlitten zieht) reicht ihm vom rücken ... bis ans kinn Auerbach
schr. (1892) 15, 154; (
er zog) die um seinen oberleib geschlungene gurte ab (
mit der er den karren gezogen)
ders. schwäb. dorfgesch. (1884) 2, 52;
vgl. noch: das nackziehseil besteht aus zwei ... 2-3 zoll breiten gurten oder hülsen, deren enden durch zwei ... stränge verbunden ...; jeder legt sich einen gurt über den nacken, sieht den gegner an und sucht ihn rückwärts zu ziehen
F. L. Jahn 2, 78
Euler; rings um den (
fessel-)ballon läuft ... ein kräftiger gurt, an dem der korb für den beobachter (
befestigt ist) v. Alten 3, 211.
lexikalisch als m. gurt,
plur. gurte Jacobsson 2, 173
b; (
plur.) Karmarsch-Heeren 1, 402; Lueger 5, 23;
daneben ist von Süddeutschland her, z. t. fachsprachlich, das fem. gurte
verbreitet: Staub-Tobler 2, 445; Martin-Lienhart 1, 234
b; Hoyer-Kreuter
techn. wb. 1, 319;
plur. gurten Karmarsch-Heeren 4, 190; 9, 683;
wozu composita wie gurtenband, -bett, -macher
zu vergleichen sind. seltener für bänder andrer art: (
opferstiere, deren) rücken mit seidenen gürten überlegt waren Lohenstein
Armin. 2, 484
a; eine bibliothek ... mit 15 gefach, gefüllt mit fliegenden blättern, die ... durch holzstäbe und seidene gurten verbunden sind Ritter
erdk. (1822) 3, 823; gurte von kautschuk, lediglich zugeschnitten, ohne weitere bearbeitung Troje
zolltarif (1885) 171;
für riemen schlechthin: dan (
wird man) strichen en (
Jesus) mit gurten
Alsfelder passionsspiel 77
Grein; für kleine riemen zum zuschnallen: weinend löst ihm (
dem toten) Montesinos helm und seiner rüstung gurte Eichendorff
w. (1864) 1, 723.
verschiedene specielle verwendungen: gurt '
pastetenband' Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 125; '
windelschnur'
ebda 706; die gurt
gängelband für kleine kinder Birlinger
schw.-augsb. wb. 208
b; der gurt '
riehmen, welcher um die walze läuft' Täubel
wb. d. buchdruck. (1805)
anh. 32
b;
als die gurte
bei Hoyer-Kreuter
techn. wb. (1902) 1, 319; gurten oder pergamentstreifen (
werden zum buchbinden) in die heftlade gespannt Karmarsch-Heeren 2, 113.
dem sinn von '
gürtel'
wieder näher, wenn es sich nicht so sehr um bänder und streifen, als um ein umschlieszendes handelt; '
band zum umschnüren eines bündels': glychmasz, die soll der reitel syn, der gurt wär bald gebrochen, brächt dich in grosze pyn Val. Tschudi
trostlied (1530)
bei Staub-Tobler 2, 444;
vgl. vinctus, vinculum band, gurt Frisius
dict. (1556) 1381; gorde,
f., binde, die etwas eng umschlieszt Hofmann
ndhess. 111
b; gurt,
gurtkette bei leiterbäumen Fischer
schwäb. nachtr. 2082.
in neuerer zeit für riemen über die schulter: über die schulter ein gurt, an dem das schwert hing Holtei
vierzig jahre 1, 261; am gelben gurt den schwarzen operngucker stelzt durchs museum nun der Inglishman Arent-Conradi-Henckell
mod. dichterchar. (1885) 141.