gründen,
vb. herkunft und form. als j-
ableitung von grund
gebildet, bereits bei Notker (
s. u.) mehrfach bezeugt; doch fehlen sonstige
ahd. oder
as. belege; auch ags. ist gryndan (
vgl.gegryndan, agryndan)
unhäufig und bedeutungsmäszig schwankend: gryndend
descendens Murray 4, 426
a;
unsicheres grynded
profundum vel in profundis esse Grein-Wülcker 279
b,
vgl.gegryndan
fundare Bosworth-Toller 397,
und offenbar nicht anders als das spätere mittelengl. to ground
selbständige ableitung, ohne dasz ein älteres wgm. *grundjan
vorauszusetzen wäre; ält. dän. grunde =
anord. grunda '
denken',
bei Weigand
5 1, 776
hierher gestellt, gehört vielmehr wie das subst. grundr
zu anord. gruna '
sich etwas denken'
vgl. Falk-Torp 1, 353,
und hat erst secundär von mnd. grunden
die bedeutung '
ergründen',
von nhd. gründen
die bedeutung '
fundare'
entlehnt; erst das spätere mhd. entwickelt aus grund I
und IV
das vb. gr. zu weiterer geltung; neben die regelrecht umgelautete form tritt gelegentlich umlautloses grunden (
vgl. Staub-Tobler 2, 777; Martin-Lienkhart 1, 278; Fischer
samländ. 141),
theils als im umlaut gehinderte form, theils als jüngere ableitung vom grundwort in specifischen bedeutungen; selten in liter. sprache, vor allem bei intrans. verwendung: die feierliche sprache, auf groszheit des innern grundend J. G. Radloff
treffl. d. süddtsch. maa. (1811) 189; Freiligrath
ges. dicht.2 1, 220 (
s. u. I A 1 a),
oder im reimzwang: denn von den werken gilt vor gott, dem herrn, die meinung nur, auf die sie sind gegrundet (: gerundet) Brentano
ges. schr. 1, 131;
vorab auf md. und elsäss. boden steht im späteren mhd. neben gr. gleichbedeutendes gegründen,
vgl. myst. 1, 200
Pf.; 2, 520; Tauler
pred. 269
V.; paradis. anim. 27
Str. bedeutung. II.
bis in das späte mhd. ist gründen
lediglich als ableitung von grund I
gebräuchlich; als ausgangsbedeutung hat man bereits für das ahd. '
den grund (I A 1
u. 2)
des wassers erreichen bzw. zu erreichen suchen'
zu erschlieszen, wenn sich auch diese rein sinnliche bedeutung erst im jüngeren mhd. bezeugt findet; Notkers
übertragene verwendung von gr. als umschreibung von rimare 1, 24,
discutere 1, 729,
perstringere Graff 4, 332 (
s. u. I A 2 a
u. c)
läszt sich, wie die späteren übertragungen gleichen sinnes, nur von einem solchen ahd. unbezeugten grunten
aus deuten; vgl. Notker ergrunden, durhgrunden
bei Graff 4, 332;
im älteren nhd. noch reicher entfaltet, beschränkt sich diese verwendung in neuerer sprache auf einen engeren bezirk formelhafter nautischer ausdrücke. I@AA.
im eigentlichen sinne '
den grund eines gewässers erreichen, den grund finden (
vgl. grund I A 4 a)'. I@A@11)
zunächst von personen bzw. dingen, die sich im wasser befinden. I@A@1@aa)
seit dem mhd. in der bedeutung '
den grund mit den füszen erreichen, im wasser festen boden gewinnen, um stehen oder waten zu können'
; so nicht selten in trans. gebrauch: ez törst aber nymmant niht hin uber die unden, wan ez (
das wasser) nymmant grunden moht; dar von schied er dann
der gr. Alexander 3940
Guth; dann das wasser war zu hoch, das man drüber schwimmen muste, und kundte es nicht
gr. Hesekiel 47, 5; waren dieselben lachen so seicht worden, das sie zu waten und zu
gr. waren Carbach
Livius (1551) 155
b; in ziemlichen fischwassern, die ein mann
gr. kan
fischbüchlein 53; gewässer, die man waten und
gr. kan Hohberg
georg. cur. 2, 541
a; er wuszte, wo er solt den harten boden finden, er wuszte, wo der flusz am besten war zu gründen Dietr. v.
d. Werder
ras. Roland 30.
ges. 65, 2;
vielfach aber mit ellipse des objects, intrans. verwendung sich nähernd: er gedâhte: ob ich niht gründe, sô enweiz ich wie ich über sol
Biterolf 3542; hie inne sô mac man waten unde man mac hie inne
gr. myst. 2, 332
Pf.; wan der flusz als tif ist, das di reuttere ader fuszknecht nicht mogen grunden
Fl. Vegetius Renatus vier bücher d. rittersch. (1511) h 4
a; mit seinem rosse, welches tiefe halben nicht
gr. konte
M. Beuther
warh. bericht (1588) 98; ich sincke schon, der schlamm wil mich verschlingen; er ist so tief, dasz ich nicht gründen kan Opitz
psalmen 129; er ... sei mit ihm hinabgesprungen, um dem kleinen chirurgen, der dort nicht
gr. könnte, den rechtshandel ... einzutränken A. Ruge
s. w. 7, 19; fest grundete der huf (
im meer) Freiligrath
ges. dicht.2 (1877) 1, 220;
sprichwörtlich: geh nicht tiefer, als du
gr. kannst Lüpkes
seemansspr. 66;
der gebrauch ist mundartlich hie und da bewahrt, vgl. grönnen '
in tieferem wasser den boden mit den füszen erreichen'
lux. ma. 156
b; grunghe
grund finden Fischer
saml. 141;
in älteren wörterbüchern gr. geradezu durch waten
umschrieben: gr., waten
vadum transire Henisch 1766;
gr., durchwaden
vadare Hulsius
dict. (1618) 143
a,
eine wohl unberechtigte verallgemeinerung der höchstens dialektisch gebrauchten begriffserweiterung nach Kilian 163
b: gronden
flandr. waden
vadum transire; doch vgl. vadum, ein fort, das man
gr. kan Riccius
Terentii comoed. (1586) 452. I@A@1@bb)
ähnlich in nautischen ausdrücken von sächlichen objecten: 'grund
fassen'
vom anker: weiln es aber in wind, lieszen wir unsern ancker auf 45 faden
gr. Behr
diarium (1668) 130;
gern bildlich: wohnt gott in meiner brust, so kan mein ancker gründen J. G. Neukirch
anfangsgründe 34;
dasz diese verwendung aber wesentlich älter ist, erweist ein entsprechender bildlicher gebrauch bei Joh. v. Neumarkt: wanne in dir und in nimant anders gegrundet hat meines hertzen hoffenunge
leb. d. hl. Hieron. 99
Bened. (= '
in nullo viventium ut in te meae spei firmavi anchoram'
patr. lat. 22, 278
Migne);
ähnlich aufzufassen: wie got in dem indewendigen grunde der selen gegrundet het und verborgen und bedecket lit Tauler
pred. 25
V.; dann auch im sinne des berührens ohne die vorstellung des fest stehens oder haftens (
vgl. grund I A 4 b): mit dem ruder
gr. applicare remos vadis =
landen Frisius 1342
b; '
das schiff gründet,
wenn es den boden berührt' Kluge
seemannsspr. 337; der sack (
des netzes) gründet 600 maschen tief
bei Staub-Tobler 2, 777; wo die wracke liegen, wo das blei nicht gründet Freiligrath
ges. dicht. 5, 61. I@A@22)
deutlich aus 1
entwickelt ist eine speciell nautische verwendung '
den grund, die wassertiefe von oben her mit einem instrument untersuchen bzw. feststellen',
entweder um mit dem schiff nicht aufzulaufen oder überhaupt tiefenmessungen vorzunehmen; vermutlich älter als das breitere auftreten im älteren nhd. erkennen läszt; gronden, gronderen
contari, explorare profunditatem, scrutari fundum Kilian 163
b;
vgl. grunden
fundum attingere, tentare vadum, explorare profunditatem Henisch 1766; das wasser mit einem stachel
gr. oder grund suchen
contari Frisius 323
b; dat is tmeeste dat men sal gronden
minnen loep 1, 1729
Leendertz; wie kluge schiffer, die, ehe sie zufahren, erstlich wohl
gr. Menantes
neue br. (1723) 284; die weil auch das wasser in der mitte tief und mit denen bäumen nicht zu
gr. W. Dilich
ungar. chron. (1606) 255; sintemal man mit einem seyl von zehen klafter nicht
gr. konte Ens
ostind. lustgart (1618) 1, 201; man (
kann) es (
das caspische meer) auf 60 oder 70 faden nicht
gr. A. Olearius
persian. reisebeschr. 213; (
du, gott) gründst dess tiefen meeres grund Paul Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 311;
gr. tiefenuntersuchung '
längs den deichen' Benzler
deichbau 1, 179; einige haben ... vorgehabt, das wasser zu
gr. und ein seil eingelassen br. Grimm
dtsche sagen 1, 86;
sprichwörtlich: kein wasser ist so tief, es stehet zu
gr. Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 177;
besonders im 17.
jh. in bildhafter rede beliebt: die begierd und böse lust ist ein brunnquell kaum zu gründen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 3, 62; er (
der geist) gründet ohne blei die tiefen tiefer flüsse Lohenstein
hyacinthen 25; sein loth ist der verstand, damit er weisz zu gründen Hofmannswaldau
geistl. oden u. verm. ged. (1700) 29;
anders: es ist nichts darinn (
im ehestand) zu finden, zu
gr. als trübes wasser Abr. a
s. Clara
Judas 1, 20;
mehr an grund I A 2
schlieszt sich eine nur gelegentliche verwendung im sinne '
auf den grund gehen': wann man zu tief gründen will, so macht man trüb das wasser still Fischart
Eulenspiegel 1278
H.; ähnlich obscön Garg. 384
ndr. vgl. th. 4, 1, 963;
entsprechend bildlich: denn je tiefer man gründet, desto mehr übereinstimmung ... wird man allenthalben finden Jung Stilling
w. 3, 542
Gr.; vereinzelt als verbale wendung von grund I E: und gründend süsziglich mit aug und mund sein hertz Weckherlin
ged. 2, 359
F.; dann vor allem in einer bereits alten verwendung, wo der bildcharakter überall deutlich spürbar bleibt '
ergründen, ermessen, erschöpfen',
mit vorliebe in negativer formulierung wie '
unergründlich, unermeszlich sein'
gebraucht, vgl. inexhaustus das nicht zu
gr., zu erschepfen ... ist B. Faber
thes. (1587) 376
b;
besonders von gott und seinen eigenschaften vgl. Verwijs-Verdam 2, 2167; ich gelob, dîn lob kein menschlich sinn nicht gründe H. v. Montfort 30, 32
B.; und wi dasselb (
das ausschöpfen des meeres) ist unverpracht, vil minder gründ wir gottes macht J. v. Schwartzenberg
teutsch Cicero 128
a; lasz sehen, dasz bey dir die güte nicht zu gründen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. 2, 5;
vgl. Opitz
bei Adelung (1775) 2, 826;
doch auch in allgemeineren beziehungen: der mordige schade, der dannan abekumet, der ist nút ze gründende Tauler
pred. 297
V.; neyn herte kan to vullen grunden de vroude, de dar is to allen stunden
harteb. 189
f. 6
a bei Schiller-Lübben 2, 158
a; o reiche wissenschaft! wer kan die weisheit grunden durch die man gott recht kent? Gryphius
sonn- u. feiertagsson. 43
W.; was hilfet aller schatz, so nicht zu gründen?
