grünen,
vb. ,
virescere, virere, florere. herkunft und form. 11)
gr.,
mhd. gruonen, grüenen,
ahd. nur als intr. verb gruonên III.
schw. kl. belegt, vgl. Graff 4, 300,
ist auszerhalb des ahd. in den germ. schwestersprachen nicht zu bezeugen; ableitung inchoativen charakters vom adjectiv gruoni (
vgl. sp. 640)
zur verbalwurzel *grō-,
die innerhalb des germ. in verschiedener ablautstufe als grundlage einer reichentwickelten wortsippe erscheint und in ahd. gruoen
virescere Graff 4, 298,
mhd. grüejen,
mnd. grôien,
afries. grōia,
mnl. groeyen,
anord. grōa,
schwed. gro,
ags. grōwan,
engl. grow,
sämtlich '
wachsen' (
s. auch greien
sp. 5)
vorliegt; dazu stellen sich deverbative substantiva wie ahd. gruotî
f. viror Graff
a. a. o.;
mhd. gruot
f. '
frischer wuchs'
; mnd. grôde '
begrüntes land'
; anord. grôði '
wachsthum',
schwed. gröda;
mnl. groede '
wuchs, wachsthum' (
s. auch greede
sp. 4)
und das adj. gruoni <
*grōniz
mit seinen ableitungen; dasz von einer idg. wz. *ghrō-
auszugehen ist, wird durch die entsprechende ē-
stufe in ags. grde
m. '
gras' Bosworth-Toller 486
a wahrscheinlich gemacht, woraus sich mit dem folgenden die basis ghrē : ghrō : ghrə
ergäbe; innergermanische verwandte aus gleicher wz. mit s-
ableitung got., ahd., mhd., nhd., anord. gras
n. '
gras, kraut'
; ags. græs, gærs
n.; mhd. gruose
f. '
pflanzensaft, junger trieb',
mnd. grôse
dass., mnl. groese '
junges grün'
; auszergermanisch sind gesicherte beziehungen spärlich, zweifelsfrei erscheint nur lat. grāmen
aus *ghras-men
und gerade von der bedeutung aus glaubhaft der zusammenhang mit der wz. gher '
hervorstechen'
; vgl. zum ganzen Walde-P.
vergl. wb. 1, 606
u. 645
f., wo weitere versuche nichtgerm. anknüpfungen verzeichnet sind. 22) gruonên, gruonen (grüenen)
beschränkt sich in ahd. und mhd. sprache deutlich auf obd. und md. gebiet und ist anscheinend mindestens dort alteingesessen, wo es heute in der ma. umlautlose form bewahrt; ein as. grōnian Gallée 120
existiert nicht (
die glosse ist obd.),
mnd. gronen Schiller-Lübben 2, 152
ist versprengter eindringling und mnl. groenen
gleichfalls vereinzelt, vgl. Verwijs-Verdam 2, 2154;
erst in neuerer sprache gewinnt gr. auf nd. gebiet an boden und steht auch nl. voll entfaltet neben groeien,
vgl. nl. wb. 5, 840
ff.; auch ahd. drängt neugebildetes ahd. gruonên
altes gruoen
zurück, vgl. croent
virent ahd. gl. 1, 266; groio
vireo 4, 210; etewaz peginnet cruen Notker 1, 751; gruet und wahset 1, 178
und weitere belege bei Graff 4, 298;
mhd. grüejen, ergrüejen
selten, vgl. mhd. wb. 1, 580
a und wie die folgenden fälle dialektisch bestimmt: (
die) wurtsel, da die roed ist usz ghegruet br. Hans
marienl. 605 (
clevisch); ir werdet wider gruende Hesler
apok. 18284; gruwen
vigere Diefenbach
nov. gl. 381
b (
voc. von 1476,
rheinisch)
; ältester zeuge für gruonên
ist die glosse cruaneton
vernabant ahd. gl. 2, 13,
jüngere belege s. Graff 4, 300;
mhd. tritt neben gruonen
ein trans. grüenen,
refl. sich grüenen;
die meist gebotene auffassung (Heyne
wb. 1, 1269),
dasz von trans. grüenen
aus das intransitivum nach dem 13.
jh. den umlaut übernommen habe, erregt bedenken, weil das trans. verb unhäufig war und das intr. in den obd. maa. noch heute weithin ohne umlaut gilt; wo sich der umlaut zeigt, wird er wie in der schriftsprache vom adj. grün
her zu erklären sein; umlautlose formen, z. th. neben umgelauteten, bewahren das bair., vgl. Schmeller-Fr. 1, 1000
f.; Lexer
kärnt. 125; Schöpf
tirol. 217; Unger-Khull 302
a;
das alem., vgl. Staub-Tobler 2, 754 (
wo neben länge grōne
n auch grŏne
n); Friedli
Bärnd. 3, 217; Bühler
Davos 53; Fischer
schwäb. 3, 881
f.; Fulda
idiot. 141 grunen
für schwäb.; weniger md., vgl. grûne Crecelius 441;
wo beide formen nebeneinanderstehen, ist die umlautsform in der regel der schriftsprache entnommen, was meist auch an der bedeutung erkennbar wird, vgl. Tschumpert
bündn. 653; Martin-Lienhart 1, 277
u. 2,; Bacher
lusern. 264;
ebenso steht grünen
neben dem alten grüejen
in rhein. und nd. maa., vgl. Jos. Müller
rhein. 2, 1456
u. 1444; Mensing 2, 497
u. 485; Dähnert 162
u. 161; Berghaus 1, 620
u. 615;
so auch fries. grêne, grëîe Jensen
nordfries. 169
u. 168;
entsprechend zu werthen ist umlautlosigkeit in druckwerken, namentlich des älteren nhd.: das gantze land grunet und stehet lüstig Luther
bei Dietz 2, 180
b; grunen, grün werden
verdoyer Hulsius-Ravellus
lex. it.-gall.-germ. (1616) 147
b; die meer wie sie wten ..., die bäume wie sie grunen Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 2, 222; grunen gleichet dem wort grnen, doch scheinet grunen der anfang zu der grnung Harsdörfer
poet. trichter 3 (1653) 247; das grunete und trieb, dasz es eine helle pracht war Jer. Gotthelf
ges. schr. 19, 68.
