gütlich,
adj. ,
adv.; von gut adj. gebildet, doch in einigen bedeutungen von 1güte,
f. inhaltlich bestimmt; ahd. guotlîh,
mhd. guotlich, güetlich,
nhd. gütlich,
vereinzelt gutlich,
das z. t. wohl nur fehlen der umlautschreibung bedeutet, z. t. aber neuen anschlusz an gut,
adj. verrät, vgl. guttenlich Fischer
schwäb. 3, 968. —
ahd. guollîch
und dissimiliert mhd. guonlîch, güenlîch,
frühnhd, günlich '
gloriosus'
ist von guotlîch
als selbständiges wort abzutrennen; eine ahd. assimilation von tl > ll (
von Graff 4, 171
erwogen, von Braune
ahd. gr. § 99
gebucht und in den wbb. verzeichnet, vgl. Lexer 1, 1123)
ist sonst nicht zu bezeugen, das allenfalls vergleichbare ahd. antluzzi < annuzzi (
wohl über anluzzi)
folgt seiner dreikonsonans wegen anderen gesetzen; auch bedeutungsmäszig sind guotlîch
und guollîch
bei Otfrid
und Notker
durchaus geschieden (
s. Graff 4, 171)
; letzteres ist mit Graff 4, 184
und Kögel
anz. f. dtsch. altert. 19, 243
zu guol
in urguol '
insignis' (
vgl. ags. galan,
got. gōljan)
zu stellen, s. auch Walde-Pok. 1, 628;
dasz guollîch
von guotlîch
in volksetymologischer anlehnung gelegentlich formal beeinfluszt ist, bleibt dabei unbestritten, doch erscheint auch ahd. kuotilih '
insignis' Graff 4, 170
eher als selbständige sonderbildung zu guotî,
f., vgl. aber guotlich '
gloriosum', guotlich wirt '
exaltare', cotlih
und coatlih '
gloria'
und entsprechend die ableitungen guollîchî, guotlîchî
und guotlîcha '
gloria', guotlîchên
und guotlîchôn, guollîchôn '
gloriari, glorificari' Graff 4, 170-73;
die nähe der bedeutungen von guotlîh (
zu gut II A 5) '
herrlich' (
s. u.A 2 b)
und guollîch '
ruhmvoll, auserwählt'
leistete einer wortmischung vorschub, doch blieben im ganzen beide wörter bis zum erlöschen von günlich
nach form und bedeutungsgehalt geschieden. — gütlich
schrumpft seit dem älteren nhd. infolge der konkurrenz von gütig
auch als adv. mehr und mehr und ist heutiger schriftsprache fast nur noch in festen formelhaften wendungen geläufig. AA.
adjektiv. A@11)
zu gut IV
bzw. 1güte 3
und 4
im sinne '
freundlich, wohlmeinend, freundschaftlich, friedlich'. A@1@aa)
von personen und den ausdrucksformen ihrer gesinnung, vgl. menschlich, gutlich
humanus Diefenbach
gl. 281
b. A@1@a@aα)
von personen entsprechend gut IV A 1 b
bzw. 1güte 3 a
α;
gelegentlich mit personalem objektsdativ (
vgl.gut IV a 1 b
α αα,
sp. 1284): woltent sú mir guot tuon und gtlich sin, daz solte ich nemen Tauler
pred. 15, 11
V.; er was ouch allen mönschen, die in gesachent oder etwas mit im ze handlen hattent, lieplich und güetlich
Stretlinger chron. 118
Bächt.; meist absolut: der (
gaben des hl. geistes) sint zwo wúrcklich: daz ist die gtlicheit und die kunst, denne wurt der mensche so gtlich und senftmtig Tauler
pred. 301
V.; '
milde, gütig': sell min, du must jehen daz du mit augen nie gesehen habst so guotlichen man (
Jesus) Heinrich v. Neustadt
gottes zuk. 3071
S.; mit einschlag von 1güte 2 c: mîn sanc wil genâde suochen an dich, güetlîch wîp: nu hilf, sît helfe ist worden nôt Wolfram v. Eschenbach
lied. 7, 24
L.; '
gnädig': on wart do dar ok by ghesacht: de radt wolde gutlick wesen
Braunschweig. schichtspiel in: städtechron. 16, 107; die christen sindt gütliche leuthe unnd geben gerne Luther 33, 654
W.; so ist aber Salomon so weisz und zuviel gütlich J. Ayrer
hist. proc. jur. (1600) 1, 5;
vereinzelt mundartlich bewahrt: dat is n gödelk minsk ten Doornkaat-Koolman 1, 656; '
friedlich': ein ander gobe, daz ist die senftmtige miltekeit ..., machet in (
den menschen) fridesam und gtlich in siner ussewendiger wandelunge und gesast Tauler
pred. 106
V., vgl. 234;
anders, aus gütlich vermitteln
u. ä. persönlich gewendet für den schiedsmann: als ein gütlicher mitler (
v. j. 1447)
urkundenbuch d. st. Basel 7, 199. A@1@a@bβ)
von ausdrucksformen oder erscheinungsweisen der freundlichen, gütigen gesinnung: or guotlichez (
aurem benignum) zuo fuoge unsern stimmen, sige heilige singen wir, vergibe daz wir missetuon
übers. e. lat. hymnus (12.
jh.)
bei Kehrein
kirchen- u. relig. lieder 117; und alsus betrahtende so ward sin antlút so frölich, sinú ogen so gtlich Seuse
dtsche schr. 15
Bihlm.; o huoniges süssi was sin (
Jesu) munt, fruntlich, gütlich allestunt Schweizer Wernher
Marienleben 5880
Päpke; owe du gtliches antlút, owe du miltes herz, ich heti es dir nie getrúwet, daz du mich so gar hetist verworfen Seuse
dtsche schr. 127
Bihlm., vgl. 113; friwentlîche blickeund güetlîches sehen des mohte dâ in beidenharte vil gescehen
Nibelungen 353, 1
Bartsch; dô sach in der guote man mit güetlîchen gebærden an Rudolf v. Ems
Barlaam 124, 32
Pf.; (her Cone) stont uf sinen beinen als ein lewe unde hatte gutliche geberde gen sinen frunden
Limburger chron. 51, 12
Wysz; hab ein grewlich krumm gesicht, guotlichs ansehens brauch dich nicht K. Scheit
Grob. 202
ndr.; ähnlich von der gesinnung selbst: (
Christus) des guotlich genade (
benigna gratia) chruzes durh heilige wunden mit tugent zerloste hoher des ersten vater gebende (
vincula)
übers. e. lat. hymnus (12.