ollapatrida 174
Wiener ndr.; vergleichbar ist ganz selten auftretendes concretes gr. im sinne '
bis auf den grund erschöpfen, ausleeren': das er die (
die lection) nicht im schulsack verligen liesz. da recitiert ers auswendig: gosz, gründet und gab Fischart
Garg. 274
ndr.; schlucken on stucken und schlinden on gründen
flöhhatz 71
ndr.; vgl.den kelck ... gronden (
austrinken)
ndl. wb. 5, 985;
vgl. auch grunden '
bis auf den grund räumen' Staub-Tobler 2, 777;
mit verblassen der von grund '
wassertiefe'
hergeleiteten ausgangsbedeutung auch allgemein '
die tiefe untersuchen': instrument, die wunden zu
gr. stromento da chirurgico per tastare le piaghe Hulsius
dict. (1618) 2, 407
b;
ähnlich schon älter = '
untersuchen': (
Jesus) hiet hem (
Thomas) dat hi se (
die wunden) soude gronden ende mit vingeren tasten
lucidar. 2061
bei Verwijs-Verdam 2, 2167;
anders specialisiert '
tief eindringen': ... der stachel, der am tiefsten gründet, ist liebe, die nicht gegenliebe findet Grillparzer
s. w. 11, 133
S.; gelegentlich mit anlehnung an grund II '
erdboden'
: die tiefen der erde durchsuchen (
vgl.gründeln): wüste jemand ein vergrabenen schatz in seinem haus, er würde tag und nacht graben und
gr. Dannhauer
catechism. milch (1657) 8, 53;
etwas anders: die im bergwerck graben werden meh stein finden dann gelt
gr. ('
ausgraben') Fischart
praktik 25
ndr.; vgl. ... wir (
teufel) haben noch dahinden das hauptgehürn, (
die papstkrone) darnach wir gründen ('
suchen, trachten')
Jesuiterhütl. 300
H. I@A@33)
concretes gr. ist bereits bei Notker
zu übertragenem gebrauch für die function des denkenden geistes entwickelt und zwar anscheinend schon in doppelter richtung wie im späteren mhd. und im älteren nhd. bis in das 17/18.
jh. hinein, wo es dann endgültig von ergründen
verdrängt wird; Kramer
teutsch-ital. verzeichnet gr. nicht mehr in den folg. verwendungen. I@A@3@aa)
einem ding (
einer frage, einem problem)
auf den grund kommen (
vgl. grund I D 2),
es erkennen, verstehen: tes ist alles Mercurius underchleine, uuanda sermo grundet taz al (
vgl. im lat. text kurz vorher: hic ... potest noscere) Notker 1, 765
P., vgl. ähnliches ergrunden
bei Notker Graff 4, 332;
dann in der sprache der deutschen mystik wieder auflebend: ich lais in einem buchelin, der ez gronde konde, daz got die werlint izunt machit alse an deme ersten tage
paradis. anim. int. 15
Str.; wêre iht in gote, daz crêatûre
gr. möhte, sô nême êwekeit ende
myst. 2, 648
Pf.; nicht selten in bezug auf die bibel: und an dem ende der geschrift, als man sie
gr. wil, sô spottet si wîser liute 2, 331;
überhaupt ist die religiöse sphäre das hauptfeld für diese bedeutung; sehr gern negativ verwendet: (
die heilige schrift) die alle kunst fur driffte und nymant grunden mag Hans Folz
meisterlieder 218
M.; ich glob, es (
die plagen) kom von sünden, wir tuond es als nit gründen ... H. v. Montfort 5, 140
B.; (
doch auch positiv: daz tuot sich sicher
gr. 32, 71
u. 38, 128) fides autem tam fortis, qui videt etwas, das nymant grunden khan Luther 17, 1, 323
W.; darumb sind die wort so tief das sie nicht zu
gr. sind 24, 394; stück des glaubens ..., die nit zu rütlen oder grunden seind
Karsthans in Hutten 4, 637
B.; kein fantasey soll haben statt zu grunden gottes heimlichkeit Joh. v. Schwarzenberg
trostspr. 33
ndr. im 16.
jh. auszerordentlich beliebt; ähnlich noch im 17.: gottes werke sind von menschen nicht zu
gr. J. Rist
parnasz 180; der eitele vernunftgeist kan disz nicht
gr. noch ergreifen A. v. Franckenberg
nosce te ipsum (1676) 26;
auszerhalb dieser sphäre gewöhnlich positiv: hy bi moghe ghi merken unde grunden
spieghel d. leyen 10
b nach Schiller-Lübben 2, 158
a; wöllend wir vorhin eigenschaft der sach
gr. und ufmerken Riederer
rhetoric (1493) a 6
a; der ursach weisz nyeman gentzlich, je mer man die zu gründen gärt je mynder man dar von erfärt Brant
narrensch. 58
Z.; inn solcher seiner (
Petrarcas) poesia (
ist) so ein herrlicher schatz von tugenten verborgen, dasz der, welcher es liset und
gr. will, je lenger je mehr tief verstendiger ... materien darinnen findet D. Federmann
sechs triumph (1578)
vorr. 3
a; siehe! abermahl gründest du geheimnusse J. Prätorius
glückstopf (1669) 25;
später nur noch in gelegentlicher poetischer verwendung: sind gleich männer schwer zu gründen G. Stephanie
s. singsp. 326.
fälle wie die folgenden stehen schon auf der grenze zu b: denn du gerechter gott allein kanst hertz und niern im menschen gründen Ulenberg
ps. Davids (1582)
b. Kehrein
kirchenlied. 3, 122; so lauf nun vor mir hin und gründe recht die herzen Hoffmannswaldau
in: zweite schles. schule 1, 1001
dnl. ähnlich ist wohl auch zu verstehen: gründe meine wort, jungkhfrewlin zart, dieweil ich dich mues meiden
volks- u. gesellschaftsl. d. 15./16.
jh.s 65
Kopp. I@A@3@bb)
verwandt und doch fühlbar unterschieden ist eine anwendung, bei der die bedeutung '
den grund zu erreichen suchen, die tiefe erforschen, messend untersuchen'
ins geistige gewendet ist: '
nachgrübeln, nachsinnen',
und zwar nicht selten im hinblick auf ein nicht erreichbares resultat, vgl. durchgründen, ausgründen;
in diesem sinne bereits bei Notker: to ih tir half crunden tia tougeni dero naturę
cum rimarer tecum secreta naturę 1, 24
; vgl. uueliu anderiu uuas noh quon tages unde nahtes crunden himel unde mere unde hella
quę autem noctibus universis celum freta tartarumque discutere 1, 729,
wo die concrete bedeutung noch deutlicher durchschimmert; vgl. (ein wise dierna) turhcrundende tougeniu ding 1, 715; ich han gesprochen von einer kraft in der sele ..., si ennimt in (
gott) ouch niht als er wârheit ist: si gründet unde suochet vort unde nimt got in sîner einunge
myst. 2, 266
Pf.; soo sy meer begheren ende ghelusten, soeken ende gronden Ruysbroek 3, 184
bei Verwijs-Verdam 2, 2168;
vgl. in nuwen vraghene ... ende in nuwen grondene
nova pervestigatione inquirit 2, 2167; man wirt disen handel grinden und suchen nach und weit
reimchron. über herz. Ulrich (1534) 157
bei Fischer
schwäb. 3, 876; solchs wird ein jeder war befinden, wer nur nachtrachten wil und gründen Fischart
st. Dominici ... leben v. 676
Kurz; von hier aus zu verstehen als '
nachforschend ersinnen':
d. Faustus gedachte ihme hin und wider nach, wie aller gottlosen hertzen nichts guts
gr. können
volksb. v. dr. Faust 26
Br.; noch Henisch
verzeichnet: gr., auszgründen, durchgründen
perscrutari, perquirere, pervestigare 1765;
ganz selten in neuerer sprache: dein auge wird ihn (
den beweis) ohne gründen in der beyden seelen ausblick finden Blumauer
ged. (1782) 173; Geigers werke wirken ... anregend, weiter zu dichten und zu
gr. Stifter
s. w. 14, 154;
gern mit adverbialen bestimmungen verbunden; noch auf der linie der ursprünglich bildhaften vorstellung liegt tief: deshalb gepeut er im ein zeyt nachzulossen, er gründ zu tiff Hans Folz
meisterlieder 45
M.; gelegentlich lehnt sich aber dieses gr. '
auf den grund zu kommen suchen'
fühlbar an grund II '
erdboden'
an und erhält den beisinn '
tief eindringen' (
vgl.gr. =
graben sp. 777): die andern alten lerer
gr. nit so tief hinein uf den kernen und bleiben auswendig an den rinden Keisersberg
seelenparad. 107
a; ein angefochtener mensch gründet und grübelt so tief, das er sich kaum wider erholen kan Petri
d. Dtschen weiszh. 1, b 7
r;
völlig verblaszt ist der bildliche ursprung bei der verbindung mit hoch: es ist nit guot, wer zu hoch grind (
a. d. 14.
jh.) Wackernagel
kirchenl. 2, 272
b; dieweil ir (
Musen) selbst seit so gesinnt, dasz ir nicht zu hoch tracht und gründt Fischart
Eulenspiegel 9, 224
H.; und ob ich zwar hoch und tief gründe und es (
mein schreiben) ganz helle werde darstellen Jac. Böhme
schr. 4, 5;
ähnlich bei weit: in summa, was darf man gründen wyt? beschouw man die gegenwirtig zyt ... H. R. Manuel
d. weinspiel v. 4147
ndr.; so weit mustu
gr. und erfahren, das du wissest, das du in der hand ein sulphur habest Paracelsus
op. (1616) 1, 26
H., vgl. 2, 16;
auch mit präpositionen; am häufigsten steht nach, vgl.nachgründen th. 7, 66,
wozu auch nahen
gr. bei Frisius 518
b, Maaler 302
a gehört; furbas du weyter gründe nach dem selpad (
seelenbad) Hans Folz
meisterlieder 47
M.; vgl. Verwijs-Verdam 2, 2167; (
ein mann) sich dasz nit verführen lasz, sonder gründ nach der warheit basz J. Ayrer 2, 1301
K.; seltener auf: z vil
gr. uf gott bringt irrung vil J. Ruff
Etter Heini 711
K.; ähnlich: all welt ietz und dar uf gründt, all jar zuo wissen künftig ding P. Gengenbach 163
G.; I@A@3@cc)
nur in älterer sprache schwach bezeugt, aber deutlich als sonderentwicklung zu erkennen, ist eine bedeutung, die a
näher verwandt, von '
einer sache auf den grund gehen, ergründen'
sich herleitend, den sinn '
ein ergründetes darlegen, etwas bis auf den grund erforschtes kundgeben',
dann geradezu '
gründlich erörtern'
annimmt; in mhd. zeit fast ganz auf md. denkmäler beschränkt: daz ih tir eteuuaz crunde des kotelichen dinges
ut pauca de divina profunditate perstringam Notker
bei Graff 4, 332; ich wil dir die rehten wârheit gründen
Lohengrin 1086; ich man dichs, herre, sît daz Ezechiêles tür dir goffent wart; niht vürbaz ich dirz gründe.