bedeutung und gebrauch. als wurzelhafte bedeutung von germ. *grō-
ist, im zusammenhang mit der wurzel *gher-
und der bis ins nhd. hinein sichtbaren grundbedeutung von grün, '
hervorsprieszen, herauswachsen'
in bezug auf die vegetation zu erschlieszen, eine art gegenstück zu der in ihren verbalen und nominalen ableitungen mannigfach ähnlichen verbalwurzel *blō-
in blühen;
hier der höhepunct, dort der beginn des pflanzlichen wachsthums; ahd. gruoen
hat, wie in den übrigen west- und nordgerm. dialekten, bereits die weitere bedeutung '
wachsen, gedeihen',
die auch in den rhein. und nd. maa. festgehalten ist; im mnl. erscheint neben ihr die ursprünglicher scheinende '
sprossen'
; das adj. *grôniz
erweist ebenfalls '
sprossend, frisch'
als seine grundbedeutung (
vgl. sp. 640),
nicht '
grasfarbig'
wie Falk-Torp 357
will; entsprechend bedeutet sein derivat gruonên '
grün werden'
vom jungen, sprossenden pflanzenwuchs, übernimmt aber in späterer sprache daneben auch die bedeutungen '
wachsen, gedeihen', '
grün sein'
und durativ '
grün bleiben'
; in den maa. wie in neuerer umgangssprache erliegt gr. vielfach den verbalverbindungen grün werden, grün sein, grün gehen
u. ä.; das factitiv mhd. grüenen '
grün machen'
bleibt im ganzen selten und tritt mundartlich seine bedeutung auch an das umlautlose intransitivum ab, vgl. Martin-Lienhart 1, 277; Zingerle
lusern. 33
a. AA.
in der alten und bis in die heutige sprache bewahrten hauptbedeutung beieht sich der im verbum ausgedrückte vorgang auf die vegetation. A@11)
im inchoativen sinne '
grün werden, sich mit pflanzlichem grün bedecken',
wobei die grundbedeutung von grün
neben dem optischen element lebendig bleibt. A@1@aa) '
ausschlagen, das erste junge grün bekommen, sich begrünen',
namentlich von der erwachenden vegetation des frühjahrs. A@1@a@aα)
von bäumen, dem wald '
sich belauben': in dem aberellen sô die bluomen springen, sô louben die linden und gruonen die buochen Heinr. v. Veldeke
in: minnes. frühl. 62, 28; ahî nu kumet uns diu zît der kleinen vogellîne sanc. ez gruonet wol diu linde breit, zergangen ist der winter lanc Dietmar v. Eist
in: minnes. frühl. 33, 17; sô si (
sc. diu heide) den walt siht gruonen Walther v.
d. Vogelweide 42, 22; welcher zwar unter allen bäumen im jahre der letzte zu
gr. beginnet S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) )( 3
a; schon fangen die büsche an zu
gr. Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 255; in der ersten hälfte des aprils, wenn eben die weiden zu
gr. anfangen Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 1, 467. A@1@a@bβ) '
sich mit grün bedecken, grün hervorbringen'
von der erde, dem acker u. ä.: das erdrych ist gheiszen gruonen Zwingli
dtsche schr. 1, 63; der acker fieng an ... zu
gr. grillenvertreiber (1670) 46; die erde regt sich, grünt und lebt Novalis
schr. 1, 81
M.; Amalias liebe machte den brennenden sand unter ihm
gr. Schiller 2, 150
G.; neu liesz den schutt sie (
die freiheit)
gr. Freiligrath
ges. dicht. 5, 16;
vergleichbar: das wasser will, das unfruchtbare, grünen Göthe 3, 78
W.; übertragen auf die thätigkeit des frühlings als bringer des pflanzenwuchses: der frühling grünte zeitig Göthe 4, 5
W.; drauszen grünte der frühling G. Freytag
verlor. handschr.5 1, 353; woher gras und bäume und ein ganzer grünender früling noch ohne einen stral der sonne? Herder 6, 30
S. A@1@a@gγ)
unpersönlich es grünt '
es wird grün'
bereits in älterer sprache: wan ez gruonet in dem walde v.