jh.)
bei Kehrein
kirchen- u. relig. lieder 58;
entsprechend gut IV B 2,
vgl. gutwillig 2 b
γ: (
dasz der kaiser) ir nimmer gæbe dheinen man, wan dem si gern wær untertân mit güetlichem willen Jans Enikel
fürstenb. 287
Str. A@1@bb)
von der aus freundlicher gesinnung hervorgehenden handlungsweise und ihren ergebnissen, vgl. gut IV C
und 1güte 3 b. A@1@b@aα)
häufig von wort, zuspruch, bitte u. ä.: güetlîchiu wort mit triwen wâr sint guot gein werden wîben gar Ulrich v. Lichtenstein
frauend. 1331
B.; enkanst du nút vil getuon, so tuo doch ie etwas, es si mit innewendiger oder uswendiger barmherzikeit oder sprich im (
dem nächsten) doch ein gtlich wort zuo Tauler
pred. 148
V.; nach diesem so gehet fein hurtig zum tantze, versuchet mit gütlichen worten die schantze Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 2, 110; niht güetlîcher sprücheredet er (
Hagen) der zuo
Nibelungen (
hs. c) 1500, 2
Bartsch; bitt hiemit ein gnedige auch gütliche antwort
V. Schumann
nachtbüchl. 82
B.; diesen knaben allen soll auch gesagt, bevolhen und sie darzu gehalten werden, das ye einer dem andern, so er das an ine begert, seiner lection gutliche underweisung thue
ordn. d. vier lat. schulen um 1500
in: samml. selten geword. pädag. schr. 13, 147; er tet den stîgen und den wegen manegen güetlîchen segen die mich gewîset heten dar Hartmann v. Aue
Iwein 358; manigen guotlichen segen tete man nâch in (
den abgesandten) Ottokar v. Steiermark
reimchron. 38695
Seem.; got lône iu, frouwe, daz ir hie mir gebt sô güetlîchen trôst Wolfram v. Eschenbach
Parz. 329, 17; so heb ick dit ... uwen vader gescreven, byddende rades unde holpe van em myt mer gutlicher bede (
v. j. 1486)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 2, 96; ist derhalben mein gutliche bitte Luther
br. 5, 125
de Wette; mehr nach c
hin '
wort in güte'
gegenüber der strengen rede oder tätlicher auseinandersetzung: so ... sölche unzimliche beschwerde uber unser oder der unsern gütliche erinderung der billigkeyt und des rechten nit abgestelt werden wölte
Bamberger halsgerichtsordn. 115
Kohler-Scheel; die säumigen und fahrläszigen (
möchten) zu beszrer beobachtung ihrer pflicht durch gütliche und nach erfordern ernstliche erinnerungen angehalten werden v. Fleming
soldat (1726) 158; auf noch einiges gütliches zureden Schnabel
insel Felsenburg (1731) 2, 31; so nöthigten diese ihre tochter, halb durch ernst, halb durch gütliche zuredung, ihm ihre hand ... zuzusagen A. G. Meiszner
skizzen (1778) 1, 75; versuch ich eines noch — ein gütlich wort Mich. Beer
s. w. (1835) 310; da haben er und die frau meisterin den trunkenen mann mit gütlichen worten sanft gerüttelt Storm
s. w. 6, 95; herzog Bernhard sucht durch gütliche vorstellungen die unzufriedenen umzustimmen Hebbel
w. 9, 149
W.; noch anders, entsprechend mit güte (
vgl. 1güte 3 d
β ββ), in (der) güte (
vgl. 1güte 3 d
β γγ) '
freiwillig': der gefangenen vettel gutliches bekenntnusn
bei Klingner
dorf- u. baurenr. (1749) 3, 315. A@1@b@bβ)
von handlungsweise und handlungsergebnis: umbe sîne hulde und sînen gruoz sô diente si ime alle wege mit ir güetlîchen pflege Hartmann v. Aue
arme Heinrich 310,
vgl. 349; gleichwohl durffte es ihr auch nach deren abgange an beystand und gütlicher pflege nicht mangelen Besser
schr. (1732) 2, 351; wir werden ... nach einigen tagen gütlicher pflege wieder in das schrecklichste wetter hinausgestoszen Göthe 33, 47
W.; sun des Sigemundesmit güetlîchem site sprach zuo sînen heleden
Nibelungen (
hs. c) 690, 1
Bartsch; des selben wolte ich gerne biten, daz man mit guotlîchen siten und sô mîn wort vernæme als ez dem lande zæme Gotfrid v. Straszburg
Tristan 8796; mit güetlîchen êren (
ehrenbezeugungen)man gap in allen genuoc
Nibelungen 805, 4
Bartsch; ich bitte euch, lieber meister Hans, last die ding also westan guttlicher weysz und schreybt dem Heydelberg nicht unfreundlich brieff (
v. j. 1504)
bei Hase
d. Koberger (1885) xcviii;
auf das konkrete ergebnis des handelns übertragen: (
Gawan) danctem verjen unt der tohter sîn ... ir güetlichen spîse (
beköstigung) Wolfram v. Eschenbach
Parz. 623, 9; wizzint, herzeliebe mone, daz ich uhern guotlichin brief wol verstanden han
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 9; dorumbe denne em geleite unde gutlichen zcustehn (
beistand) von unsern hern zcu wart geschreben uf eine namhaftig czit
urkundenb. d. stadt Freiberg i. S. 3, 219. A@1@b@gγ)
speziell im gegensatz zum strengen oder gewaltsamen vorgehen (
vgl. 1güte 3 d
β ββ und γγ) mit, in güte: sunder zum andern, das wir mer begeren ir gütliche stroff und manung Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) c 1
b; anstatt durch eine gütliche behandlung die gemüther wieder zu gewinnen, (
forderte er) von den vornehmsten des adels ... geiszel
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 3, 362; Trautmannsdorf, der zu einem gütlichen verfahren (
