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Gesims

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gesims

Bd. 7, Sp. 735
Gesims, Architekturgebilde zur Gliederung und zum Schmuck eines Baukörpers, aus dessen Oberfläche es, meist wagerecht, schmal und langgestreckt, in irgendwelcher Profilierung hervorspringt. Die Teile des Gesimses, die Gesimsglieder, sind glatt oder skulptiert (eventuell auch nur bemalt) und geben je nach ihrer Profilform und ornamentalen Behandlung dem G. verschiedene praktische Anwendbarkeit und tektonischen Charakter. In der Antike und den von ihr abgeleiteten Stilen tritt das letztere, in den mittelalterlichen Bauweisen das erstere Moment mehr in den Vordergrund. Je nach der Stelle, wo sie sich an der Fläche befinden, und nach ihrer Funktion unterscheidet man hauptsächlich Sockel- (Fuß-, Dach-) Gesimse, Gurt- (Zwischen-) Gesimse und Haupt- (Kranz-) Gesimse. Untergeordnetere Gesimsarten sind noch die Deck-, Trag-, Schutz- und Kaffgesimse. Die Sockelgesimse bilden die ästhetische Vermittelung zwischen dem Hauptbaukörper und seinem zur Lastübertragung auf eine größere Grundfläche verbreiterten Fuß. Sie müssen schlicht sein, dürfen den Wasserablauf nicht hindern und haben meist geringe Schattenwirkung. Neben einfachen Schrägen und Kehlen kommen zusammengesetzte Profile vor, unter denen namentlich das Profil der aus der griechischen Antike stammenden, aus einer Kehle zwischen zwei Wulften und mehreren Plättchen bestehenden Attischen Basis (s. d.) in allen Stilen Verbreitung gefunden hat (Fig. 1). Schärfer als bei dieser Gesimsart scheidet sich bei den Gurtgesimsen, die in der Regel in Höhe der Geschoßdecken liegen, der antike von dem mittelalterlichen Charakter. Das Hauptglied der antiken Gurtgesimse pflegt eine lotrechte Platte zu sein, die den Gurtcharakter gibt. Dazu treten stützende Unterglieder, insbes. Blattwellen, und, bei reichern Ausführungen krönende, das G. selbständiger machende Oberglieder (Fig. 2). Kleine gürtende Gesimse werden mehr in Schnürenform gebildet, und der Rundstab herrscht bei ihnen vor (Fig. 3). Bei den mittelalterlichen Gurtgesimsen tritt der tektonische Begriff des Gürtens zurück, die Geschoßtrennung wird Hauptsache, auch bilden die Gesimse vielfach die Fortsetzung der untern, vor die Front vorspringenden Teile der Fensterschrägen (Kaffgesimse). Für die Gotik typisch ist die Form Fig. 4. Traggesimse sind Zwischengesimse, die von einer untern zurückliegenden zu einer obern vorspringenden Fläche vermitteln. Die Hauptgesimse haben in der Antike und deren Ableitungen vornehmlich die Bestimmung, das Gebäude, dem das steile, bedeutsam in die Erscheinung tretende Dach fehlt, nach oben abzuschließen, zu krönen. Grundtypen sind die Kranzgesimse der antiken Säulenordnungen (s. d.); alle spätern antiken und Renaissancehauptgesimse sind mehr oder weniger Ableitungen desselben. Das mittelalterliche Hauptgesims, über dem das hohe Dach nicht zu fehlen pflegt, ist weniger ausgesprochen krönender Bauteil. Da es, wenn die Dachtraufe nicht über seine Vorderkante weggezogen ist, in der Regel die (Stein-) Rinne aufnimmt, ist es oben wagerecht abgeschlossen und entbehrt der für das Gurtgesims bezeichnenden Schräge (Fig. 5). Die Deckgesimse (Giebel-, Brüstungsgesimse, Mauerabdeckungen etc.) ähneln, je nachdem sie bedeutender oder untergeordneter auftreten, mehr den Haupt-, bez. Gurtgesimsen. In ihrem Charakter tritt besonders das schützende, deckende Moment hervor. Unter Schutzgesimsen versteht man insbes. die kleinen Gesimse, unter deren Schutz bei mittelalterlichen Bauwerken Dächer an Mauern anschließen (Fig. 7). Antike Giebelgesimse erhalten oft den Schmuck der Akroterien (s. d.), mittelalterliche den der Krabben und Kreuzblumen (s. d.). Als bereichernde Zutat erhalten die Gesimse, namentlich die Hauptgesimse, oft Friese, die in geometrischen Musterungen, ornamentalem oder figürlichem Schmuck, auch in Vorkragungen, Bogenreihen (Bogenfriesen) u. dgl. bestehen. Über reichen Hauptgesimsen erhebt sich oft eine Balustrade (Attika, s. d., S. 67) oder ein Zinnenkranz. Werden die Gesimsglieder selbst verziert, so hat dies bei den antiken Stilen im Sinne der Tektonik (s. d.) derartig zu geschehen, daß das aufgemeißelte oder ausgemalte Ornament die statische Funktion der Glieder, d. h. das Stützen, Trennen, Verknüpfen, Krönen etc. versinnbildlicht. Das Mittelalter verfährt freier und legt auf die Gesimsglieder, namentlich in die Kehlen, naturalistischen Pflanzenschmuck oder sonstigen Zierat. Allgemein gilt auch, daß die mittelalterlichen Gesimse, namentlich die Hauptgesimse, kleiner, bescheidener sind als die antiken. Im Werk- oder Bruchsteinbau werden die Gesimse aus bearbeiteten Quadern gefertigt. Der Terrakottabau ahmt diese Quadern durch große hohle Stücke aus gebranntem Ton nach, der gesündere Backsteinbau (s. d.) bildet sie aus Formsteinen (s. d.). Ein Beispiel gibt Fig. 6. Beim Putzbau (s. d.) werden sie in Mörtel auf einer Vermauerung mit der Schablone »gezogen« oder in Gipsstück hergestellt. Im Holzbau (s. d.), soweit dieser nicht Nachahmung des Steinbaues ist, kann man von Gesimsen im vorstehenden Sinne nicht reden. An ihre Stelle treten hier entweder Verbretterungen oder die vorgestreckten, verzierten Balken und Sparrenköpfe, die mit den profilierten Rahmen, Füllhölzern, Füllbrettern, Knaggen etc. den Hauptschmuck der Holzhäuser bilden. Ähnliches gilt auch vom Eisenbau (s. d.). Vgl. K. Bötticher, Tektonik der Hellenen (2. Aufl., Berl. 1869–81); Göller, Gesims (in Durms »Handbuch der Architektur«, Teil 3, Bd. 2; 2. Aufl., Stuttg. 1899); Hittenkofer, Das Entwerfen der Gesimse (5. Aufl., Leipz. 1885).
5521 Zeichen · 90 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gesims