d. Hagen
minnesinger 1, 356
a; da war es recht ym lentz, das es daher grunet Luther 24, 155
W.; ye mehr der früling sein wärme herfür laszt und auszspeut, ye mehr grünt es allenthalb Seb. Franck
sprichw. (1541) 1, 137
b; dann grünt es über ein weilchen Geibel
w. 1, 52; sobald es
gr. wird, sagen wir es ihnen Gervinus in:
briefw. zw. J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 2, 237;
vgl.as grounăt widăr Bühler
Davos 1, 53;
hierzu gehören auch folgende fälle: swanne der winter abe ginc und der sumer ane ginc und iz begunde grunen
Straszburger Alexander 5249; hir fengt es ahn, starck zu
gr. überall Elisabeth Charlotte v. Orleans 3, 539
lit. ver.; jetzunder geht das frühjahr an, und alles fängt zu grünen an Mittler
dtsche volkslieder 657; A@1@bb)
specieller '
treiben, sprieszen, angehen, ausschlagen',
vgl.gruonen
pullulare Diefenbach 472
a; grunen
germinare 261
a;
gr., ausschlagen
germinare, frondere Wiederhold
dict. (1669) 152
b;
vgl.gruenen
wurzel fassen, keimen, sprossen Schmeller-Fr. 1, 1000; drú holcz dar an begunden gruonen und gabent este schweizer Wernher
Mar. 3027
P.; dar nach gab sie sich in eins hulczes art, dar umb die rude gegrunet hat
Alsfelder passionsspiel 4723
Grein; der stecken künde gruonen J. Agricola
sprichw. (1534) y 7
b; die grünende rut Mosis Fischart
binenkorb (1588) 55
b; und daz noch wunderlicher ist, fieng der mastbaum an zu
gr. Gabr. Rollenhagen
indian. reisen (1603) 145; darnach wol auf den dritten tag der stecken hub an zu grünen J. Prätorius
Blockesberges verricht. (1668) 23; die schäfte (
der speere) begannen zu
gr. dtsches museum 2, 247
Fr. Schlegel; sprichwörtlich: wenn gott es will, grünt auch ein besenstiel Binder
sprichwörterschatz 21; ein baum, der vom wetter geschlagen, schlägt doch wider ausz und grünet Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 797; dasz der abgehauene baum wohl noch einmal
gr. könne O. Peschel
völkerkde 309;
dann auch '
keimen'
vom samenkorn: si (
die ameisen) peizent daz korn enzwai, daz si eintragent, daz es icht anderweid keimel und grüen K. v. Megenberg
buch d. natur 302; der samen grunet
erste dtsche bibel 1, 134 (
lesart für keimet); der samen grünet und wechset
bibel v. 1483, 487
a; die lest samen, die auch zuo der selben zeit ligen in der bermutter der erden, die werden
gr. und mit hilf der sonnen blüen und wachsen
Petrus de Crescentiis teutsch (
Speyer o. j.) 23
b ('
pullulant'
im lat. original);
überhaupt '
sprieszen, hervorwachsen': gaben des hailigen gaistes, die die pluomen Christum machten grüenend in der zarten schalen unser frawen K. v. Megenberg
buch d. natur 84; wann rechte zeit macht grunen ein iglichs kraut
fastnachtspiele 744
Keller; es lasse die erd härfür gruonen grasz und kraut
Züricher bibel (1531) 1
b; das erste leben ist die wirckung der seelen, nach welcher ... die vegetabilien ihren saft an sich ziehen und
gr. Prätorius
anthropod. plutonicus (1666) 1, 411; der regen ... macht gras und gartenkräuter
gr. Göthe IV 8, 78
W.; bildlich: ein spröszling grünt aus seinen wurzeln (
des stammes Isai)
allg. dtsche bibl., anh. 53-86, 2580; swelch guottât ê verdorben was, diu gruonet herwider als ein gras Freidank 38, 2
Gr. A@22)
die vorstellung vom beginn des wachsthums erweitert sich zu der des wachsens überhaupt, wobei nur theilweise noch das moment der quantitativen zunahme bestimmend ist, öfter dagegen der begriff des gedeihens hervortritt; auch diese verwendung ist alt: du bist wole slozhafter garto, suester min gemahela, ... also in demo garten allerslahto krut gruonent Williram 67, 4
Seem.; sie (
die haare) gruonent ouch alliz ana quasi palma 88, 13;
bildlich: (
da) grunet wol der edele stam
Passional 402, 51
K.; dar us so wuochs ir herczen drut und gronet in dem gard Ph. Wackernagel
kirchenlied 2, 279
a; kann auch ein simmes grunen on feucht erden? Luther
bibel 1, 403
W. (
Hiob 8, 11); was auf der erden und in theleren und auf den alben webert oder grunet, ist des erdenkreysz in superficie ehr und schmuck Mathesius
leichenpred. (1561) y 3
b; der zauberte ... ein lilien in den hafen, die grünete daher
volksb. v. dr. Faust 97
Br.; das küszkraut da wie blumen an allen ecken grunt
schausp. engl. komöd. 250
Creizenach; womit haben wirs verdienet, dasz uns alles so grünet? unser acker, recht zu sagen, solte thorn und tisteln tragen Gabr. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 96; früchte, die im schatten und dunkeln plätzen
gr., haben weder preisz noch geschmakk P. Winckler 2000
gute gedancken (1685) c 3; vertraut mit allem, was im walde ... grünt Herm. Schmid
alte u. neue gesch. a. Bayern (1861) 41; sieh, wie auf einmal rosen auf dem mist
gr. maler Müller
w. 2, 114; sieht dieser baum da nicht dem ähnlich, der in S.
vor unserm hause grünt? Tieck
schr. 11, 351;
daher auch gr. und wachsen
als zwillingsformel: von der zeit an grünet und wächsset laub und gras wider herfür Sebiz
feldbau (1579) 53; ein guter name kan ... wie ein wächsiger guter baum
gr. und wachsen Aitinger
jagdbüchlein (1681) )( 3
b;
sogar: von den orten, da das gold grünet und wächset
Jos. de Acosta America (1605) 99. A@33)
schon mhd. sprache eigen ist die verwendung, die gr. als einfache zustandsbezeichnung faszt, '
im grün der vegetation stehen, grün sein',
vgl.gruonen o. grien syn
virere Diefenbach 621
c; gruonen
frondere gemma gemmarum (1508) l 2
a;
gr.,
frondeo, φυλλοφέρω Decimator
thesaurus (1606) 539
b. A@3@aa)
mit vorwiegen des farbeindruckes: anger gruonet unt diu liehte heide, des stet wunneklich ir ougenweide v.