Wartburgkr. 139, 10; sal ich (
Ecclesia) uwer (
der juden) bosheit basz grunden, so wel ich uwer alde ee vorblinden
Alsfelder passionssp. 4641
Gr. I@BB.
gr. als intransitivum '
grund haben',
vor allem in dem zweifellos recht alten sprichwort: stille wasser
gr. tief Lehmann
floril. polit. (1662) 3, 320;
so bereits mhd.: daz (
die ketzerei) ist ein sünde, diu sô tiefe gründet, daz si mit sünden nieman übersündet Reinmar v. Zweter 88, 7;
in jüngerer sprache gelegentlich neu geschaffen: die deutsche politische langsamkeit gründet indesz im frieden tief und läszt (
wie der Seineflusz) fruchtbarkeit nach Jean Paul 35, 28
H.; dasz in diesem gebiete sich immer tiefere tiefen austiefen und unter dem abgrunde der abgrund gründet Immermann 2, 148
B. IIII.
die im nhd. breiter entfalteten bedeutungen von gr. ruhen auf einer kaum vor dem jüngeren mhd. vollzogenen ableitung des verbs aus grund IV '
basis, fundamentum' (
vgl. sp. 702
ff.);
zunächst wie lat. fundare '
etw. mit einem fundament versehen'
; den begriffsinhalten von fundare entsprechen im ahd. andere verba z. b. bei Notker: gruntsellon (Graff 4, 331); statton 2, 538
Pf.; kefundamenton 2, 368; gefestonon 2, 434;
im Tatian: gifestinon 43, 1
S.; am nächsten liegt Notkers ergruntin
fundati Graff 4, 332,
ist aber wohl auch nur eine bildung ad hoc; für das mhd. s. grundvesten, grundvestigen;
noch im 15.
jh. ist gr. ungeläufig vgl. Diefenbach 252
a,
verbreitet sich aber stark im 16.
jh., zumal Luther
es sichtlich liebt; vereinzelt bereits in der mystik gebildet, vgl. mystiker 2, 501
Pf. (
s. u.B 2 b); disiu einikeit (
gottes) ist âne grunt, mêr: si gründet sich selben 2, 525;
vielleicht dem übersetzten fundare nachgebildet bei Joh. v. Neumarkt
buch d. liebkosung 39
u. 165
Kl. II@AA.
in breitester verwendung, in der regel transitiv: '
ein ding mit einem fundament, einer festen basis versehen, worauf es ruhen kann'
; dann '
das fundament legen; die grundlage schaffen' (
vgl. grund IV A 3 b);
gr. in fester verbindung mit den präpositionen auf
und in
s. unten B
und C. II@A@11)
concret, im eigentlichen sinne auf körperliche massen angewendet; ähnliches bereits in der mystik (
s. oben),
vergleichbar im 15.
jh. gr. '
festen grund legen, festen boden im wasser herstellen': wenn dann ist, das der stat paumeister Kornperckstein bedarf quaders grösz zu grunten in das wasser oder sunst zu pawen E. Tucher
baumeisterb. 84
L.; das der Löffler dann die klein stein ... an die selben ent fur und die einriett (
die stellen, an denen man in das wasser einreitet) damit erheb und gründt 251;
vgl. fundo, firmo, solido, stabilio ich gründ Alberus q 2
b. II@A@1@aa)
seit dem 16.
jh., aber selten im eigentlich bautechnischen sinne wie in neuerer sprache: gr. oder fundamentieren, das fundament eines gebäudes anfertigen Helfft
wb. d. landbauk. 162; vom tage an, da des herrn haus gegründet ward bis ers volendet, das des herrn haus gantz bereit ward
2. chron. 8, 16;
vgl. Sacharja 4, 9; der thurn desz münsters ist gründt und angfangen worden anno 1305 Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 281
a;
in beiden fällen kreuzt deutlich bereits die vorstellung '
durch legung der fundamente den bau beginnen'
hinein; so meist auch späterhin, vielfach bildlich: seit dasz wir ... unsrer freundschaft bau gegründet Gottsched
ged. (1751) 1, 204;
vgl. (
heilge ordnung,) die der städte bau gegründet Schiller 11, 315
G.; altes fundament ehrt man, darf aber das recht nicht aufgeben, irgendwo wieder einmal von vorn zu
gr. Göthe II 11, 124
W.; hiernach findet er sich wieder hier in gewohnter thätigkeit, gründet, baut, vollendet IV 37, 264; was an dem astronomischen bau schon geleistet, was gegründet, was ausgeführt II 3, 249,
vgl. I 20, 96; stahl musz das werkzeug seyn, mit dem ich
gr. und bauen kann maler Müller
w. 3, 58. II@A@1@bb)
in anderer weise erweitert gr. seinen vorstellungsinhalt, wenn es auszer dem legen der fundamente auch das errichten des gebäudes einbegreift, nicht selten in poetischer sprache geradezu bauen
vertritt: das man sage zu Jerusalem: sey gebawet, und zum tempel: sey gegründet
Jesaia 44, 28; viel haben ihre lust an köstlichen pallästen gantz königlich gemacht, vil gründen starcke festen Opitz
teutsche poem. 231
ndr.; das haus der freiheit hat uns gott gegründet Schiller 14, 290
G.; besonders tritt öfter der begriff des festigens, gefestigt seins hinzu (
vgl.gr. in II C): viel häuszlein auf dasz best ... sie da dann gründen fest Spee
trutznacht. (1649) 133; zu meiner hohen, mit erz gegründeten wohnung J. H. Vosz
Od. 233
B.; vergleichbar: hast du ein gegründet haus fleh die götter alle, dasz es, bis man dich trägt hinaus, nicht zu schutt zerfalle Göthe 16, 371
W. II@A@1@cc)
auch neben anderen concretis verblaszt die vorstellung des fundamentierens zugunsten der des herstellens und setzens, doch bleibt der gedanke an das auf feste fundamente legen mehr oder minder erhalten; so vor allem in der formel die erde
gr.: dennoch hestu di erd niht noch di berg gegrundet (
adhuc terram non feceras nec montes fundaveras) Joh. v. Neumarkt
buch der liebkosung 39
Kl.; wo warestu, da ich die erden gründet?
Hiob 38, 4; da die fundamente der erden gelegt wurden oder, dasz ichs deutlicher sage, da das ertreich gegründet ward
theatr. diabol. (1569) 14
b; sterne hat er bereitet ..., das ungemässne meer und den weitumpfalten erdboden gegründet Harsdörfer
secretar. (1656
ff.) 2, 164; denn er (
Jehova) ists, der ihn (
den weltkreis) über meere gegründet, ihn über fluthen bevestiget hat Herder 12, 215
S.; ähnlich: so können wir ... nit wissen, was gestalt und weisz die helle (
hölle) erschaffen ist, noch wie sie von gott gegründet und erbauwet seye
volksb. v. dr. Faust 28
Braune; in diesem sinne von allem was gebaut wird: gr., eine mauer
établir un mur Hoyer-Kreuter 1, 318; feste mauern will sie (
Minerva) gründen, jedem schutz und schirm zu seyn Schiller 11, 296
G.; bildlich: wo du die scheidewand zwischen tugend und laster gründetest Tieck
schr. 8, 10; du eile dich, das bald dein heer die dämme, die einst Domitius gründete, betritt Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 130; dasz ich dies denkmal gründend für Teutschland viel gethan Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 4, 239; II@A@1@dd)
etwas anders '
als fundament setzen, als basis aufstellen': die warheyt an den pabst zu binden und ihn als eyn ecksteyn zu gründen Fischart
jesuiterhütl. v. 918
H.; wohl im anschlusz an Matth. 16, 18;
vgl. ich lege ... einen grundstein, einen bewerten stein, einen köstlichen eckstein, der wohl gegründet ist
Jesaia 28, 16;
ähnlich: wir
gr. diesen stein für ewig, zur sicherung des längsten genusses der gegenwärtigen ... besitzer dieses hauses Göthe 20, 100
W.; einen stein sie richten und gründen, daran sich wieder zu finden Uhland
ged. 1, 400
krit. ausg.; auf gleicher linie liegt übertragen gebrauchtes ein fundament
gr.: so will ich ... zuvor die helle und ir substantz ansehen und wie sie von gottes zorn erschaffen ist ..., ob wir auch etliche fundamenta
gr. kündten
volksb. v. dr. Faust 39
Br.; vgl. ein schön und recht gegründ fundament, recht nach dem gesange und den noten zu lernen Agricola
musica instr. deudsch 11
E.; die schrift allein das fundament der seligkeit hat fest gegründt J. Orsäus
nomencl. meth. (1623) 273;
ähnlich auch: die pyramide meines daseyns, deren basis mir angegeben und gegründet ist Göthe IV 4, 299
W.; anders: so grünt der nesselstrauch, der gründet seinen fusz und läst den scharfen brand durch keine macht vertreiben Chr. Weise
d. grün. jug. überfl. ged. 2
ndr.; ich wil meinen matten fusz bey den Tyrigeten gründen Neumark
neuspr. teutsche palmb. 348. II@A@1@ee)
wenig häufig, aber durchaus möglich ist ein gebrauch, bei dem der grund
als subject gedacht wird, gr. für '
den grund, die grundlage bilden'
eintritt, z. b. ein betonblock gründet das hochhaus;
so, meist poetisch, auch in älterer sprache vereinzelt zu belegen: die magnetische kraft wird merklich gespühret von dem mittelpunkt, der den erdenkreys gründet Neumark
neuspr. teutsche palmb. 73; ich ... legte ihn (
den brief) ... als den ersten weg, der ein ganzes paquet
gr. soll W. v. Burgsdorf
br. 14
C.; bildlich: dieser wahn, er sey falsch oder nicht, gründet unsre glükkseligkeit Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 6, 119; II@A@1@ff)
reflexive verwendung, die bei präpositionaler fügung geläufig ist (
s. u. II B 1 b),
bleibt bei absolutem gebrauch selten: hie wird mein sitz sich gründen, hie bleib ich fort und fort S. Dach 130
Ö.; die hoffnung, die so tief sich gründet, baut auf den grund, den nichts umreist Gryphius
ged. 498
Palm; ähnlich bereits im 16.