gegen die Niederländer) neigte Ranke
s. w. 31/32, 357; man machte vergebens gütliche versuche, sie herauszubringen Göthe 12, 52
W.; entweder das man mit schwerts gewalt die halsstarrigen straffete oder das man sönliche und gütliche mittel und wege für die hend neme Mathesius
ausgew. w. 3, 182
L.; eine gesandtschaft ... die dasjenige, was mit gewalt nicht geschehen konnte, durch gütliche mittel zu bewirken versuchen sollte Gottsched
d. neueste (1751) 4, 523; gütlicher weg '
weg friedlichen verfahrens': wollte er aber den gütlichen weg einschlagen, so verspreche ich ihn Schubart
br. 1, 192
Strausz; dem entgegenzutreten, hielt er für seine seelsorgerpflicht, wenn es ging auf gütlichem wege W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 242;
so auch in juristischer verwendung einen streit auf gütlichem wege beilegen, sich auf gütlichem wege einigen
u. ä. statt des adv. gütlich. A@1@cc)
namentlich in juristischem sprachgebrauch aus den präpositionalen wendungen von güte 4
entwickelt. A@1@c@aα) '
freundlich',
d. h. ohne anwendung von zwangsmitteln (
tortur)
bei der befragung des angeklagten: diser span kam zuo gutlicher verhör Knebel
chron. v. Kaisheim 94
lit. ver.; obwohl Christoph auf befragen dem herrn judici nach allen umständen die warheit bey gütlichem verhör von diesem actu (
hätte) entdecken sollen Chr. Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 2, 42; inquisitin musz man morgen laden, heute geb ich gütliches verhör Schiller 1, 193
G.; sagt an guetlicher frag (
v. j. 1528)
bei Fischer
schwäb. 3, 968; die gütliche frage der peinlichen vorgehen lassen
inquirere un reo premieramente colle buone Kramer
t.-ital. 1, 583
b. A@1@c@bβ) '
auf dem wege freundschaftlichen einvernehmens geschehend'
von verhandlungen und verfahrensarten: darumb wir ... zu einer gutlichen, unverdingten verhörung kumen sein
städtechron. 2, 72; und als er die nit zu halten torst und sorg het, wo sie niderlegen in groszen nachtail bringen wurd, darum begert er güetlicher handlung
Wilwolt v. Schaumburg 45
lit. ver.; er ... könte dem könige unverfängliche, gütliche, billige handlung zu einem ... allgemeinen frieden an seinem ort leichtlich einräumen v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 30; yhnen guotlicher underhandlung ... zu bewilligen Luther 18, 337
W.; die voraussetzung ..., die zustimmung des papstes durch gütliche verhandlungen erlangen ... zu können Mommsen
red. u. aufs. (1905) 87; wo königliche bewilligungen fehlten, ... traten gütliche auseinandersetzungen ein Raumer
gesch. d. Hohenst. 5, 57; durch gütliche verständigung mit dem doch nur untergeordneten inhaber des landes Ranke
s. w. 25, 18; je mehr nun bei der gröszeren verwickelung die gütliche einigung wünschenswerth, je weniger war der wille dazu vorhanden Moltke
ges. schr. 2, 155; unter allen geheimen räthen war nicht einer, welcher nicht ... zu einer gütlichen vermittelung ... riethen Lohenstein
Arminius (1689) 2, 823
a; (
es) pflegt ein solches decisum insgemein zur gütlichen entscheidung zwey generalen von beyderseits armeen aufgetragen zu werden v. Fleming
soldat (1726) 307; der kaiser hat gesendet einen herold und lädt euch ein zu gütlichem gespräch Grillparzer
s. w. 6, 79
Sauer. A@1@c@gγ) '
auf freundschaftliche, friedliche weise erreicht'
vom ergebnis des vergleichsverfahrens und dem daraus folgenden zustand des einvernehmens, vgl. gutlicher entscheid
arbitrium Diefenbach
gl. 44
c: ist ain gutlicher spruch (
schiedsspruch) ... beschehen (
v. j. 1493)
bei Fischer
schwäb. 3, 968; sich haltend offt hendel in solcher gestalt, das darüber richter, entscheider oder schidlút in rechtlichen oder gtlichen sprchen zehaben nodt sint Fr. Riederer
rhetorica (1493) a 5
b; diese böse sache zum ende oder gütlichen abtrage fördern Luther
br. 4, 658
de Wette; ein widerversünung, gütliche vertragung
reconciliatio Calepinus
XI ling. (1598) 1231
a; gütlicher vertrag
amica transactio Zehner
nomencl. (1645) 113; mit solchen titeln würde der sache nicht abgeholfen, er bäte, man möchte ihn zu einem gütlichen vertrag oder zu einer vernünftigen rede anhalten Chr. Weise
d. drei klügsten leute (1675) 47; nichts weiter von vergleich, von unterredung, von gütlichen vertrags fruchtlosem versuch Grillparzer
s. w. 5, 79
Sauer; (
der seeräuber hat) sich auch endlich vor diese vestung gelegt, selbige mit gütlichem accord aufzugeben anforderung gethan Jürgen Andersen
orientalische reisebeschr. (1696) 91
Olearius; gütlicher vergleich
accordo amichevole Kramer
t.-ital. 1, 583
b; ob denn, eh man zu felde geht, kein gütlicher vergleich zu hoffen steht? Weichmann
poesie d. Nieders. (1721) 2, 278; vielleicht, wendet man ein, es sei ... ein gütlicher vergleich dahin zu vermitteln, dasz J. Möser
s. w. 2, 138
A.; überdem war zu einer gütlichen vergleichung beyder kirchen damals noch die wahrscheinlichste hoffnung vorhanden Schiller 8, 8
