Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
gevelle stn.
I. das fallen oder gefällt werden.
1. eigentlich.
a. allgemein. eʒ wirt ein wît gevelle, dâ der himel unt diu helle von einander ziehent warn. 3383. ich nam si bî der wîʒen hant; von uns wart ein guot gevelle MS. 2,60. b. dar zuo hât sich gesellet ein gevelle von steinen krone 197. a Sch. hie von ist sîn gevelle von rechte unz in die helle Marleg. 10,59. er vert inʒ himelrîche, si müeʒen wærlîche varn zuo der helle. eist ein ungelîch gevelle Eracl. 4526.
b. in besonderer anwendung:
α. das fallen oder gefällt werden in der schlacht oder der tjoste. gesach daʒ grôʒe gevelle von dem micheln man Er. 5518. Keyn zeswer arm und winster bein zebrach von disem gevelle Parz. 296,25. vgl. 288,26. 379,30. gevelle nemen das. 60,20. gevelles pflegen W. Wh. 118,11.
β. das gefällt werden des hirsches. zuo gevelle blâsen pf. K. 143,4. Karl 56. a. hürnen Trist. 2770. zuo dem gevelle rennen das. 3451.
γ. einsturz eines gebäudes u. dgl. an dem niunden tage sô wirt grôʒ ertbibunge und sulich gevelle Leys. pred. 61,30. vgl. Pass. K. 183,7. diz wart genûger unheil, die daʒ gevelle der burc tôt slûc das. 562,21. gewan ûf sie ein grôʒ gevelle das. 588,31.
δ. abgrund, tiefe. daʒ selbe tal was alsô tief, swer ûf die zinnen sitzen gie und er ze tal diu ougen lie, den dûhte daʒ gevelle, sam er sæhe in die helle Er. 7879.
ε. fall, strom des wassers. drâte vlieʒen in ir gevelle Pass. K. 4, 15. vgl. 73.
ζ. fall der würfel, chance des spiels. daʒ spiel hât guot gevelle Trist. 9928. wirf her dîn gût gevelle und teile mit mir den gewin Pass. K. 407,80. vgl. 421,59.
2. übertragen
a. unfall, verderben; zeitlicher und ewiger tod. welch ein gevelle hête dich zurbrochen Jerosch. 153. b. alsus wart im entzucket mit leitlîchem gevelle sîn sun (er ward erhenkt) Pass. 224,78. vgl. 196,15. der sundære hart gevelle in der helle Pass. K. 540,45. die er warf an daʒ gevelle der bitterlîchen helle Ludw. kreuzf. 648.
b. ungehörigkeit. spræch ich dâ von iht mêre, eʒ wær gevelle Frl. ML. 10,4.
II. inbegriff der gefallenen. ein gevelle hîwer umbe sich, daʒ er selbe chûme ûʒ gebrach pf. K. 210,26.
III. eine gegend die durch umgestürzte bäume, steine, schluchten u. dgl. unwegsam gemacht ist. an eine ableitung des wortes in dieser bedeutung von vel, vels (zu Iw. 3836) ist wohl nicht zu denken. du bist hie in einem gevelle, du ne hâst niht wan gebirge u. enge. wilt du sam mir rîten? gevâch dir die wîte. Rôme gemache dir undertân kchron. 85. a. seht ir diz gevelle und die steinwende Wigal. 605. der ber kom in ein gevelle Nib. 889,3. si volgten in vaste nâch unz in ein recht gevelle (verhau) Jerosch. 139. b. — trop. daʒ tor was im besloʒʒen vor mit zwîvels gevelle Pass. K. 423,55.
IV. gefälle, abgaben. vgl. angevelle, ingevelle.
V. das was gefällt, der gefallen. in dieser bedeutung gehört das wort zu gevallen; vgl. auch geval u. gevelle swv. — got von dir sagen kan zuo tragen dem herzen guot gevelle Gfr. lobges. 79. nâch gevelle (: helle) Pass. K. 34,89.