jh.: das er sich grundet und mich stortzet, so ich doch auf der schrift stehe und bleybe Luther 10, 2, 250
W.; vgl. auch: der grund, da ich mich gründe ist Christus und sein blut P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 387
b; II@A@22)
früh entwickelt, in älterer und neuerer sprache den concreten gebrauch an häufigkeit der anwendung weit übertreffend, sind die übertragenen bedeutungen; sie bilden sich aus den concreten unter besonderer betonung zweier hauptgesichtspunkte; einmal wird das '
schaffen einer grundlage',
ohne die eine erscheinung nicht vorhanden, gesichert oder berechtigt ist, zum bestimmenden bedeutungsinhalt oder zweitens das '
ins werk setzen, einrichten, anfangen'
überhaupt (
s. u. 3). II@A@2@aa)
vielfach ganz allgemein '
eine grundlage geben'
neben inconcretis; der sinnliche ausgangspunkt bleibt häufig in adverbialen zusätzen oder parallelen verben sichtbar: leute, die den glauben solten legen und grunden Luther 14, 25
W.; liebhaberei führt zu solchen unternehmungen, kenntnisz gründet und befestigt sie Göthe 47, 366
W.; eine solche sammlung (
von kunstwerken) ... gründet das gespräch, indem sie es belebt 49, 1, 250
W.; ähnlich: er ist eine von den gründenden naturen IV 19, 2;
oft in passivisch-perfectischer wendung '
durch die grundlage sicher, gesichert sein': aber es (
das buch) ist dermaszen gegründet, dasz sie es wol müssen ungefressen lassen Nigrinus
papist. inquis. 513; die alten lerer haben vil loblicher, gegründter büechern hinder inen verlassen (
v. j. 1525)
nach Staub-Tobler 2, 778;
selten mit persönl. subject und gen. der sachbeziehung: er ist diser sach gantz nicht gegründet
nullam justam causam habet Henisch 1765; nein, herr, ein solcher bist du nicht, desz ist mein hertz gegründet P. Gerhard
bei Fischer-Tümpel 3, 392
b;
oft zum adj. erstarrt: wie ist sie (
die welt) seit meiner priesterschaft erst wünschenswert, gegründet, dauerhaft Göthe 15, 85
W.; bei einem gegründeten reichthum 24, 91;
so seit alters in bezug auf geistiges können '
gut fundamentiert': ohne solche gegrünte rechenkunst L. Ercker
miner. ertzt (1580) 2
a; ein gegründet wissen Gottsched
ged. (1751) 1, 438; zusammenhängendes wissen, gegründete gelehrsamkeit Göthe IV 31, 236
W.; gern mit adverbien verbunden: tief: o Belial, wie tief gegründet ist dein erfahrenheit Ayrer
hist. proc. juris 5; wie tief bey den römischen juristen diese gemeinschaft des wissenschaftlichen besitzes gegründet ist, zeigt sich auch darin v. Savigny
v. beruf uns. zeit. 29;
namentlich aber fest: dein gir söll vestlich sein gegründt, genuog zethuon ümb alle sünd J. v. Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 114; ... dasz es (
dein wort) von dir, mit dir, in alle ewigkeit zu wehren, vöst gegründet Weckherlin
ged. 1, 386
F.; drum ist auch mein glaub als mauerfest gegründet Neumark
poet. u. mus. lustw. 34; an dem rand der berge, wo sonst deine herrschaft fest gegründet war G. Freytag
ges. w. 9, 37; ein jahr hatte hingereicht, sein vielgefährdetes königthum unerschütterlich fest zu
gr. Droysen
gesch. Alex. d. gr. 89;
auch comparativisch: durch welches vorspiel ..., hoffnung und zutrauen fester gegründet werden Göthe 33, 19
W.; vgl. (
zeichen,) die seine zweifel nur noch stärker gründen Tieck
schr. (1828) 2, 208;
sicher: ein gaist, der sich da findt ... ist sicherlich gegründet (
kann sich sicher darauf verlassen), dasz ... Rompler v. Löwenhalt
erst. geb. (1647) 145; mein friede schien so sicher mir gegründet Schiller 15, 1, 28
G.; früh bereits mit einfacher qualitätsbezeichnung wohl, gut: sprach: unser glaub ist wol gegrundt J. v. Schwarzenberg
trostspr. 25
ndr.; darumb euch ... not ist, davon ayn wol gegrünten verstand zehaben Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 175
ndr.; durch dise zusag wol gegründt Spreng
Ilias 175
a; sag, die kunst sey nicht wol gegründet Weckherlin
ged. 1, 274
F.; die rechte wol solidierte und gegründete fromm- und gottseligkeit Dannhauer
catech. milch 1, )( 4
a;
ganz verblaszt '
wohl beschaffen': ein pensel so subtil, ein kihl so wol gegründet Weckherlin 2, 279
F.; in neuerer sprache meist zusammengerückt, vgl. schon Henisch wolgegrindte sach ...
solidationes 1765; (
er) leistet als ein armer privatmann das, was einem wohlgegründeten verleger ... ehre machen würde Göthe 46, 59
W.; indem ich ... unser unternehmen gut gegründet glaubte, hoffte ich ... IV 14, 124. II@A@2@a@bβ)
in einer besonders in geistlicher sprache entwickelten bedeutungsnuance ist weniger der begriff '
eine (
neue)
grundlage geben, etw. fest machen'
bestimmend als der des '
festigens, fester machens'
; wohl ausgehend von einer für gr. in
früh bezeugten verwendung (
s. u.C 1 b);
vielfach in synonymischer verbindung, so zuerst bei Luther: der gott aber aller gnade ... wird euch ... volbereiten, kreftigen, gründen
1. Petri 5, 10; ... exempel, damit sie auch stercken und grunden yhr menschenlehre Luther 10, 1, 1, 578
W.; der gute mann (
ein geistlicher) ... wollte ... mich stärken, trösten, befestigen,
gr. Schubart
leben u. gesinn. 2, 287;
ähnlich: was einen dichter zeugt, ernähret, stärket, gründet Gottsched
vers. e. crit. dichtk. (1751) 47; sie werden sich ... freuen, wenn sie diese ... so theure seelen ... aufgemundert, gegründet und bestärcket haben Zinzendorf
bedencken u. bes. sendschr. (1734) 63;
aber auch absolut: gründe die gedanken und lasz meinen schwachen geist hin und her nicht wanken Neumark
fortgepfl. mus.-poet. lustw. 92; die hoffnung spricht: Jesus gründet mich; der glaube wanket nicht H. Müller
erquickst. (1666) 376; ihr werdet ... sehen, ... wie viel unschuldige junge seelen er
gr. werde Hippel
lebensläufe 3, 1, 404;
bei sächlichem object lebendiger geblieben als bei persönlichem: das misztrauen ... eines herrschers, der seine schwankende, junge regierung noch erst
gr. muszte Klinger
w. 5, 379; er (
der wahrheitsgeist) gründet aufs neue die bande des volks mit dem fürsten Bettine
d. buch gehört d. kön. 1, 282. II@A@2@bb)
schon im 16.
jh. entfaltet sich eine bedeutung von gr.,
die specifisch den bezirk geistiger thätigkeit betreffend vielfältig nuanciert von grund IV A
ausgeht und früh von dem abstracten grund IV C =
ratio, causa her mehr oder weniger beeinfluszt wird; bis in das 18.
jh. noch üblich wird es in neuerer sprache mehr und mehr von begründen
verdrängt und hält sich heute nur noch in gewissen mehr formelhaften wendungen (
s. u.γ);
bedeutungsmäszig entspricht es begründen
sowohl im sinne '
die grundlage einer thatsache, meinung, lehre, behauptung, gefühlsregung u. s. w. geben oder darlegen'
als auch '
mit gründen versehen, durch gründe stützen, beweisen',
vgl.begründen argumentis et rationibus confirmare Stieler 712; Adelung (1774) 1, 720
u. 2, 827;
beide bedeutungsnuancen im einzelnen falle zu unterscheiden, widerspräche ihrer auch dem modernen empfinden spürbaren verschwisterung. II@A@2@b@aα)
etw. gr.,
activisch im wesentlichen auf das 16.
jh. beschränkt, vor allem bei Luther
beliebt: aufs erst müssen wyr das weltlich recht und schwerd wol
gr., das nicht yemand dran zweyfel, es sey von gottis willen 11, 247
W.; oft mit sinnähnlichen verben verbunden: wo sie (
die papisten) das wörtlin 'heilige' finden, wolten sie gerne der heyligen ehre und fürbitt
gr., gleych wie sie das fegefewr bestettigen 15, 196
W.; (
der 110.
psalm,) der den artickel von der person Christi ... gründet und bestetigt 41, 80
W.; nu greifet er den artikel für sich selbs an zu
gr. und zu beweisen 36, 523
W.; allegorien und gleichnisse beweisen und
gr. keinen articul desz glaubens Schupp (1663)
schr. 827,
vgl.das ... der frei will durch die gnad nit auf gehaben, sunder gstelt und gründet wirt Hedio
christl. leer (1532)
vorr. 3
b;
vielfach mit präpositionaler bestimmung; mit: die baurschaft (
hat) ... zwelf artickel ... mit etlichen sprüchen der schrift furgenomen zu grunden Luther 18, 291
W.; vgl. 10, 3, 409; geistliche glüb seinn weder mit schrift noch mit bewärlichen exempeln gegründt Berth. v. Chiemsee 673
R.; selten durch: weil sie (
die apostel) selbs das newe testament so mechtiglich
gr. und beweren durchs alte testament Luther 7, 303
Bindseil-Niemeyer; öfter aus: das wyr ... das new testament ausz dem alten grunden lernen 12, 275
W.; vgl. 19, 278; das wir ... aus dem ansehen hailiger geschrift ... unsere sachen
gr. Fischart
podagr. trostbüchl. 56; von warer erkanntnusz des wetters ... gezogen und gegründt ausz den regeln der hochberümbten astrologen Reynmann
wetterbüchl. titel Hellm. (
v. j. 1510);
etwas anders: so musz sie (
die arzneikunde) ausz gottes und auf gottes warheit gegründt stehn Paracelsus
op. 1, 227
H.; ähnlich: propheten ... die dis wort Mose einfüren und daher
gr. Luther 24, 60
W.; später in activischer form unüblich, nur vereinzelt poetisch statt begründen: was gründet deinen wahn von einem andern leben? Pfeffel
poet. vers. 6, 11. II@A@2@b@bβ)
besser gehalten hat sich die passivisch-perfectische verwendung (
vgl. grund haben, grund IV C 4
u. 5): ... was Schwenckfeldt für gegründet hält Prätorius
winterflucht (1678) 323; wenn dies gegründet ist ..., so ... J. Fr. Löwen
schr. 4, a 4
a; graf Wetter vom Strahl! ist dies gegründet? H. v. Kleist 2, 188
Schm.; das subject ist nicht selten ein satz: es ist allerdings gegründet, ... was Ovidius ... von mir (
Apollo) geschrieben Lindenborn
Diogenes 2, 116; was du am ersten theil aussezest, ist gewisz sehr gegründet
aus Schleiermacher
s leben 4, 312; auch ist es ohne zweifel gegründet, ... dasz die päbstliche gewalt milder war Ranke
s. w. 39,
anh. 4;
vielfältig auf substantiva, meist des urtheilens bezogen: welche ursachen erwogen und ... zum theil gegründet befunden worden Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 1, B 7
b; wenn die regel gegründet wäre, dasz ... v. Fleming
vollk. t. soldat 187; wenn der satz mancher schriftsteller ... gegründet ist Meiszner
Alcibiades 1, 13; die vermuthung, dasz ..., erschien als ziemlich gegründet H. v. Barth
kalkalpen 214; wenn diese einwendung gegründet wäre Lavater
physiogn. fragm. 1, 150; eure bedenklichkeiten sind sehr gegründet Schiller 3, 96
G.; meine furcht war gegründet Göthe 17, 237
W.; oft negativisch = '
unbegründet': unser tadel war ... in verschiednen stücken nicht gegründet J. A. Cramer
nord. aufs. (1758) 1, 247; sind sie (
die klagen) nicht gegründet, welche verantwortung ladet man sich nicht auf Möser
s. w. 2, 37;
in älterer sprache öfter mit persönlichem subject in einer bedeutung, die ihren ausgang wohl von der formel gegründet sein in etw. (
s. u.C 2 d) '
geistig fundamentiert, unterrichtet sein'
genommen hat; meist tritt daher ein abhängiger satztheil an die stelle der präpositionalen bestimmung: ich bin noch nicht gar wol gegründet und gefasset, teutsche historien zu schreiben
V. Schumann
nachtbüchl. 73
B.; weil nicht alle pastores ... gleich geschicket und gegründet sein, das sie ... das bapstthumb niederlegen mögen
kirchenordn. f. Braunschwg. (1569) 22; er sei ... kleinen gesprächs und nicht sonderlich gegründet (16.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 3, 876. II@A@2@b@gγ)
bereits im 15.