G.; eine gütliche beylegung durch einen schiedsrichterlichen spruch
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 4, 30; ob der staat durch eine gütliche übereinkunft ... sein miszlungenes ehebündnis mit der kirche trennen ... wird Schleiermacher
red. üb. d. relig. 212; die hoffnung ... dasz man doch noch zu einem gütlichen abkommen gelangen würde Ranke
s. w. 16, 128; auch ein gütliches loskommen wäre hier am ende nicht so schwer Hebbel
br. 4, 149
W.; er sollte herrschen, wie Alessandro herrschte, er soll sogar mit diesem unterhandelt haben in der stille, um eine gütliche theilung der gewalt herbeizuführen H. Grimm
Michelangelo 2, 204; he nam die sache uff von on beidin unde machte einen tag unde ein gutlich sten ('
waffenstillstand') biz uff sente Mertins tag Ködiz v. Saalfeld
leben d. hl. Ludwig 49, 10
Rückert; in der nacht (
ist) inkomen schrifftlich und mündlich, das dy dingk eyns gütlichen stehens sich in warheit so dirgeben haben, dorumb so brechen wir heute wider uff und zihen ein jeder theil wider in sein heymeth (
v. j. 1469)
in: fontes rer. Austr. II 20, 366; daz ir darauf mit dem obgenannten ... von der bemelten sachen wegen ainen gutlichen anstand (
friede) haltet (
v. j. 1451)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 411; die Griechen und Troyaner all ersuechen dich in gleichem fall, das du zu ihnen wöllest tretten, gütliche bündtnusz zu bestetten Spreng
Ilias (1610) 34
b; gütlicher abschied
congedo, partenza à bocca bacciata Kramer
t.-ital. 1, 583
b; der böse wolf ... faszte den gleiszenden entschlusz, mit den schäfern auf einem gütlichen fusz zu leben Lessing 1, 224
L.-M. A@1@c@dδ)
in älterer rechtssprache auf den termin des sühneverfahrens angewendet gütlicher tag: daz dieselben fursten und herren sullen komen czu Strelicz achte tage noch sente Martins tage czu eyme gutlichen tage (
v. j. 1372)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 2, 445; wie dann zu vergangen guetlichen tagen auch fürgschlagen were worden
verhandl. üb. Thomas v. Absberg 3
lit. ver.; es sol auch nieman ... glait haben oder gegeben werden, uszgenommen zu höfen, rechten oder gütlichen tagen
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 8
lit. ver. A@22)
zu anderen bedeutungen von gut
nur vereinzelter gebildet. A@2@aa)
zu gut I;
entsprechend gut I A 1 a
im sinne '
nützlich': ist dir danne guotlihhora (
erit tibi utilius) Graff 4, 170;
zu gut I A 3 b: unser gutlicher rat kan an dir nicht gehelfen
ackerm. a. Böhmen 35, 20
Bernt; zu gut I A 4: ordenlich, gutlich
analogice Diefenbach
gl. 33
a; thet thiu sone se nathelik and godilik ('
zweckmäszig')
Rüstringer ms. 77, 20
bei Richthofen
afries. 779
b;
zu gut I C '
günstig': das schöne aug der welt, die sonn ... wird betrachtet ... von einem sterndeuter in ihrem gütlichen oder unglücklichen einflusz auf diese erde J. J. Scheuchzer
physica (1711) 1, 2. A@2@bb)
zu gut II A 5
ganz allgemein '
herrlich, hehr, prächtig': was thâr gard gôdlîkendi grôni wang paradîse gelîk
Heliand 3136
Heyne; ... than tôgid he iu en gôdlîk hûs hôhan solerithe is bihangan al fagarun fratahun 4543;
entsprechend von Christus: endi siu sô sûbro drôg al te huldî godes hêlagna gêst, gôdlîkan gumon 336; lat iu ir namen schriben, wan der ist harte here und heizit guotliche ere. diu ist ze himel also groz Hugo v. Langenstein
Martina 274, 2
K., wohl nur irrig statt guonliche ere
wie 246, 77
u. ö. A@2@cc)
zu gut III A '
lieblich, behaglich, erfreulich, vorteilhaft'
in jungen belegen, die wohl z. t. sekundär aus der formel sich gütlich tun (
s.B 1 f)
poetisch stilisiert sind: lauter gütliche gerüche um mich her machten, dasz nach und nach alle meine sinnen von entzücken trunken in ... wollüstige ohnmacht einschlummerten Heinse
s. w. 3, 86
Sch.; die liebe zu einem gütlichen leben macht uns oft handlungen begehen, die ...
F. W. Meyer
Dya-na-sore (1787) 4, 417; wenn er nicht das gütliche wohlbehagen und die naive trunkenheit dieser verse fühlte Herder 15, 19
S.; hier fand sich, wie man zu sagen pflegt, eine sehr gütliche, erwünschte partie Göthe 29, 99
W. A@2@dd)
zu gut V A 2 '
fromm, heilig': ... enti dar warun auh manake mit inan cootlihhe geistaento cot heilac
Wessobrunner gebet 9
bei Müllenhoff-Scherer
denkm. 1;
zu gut V B '
sittlich vollkommen',
mit einschlag von gut V A 1 e: dîn güetlîch gelâz mich twanc daz ich dir beide singe al kurz od wiltu lanc Wolfram v. Eschenbach
lied. 7, 33
L.; zu gut V B 3 a: sölcher guotlicher wercke ir ursache wert, und euch got darumb besundern lone geben würde Arigo
decam. 231
K.; zu gut V B 5 a: swaz so ir habet vernomen,daz behaltet vil wol ir selbe unde diu chint:daz sint guotelichiu dinch immir ewichlicheniu selben sælichlichen
genesis u. exodus 154, 18
Diemer; er sol sich vlizzen geren, wie er werde zu eren mit gutlichen dingen
kl. mhd. fabeln u. lehrged. 3, 129, 72
Rosenhagen. BB.