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Gesims , des -es, plur. die -e, ein hervor stehender Rand um einen Körper, entweder etwas darauf zu stellen, oder au…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gesims

    Goethe-Wörterbuch

    Gesims NomSg -e 4,326 Aus Odyssee 10 horizontal verlaufender (Stein- od Holz-)Vorsprung an Bauwerken, als Funktions- u S…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gesims

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gesims , in der Baukunst ein Streifen, welcher 2 Theile eines Gebäudes scheidet (das Haupt- oder Dach-G. zwischen Dach u…

  4. modern
    Dialekt
    Gesims

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    G e sims [Ksems Hi. ] n. Fenstergesimse. ‘gesimbss’ Dasyp.

  5. Sprichwörter
    Gesims

    Wander (Sprichwörter)

    Gesims 'S Gsims oan abkehren. ( Oberpfalz. ) – Klein, I, 171. Einen derb abprügeln.

  6. Spezial
    Gesims

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|sims n. (-es,-e) 1 ‹arch› cornisc f. , corona (-nes) f. 2 (Felsenbank) banch (banc) m. ▬ breites Gesims cornijun m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gesims

23 Bildungen · 21 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gesims

ge- + sims

gesims leitet sich vom Lemma sims ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gesims 2 Komponenten

ges+ims

gesims setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gesims‑ als Erstglied (21 von 21)

Gesimskopf

SHW

Gesims-kopf Band 2, Spalte 1305-1306

Gesimslatte

SHW

Gesims-latte Band 2, Spalte 1305-1306

Gesimslehre

SHW

Gesims-lehre Band 2, Spalte 1305-1306

gesimsanker

DWB

gesims·anker

gesimsanker , m. eiserner anker, der bei dachgesimsen von gebrannten steinen und werkstücken die hängeplatte trägt. Ehrenberg baulex. (1840)…

gesimschen

DWB

gesims·chen

gesimschen , n. , dimin. zu gesims: in jener wandarchitektur die gesimschen. Göthe 44, 161 . vgl. gesimslein.

gesimshobel

DWB

gesims·hobel

gesimshobel , m. wie simshobel, ein hobel der tischler, mit dem an einer falze ein kleines gesimse ausgestoszen wird Jacobsson 2, 71 b .

gesimskachel

DWB

gesims·kachel

gesimskachel , f. mit gliedern verzierte ofenkachel, die zum fusz- oder zum hauptgesims eines ofens genommen wird. Jacobsson a. a. o. Ehrenb…

gesimskranz

DWB

gesims·kranz

gesimskranz , m. projectum coronarum in columnis, überschopf alias gesimskranz Stieler 1781 , s. gesims d.

gesimslein

DWB

gesims·lein

gesimslein , n. , dimin. zu gesims, an gebäuden: gesimslein, cymatium, triglyphi Stieler 2028 . Aler 924 b ; an säulen: gesimslein sive korn…

gesimsleiter

DWB

gesims·leiter

gesimsleiter , f. bei feuerwehren zum ersteigen des daches, unterschieden von der steigerleiter.

gesimsstein

DWB

gesims·stein

gesimsstein , m. groszer backstein, von den maurern bei hohen gesimsen mit starker ausladung gebraucht Jacobsson 2, 71 b ; vom steinmetzen b…

gesimsuhr

DWB

gesims·uhr

gesimsuhr , f. uhr, die man auf ein gesims in der wand stellt, ein wandstutz Campe.

gesimswerk

DWB

gesims·werk

gesimswerk , n. wie gesims: so ein bauman gesimswerk oder thürgestell und der gleichen machen wil. A. Dürer underweisung (1538) G 6 a .

gesims als Zweitglied (1 von 1)

Ableitungen von gesims (1 von 1)

Gesimse

RhWB

Ge-simse -zims, –e- nach dem Nhd. verbr. [ -zemš Schleid-Blankenh ] Sg. t. n.: nach dem Nhd., auch Holzverzierung über der Haustüre, an Fens…