jh. setzt eine adjectivischem gebrauch sich nähernde verwendung ein; neuere sprache empfindet dieses gegründet
als rein adjectivisch (
vgl. die gegensatzbildung ungegründet)
und deswegen auch als comparationsfähig: 'gegründet, gegründeter
sind gut; aber wer kann die gegründetere hoffnung
ausstehen?' Adelung
lehrgeb. 2, 27; die gegründetste hoffnung 2, 28; dasz ich diese ihre meinung allerdings für die ... gegründetere ... halte Lessing 16, 536
M.; der gegründeste (!) stolz würde die armeen ... ermuntern Nicolai
literaturbr. 9, 28;
in der reformationszeit vielfach gegründete schrift (
vgl. grund der schrift
sp. 705): durch gegründte heylige schrift hab ich meyn eygen gewissen kaum konnen rechtfertigen Luther 8, 482
W.; die ... mit gegrüntter warhaftiger geschrift sich für die apostolisch ... leer gesetzt haben C. Hedio
chron. germ. (1530) d 6
a; dieselben all haben kain gewisse veraynigung noch gegründte schrift noch glaublich kundschaft irer ketzerey Berthold v. Chiemsee 15
R.; alt auch gegründete ursache (
vgl. grund und ursache
sp. 727): ausz redlichen gegrunten ursachen (
v. j. 1498)
lehnsurk. u. besitzurk. Schlesiens 1, 52; so hat die kirch gnügliche und gegründte ursach, solch ... ding ... zu gebieten Luther 30, 3, 190
W.; (
ein) verleumder, der unschuldige leute ohne alle gegründete ursache boshaftig schmähet Gottsched
neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. 1, 371; er hatte gegründete ursache, die ehrlichkeit seiner wirthin ... in zweifel zu ziehen Raabe
hungerpastor (1864) 3, 29;
und so vielfältig mit anderen beziehungswörtern: ein gegrünte vermanung Güttel
v. evang. warh. (1523) a 1
b; einen guten kurtzen und gegründten bericht oder bescheid geben Widmann
Fausts leben 58
K.; mit dergleichen gegründeten sachen Grimmelshausen 2, 389
K.; nach meinen obigen gegründeten voraussetzungen Jung Stilling
w. 3, 140
Gr.; von ihren gütigen und gegründeten anmerkungen haben wir ... gebrauch gemacht Göthe IV 10, 349
W.; man hat gegründete aussicht, demnächst im amt vorzurücken Raabe
Horacker (1876) 68;
nicht selten tritt das berechtigende, berechtigte stärker in den vordergrund: was hat der bauer ... für einen hauptanlasz, den besitz des edelmannes für weniger gegründet anzusehen als den seinigen? Göthe 23, 146
W.; die ursachen eines gegründeten vergnügens J. E. Schlegel
w. (1761
ff.) 3, 351; weil der mensch einen gegründeten stolz übersiehet Lessing 1, 229
M.; dieser doge ... gab nicht wenig anlasz zu gegründeten klagen Ranke
s. w. 42, 41; weil ein unglückliches mädchen gegründete ansprüche an ihn mache Tieck
schr. 17, 175;
anders '
mit guten gründen': da redete der hr. statthalter die arbeiter ganz beweglich und gegründt an
bei Staub-Tobler 2, 778 (
v. j. 1772). II@A@33)
von concretem gr. '
das fundament legen'
leitet sich eine bedeutung her, die zunächst besagt '
den bau beginnen, ins werk setzen',
dann allgemeiner '
eine institution ins leben rufen, eine einrichtung stiften, schaffen' (
vgl.den grund legen
sp. 705
ff.);
möglicherweise ist eine fast parallele entwicklung von lat. fundare, vgl. du Cange 3, 628,
nicht ohne einflusz auf diese bedeutungsentwicklung von gr. geblieben, vgl. grinden,
fundieren,
stiften condere, fondare Henisch 1765;
mit dem 15. 16.
jh. einsetzend, gewinnt dieser bedeutungszweig besonders in neuerer sprache stark an kraft und ausdehnung. II@A@3@aa)
im eigentlichen sinne von concreten oder concret empfundenen dingen: also ist diese stat gegründt und angefangen ... unter den flügeln des adlers Sigm. Meisterlin
in chr. d. dtsch. st. 3, 45; an dieser stelle gründete er (
Karl d. gr.) Aachen Grimm
dtsche sagen 2, 77;
etwas anders: gott gründet hafen oft, wo nahe syrten sind Lohenstein
Ibrahim sult. 37; desgleichen in Egypten nicht gewesen ist, sint der zeit sie gegründet ist bis her
2. Mose 9, 18; die grösten reiche hats gegründet Schiller 13, 393
G.; und aufs neu zu Aachen gründet er das heilge deutsche reich Geibel
w. 1, 93;
ähnlich: er ... wollte sich ein land
gr. und das auf seinem pferd umreiten Brentano
ges. schr. 4, 61; sich eine schuldlos reine welt zu gründen Schiller 13, 193
G.; ich will
gr. eine grosze schöpfung, eine neue welt Bauernfeld
ges. schr. 3, 258;
besonders von einrichtungen und unternehmungen verschiedenster art: wir können die einrichtung in wenigen tagen
gr. Göthe IV 18, 59
W.; (
die) nothwendigkeit, zusammenhängende institutionen zu
gr. Ranke
s. w. 1, 126;
so schon früher: das das klosterleben ... gar eigentlich ist fundiert, gegrünt und angezögt durch unsern herren Jhesum Christum Hieron. Gebwyler
beschirm. d. lobs Marie (1523) 29
a; sie (
die mönche) gründeten überall klöster G. Freytag
ges. w. 17, 356; im felde schrecklich seyn und hohe schulen gründen sind dinge, die wohl nie auf einen tag geschehn B. Neukirch
ged. 213; es wurden eigene anstalten gegründet, deren aufgabe es war, ihre schüler zu gründlich geschulten musikern auszubilden O. Jahn
Mozart 1, 175; alle welt will journale
gr. br. v. und an Herwegh (1896) 286; der süsze traum, ein nationaltheater hier in Hamburg zu
gr. Lessing 10, 218
M.; wie Jacob Grimm ... eine neue wissenschaft gründete Scherer
kl. schr. 1, 3;
auch von formen menschlicher gemeinschaft: hätten sie (
die apostel) ... eine solche gemeine gegründet Schleiermacher
s. w. II 4, 102;
ähnlich bereits Luther: da sie ... die christenheit gepflantzt und gegründet hatten 36, 482
W.; wir sollten ... den alt- und neukirchlichen vereinen gegenüber einen unkirchlichen ...
gr. D. Fr. Strausz
schr. 6, 4; auf welche weise unser bund geschlossen und gegründet sei Göthe 25, 189
W.; der norddeutsche bund ist gegründet worden Raabe
Horacker (1876) 7;
formelhaft feste verbindung ist eine familie
gr.: gründete er auch selbst keine familie, so fand er doch ein ... familienleben im F.schen hause
jahrb. d. Grillparzergesellsch. 5, 249,
neuerlich auch in schlichtem sinne '
heiraten'
; namentlich aber in neuerer sprache in bezug auf gewerbliche, geschäftliche oder industrielle unternehmen und betriebe: sie (
wolle) ihm ... da ein tüchtiges geschäft
gr. helfen Keller
ges. w. 5, 59; der chef eines von ihm gegründeten handlungshauses Storm
w. (1899) 1, 41;
in diesem sinne eine fabrik, eine actiengesellschaft, eine firma
gr.;
zeitweilig in den 70
er jahren des 19.
jh.s mit dem nebensinn des unsoliden, schwindelhaften, betrügerischen unternehmens (
s. gründer): herr Sch. 'gründete' die glasfabrik Albertinenhütte O. Glagau
d. börsen- u. gründungsschwindel (1876) 1, 44. II@A@3@bb)
vielfach in übertragenem sinne auf zustände und erscheinungen mehr unsinnlicher art angewendet; vorzüglich poetisch oder sonst in gehobener sprache. II@A@3@b@aα)
der begriff des '
hervorbringens, anfangens, beginnens'
bleibt neben dem des '
schaffens, machens'
erhalten (
auch hier hilft sich neuere sprache oft durch begründen)
; so philosophisch: die gründende ... vorsehung Kant 6, 428
H. ('
providentia conditrix'
im gegensatz zur '
waltenden'
als der erhaltenden); was er mit reifem raht thut gründen, verrichtet er schnell und mit fleisz Weckherlin 1, 219
F., vgl. 2, 359; besser ists, den adel gründen, als ihn bey den eltern finden Knittel
poet. sinnenfr. (1677) 45; versuche, eine lehre zu
gr. und auszubilden Göthe II 6, 9
W.; erlaubt sie ..., dasz das bild in die ausstellung darf, und dann ist ihr ruf gegründet Stifter
s. w. 1, 78; die politik, die den ruhm der armee gründete Bismarck
ged. u. erinn. 2, 180
volksausg.; kannst du mir einen neuen glauben gründen, der eines kindes blutgen mord vertheidigt? Schiller 5, 2, 446
G.; ihre ... pflicht ist es ..., die gesinnungstüchtigkeit der schüler zu
gr. Roon
denkw. 1, 26;
gern in zusammenhängen wie schicksal, glück: ein bescheidnes los zu gründen Grillparzer
s. w.5 4, 21
S.; an ihrer seite, die sein erstes glück gegründet ... Schiller 12, 395
G.; du gehst mein unglück gründen Ayrenhoff
w. 170; (
wir gehen) der neuen (
welt) heil zu
gr. Rückert
w. 10, 385;
vereinzelt reflexivisch: wie die künste ... sich ... gegründet und ausgebildet Göthe 48, 59
W. II@A@3@b@bβ)
nicht selten verblaszt die vorstellung des '
anfangens, begründens'
derart, dasz sich die bedeutung dem allgemeineren sinn von '
schaffen, machen, thun'
nähert; ähnlich schon: die münch so viel weg (
zur seligkeit) gründen Fischart,
s. Dominici leb., v. 1129
K.; '
festsetzen': der anfang der schöpfung ... hat diese welt als ein modell in sich geschlossen und das ziel gegründet J. Böhme
schr. (1620) 5, 124;
öfter wie '
schaffen': zuletzt Epeus, der das rosz (
das trojan. pferd) gegründet Schiller 6, 359
G.; ein lippenpaar, dem mans ansieht, dasz es nicht zum plaudern allein gegründet worden ist Rosegger
nixnutz. volk (1907) 215; wird durch den krieg ein recht gegründet, das man nicht hatte Herder
w. 23, 25
S.; verträge
gr. zwangsrecht
dtsch. museum 1, 42
Schlegel; die von den Römern in Libyen gegründete ordnung der dinge Mommsen
röm. gesch. 2, 22; nun ... kann keine staatsverfassung gelingen, welche die vernunft ... von vornher (=
a priori) gründet W. v. Humboldt
ges. schr. 1, 78; das uns allein zu freien wesen gründet S. Mereau
ged. 1, 48;
fast wie '
machen':
gr. wir nicht darüber hinaus ansprüche auf den titel einer volksvertretung Bismarck
pol. reden 1, 302
Kohl. II@BB.