adverb. B@11)
zu gut IV
bzw. 1güte 3
und 4
im sinne '
freundlich, gnädig, willig, freundschaftlich, friedlich'
; namentlich in mhd. sprache in der form guotlîche, guotlîchen
und güetlîche, güetlîchen
stark ausgebreitet, solange gut
noch nicht selbst adverbial verwendet werden konnte. B@1@aa)
im sinne von gut IV A 1 b '
freundlich, wohlwollend, liebreich, gütig'
von der art und weise, wie sich die gesinnung von personen äuszert, vgl. guttleich, senfftmuttikleich
benigne Diefenbach
gl. 71
c; senfftiglich, gütlich
amanter, amice, affabiliter, benigne, blande etc. Alberus
nov. dict. (1540) 8
b. B@1@a@aα)
bei verben der ausdrucksgebärde, vgl. kuotlicho weinon (
pias lacrimas) daz leid wende Notker 1, 61
Piper; dô sach diu küniginneden recken güetlîchen an
Kudrun 416, 6
Martin; sô si begunde lachen güetlîche z etelîcher stunt Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 19977; sie redeten auch miteinander und lacheten einander gar freundtlich und gütlich an
buch d. liebe (1587) 98
b; den (
könig) gruozt er guotlîchen sâ von unserm vater dem bâbst Ottokar v. Steiermark
reimchron. 24463
Seem.; mit armen er ez (
das kind) umbevie und kust ez güetlîch an den munt Jans Enikel
weltchron. 3973
Strauch; eine nam die ander gütlichen und freundlichen in ire arme Wigand Gerstenberg
chron. 6
Diemar; si (
die frau) sol gütlich gebaren, ir mannes willen varen
der sœlden hort 6137
Adrian; Woltrost streicht gütlich seinen bart J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 157
b;
ebenso von der gesinnung selbst: das gein im were nicht Laban alse gütliche gemuot Rudolf v. Ems
weltchron. 6421
Ehrism. B@1@a@bβ)
vom gesinnungsausdruck durch rede, zuspruch, mahnung, unterweisung u. ä.: swer in (
den frauen) von hertzen guotes gan und güetlich gegen in sprechen kan, der mac ir hulde wol bejagen Ulrich v. Lichtenstein
frauendienst 1331, 4
B.; (
Vulcanus) sprach seiner mutter guotlich zu Spreng
Ilias (1610) 12
a; mit den (
andersgläubigen) ensúllent ir nút vil redendes haben denne gütlichen ja und nein Tauler
pred. 387
V.; dann an einem guoten botten lyt, daz er sein bottschafft mindren und meren künd, gütlich und grüszlich reden A. v. Pforr
buch d. beisp. 105
lit. ver.; diu maget ist ellendevrouwe ir sult si güetlîchen lêren
Kudrun 994, 4
Martin; hie sol man sie gutlich unterrichten und sie nit frech vorachten Luther 6, 247
W.; so er sach dú armen herzen in dem jemerlichen lidene, so ward er mit in weinende und troste sú gütlich Seuse
dtsche schr. 117
Bihlm.; es ist ... gahr freundlich geantworttet, so guthlich kondte ich nicht antwortten Luther 33, 587
W.; auch wer das in gesellschafft trag, eim andern gütlich undersag, so er sein bruoder irren sicht K. Scheit
Grob. 4993
ndr.; formelhaft namentlich gütlich bitten, gütlich danken: Kûdrûn bat ir muotergüetlîchen sint
Kudrun 1579, 2
Martin; bitte gar gütlich e. g. und g. wollten mir diese schrift zu gut halten Luther
br. 3, 547
de Wette; Fridrauna euch gütlich dankt, dasz ir ir euren wein habt geschankt
fastnachtsp. 1, 451, 23
K.; wenn du wisztest, das yemant dein kind von dem todte errettet hette, du würdest demselbigen gütlichen dancken Luther 26, 209
W. B@1@a@gγ)
bei verben des handelns: swer aber âne koufesir gâbe ihtes gerte, si wâren in dem willen,daz man ir manegen güetlîche werte
Kudrun 325, 4
Martin; (
dasz er) ... mich sô güetlichen liez mit der juncvrouwen ezzen Hartmann v. Aue
Iwein 362; sîn und sînes rossesvil güetlîch man dâ phlac
Wolfdietrich A 560; Petrus quam dar alzuhant, den si gutlich entphiengen
passional 657, 87
K.; die barmherczikeit war die thorwerterin, welche gutlich einliesz, die do quomen
buch geistl. gnaden (1503) 90
b; sestzehen guode kleyne swere göldin als tzuo Buotzpach genge und geneme syn, dye se uns guotliche geluhen han
Niederweiseler urk. v. j. 1377 (
handschr. beleg); als dieselben bitten, ine gelt zu lijhen, gutlichen abslagen
bei Bucher
Frankf. berufswb. 113
a; so viel weysz ich, dasz mich ein bürger zu Paris gütlich erzogen
buch d. liebe (1587) 29
c; so wirst du mir selbst zu einer erkwikkung gütlich verstatten dich zu trösten Butschky
hochd. kanzelley (1659) 888. B@1@bb)
entsprechend gut IV A 1 c
und 1güte 3 a
α ββ bzw. γ ββ im sinne '
gnädig'
; vom handeln der göttlichen personen: wie möht er (
der hl. geist) gutlicher getuon
anegenge 10, 61
Hahn, des nim du (
gott) gütteklichen war und geruoch dich och erbarmen schweizer Wernher
Marienleben 280
Päpke; der vadir wirkit gewaldicliche in der sele ... und der heilege geist guitliche mit der gude
parad. anime intell. 12, 15
Strauch; wie gar gütlich, herr, hastu mich wider zu dir lan wenden mit deinem wort H. Sachs 22, 86
G. mein gott und höchstes gut zu dir mich gütlich lencke Fr. Spee
güld. tugendbuch (1649) 254;
ebenso von menschen, besonders der obrigkeit, respektspersonen u. ä., oft in formelhafter anrede: er bat in vergebens, daz er in müeste tœten des liez er sich niht nœten, er (
der könig) vergap im guotlich Ottokar v. Steiermark
reimchron. 3405
Seem.; ein rate ... woll ... gütlich ansehen, das sein sun also unwissend zu den dingen komen sey
städtechron. 2, 75,
vgl. 32, 281; dar umb ich euch bitte, mir guttlich und gnedigklichen zuo erlauben und solches kein beschwerung haben Warbeck
Magelone 57
B.; dorumb bitten wir unterteniglich dein gnad, du wöllest unsere botschaften guottlich und gnediglich verhörn C. Hedio
chron. Germ. (1530) 154
a; (
der) bittet ..., dasz er gütlich gehöret werden möge Kirchhof