d. Hagen
minnesinger 1, 357
a; mit schœner gruene gruenet tal, uz rœte rot da glestet 2, 69
b; das lant in grner varwe lit gruonende alse der grne chle Rudolf v. Ems
weltchron. 1444; auch laub und gras das grnet schon Forster
fr. teutsche liedlein 42
ndr.; (
wir) sechen
gr. die preyten wisen Arigo
decamerone 10
lit. ver.; auch grunen beyde, weld und wiesen Hans Sachs 1, 24
K.; die au und auch der anger rechtschaffen grünen fein Ringwald
christl. warnung m 6
b; das grasze grünt in vollem pracht Opitz
t. poemata 51
ndr.; voll halme grünt das land J. H. Vosz
s. ged. 5, 2; thäler grünen, hügel schwellen Göthe 15, 1, 4
W. (
Faust 4654); und die erde grünte grüner Tieck
schr. 1, 275; weil schön die wälder
gr. Storm
w. 2, 272;
poetisch ganz frei verwendet: es müssen lilien um ihre schläfe grünen H. A. v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 837; (
es) grünt ihm der lorbeer, den der sieg ihm gab Brentano
ges. schr. 2, 488. A@3@bb)
entsprechend wird das partic., namentlich in poetischer sprache, attributiv verwendet, wobei im mehr oder minder bewuszten gegensatz zum adj. grün
die reine farbvorstellung hinter die des pflanzlich im grün stehens zurückgedrängt wird; vgl. ein gruonend ort
viretum Frisius 1387
b; dicke sat und gruonende wisen, mögen der seel zuo staten komen Albrecht von Eyb
spiegel d. sitten (1511) h 6
a; auf beiden seiten lagen grünende felder und wiesen Nicolai
reise 1, 46; die stadt
N. ..., von grünenden gärten umgeben Meyr
erzähl. a. d. Ried 1, 54; ihr grünenden bäume ..., euch rufe ich zu ... zeugen an Chr. Weise
pol. redner (1677) 12; wenn man im untern gange steht und in der grünenden allee spazieren geht B. H. Brockes 8, 23; und das schönste gemisch von blühenden feldern goldenen saaten und grünenden wäldern Schiller 1, 219
G.; vgl. 11, 76; eh ich noch daran dachte, war ich tief in die grünenden schatten hinein Fouqué
jahreszeiten 1, 39; diese ... sangen aus grünenden zweigen lieder der freiheit
gr. Stolberg
ges. w. 3, 98; (
sie) nahm ... der langen grünenden blätter einige Mörike
w. 1, 266; mit seinem körper den grünenden rasen decken W. Hauff
w. 1, 32. A@3@cc)
der grundbedeutung von grün
nahe gilt gr. im gegensatz zu welken, verdorren
auch in älterer sprache im sinne '
frisch bleiben, im saft bleiben' (
vgl.grün I B 1),
wobei der farbbegriff vielfach stark verblaszt: das laub, das on den eschten stund, das fieng da an zu pleichen, und das es darnach nimmer grundt
Sigenot str. 79
Schade; der (
ulmbaum) hât die art, ... daz er gar gern grüenet, wan ist, daz er dürr worden ist, der in dann fäuht mit wazzer, er wirt wider grüen K. v. Megenberg
buch d. natur 353; ein bluom des feldes, die heut in glück grünt und obschwebet, morgen verdorret, abgestorben ist Seb. Franck
sprichw. (1541) 2, 104
b; und folgte dazumahl dem baume von Japan, der von dem regen stirbt und in der sonne grünet Hoffmannswaldau-Neukirch 1, 126; kaum einen tag hat diese kürbisstaude gegrünet Abraham a
s. Clara
etwas für alle 2, 41; bei einem oberhalb verdorrten, unten grünenden baum Herder 22, 78
S.; nebeneinander stehen, vereint
gr. oder welken, alles das gehört zum walde Brentano
Godwi 2, 27;
oft mit einem temporalen adv. verdeutlicht: wie die bletter nicht immerdar grunen, sondern ... verwelcken und abfallen
theatr. diabol. (1569) 511
b; gleichwie wir sehen, dasz die bäume, so immer
gr., von ihrem saft es haben J. Prätorius
winterflucht (1678) 275; links strebte die immer grünende eiche zur breite wie zur höhe Göthe 49, 312
W.; etwas anders von der tanne, die ihr grün das ganze jahr bewahrt: o tanne, du bist ein edler zweig, du grünest winter und die liebe sommerzeit; wenn alle beume dürre sein, so grünst du, edles tannenbeumelein Uhland
volksl. 1, 1, 385 (
um 1550); die ... allzeit grünende tannen Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. 1, 5;
nur vereinzelt wie grün I B 2
im sinne '
noch nicht reif, unreif sein': was zeittig umbher war, liesz er abschneiden und zuo hauf füren, was aber noch grünet ..., liesz er alles zertretten und verderben Carbach
Livius (1551) 266
a. A@44)
den gesichtspunct des vortrefflichen wachsens und gedeihens hebt mit gefühlsbetonter stärke die formel gr. und blühen
heraus: jhe mehr der kreutter seind, jhe mehr sie
gr. und blüen, jhe mehr wassers zu verhoffen ist Michael Herr
feldbau (1551) 296; so grünet und blüet alles aus der erden Barth
weiberspiegel (1565) k 1
a; die beume, die blühen und grünen mit macht Zesen
verm. Helikon 2, 118; izt
gr. und blühen wir als die blumen und müssen doch endlich widerum verdorren Butschky
kanzelley (1666) 4, 64; man findet bäum, die auszwendig
gr. und blühen, inwendig ist das marck gantz faul und verdorret Lehman
florileg. polit. 1, 68; um sie grünte und blühte es H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 358; grünt und blühet schön der mai Göthe 1, 80
W. A@55)
das partic. präs. vertritt substantiviert in älterer sprache gelegentlich die collectivbezeichnung '
das grün, gewächs': das er holz, korn unde gras und swas da gruonendis was zerslug ... Rudolf v. Ems
weltchron. 10275
Ehrism.; welches, so es geschich, ist allen gruonenden vil nutz H. Österreicher
Columella 264
lit. ver.; eim yeglichen grunenden
erste dtsche bibel 2, 491 (
variante zu einer ieglichen grüne); ich hab alles grunende geben euch zur speyse
1. Mos. 1, 32;
vgl.grunende
viretum (
voc. v. 1420) Diefenbach
nov. gl. 383
a. BB.