seit alters verbindet sich gr. mit der präp. auf,
wenn es sich um angabe der tragenden schicht, der unterlage nach art und qualität handelt; rein bedeutungsmäszig ergibt sich ein unterschied gegenüber gr. II A
insofern, als nicht das bauen oder schaffen einer grundlage, sondern das setzen (
bzw. ruhen)
eines dinges auf ein gegebenes, vorhandenes fundament den vorstellungsinhalt bestimmt (
vgl. grund IV A 3 g),
vgl. dazu die synonymenverbindungen unter b;
daher steht die präp. in der regel mit acc.; wo statt dessen der dat. eindringt, erklärt er sich daraus, dasz statt des begriffs der unterlage der einer bloszen ortsvorstellung vorliegt; so nicht selten, vgl. sie (
Zion) ist fest gegründet auf den heiligen bergen
psalm 87, 1;
vgl. Amos 9, 6; das ... gotteshaus, das auf einem hohen punkte gegründet, weit hinausschauen soll Alexis
Roland v. Berl. (1840) 1, 70;
es handelt sich hierbei also um ein anderes gr.,
nämlich II A 1 b;
etwas anderer art ist der dativ unter 1 c
und 2 b. II@B@11)
eine sache auf etw. gr.,
meist transitiv gebraucht: '
auf eine grundlage stellen'. II@B@1@aa)
in gegenständlicher verwendung: du herr, der di werlt auf niht gegrundet hast
qui fundasti mundum super nichilum Joh. v. Neumarkt
buch d. liebkosung 165
Kl.; gr. auf beton Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 318; man ebnete nur den umkreis, worauf die säulen gegründet werden sollten Göthe 31, 152
W.; meist bildlich: auf so einen unfästen triebsand gründeten unsere teutsche altvordern das ruhmgebäude ihrer dapfren thaten S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn 3
b;
mit ellipse des objects: der gründet nur auf sand, der nicht auf liebe baut Opitz
opera (1690) 1, 6; ein stat (
hat) niemahls sein glück auf so beständigen fusz gegründet Chr. Weise
polit. redner, vorr.; diese halbstudenten hätten ihren universitätsstaat gerne auf diese dicke seule gegründet
polit. maulaffe (1679) 54; eine basis, auf welche man eine weitre überlegung gründet Göthe IV 19, 142
W.; hier diese mauern haben deine väter auf sicherheit gegründet I 10, 166. II@B@1@bb)
so häufig in geistiges gebiet übertragen '
eine ansicht, eine überzeugung auf eine thatsache aufbauen und dadurch ihre gewiszheit oder evidenz erhalten': auf dise und andere sprüch der biblia gründe dein glauben Eberlin v. Günzburg 2, 170
ndr.; anders: den glayben hat der teüfel gründt auf eepruch, unkeüsch, stummet sündt Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 133
a; ut absolutionen tuam grundest auf die promissionem Luther 34, 1, 325; wi ... dann ... alle propheten ... das gantz gesatz auf ... des nächsten lieb ...
gr. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 65; doch musz man auf die gute werck ... die seeligkeit nicht gründen Moscherosch
insomn. cur. par. 121
ndr.; aber keineswegs auf die religiöse sphäre beschränkt: damit er seine meinung
gr. möchte auf die zeit, die Suetonius ... angibt Heräus
ged. u. inschr. (1721) 97; (
sie) gründeten ihre sätze auf falsche einbildungen Scheibe
crit. mus. (1745) 13; theorien ... auf die natur ...
gr. Wieland 18, 103
D.; kenntnisse ... auf unmittelbare erfahrungen ...
gr. J. K. Lavater
physiogn. fragm. 1, 334; (
eine) ansicht, die ich auf das urtheil höherer militairs gründe Bismarck
in Preuszen im bundestag 1, 134
v. P.; die mathematik gründet ihre gewiszheit auf das allgemeine axioma Moses Mendelssohn
ges. schr. 2, 7;
von hier aus versteht sich gelegentlicher halb elliptischer gebrauch: auf diesen schlusz gründete er ferner, dasz ... die göttliche vorsorge ... ein bloszer traum wäre Lohenstein
Armin. 1, 454
a;
auch die hoffnung
gr. statt gewöhnlicherem setzen: Pylades gründet seine hofnung auf die nachricht ... Schiller 6, 257
G.; vermischt mit gr. I A b: ach mogt auch ich so früh auf gott allein der grünen hoffnung ancker gründen Brockes
ird. vergn. (1721) 1, 4;
ähnlich mit gr. II B 3
vermengt: ... auf den ich je und eh mein hoffnung grunden lies A. Gryphius
sonn- u. feiertagsson. 26
ndr.; doch auch in anderen zusammenhängen: weil er (
der bruder Studio) sein ganzes wol auf unverstand gegründet Seb. Brant
narrensch. 9
Z.; so fragten wir es so umbständig ausz, dasz wir alle unsere antwort auf seinen eigenen mundt gründeten
Simplic. Jan Perus (1672) 39;
von literarischer abhängigkeit: seine Susanna gründete er auf Frischlin Scherer
literaturgesch. 312;
gelegentlich mit persönlichem object: sie stand ... im zweifel: ob sie ihre herrschaft auf ... den Rhascuporis
gr. ... solte Lohenstein
Armin. 2, 95
a; doch endlich gründet er (
der sultan) auf ihn (
den groszvezier) den schweren krieg J.
V. Pietsch
geb. schr. 8;
die präpositionale verbindung ersetzt durch darauf, worauf: so ist auch nichts darauf zu
gr., dasz Ercker
miner. ertzt (1580) 18
a im sinne '
es ist nichts darauf zu geben'
; die im 16.
jh. vor allem beliebte zwillingsformel setzen und
gr. läszt den bedeutungscharacter dieses gr. klar erkennen: es (
das evangelium) wil uns reyszen von unszer vermessenheyt und setzen und grunden alleyn auf gottis barmhertzikeyt Luther 12, 556
W.; so könnend wir nit daruf
gr. oder setzen L. Lavater
nach Staub-Tobler 2, 777; muszt all dein wolfahrt ... auf das blose glück setzen und
gr. Moscherosch
gesichte (1650) 513;
vereinzelt neben intrans. fuszen: er fuszt und gründet seine lehr auf sinne, die jedoch so trüglich seyn Brockes
ird. vergn. (1728) 3, 13. II@B@1@cc)
bedeutungsmäszig zu sondern ist passivischer gebrauch im perfect: gegründet sein auf etw. = '
auf eine grundlage gesetzt sein'
und deshalb '
fest stehen, sicher ruhen',
vgl. Notker
ps. 77, 69 uffin steine kegruntsellot
supra petram fundata; denn es (
das haus) war auf einen felsen gegründet
Matth. 7, 25; der einig, recht glaub und baw uf einen felsen grünnt, besteht in allen nöten S. Franck
sprichw. (1541) 2, 4
b; die ... uf den herren Jesum Christum erbuwen und gegründt sind Zwingli
dtsche schr. 1, 197;
insbesondere aber in übertragener verwendung '
auf etw. beruhen; sich herleiten, hervorgehen aus' (
vgl.gegründt sin uf
referri Diefenbach 489
b)
in bezug auf einen autoritativen satz, ein recht, eine quelle u. s. w.: dise zwitrechtigkeit haben in dem grunt ersucht alle hochgelert man, und ist gegründt auf das, dasz in dem ewangelio Petrus spricht ... Sigm. Meisterlin
chron. d. d. st. 3, 102; dasz sie ein ochssen und esel zur krippen ... gestellt, ist dasselbige auf den klaren text Esaie fundiert und gegründet Fischart
bienenkorb (1588) 158
a; es ist dieses auf die allgemeine regel des natürlichen rechts gegründet v. Fleming
vollk. t. soldat 376; die auf das princip der kopfzahl gegründeten tributcomitien v. Jhering
geist d. röm. rechts 2, 1, 98; die erste auf astronomische beobachtungen gegründete karte dieser erdgegend Ritter
erdk. 1, 993; ich statuire ..., dasz die meisten inventa desselben (
des contrapuncts) alleyn auf das gesichte ... gegründet seyn Heinichen
generalbasz 8; gesetze des wohlklanges, auf die menschliche natur und das wesen der töne gegründet A. W. Schlegel im
Athenäum 1, 18;
weniger üblich in anderen zusammenhängen: das es die feindt darfür ansehen solten, der streit wer aller auf seine gesellen gegründet Xylander
Polyb. (1574) 443; wie schlug sein hoffend herz, auf diesen trost gegründet Zachariä
poet. schr. (1763
ff.) 2, 87; '
wirtschaftlich basiert': die stadt ist ... auf garten-, frucht- und weinbau gegründet Göthe 34, 1, 271
W.; '
der substanz nach auf etw. beruhend, entstanden sein aus etw.': (
die menschen,) die in den leimen heusern wonen und welche auf erden gegründet sind, werden von den würmern gefressen werden
Hiob 4, 19;
allgemeiner: (
es) ist ... erfreulich mit einem auf eignen grund und boden gegründeten mann ... zu sprechen Göthe IV 33, 323;
wenn das '
perfectivische'
moment, das ergebnis der handlung, vor dem '
durativen',
dem zustand des stehens und ruhens zurücktritt, stellt sich nicht selten der dativ ein, namentlich bei nord- und mitteldeutschen autoren: seine beine sind wie marmelseulen gegründet auf gülden füszen
hohel. 5, 15; dise gelübt würt gar eigentlich gegrünt uf dem stücklin ... nem oder trag sein crütz Hier. Gebwyler
besch. d. lobs Marie (1523) 29
b; dieser auf erheblichen und ... dringenden bewegnussen gegründeten meinung Chemnitz
schwed. kr. 2, 235; dasz die liebe des vaterlandes ... auf der wahren klugheit selbst gegründet sei Leibnitz
ermahn. 2
Gr.; öfter bei Kant: ein auf einem ästhetischen gegründetes logisches urtheil 5, 220
Hartenst., vgl. 1, 344; wie das ganze auf absichtlichen übertreibungen ... gegründet ist E.
M. Arndt
nothgedr. bericht (1847) 94; sie (
die herausgeber) sind auf dem alterthum und auf ihrer ältesten literatur gegründet Göthe 41, 2, 351
W. II@B@22)
bis ins späte mhd. zurück reicht reflexiver gebrauch sich
gr. auf,
in der regel mit acc., kommt aber allgemeiner erst seit dem 16.
jh., zumal in übertragener verwendung, in schwang. II@B@2@aa)
bei persönlichem subject wird das dynamische moment der bedeutung, das '
sich auf eine grundlage stellen, stützen'
noch mehr oder minder deutlich empfunden, auch dann wenn der accent sich auf die vorstellung des erreichten zustandes verlagert; der dativ ist daher natürlichem sprachgefühl nicht gemäsz und bedeutet eine ganz vereinzelte logisierte construction: man (
sinnt) im geschmacksurtheile das wohlgefallen jedermann (
an), ohne sich doch auf einem begriffe zu
gr. Kant 5, 218
Hartenst.; regel ist der acc.: also müssen wir uns
gr. auf die verhaiszung Christi und kechlich darauf bauwen Luther 7, 257
W.; gründestu dich dann mehr auf deine vernunft und geschickligkeit dann auf die demuth und unterthenigkeit Christi J. Arnd
Thom. a Kempis nachf. Christi (1621) 70; wer sich hie auf gut wil gründen, hat auf schwaches eisz gebaut S. Dach 729
Ö.; ich wollte mich desfalls lieber auf ein ander exempel
gr. Lessing 9, 7
M., vgl. 10, 293;
aber vielfach dominiert die vorstellung '
auf einer grundlage stehen, fuszen'
noch ausgeprägter; so besonders bei grundlagen einer überzeugung, meinung, des handelns u. ä.: sich auf einsi meinung
gr. opinione alicujus stare Maaler 194
a; und ... bekennen, das wir gottes wort haben und uns drauf
gr. Luther 28, 25
W.; wo seyn ... die motiven ..., darauf du dich gründest?