milit. discipl. (1602) 222. B@1@cc)
entsprechend gut IV A 2
und 1güte 3 a
β in mehr passiver wendung; im sinne '
willig': der vatir sprach er soldez im sagenunde dehein wis niht verdagen daz tet Joseph guotlichen,er sprach gezogenlichen
genesis u. exodus 74, 7
Diemer; si leiste güetlîchenallez daz man hiez
Kudrun 1021, 1
Martin; wand ich die nôt wold iemer güetlîche lîden, het ich von schulden verdienet den haz Friedr. v. Hausen
in: minnes. frühl. 44, 9; unde sollent dy daz gutlichen von uns nemen ane widersprache
urk. v. j. 1373
in: Limburg. chron. 125
Wysz; disz alles ... verhieszent die undertanen herrn Arnolden von Stretlingen mit guotem willen unverdrossen, unbezwungen, güetenklich, stark und unzerbrochenklich ze halten
Stretlinger chron. 49
Bächt.; (
er tat) als dann noch thuot manch gschickter man und nam die sach (
das anerbieten) gar gütlich an P. Gengenbach 263
Göd.; laz öch uz dinem muote den jamer nach dem guote, daz du gelazen hast dur got; wis guotlich arm dur sin gebot Rudolf v. Ems
Barlaam 385, 30
Köpke; selig sind die solches glauben, und verzeihen sich gütlich der welt ehre, schmuck und lohn J. Mathesius
Sarepta (1571) 97
b; des du nicht kanst gekeren (
ändern), dat salstu goetlick lyde leren (
erdulden lernen) Husemann
spruchsamml. 71
Weink.; '
bereitwillig': solich bit ich gietlich uffgenommen hab H. Braunschweig
chirurgia (1539) b 1
b;
im sinne '
geduldig, nachsichtig, milde': iz zimet wol guten wiben daz si allen zorn vertriben, und soln ez idoch mit minnen gutlich uberwinden
kl. mhd. fabeln u. lehrged. 3, 129, 163
Rosenh.; wir (
sollen) ausz lieb unsers nähesten gebrechen gütlich und senfftmütiklich leiden und vertragen
bei Tauler
sermones (1508)
reg. 5
a b; übersihe gütlich was man dir thuot Geiler v. Keisersberg
bilgersch. (1512) 32
d; '
friedlich': denne ... súllent si ir guote übunge tuon ... in friden und gütlichen nach gotz willen Tauler
pred. 179
V.; mitten yn der mordgruben gütlich leben Luther
bei Dietz 2, 190
b. B@1@dd)
vielfach im gegensatz zum strengen oder gewaltsamen verfahren, vgl. mit güte, in (der) güte
unter 1güte 3 d
β. B@1@d@aα)
im sinne '
auf friedliche weise, in güte': das getreng aufzuhalten und unsers hern rex leute gutleichen dannen zu weiszen (15.
jh.)
städtechron. 3, 369; man sag yhn gutlich die warheit, wollen sie nit, lasz sie fern Luther 7, 601
W.; gleichwol der könig an dem end das gantze griechisch heer behend gütlich vermahnet abzuziehen Spreng
Ilias (1610) 13
a; lasset euch begnügen, dasz wir noch so gütlich mit euch verfahren, wie müssen es andere machen, so gar nichts in vermögen haben Schoch
studentenleb. (1657) h 5
a; vielleicht, dasz gütlich man noch beyden übeln wehrt Ayrenhoff
w. (1814) 203; aus dem verschiedenen tone ... und aus den bewegungen ... schien er wechselsweise zu fragen, zu prahlen, zu drohen, herauszufordern und dann uns wieder gütlich zuzureden G. Forster
s. schr. 1, 192; dasz Grattenauer zuerst gütlich geschrieben, hat ihn vermuthlich noch in der tollheit getroffen Caroline
br. 2, 94
Waitz; vgl. mundartlich güetla '
in güte, schonend, verträglich' Lexer
kärnt. 128. B@1@d@bβ)
im sinne '
freiwillig, widerstandslos': welt ir niht güetlîchen mîner bete entwîchen so geschiht ez under iuwern danc Hartmann v. Aue
Erec 3830; darumb beger ich, daz du mynen willen früntlich vollbringest, ob das nit gütlich beschehen mag, du wurdest dar zuo bezwungen mit dem schwert Steinhöwel
de clar. mul. 172
lit. ver.; darumb zeuch gütlich von mir ab H. Sachs 5, 68
K.; wirst du desz gütlich tretten ab, so ist es gut und gibt kein streit J. Ayrer
dram. 28
K.; hofft (
spricht sie) nicht, durch läugnen zu entgehn, man wird euch bald die zungen lösen können; und werdet ihr nicht gütlich eingestehn, so soll euch mir der gott zu Delfi nennen Wieland
s. w. (1794) 10, 133; bezal gütlich
ante tempus solvo Alberus
nov. dict. (1540) 44
b. B@1@d@gγ)
objektiv; '
in frieden, ohne gewaltanwendung': hierumb so bescheiden ... wir euch deszhalben einen tag auff das ... new jar ... gein Prage zu kommen und die sachen dieweil gütlichen bestehen lassen (
v. j. 1466)
in: fontes rer. Austr. II 20, 420; deszhalb er understuondt, den krieg gütlich abzuostellen Carbach
Livius (1551) 29
a; wir waren mit hellem, wüthigem hauf herum, und er oben auf'm kirchthurn wollt gütlich mit uns handeln Göthe 8, 140
W.; laszt uns sehen, ob wir mit den männern nicht gütlich zurecht kommen können Chph. v. Schmid
ges. schr. 1, 59; die capitalisten fuhren fort die kleinen besitzer auszukaufen ... wobei es begreiflich nicht immer gütlich abging Mommsen
röm. gesch.4 2, 82; '
in freundschaft, ohne streit': also scheiden se gutliken van deme koninge
städtechron. 7, 332; do nam er gütlich sein abschied Thym
Thedel v. Wallmoden 1073
Z.; so schieden wir für heute gütlich Mörike
w. 1, 239; '
einträchtig': mith thinere wive skaltu godilike libba
Rüstringer ms. 132, 13
bei Richthofen
afries. 779
b. B@1@ee)
besonders häufig von der juristischen verwendung von 1güte 4
ausgehend im sinne '
auf dem wege der einigung, im vergleichsverfahren'
; so sich gütlich vertragen, vergleichen
u. ä.: sie wollen sich der sachen gütlichen mit eine vertragen lossen Schroeder
oberrh. stadtrechte 1, 1; item, es soll ein jeder, wie er von seinem forier losiret wirdt, sich deszselben vorgnügen lassen undt sich gütlich undt freundlich vertragen
acta publ. 1, 124
Palm; wir müssen uns gütlich vertragen G. Stephanie
d. j.