wie beim adj. grün
ist namentlich in älterer sprache eine reiche übertragung auf andere als pflanzliche objecte entwickelt; dasz aber neben der bildhaften anwendung auf personen, dinge, zustände und abstracta auch alte directe verbale ableitung von grün II A
möglich ist, ergibt sich in vereinzelten fällen, wo die wurzelhafte bedeutung '
frisch sein'
näher liegt: dasz man seinen körper noch gruonend und onverzert domalen fonden hab J. v. Watt
dtsche hist. schr. 1, 153
G.; und gruonet sein fleisch, die weil er daran (
tot am galgen) hieng
der heiligen leben winterteil (1471) 27
a;
vgl. d rude grune
n flieszen, von den nassen flechten Staub-Tobler 2, 754. B@11)
von gr. A 1
her leitet sich die verwendung, die das schwergewicht auf den beginn eines zustandes legt; im bilde: wo dignitas peginnet dar virescere gruonen Notker 2, 389; des lop gruonet unde valwet sô der klê Walther v.
d. Vogelweide 35, 14; sie (
die ehre) gruont niht wider als der clê, als meien zît ân argez wê
meisterlieder 570
Bartsch; alsdenn wird der glaub ausschlagen, der fried grunen
Z. Theobald
Huszitenkrieg (1609) 384;
aber meist ohne unmittelbare metaphorische beziehung, vorab im älteren nhd. häufig, '
sprossen, erwachsen, aufblühen': mein bart und auch mein hor begund mir gleich zu grunen an der stundt Wickram
w. 8, 196
B.; Cassandra ... wol abnemen kund, das die früntschaft irer tochter schon anhuob gegen der Lucia zuo gruonen 2, 219; dieweil ... fieng sein ungluck an zu gronen Knebel
chron. v. Kaisheim 265
lit. ver.; im glück grünt übermuth W. H. v. Hohberg
habspurg. Ottobert (1664) e 3
b; rechten studiis, so zu unserer zeit wider gegrünet und an tag kommen Hutten
opera 2, 213
B. (
zeitgenöss. übersetzung); diser zeyt gruonet der tödtlich krieg zwüschen der statt Zürych und den eydgenossen Stumpf
Schweizerchron. 109
a; die furcht läszt keine hoffnung grünen A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 854; am grünen donnerstage, an welchem unserer seelen heyl ... hat angefangen zu
gr. B. Schupp
schr. (1663) 64; ich fordre keinen ruhm, der aus dem unrecht grünet J. E. Schlegel
w. 1, 241; aus diesem haupte, wo der apfel lag, wird euch die neue beszre freiheit grünen Schiller 14, 383
G.; plastisch: im thale grünet hoffnungsglück Göthe 14, 49 (
Faust 905)
W. B@22)
einen vom vorigen fühlbar unterschiedenen bedeutungscharakter gewinnt gr.,
wenn der begriff des zunehmens, wachsens, der steigerung überhaupt im vordergrund steht und die metaphorik an A 2
anknüpft; so in der verbindung gr. und wachsen
u. ä.: Seneca sprichet, daz der git grnet, wahset alle zit
der sœlden hort 4854
Adrian; daz lebin unses herren daz grunete und wuchs in der lûte herze Pfeiffer
myst. 1, 4; ye mer in im (
dem menschen) wachst und gruonet die gOettlichen ding
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 66
b; also sind wir alle yn Adam ... beraubet unsers ursprungs, das ist gottes, von wilches einflieszen wir sollten grunen und wachsen Luther 18, 509
W.; und dieses himmelliecht wird nicht abnemen, sondern immer ins helle klare
gr., das ist wachsen und zunemen
V. Herberger
himml. Jerusalem (1609) 130; damit ins künftige ... die freyen studien wachsen und
gr. mögen Happel
akad. roman (1690) 227; alle freye künst erwachsen, grunen und zu vollstande gelangen Harsdörfer
frauenzimmergesprächsp. 1, 10; der geistlich wird dann
gr. und wirdt zunemen wie der mond Paracelsus
opera 2, 608
H.; wie aber die Jesuwider ...