theatrum amoris (1626) 1, 31; er (
hat) ... die erfahrungen, worauf wir uns
gr., auch gemacht Göthe IV 5, 27
W.; Palos, welcher das theater gleichfalls griechischen ursprunges hält, ... gründet sich ... auf eine inschrift W. v. Humboldt
theater in Sagunt 107
lit.-dkm.; denn gründen alle sich nicht auf geschichte? Lessing 3, 92
M.; ähnlich von literarischen gewährsmännern oder quellen: herr Johan Magnus Gotlender ... gründt sich auf Saxonem grammaticum Seb. Münster
cosmogr. (1550) 952; sich
gr. und fuszen
bleibt wenig häufig: darauf er (
der papst) sich
gr. und fuszen möcht Luther 1, 50
a Jena; er gründet sich und fuszet auf die praescription oder verjärung Henisch 1766;
vor allem in älterer sprache in etwas verengertem sinne auch '
sich vertrauend auf jmd. verlassen',
vgl. entsprechende synonymenverbindungen: darauf man sich doch
gr. oder vertrawen möge
Amadis 228
K.; dasz man sich deszfalls sicher auf ihn verlassen und
gr. kan v. Göchhausen
notab. venat. (1741) 316; nein auf dich (
gott) gründ ich mich J. Sieber
bei Fischer-Tümpel 4, 165
b; dann darf mein muth auf dich (
gott) sich gründen Collin
lied. österr. wehrm. (1809) 1, 12;
ähnlich gefühlsbetont: ich gründe mich demnach blosz auf ihre gütigkeit Menantes
art höf. u. gal. z. schreiben (1718) 70; du gründest dich vielleicht auf das versprochne band (
der ehe)? Gottsched
dtsche schaub. 1, 196;
im gleichen sinn auch intrans. s. u. 3. II@B@2@bb)
bei sächlichem subject tritt naturgemäsz eine mehr statische auffassung in den vordergrund, sich
gr. auf = '
auf etw. gegründet sein (
s. o. 1 c),
auf einer grundlage ruhen'
; zwar ist auch hier der acc. bis in die heutige sprache die regel, doch wird der gelegentliche dativ nicht als so hart empfunden wie bei a: er (
der glaube) fuszet und gründet sich nicht auf mir selbs noch meinem thun Luther 36, 370
W.; auf ihr (
der hausfrömmigkeit) gründet sich die sicherheit des einzelnen, worauf ... auch die festigkeit ... des ganzen beruhen mag Göthe 24, 378
W.; häufiger bei Kant: weil es (
das böse) sich auf den schranken der natur der menschen ... gründe 6, 81
Hartenst., vgl. 5, 223;
sonst mit acc., seltener in concretem sinne: alsô hânt diu dinc, diu in der zît geschaffen sint, irn grunt, dâ si sich ûf gründent
mystiker 2, 501
Pf.; Byrsa der boden hiesz fürwar, darauf die stadt sich gründet gar Spreng
Äneis 10
b;
bildlich: die wahre vernunft, so auf den unwankelbaren fusz der natürlichen erfindnisz sich ... gründet Schottel
friedenssieg 67
ndr.; der tempel gründe sich auf heldentod Körner
w. 1, 123
H.; doch meist übertragen gebraucht '
beruhen auf': sölche letzte wort David
gr. sich ... auf gottes eigen wort Luther 53, 465
W.; darauf sich gründt prophetisch ler J. v. Schwarzenberg
trostspr. 25
ndr.; sintemal dieselben bullen sich auf das vorgemelt urteil ...
gr. Schütz
hist. rer. pruss. (1592) 5.
buch b 1
a; damit aber jedermann sehe, worauf sich diese experimenta
gr. Thomasius
ged. u. erinn. (1720f.) 1, 77; die empfindung ... musz ... sich auf eine wahre tugend
gr. Ramler
einl. in d. schön. wiss. 3, 18; wissenschaften, die sich unmittelbar auf erfahrung und beobachtung
gr. J. J. Engel
schr. 1, 130; (
du kind,) auf dessen zarten leib Europens heyl sich gründt Brockes
bei Weichmann
poesie d. Niedersachs. 1, 12; (
menschen,) auf die unser lebenswohl, unsere lebensfreuden sich gründeten und stützten Göthe IV 31, 215
W.; die thatsache, auf welche der anspruch des klägers sich gründete v. Jhering
geist d. röm. rechts 3, 1, 58;
von quellenmäsziger, literarischer abhängigkeit: dasz seine erzählung sich ... auf eine art von tagebuch gründe Wieland
Agathon (1766) 1, 27; auf diese sage gründet sich das gedicht Göthe 21, 293
W. II@B@33)
vorwiegend dem älteren nhd. ist intransitiver gebrauch von gr. auf
geläufig, doch verwendet ihn auch neuere sprache hie und da; selten sinnlich: (
es) lehrt der staar die andern staare ..., gründend auf der wetterfahne Brentano
ges. schr. 3, 22;
dem entspricht die anwendungsweise mit dem dat. bei sächlichem subject: (
schätze,) die auf ewgem gründen und in der zeit verschwinden
ebda 2, 526; das ... lob der armuth gründet ... auf zwei historischen motiven W. H. Riehl
d. dtsche arbeit 121;
so auch in älterer sprache: es würt sich selbs zu letst erfinden, das es (
die verleumdung) nit mag uf warheit gründen Murner
dtsche schr. 9, 111; die feierliche sprache auf groszheit des innern grundend J. G. Radlof
treffl. 189;
bei persönlichem subject überwiegt schon in älterer zeit der acc., vgl. dazu fuszen 6 b
u. 7 (
th. 4, 1, 1, 1021);
gelegentlich mit elliptischer verwendung sich berührend, im sinne '
auf etwas gewicht legen, etwas geben': daruf die bischof mer halten und
gr. dann uf götlich geschrift Schade
sat. u. pasq. 3, 180;
wie '
sich stützen': ihr werdet wol mercken in unserm schreiben auf was wir
gr. mit diesem capitel Paracelsus
op. 1, 352
H.; so vielfach auch wie reflexives gr. (
s. o. 2) '
sich verlassen, vertrauen auf etw.',
vgl. sinnverwandtes bauen 3 e (
th. 1, 1173): warauf wilt du
gr. oder dich verlassen
quo confugies? ubi nitere? Frisius 870
b;
vgl.unsere parthey gründet auf billigkeit 1243
b; der abt ... hat ... uf die unbewärten reden gegründet Tschudi
chron. helv. 1, 49; hie mit hatt Ulixes wider die behilf (
das argument), daruf Aiax aller höchst gegründt hatt, ins richters gemüt neigung gemacht
F. Riederer
rhetoric (1493) b 2
b,
vgl. c 3
a; darauf der richter
gr., urteilen und strafen kann Luther 30, 173
W.; wohl hierher auch: grunden, fuszen, beweisz nemen
fundare, suffundare Henisch 1765; sie gründend daruf allermeist ... und (=
dasz) sye alles gerecht, was sie machen
N. Manuel
v. pabst v. 1278
B.: so hab ich doch keinen brif ader andern schein gesehen, darauf ich festiglich grunden mocht, das dem also v.
d. Planitz
berichte 38
W.; modern gelegentlich statt gebräuchlicherem bauen auf: vielleicht gründete der legat hier auf die hoffnung, ... auch in den religiösen angelegenheiten ... eine günstige entscheidung ... hervorzurufen Ranke
s. w. 2, 96;
die formel gr. und fuszen
vor allem bei Luther: also dasz man auf die werck nicht kan gewis fuszen und
gr. 20, 424
W., vgl. 10, 3, 395
und th. 4, 1, 1, 1021;
vereinzelt bauen und
gr.: sy bauwind und gründind auf das recht und billich
aequo nituntur Frisius 870
b. II@CC. gründen in,
nicht vor dem späteren mhd. nachzuweisen, nimmt gegenüber A
und B
bedeutungsmäszig dadurch eine sonderstellung ein, dasz nicht die tragende schicht sondern die das ding umschlieszende feste masse und zwar zunächst die des erdbodens angelpunkt der sinnlichen vorstellung ist; daher trans. gr. in
zunächst: '
etw. im boden festmachen; in die erde setzen, sodasz es halt gewinnt; etw. festigen'
; dasz aber dies gr. nicht von grund II
sondern wie A
u. B
von grund IV
ausgeht, etwa im sinne '
im boden eine basis geben bzw. haben'
wie lat. '
fundare in',
lehren für die früheste zeit die ebenfalls fundare umschreibenden synonymen gruntvesten, fundieren: die demtekeit (
ist) nut gepflantzet in den menschen ... die minne ist gegruntvestent in den menschen Tauler 323, 3
V.; gewurzelt und gefundiert ... in der minne 367, 9
V. im anschlusz an Eph. 3, 17:
in caritate radicati et fundati, wo Luther: durch die liebe eingewurtzelt und gegründet
die bedeutung nach II A 2
hin verschiebt; dagegen: dan es alles auf den felsen Cristum gebauen wasz und in der lieb gegründt Knebel
chron. v. Kaisheim 25
lit. ver. II@C@11)
in concreter oder deutlich bildhaft empfundener verwendung bezeichnenderweise fast stets von pflanzen, sowohl trans. wie intrans.: daz söliche liebe ... in ruhem, ungeschlachtem ertrich wie das holtz oloes sine wurtzen tiefer gründet und vestnet Niclas v. Wyle
translat. 320
K.; vgl. im tiefen boden bin ich (
blümchen) gegründet Göthe 3, 49
W.; um die menschheit in ersten neigungen ... zu wurzeln und zu
gr. Herder 5, 479
S.; das ... familienleben, in welchem ... seine sittliche existenz mit ... starken wurzeln gegründet war O. Jahn
Mozart 2, 3;
reflexiv gewendet: die pflanzen und blumen müssen sich erst fest im boden
gr. Tieck
schr. 18, 192;
vgl. und dennoch wird es wurzel gründen in deutschen gauen überall Uhland
ged. 1, 81
krit. ausg.; überhaupt öfter intrans.: so diese infection der pestis in sie wurtzelte oder gründete Paracelsus
op. 1, 362
H.; wie tiefer deine wurzeln gründen Droste-Hülshoff
w. (1870) 1, 377
Sch.; dasz sie (
die mystik) zwar mit ihrer irdischen seite in ihr (
der erde) gründet, zugleich aber in einem höheren gebiet sich bewurzelt findet Görres
mystik 1, 167;
von hier aus verständlich '
im boden liegen (
wie die wurzeln),
verborgen sein'
in fällen wie: in deines (
der christblume) busens goldner fülle gründet ein wohlgeruch, der sich nur kaum verkündet Mörike
w. 1, 136;
weniger häufig bleibt concreter gebrauch in anderen sachbeziehungen: wie ... der edelgestein in dem ringe gegründet (
ist)
Reinicke fuchs (1650) 322; die sach (
ist) im sand gegründet und mit windwirbeln unterstützet Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. 1 (1641), n 1
a;
doch ist eine verwendung wie: der bau ist im lehmboden gegründet
modernem sprachgefühl nicht mehr gemäsz. II@C@22)
ausgebreiteter ist übertragener gebrauch; vor allem passivisch-perfectivisch gewendetes gegründet sein in. II@C@2@aa)
weniger häufig tritt rein transitives gr. in
hervor; im sinne '
hineinlegen, einpflanzen': dies gefühl in ihr zu
gr. und zu befestigen Fr. v. Gentz
schr. 1, 206
Schl.; häufiger schon wie '