s. singsp. (1792) 52; dasz ihr euch allhie in meiner gegenwart ... gütlich vergleichet Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 210; dasz er sich aber gütlich mit ihm über das Athen(äum) vergleiche, ist mir sehr unwahrscheinlich Caroline
br. 1, 233
Waitz; item von des waldts auszerhalb des Schellnperg, darumb sy zwayg (
zwieträchtig) sindt, auch des gehags wegen, soll zwischen hin und vierzehen tegen nach sanct Georgentag schierst konfftigen darumb in beschau geschikht, und fletz gethan, damit sy gütlich veraint werden (
v. j. 1458) v. Lori
baier. bergr. 52; gütlich sich die brüder nun vereinten, auszutheilen alle ihre erbschaft J. Grimm
kl. schr. 1, 410; also wurdent si (
abt und mönche) gütlich mit einander vereinbart Äg. Tschudi
chron. Helvet. 1, 68; eine sache gütlich hinlegen, beilegen
u. ä.: die sachen gütlich und friedlich hin zulegen Luther
bei Dietz 2, 190
b; die vorbestympten irrung all werden daselbs gütlich hingelegt
urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 41
lit. ver.; unter dem scheine, die brüderliche uneinigkeit gütlich beyzulegen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 231
a; Max, ich wollte deinen streit mit dem ehrenmanne gütlich beilegen G. Freytag
ges. w. 2, 48; und sollen hiermit angezceigter yrrunge gentzlich und gutlich geschieden und geeynet seyn und bleiben (
v. j. 1497)
bei Michelsen
specim. cod. diplom. Jen. 16; weil nun drey kronen sind gütlich entschieden J. Rist
friedejauchz. Teutschl. (1653) 188; weil er den alten streit mit Nürnberg gütlich geschlichtet A. v. Arnim
w. 9, 6
Gr.; (
diejenigen konflikte,) die nicht gütlich ausgetragen werden konnten, gelangten ... vor die zweite instanz
hdwb. d. staatswiss. 4, 408; dise beschwärtsartiggl entweders giet- oder rechtlich abzuhelfen (
v. j. 1638)
österr. weist. 10, 235; weil er jeden lärm scheute und ihm daran lag, die sache, zwar durchaus nicht gütlich, doch in aller stille abzumachen Anzengruber
ges. w. 3, 139;
entsprechend mundartlich s güetlich machen
sich in minne vergleichen Staub-Tobler 2, 557. B@1@ff)
mit personalem objekt in festen verbalen wendungen im sinne '
auf freundliche weise mit jemand verfahren, jem. angenehmes erweisen'. B@1@f@aα)
stark ausgebreitet namentlich gütlich tun,
mit personalem objektsdativ einem gütlich tun '
jem. freundlich behandeln, jem. gutes erweisen'. B@1@f@a@aaαα)
in allgemeiner verwendung: das ir herrn Fridrich ... gnedigelichen und güetlich thuet (
v. j. 1313)
bei v. Brandis
landeshauptl. v. Tirol 50; ein bischof zu Palborne ..., der regirete den stift zu Palborne gar herlichen ... unde gap rittern unde knehten ... phert unde gut unde det auch armen luden zu male gutlichen
Limburg. chron. 83
Wysz; das ander (
gebot) das man die fyend lieb hab und yn durch gott gütlich thüg
d. ewig. wiszheit betbüchl. (1518) 204
a; liesz Joseph auch nicht unterwegen, seinen brüdern gütlich zu thun Grimmelshausen 4, 840
Keller; der meisten arbeit zielet auch nicht so wol dahin ein werck auszumachen, als anderer vorhaben zu zernichten und mehr das menschliche geschlechte zu vertilgen, als selbigem gütlich zu thun Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1222
a; bist du's nicht allein, der dem vater gütlich thut! der seine wohltat ist! Klinger
w. 1, 39; dich sollen alle jungfrauen neiden, so gütlich will ich dir thun maler Müller
w. 1, 127; durch dessen vollendung ich es mir erst verdienen will, meinem herzen gütlich zu thun Schleiermacher
leben 1, 321; '
genugtuung verschaffen': wenn ich ihm mal die hüfte rühren kann, so thu ich meinem alten grolle gütlich
Shakespeare 4, 25; '
freundlich behandeln'
von tieren: er soll auch haven einen haibge, dri fogelhonde, zwene winde, den sal man gutlich doen
in: rechtsaltert. 1, 357;
intransitiv '
wohltun, angenehm sein': so lang ihr zartes fell auf flaum und ederdon ruht nichts ihnen gebricht, was nur den sinnen gütlich thut Wieland
s. w. (1794) 4, 77; ach, wie der traum mir gar so gütlich thut Körner
w. 2, 54
Hempel; und da wir noch von vielen andern gerichten reichlich zu uns genommen hatten, fielen wir, weil es uns so gütlich that, in einen sanften schlummer Heinse
s. w. 2, 60
Sch. B@1@f@a@bbββ)
spezieller im sinne '
mit speise und trank traktieren, bewirten',
vgl. einem güttlich thun, wol tractiren
benigne alicui facere Corvinus
fons lat. (1646) 109: da gingen die erbern lude dar unde luden der geiseler heim ... unde daten inen gutlichen ober nacht
Limburg. chron. 34
Wysz; ik byn ghekart in dat leste, to nomen der heren gheste den sus wart gutlick gedan
Braunschw. schichtspiel in: städtechron. 16, 228; thu im gütlich im leben sein, beide mit trincken und mit essen H. Sachs 19, 382
K.-G.; sie pflegten meiner ... wol und thäten mir ... gütlich A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 564; es ist auch anstalt zu machen, dasz ihnen (
den maroden soldaten) in speise und geträncke etwas gütlich gethan werde v. Fleming