gr. und zunehmen J. Prätorius
Turcicida f 3
b; dardurch sein lob grün, blü und wachs je lenger mehr, das wünscht Hans Sachs Hans Sachs 21, 303
K.-G.; ebenso auch gr. allein im älteren nhd. und mundartlich im sinne '
aufblühen, voran kommen, sich erholen'
von menschen und dingen, vgl. gleichbedeutendes begrünen
th. 1, 1313; der gmein nutz fieng zu grunen an, das sich frewd iedermann darab Hans Sachs 8, 477
K.; durch den gemainen ruof würt das werk wider gruonen Steinhöwel
de clar. mul. 194
lit. ver.; wir vermeinten uns durch ihn zu bessern, zu
gr. und aufzukommen Petreius
historien (1620) 365; ihr sehet, das die falschen propheten ... nicht
gr., nicht fürkommen Paracelsus
opera (1589) 2, 83;
ähnlich '
körperlich (
und geistig)
wachsen und gedeihen, erstarken, bes. von kindern, rekonvalescenten ...; das kind grunet,
der kranke grunet
wieder' Fischer
schwäb. 3, 881;
vgl.es gruenet -mu
es fängt an, ihm gut zu ergehen Staub-Tobler 2, 754;
s. auch Martin-Lienhart 1, 277; Fischer
schwäb. 3, 881. B@33)
nahe angrenzend, jedoch mit stärkerer betonung des zuständlichen, '
in kraft und frische stehen, gedeihen, florieren'
entsprechend A 3,
vgl.gr.,
in seinem wäsen oder kraft seyn
vigere Calepinus xi
ling. (1598) 1542;
so in den mannigfaltigsten beziehungen. B@3@aa)
von menschen und dingen, '
im zustand des wohlbefindens sein': oder du gronest nimmer uff erd und gewinst laster und schaden
Friedrich v. Schwaben 4344
Jellinek; dar umb so mag er (
der mensch) grunen nyt Seb. Brant
narrenschiff 38
anm. Z.; es wird niemand verschonet, wer noch ein wenig grunet, musz auch erfahren groszes laid Steiff
geschichtl. lieder u. sprüche Württ. 538 (
v. j. 1632);
etwas anders: ihr brüder! auf! verjagt den ernst, weil wir noch grünen Ramler
lyr. ged. (1772) 211;
in älterer sprache wie lat. florere im sinne '
in der blüte des lebens stehen, leben': er lebt und grünet zur zeit Tiberii Nic. Heiden
Valerius Max. (1565)
einl. 2; des propheten Anani sun hat zuo der zeit Baese oder Basse gegruont Seb. Franck
chron. zeytb. (1531) 58
b; Demas ... grünete und lebete zur zeit desz groszen Alexandri Lehman
florileg. polit. 4, 94; dieses königliche geschlechte (
würde) nicht so viel hundert jahre gegrünet haben Lohenstein
Ibrahim sultan, lobschr. g 1
a;
allgemein '
gedeihen, blühen, florieren'
von zuständen und einrichtungen, socialen gebilden u. s. w.: daher kan gruonen der gmain nutz, dann wa man gottes wort lieb hatt, so gruonet eine soliche statt Fizion
chron. v. Reutlingen 232
nach Fischer
schwäb. 3, 881; das es (
das vaterland) ... noch heuntigs tags griene und wolstehe v. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 131; und lange wird der frauen reich nicht grünen Brentano
ges. schr. 6, 129; unsere alten deutschen stämme
gr. seit einem halben jahrtausend Fr. L. Jahn 1, 285
E.; lasz sein haus noch ferner grünen Gottsched
ged. (1751) 1, 327; die ainigkait gepflantzet und ... alweg gronend erhalten wirt
städtechron. 23, 380; da dan die gaistlichait und ordenszucht für ander ort gronet Knebel
chron. v. Kaisheim 81
lit. ver.; zu dessen zeit die lateinische sprach und alle wissenschaften am vortreflichsten gegrünt und in herrlichster ziehrde geblüht Rompler v. Löwenhalt
erst. gebüsch 17
vorr.; hoch grünte kunst und wissenschaft Fr. Kind
ged. 5, 7; schöner grünte sie (
die cultur) nirgends G. Forster
s. schr. 4, 186. B@3@bb) '
in voller, strotzender kraft (
der jugend, gesundheit u. s. w.)
stehen'
; ähnlich auch im bezug auf das alter '
in rüstigkeit und frische sich befinden'
; vgl. grunende sterck
vigor Diefenbach 619
a: nu grün ich, nu bin ich siech, nu leb ich, nu stirb ich czuhant J. v. Neumarkt
soliloquien 21
Kl.; vorhin, da er annoch in bester kraft gegrünt, hat er sie nicht gemocht Caspar Abel
Boileau (1729) 335;
vgl.grüenen
gesund sein Martin-Lienhart 1, 277; wie sie (
die menschen) ... jetzt
gr. und frisch sind Herder 17, 140
S.; der jung gruonend mensch Seb. Franck
Germ. chron. (1538) 137
a; wollte gott, ich grünte noch jezt in der fülle der jugend! J. H. Vosz
Odüssee 267
Bernays; damahls grunet mein jugent werth J. Spreng
Ilias (1610) 4.