stützen, festigen': daz die Sarratzenen understan zuo grunden oder vestigen die selben zwey horner Machometi ... yn geschriften beder testament Breidenbach
d. heyl. reiszen (1486) 79
b;
ähnlich elliptisch: in den worten Jacobi gründend die päpstler (
erg. '
ihre lehre'), dasz die ölung ein sacrament sye Zwingli
dtsche schr. 1, 241; wenn man nu lang, viel und wol gegründt hat diesen heuptpunct ... im hertzen und sinne der zuhörer Eberlin v. Günzburg
s. schr. 3, 210
ndr.; dahero dero herr vater ... sie ... im christentum vester zu
gr. ... bemühet war
in F. Chrysander
Händel 1, 7; mittelnationen, die sich nicht in sich selbst zu
gr. ... geeignet sind Göthe 41, 2, 143
W.; vergleichbar: wenn ... der selbe körper die geschwindigkeit also in seiner innern kraft gründet (
im sinne '
bewahrt') Kant 1, 140
Hartenst. II@C@2@bb)
reich entfaltet dagegen gegründet sein in etw. '
wie durch eine umschlieszende masse gefestigt stehen, eine sichere basis haben in etw.' (
concret s. o. a
schlusz), '
gefestigt, gesichert sein',
z. b. bezüglich der erbfolge: nun steht das reich gesichert wie geründet, nun fühlt er froh im sohne sich gegründet Göthe 16, 328
W.; allgemeiner: wer in sich selbst tüchtig gegründet einen edlen zweck im auge hat 10, 162; (
ein wesen) kühn, lebensfroh und in sich selbst gegründet A. W. Schlegel
s. w. 1, 52
B.; der zustand dieses saeculi sei in den vorhergehenden so gegründet gewesen
bibl. ält. schriften d. Schweiz II 3, 34; die freyheit unsrer republik ist in ihrer einrichtung ... tief gegründet Klopstock
gelehrtenrepubl. 30; gegründet lag er (
der reinere gottesdienst) ... in dem sanften muth meines herzens Caroline
br. 1, 73
W.; die handlung (
thut) keinen schritt, der nicht auf das genaueste in der geschichte gegründet wäre Gerstenberg
hamb. n. zeitg. 281
lit.-dkm.; ähnlich auch früher: dein wort war als in gott gegründt H. Sachs 1, 328
K.; dann in anlehnung an Coloss. 1, 23
öfter im glauben gegründet: kein christ, der nur in seinem glauben gegründet ist Opitz
opera (1690) 1, 265; geistliche, so ... im glauben gegründet waren, saszen ... bey einander A. Olearius
persian. baumg. 79
in verm. reisebeschr. (1696);
ähnlich: daneben pitt Paulus uns dermaszen darein (
in das leiden des herrn) ze schicken und gegründt zesein, damit ... Berth. v. Chiemsee 30
R.; im älteren nhd. lebt in der schrift (
der hl. schrift) gegründet sein,
doch sondert sich die bedeutung nach sächlichem und persönlichem subject (
s. u.d);
wo es sich um eine thatsache, eine lehre u. ä. handelt, schreitet die bedeutung '
basiert sein, die grundlagen in der schrift haben'
nicht selten zu einer an grund IV C
angenäherten '
die begründung, die berechtigung (
in aussagen der schrift)
haben' (
vgl. grund der schrift
sp. 705)
weiter; wer es gescheen nichte auch nit gegrünt in aller schrift Hans Folz
meisterl. 79
M.; (
ein mandat,) des wol in der hailige schrift gegründt sei Clemens Sender
in chron. d. dtsch. st. 23, 324; es ist nit gegrundet in der schrift ..., das die pusz hab drey stuck Luther 6, 624
W.; in der schrift und vättern ausz einhelliger ansag gegründt und war S. Franck
paradoxa (1558) 38
a;
in anderen zusammenhängen: sagt mir ayns, warinn doch ewer gehorsam gegründt ist H. Sachs 22, 44
K.-G.; nititur in conjectura divinatio sy ist gegründt, stat im Frisius 870
b;
so vielfach von meinung, gesinnung u. ähnl. begriffen: damit die sehe, worin unser fürnemen gegründt sye der ee halb Zwingli
dtsche schr. 1, 39; so könte er doch ... nicht anders sagen als allein, dasz die erste meynung in denen rechten besser gegründet sey Hohberg
georg. cur. auct. (1715) 3, 11
b; wir finden in der erfahrung gegründet, dasz ... Chr. Wolff
ged. v. d. menschen thun (1720) 1; die verschiedenen denkweisen (
sind) in der verschiedenheit der menschen gegründet Göthe IV 22, 21. II@C@2@cc)
daran schlieszt sich eine im wesentlichen dem bereiche philosophischer ausdrucksweise zugehörige verwendung an: '
sein daseyn, seine wirklichkeit von einem andern dinge haben' Adelung (1775) 2, 827, '
die existenz herleiten, aus etw. entstehen',
z. b. alle geschöpfe sind in gott gegründet Adelung
a. a. o.; als vorstufen solchen gebrauches lassen sich bereits ältere belege ansehen wie: ohn arithmeticam, musicam und geometriam, welche in der zahl gegründet (
sind) A. Riese
rechenbuch (1581) 2
a; dann der geruch ist gegründet in der trückne, wie Aristoteles bezeüget Forer
Geszners thierb. (1563) 30; wenn ein ding A etwas in sich enthält, daraus man verstehen kan, warumb B ist ..., so nennt man dasjenige, was in A anzutreffen ist, den grund von B; A selbst heiszet die ursache und von B saget man, es sey in A gegründet Chr. Wolff
vernünft. ged. (1720) 12; alle wesen anderer dinge (
sind) in diesem einigen wesen (=
gott) gegründet Kant 2, 135
Hartenst.; wissen ist ... dasjenige denken, welches nicht in der mehrheit und differenz der denkenden subjecte, sondern in ihrer identität gegründet ist Schleiermacher III 4, 2, 48. II@C@2@dd)
bei persönlichem subject in bezug auf etwas lernbares nimmt das '
gefestigt sein'
früh einen specifischeren sinn '
wohl unterrichtet sein, gut fundamentierte kenntnisse haben'
an: das recht (
ist) besetzt mit doctoren, gegrundt in weltlichen und geistlichen rechten Math. v. Kemnat
chron. Friedr. I. 47; denn wer im text wol gegründet und geübet ist, der wird ein guter ... theologus Luther
tischr. (1571) 22
a; im text wol belesen und gegründet 16
a; du treibst allweg vil geschwetz ... und bist doch nicht gegründet in der geschrift Wickram
w. 3, 28
B.; (
eine jede kunst) am anfang allerschwerist ist, eb (
bevor) du darinn recht gegründet bist G. Binder
Acolastus v. 710
in schweiz. schausp. 1, 210
B.; ein in der lateinischen sprache und in den alterthümern wohl gegründeter mann Schubart
leb. u. gesinn. 1, 31; in der rechtswissenschaft, in der er schon gut gegründet ... war Göthe IV 26, 295
W., vgl. I 7, 218;
negativ gewendet: so sind sie doch darinn ... gar schlecht gegründet Leibnitz
dtsche schr. 25, 262; ich bin in diesem studium ein schüler und nicht gegründet Göthe II 6, 112
W.; ähnlich: die kinder (
sollen) im h. vaterunser gegründet werden
landschulordnung v. 1719
bei Staub-Tobler 2, 778. II@C@33)
abzusondern ist gr. in
mit acc., eine im älteren nhd. gelegentlich auftretende formel, die wohl durch vermengung mit gr. auf (
s. II B 1 b)
entstanden ist: da widder sag ich dieszen artickell und kann yhn ynn die schrift grunden Luther 7, 401
W.; er (
der Lichtenberger) grundet seine weissagung yn des hymels lauf und naturliche kunst der gestirne 23, 8
W.; wann er ... all sein lere gründet in das heilig ewangeli Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 62
ndr. IIIIII. gründen
stellt sich in der fachsprache einiger künste und handwerke als verbale ableitung von grund
in specifisch technischen bedeutungen dar: '
den grund herstellen, bearbeiten'. III@11)
in der malerei '
den ersten anstrich auftragen (
vgl. grund V A 3),
um die fläche zu ebnen = grundieren': mit dieser mängfarbe oder einschichtige übergehen sie (
die maler) die aufgespannte leinwat oder tafel ein oder zweimal, bis sie glatt überzogen ist, und das nennet man
gr. v. Sandrart
teutsche academie (1675
ff.) 1, 66; wenn das holtz neun bisz zehen mal mit weisz gegründet und nur mit leimfarben darauf gemahlet wird Sturm
vollst. anweis. (1718) 28; über die hölzern tafeln ... eine leinewand zu leimen und diese mit gips zu
gr. Lessing 12, 169
M.; der mahler gründet sein aufgespanntes tuch mit vieler sorgfalt Göthe 13, 1, 155
W.; übertragen: (
die milchstrasze, die) mit sternenlicht gegründet sich einem gürtel gleich um unsern himmel windet Bodmer
zit. bei Schwabe
belust. (1741
ff.) 2, 575; die sonne pflegt mit ihren strahlen als pinseln nicht auf einmal alle beeren zu gründen und dann anzumalen Triller
poet. betr. (1750) 1, 9;
in der gleichen bedeutung bei anstreichern, vgl. grund V A 4; gründet heff ik dat brett, sagt mein mahler Schütze
holstein. id. 2, 76;
ähnlich bei den buchbindern: die franzbände
gr. '
den untergrund für die vergoldung herstellen' Krünitz 20, 219. III@22)
bei den kupferstechern (
vgl. grund V A 10): '
die kupferstecher gr. eine kupferplatte zur schwarzen kunst, wenn sie dieselbe mit dem so genannten gründungseisen aufackern' Krünitz 20, 220; es ist ... bekannt, dasz diese platten (
kupferplatten) vermittelst besonderer stählernen walzen ... gegründet werden
briefe d. neuest. liter. betr. 14 (1762) 339. III@33)
bei den tischlern '
fugen und vertiefungen mit dem grundhobel (
s. dort)
ausarbeiten',
vgl. dazu Krünitz 20, 221;
ebenso bei den kammachern: '
das zwischen den ... zähnen stehen gebliebene ... wegschneiden' Campe 2, 471;
s.ausgründen th. 1, 878. III@44)
den rein technischen verwendungen schlieszt sich ein gelegentlicher gebrauch an, der an grund I F
anknüpfend gr. als '
eingraben, vertiefen mit dem meiszel'
zu verstehen ist: in diesen zeilen ist dein ganzer ruhm zu finden; die künstler dürfen ihn nicht erst in marmel gründen B. Neukirch
ged. (1744) 181; IVIV.
nur vereinzelt findet sich gründen
als ableitung von grund II;
vorwiegend alem. im sinne '
erdreich auf wiesen, in die reben tragen' (
vgl. grund II A 2 a): mit grund die halb juchart von oben ab zu
gr. (
v. j. 1719)
bei Staub-Tobler 2, 777;
vgl. Martin-Lienhart 1, 278
b; Schön
saarbrück. 72
a;
schriftsprachlich ungebräuchlich und individuelle sonderbildung nach grund II A 2 b
bleibt: sich
gr. '
fester grund (
im gegensatz zum moorboden)
werden': da mählig gründet der boden sich Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 1, 116
Sch.