soldat (1726) 327; wie hätte ich lust haben können, meinem körper gütlich zu thun Thümmel
reise i. d. mittl. prov. v. Fr. 10, 224; '
gut pflegen, mästen'
von tieren: gibt man inen (
den eseln) weytzen oder gerstenkleyen, so thut man inen gütlich Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 43; doch geschieht ihnen anders nicht, denn wie den säuen, die man auf den koben leget und mastet sie, und je gütlicher man ihnen thut, je näher sie der schlachtbank sind Luther
tischr. 2, 73
Förstem. B@1@f@a@ggγγ)
am häufigsten und noch heutiger sprache geläufig auf das handelnde subjekt zurückbezogen sich gütlich tun '
sich etwas angenehmes verschaffen, sichs wohl sein lassen, sich delektieren',
besonders mit materiellen genüssen, vgl. im selbs gütlich thuon, sich selbs schön und wol halten
molliter se curare Frisius 833
a: und darumb so isz fluchxs und thu dir selber gutlich, das dir der unterleger dick bleib
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalt. 1, 129; darumb merckt ich, das nichts bessers drinnen ist, denn frölich sein und im (
sich) gütlich thun in seinem leben
pred. Salomo 3, 12; auf einer bekandten universität wolten sich etliche studenten gütlich thun Happel
akad. roman (1690) 379; ich will mir nur gütlich thun und mir mein leben durch allerley beliebige lust vergnügt machen Reimarus
wahrh. d. nat. relig. (1766) 537; auf weicher betten flaumenschoos kann man sich gütlich thun Göthe 1, 135
W.; während die leichtsinnigen bei guter zeit davon zu laufen strebten, um in einem gasthause sich noch etwas gütlich zu thun G. Keller
ges. w. 6, 170; nur an den verlorenen ähren ..., an denen sich eine schar von gänsen und enten gütlich tat, merkte man den herbst Cl. Viebig
d. schlaf. heer (1904) 1, 68; '
sich belustigen, vergnügen': wie im laub der vogel spielet, mag sich jeder gütlich thun Schiller 11, 314
G.; ähnlich '
sich eine genugtuung verschaffen': die thaten dann sich gütlich, lieszen sich beigehn, mir zu sagen: klage nicht, handle! Hölderlin
ges. dicht. 2, 67
Litzm. B@1@f@bβ)
seltener sind verbindungen mit personalem objektsakkusativ: oych sendden ich uch dis huontgin, ... unde bidden uch, daz ir is leyp hait unde guoetlich doit
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 1, 6; der selbig pfaff macht es mit seinen pfarleuten also, das uff daz wenigst zuo dem jar einist must in ieder buer zuo gast haben, und in mit seiner magt ein tag oder zwen vol halten und uff das gütlichst thuon
Eulenspiegel 105
ndr.; inzwischen hielt Axel seine gefangenen sehr gütlich Buchholtz
Herkuliskus (1665) 23,
vgl. einen guotlich halten
trattare uno dolcemente Kramer
t.-ital. 1, 583
b; hab dank, du tapfrer degen, und reit mit mir nach haus! dasz wir uns gütlich pflegen nach diesem harten strausz Uhland
ged. (1898) 1, 289; da sprach der pfaffe: ich will es gerne thun, auf dasz euch der neue herr desto gütlicher handle br. Grimm
dtsche sagen 2, 180. B@1@gg)
von bedeutungen wie gütlich B 1 d
aus mundartlich zum sinne '
sacht, langsam, vorsichtig'
entwickelt, vgl. güetlich gehen, güetlich trinken
sachte, bequem, langsam Höfer
österr. 341; gütlich
langsam, bedächtig Unger-Khull 313
a; güetlich
sachte Schmeller
cimb. 127; fahr güetle, dasz d nit umwirfst! Schöpf
tirol. 220; fahr (döch '
tue') jet gütlich (
langsam) Müller
rhein. 2, 1525; du must hübsch giətlä gehn Lindermayr
dicht. i. d. ob. d. Enns. volksmundart (1822) 120; ös liabn meine gesellen, gehts güatlä dran A. Hartmann
volkslieder 211;
als einschränkendes adv. '
etwas, ziemlich'
wohl mit gutlecht (
s. dort)
vermengt: es geit güetlich besser Staub-Tobler 2, 558. B@22)
zu andern bedeutungen von gut
nur in vereinzelten sonderbildungen zu gut I A 1 '
zweckmäszig': ... wenns (
die wiese) tuch wär, nicht mit der schere schnitt mans gütlicher zu Mörike
ges. schr. (1905) 1, 261;
zu gut I A 4 '
geziemend, schicklich, rechtmäszig': von diu sol ein iegelich mansinen vater und sin muotir lan und sol bi sinem wibeguotlichin beliben
genesis u. exodus 12, 14
Diemer; reden dann die hauszgenözzen, im beschech nit guotlich, so sol man in mit ruo lassen (
anf. d. 15.
jh.)
österr. weist. 9, 681; es habs dann unser patron ... wol und gütlich verhengt Paracelsus
opera 2, 637
Huser; zu gut I A 5 '
gewisz, zuverlässig'; daraus gar gütlich wirdt geglaubt, das der mann ye hab den vorgang H. Sachs 9, 303
K.; wie darnach die engel weiter geordent, ist uns verporgen doch gütlich zegelauben, daz got under denselben geisten kain confusion oder zerüttung im anfang gestatt hab Berth. v. Chiemsee
t. theol. (1528) k 3
b;
zu gut III A 1 d: im behaget wol der bote, wan er was gutlich getan
väterbuch 28377
Reiszenb.; zu gut III A 5 '
erfreulich': ieglicher begunde jehen, im wære guotlich geschehen, daz er den andern het erkant Ottokar v. Steiermark
reimchron. 43414
Seem.; zu gut V B 3: hat ynndert ein weib ye missetan, seyn mund das wol gesagen kan. wo ein weib güetlichen thuot, des hat er nicht ze sagen muot Ulrich v. Lichtenstein
frauenb. 1668
Bergm.