ges., 45
b; der grünenden jugend überflüssige gedanken Chr. Weise
titel; geniest die jugend, weil sie grüent
Königsberger dichterkreis 103
ndr.; sein fleisch grüne wider wie in der jugent
Hiob 33, 25; wem die locken noch jugendlich grünen Schiller 14, 49
G.; daz alter ... benimpt ... doch di gruonenden kräft J. v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 67; deine kniee noch folgten, noch grünte die stärke der jugend
gr. Stolberg
ges. w. 11, 129; eyn frolich hercze macht eyn gruende aldir
sprichwörter der Freidankpredigten 50
Klapper; das gruonad alter mit sterck des libs H. Österreicher
Columella 1, 9
lit. ver.; in grünendem alter Kirchhof
wendunmuth 1, 379
lit. ver.; weil ... noch mein alter grünt Simon Dach
in: Königsb. dichterkr. 19
ndr.; es ist ... in der ordnung, dasz ... zuletzt das grünende alter als rückhalt sich aufstellt (
als landsturm) Fr. L. Jahn 2, 474
E. B@3@cc) '
in vollem flor stehen, prangen, reich sein an etw.',
in hinsicht auf gesinnung, stimmung, eigenschaften, tugenden u. s. w.; bildlich: mir stolzt der muet von rechter gier und gruenet als ain päm Oswald v. Wolkenstein 269
Schatz; dîn herze in sælden gruone Konrad v. Würzburg
Trojanerkrieg 5707; wan ir hertze grnet zuo hoher vræuden glsten Johann v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 9148; doch grnat er (
der ritter) vil mer in der tugent seiner keuschait Hartlieb
dial. miracul. 54
Drescher; du gruonest an allen tugenden
d. heiligen leben winterteil (1471) 58
a; weil sie (
die Römer) an tugenden grünten U. Budrym
kriegsregiment (1594) 8;
seltener bei negativer wendung: seit das in eitel falscheit grunt ir mut Hans Folz
meisterl. 140
M.; blasser, '
in einem lebendig, vorhanden sein'
; aber noch im halben bilde: frOed gronet mir nimmer mer von Fridrichs schaiden in dürrem hertzen ser
Friedrich v. Schwaben 3631
Jellinek; das in innen zuo dem päbstlichen stuol gantz kain gehorsam gronet G. Ortolff
päpstlich bull (1509) a 4
a; wo aber solch unnutz thorlich fragen noch in dir gronent Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 147
ndr. B@3@dd)
entsprechend auch von abstractis '
in der fülle, auf der höhe ihrer qualität stehen'
; im bilde: (
tugenden) die nimmer vor im (
gott) verlischen und immer grunen und vrischen ... sam ein naz ligende owe Heinr. v. Hesler
apokal. 8218
Helm; ir wîplich êre gruonet
Lohengrin 6219
Rückert; höchliches ehren, aufwarten und dienen, ... warlich! die machen die liebe stets grühnen
Venusgärtlein 16
ndr.; doch grünt die frische lieb A. Gryphius
lyr. ged. 194
Palm; allein je mehr dein preis in aller augen grünt B. Neukirch
ged. (1744) 189; in der brust zufriedne demut grünte Eschenburg
beispielsammlg. 1, 292; hoffnung grünt in schöne mild A. v. Arnim 22, 21
Gr., wo grün
als farbe der hoffnung hereinkreuzt (
vgl. sp. 654): ihre freundschaft grünt wieder, seit sie vom könige berufen sind Dahlmann
an Gervinus in: briefw. 1, 442; in einem lande ..., darinn der friede grünet Grimmelshausen 3, 390
Kell.; von hier aus gilt das part. geradezu als steigerndes adj.: von welchen gelehrten man rühmlich hört sagen, dasz sie itzo stehen in grünender ehr Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. 1, 259; die grünende hofnung, dasz wir freud und wonne genüszlich empfinden werden Butschky
hd. kanzelley (1666) 3, 129;
feste formel ist das glück grünet (
vgl. blüht): wann das glück uns fügt und grünet Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 419
a; ihr glücke grünet in frembder luft Ziegler
Banise (1689) 504; seht, wie das glück den dummen grünet Ramler
fabellese 3, 12. B@3@ee)
einen besonderen reichthum entfaltet gr. in geistlicher sprache, wofür in biblischer metaphorik zahlreiche ansatzpuncte gegeben sind; '
in religiöser lebendigkeit stehen, nicht geistlich verdorrt sein',
vgl. etwa Luc. 23, 31,
psalm 1, 3
u. ä., vgl. gotzmann,
gode gegebin, grünender
Nazarenus Diefenbach 377
a; daz wir mit demuodekeide hie sullen gruonen uf ertriche Nic. v. Landau
sermone 120
Zuchhold; alle creature grunen in gode
parad. animae 114
Str.; zu bedeuten ihr grunend hertz zu gott Seb. Franck
chron. (1585) 3, 520; mein hertze sol dir grünen in stetem lob und preis Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 324
a; also, sag ich, wird auch grünen, wer in gottes wort sich übt 3, 362
b;
anders '
ewig leben',
wohl im anschlusz an psalm 92, 13
f.: herr, es genügt mir nicht, dasz ich dir englisch diene und in vollkommenheit der götter für dir grüne Angelus Silesius
cherub. wandersm. 14
ndr.; keiner grünet, der nicht Christo dienet Abraham a
s. Clara
etwas f. alle 2, 298; so werd ich dort in ewigkeit bey dir im paradise grünen Drollinger
ged. 49;
noch anders, vgl. grün II A 1 b: ein grunender, der da one sund ist
viridis Diefenbach 622
b. B@44)
von gr. A 3 c
ausgehend entwickelt sich übertragenes gr. mit durativem charakter '
grün, unverwelklich, frisch bleiben'
; so als typische formel entwickelt von der fortdauer des andenkens, vgl. Campe 2, 477;
auch hier scheint eine biblische wurzel in Sirach 46, 14
mitzuwirken: die richter ... werden auch gepreiset; ir gebeine grunen noch imer, da sie ligen, und ir name wird gepreiset in iren kindern, auf welche er geerbet ist; auch im tode werden seine gebeine
gr. pflichtsvorhaltung (1714); ihr (
der toten) gedächtnis sei gesegnet, und ihr gebein grüne an seinem ort Scheffel
ges. w. 2, 24;
meist aber liegt directe übertragung von der vegetation her näher: hierzu kömpt die hoffnung vieler künftigen zeiten, in welchen sie (
die poeten) fort für fort
gr. Opitz
poeterei 56
ndr.; ihr nachruhm wird mit meinem grünen Stieler
geharnschte Venus 84
ndr.; das grabmaal eines helden ..., dessen andenken bey uns im segen
gr. wird Gottsched
neuest. 1, 347; sein angedenken grünt J.
N. Götz
verm. ged. 3, 69;
vgl. im grünendsten andenken Herder 1, 14
S.; soll seines nahmens ruhm auf späte nachwelt grünen? J. D. Uz
s. poet. w. 103
Sauer; ähnlich auch im sinne '
fortdauern in frische': o! dasz sie ewig grünen bliebe die schöne zeit der jungen liebe Schiller 11, 307
G.; in unmittelbarer anlehnung an gr. A 3 c: ich werde
gr. und ihr werdet dürr feygenbäm werden Paracelsus
opera 1, 201
H.; die Deutschen sind gewohnt in glück und unglück farbe zu halten, wie das frauenhaar bey dürrer hitze zu
gr. Lohenstein
Arminius 2, 779
b. B@55)
seit alters beliebt und in fast allen schattierungen der einzelverben verwendbar das paar gr. und blühen;
meist als affectvoller ausdruck für '
im zustande schönsten gedeihens stehen': und in der kraft ist got ganz blüende unde grüenende Pfeiffer
myst. 2, 397; dafon grunit und bluwit und lebit alliz, daz in dirre werlinde ist
paradisus animae 17
Strauch; vgl. Tauler
pred. 98
V.; so gruneth und blueth die christenheit Luther 2, 114
W.; dieweil das gemeynd regiment und wesen der Römer blüet und grünet Carbach
Livius 256
b; da
gr. und blühen die hertzen in güte und liebe Schupp
schr. 153; philisterei ..., wie sie nur in irgend einem klubb
gr. und blühen mag E. Th. A. Hoffmann
s. w. 6, 11
Gr.; redensartlich ironischer wunsch: du sast grönen und blöen as'n stockfisch in Norwegen W. Lüpkes
seemannsspr. 20; du schasst grönen un blöhen as en torfsood, is ok'n wunsch, seggt se in Holsteen Mensing 2, 497. CC.
im ganzen selten und zumeist poetische sonderbildung des farbbegriffes, '
grüne farbe haben'
; nicht ganz sicher bereits so: die bihtere lúhtent in gruonender schonheit (
angeblich im bezuge auf die grünen paramente am fest der bekenner) Seuse
dtsche schr. 244
Bihlm.; den grünenden smaragd und brennenden rubin Opitz
opera 3,
psalmen 405; können esel grünen? Hagedorn
poet. w. (1757) 2, 253; wie diese wangen grünen! wie blau der weite mund! Wieland
s. w. (1853) 15, 100; zween (
flügel) mit perlen im grünenden felde Gerstenberg
recensionen 14
lit.-dkm.; die grünende farbe also von der verschiedensten art Göthe II 5, 2, 159
W.; vor fäulnis grünt er (
der see) J. H. Vosz
s. ged. (1825) 3, 218; (
die wasser) sie spielen in grünendem feuer Mörike
w. 1, 74;
etwas anders, '
in grüner farbe leuchten': ihr harnisch, unter dem der hofnung farbe grünet Joh. E. Schlegel
w. 4, 29; nur der smaragd allein verdient, dasz er an deinem herzen grünt Göthe 15, 1, 212 (
Faust 9308)
W.; technisch sich
gr. '
grüne farbe bekommen': wobei sich das öl zuerst grünt, später eine bräunlichschwarze farbe annimmt Karmarsch-Heeren
techn. wb.2 (1854) 2, 775. DD.
transitiver gebrauch erscheint als vereinzelte neubildung zu verschiedenen bedeutungen des adj.; vgl. stark o. lebendig machen, gruonen
vegetare Diefenbach 608
c; vegetiren, erfrischen, stärcken, kräftig machen,
gr., erquicken
F. Gladow
à la mode-sprach (1727) 770
a;
in mhd. sprache grüenen '
frisch, neu machen': doch wolt er kriege drije gerner vil versnen, e das er einen grnen wolt von sinen schulden
bruchstück bei Pfeiffer
forsch. u. kritik. 1, 80; '
wachsen machen': minne ich aber got, der stirbet niemer und belibet bi mir ... und grozet min minne und gruonet und hizzet min minne
beichtbuch 91
Oberlin; zu grün I B 1
wird gehören gruenen
ein eingetrocknetes hölzernes gefäsz durch einschütten von wasser wasserdicht machen Martin-Lienhart 1, 277
a,
d. h. das holz wieder grün,
feucht machen: welcher (
gerber) sein vasz grunen oder leder waschen will (
aus einer alten Straszburger polizeiordnung) Frisch
teutsch-lat. 1, 380
b,
vgl. ufgruenen
im wasser aufquellen, von bohnen, erbsen Martin-Lienhart 1, 277
a;
technisch zu grün II B 1 '
grüne farbe geben': die lösung ... grünt ... violensaft Liebig
handb. d. chemie (1843) 436; deswegen musz die gefärbte wolle auszer der küpe gut gegrünet,
d. i. gut ausgebreitet werden Jacobsson 2, 167
b;
reflexiv sich
gr. im sinne '
sich erneuern'
ab und an in älterer sprache: do so stritet aller meist mit dem libe hie der geist. daz sich hie stete gruonet und niemer wird versunet Hugo v. Langenstein
Martina 271, 81
K.; gitekeit die grnet sich an allen lten steteklich Boner
edelstein 89, 50
Benecke.