Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gevallen stV.
2 ‘einer Seite zuneigen, zustimmen’ (vgl. auch
3 ‘jmdm. gefallen’ (häufig mit wertendem Adv. wol, baʒ, meist, übele )
3.1 mit nieman ‘niemand kann allen gefallen’ (Sprichwort?, vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 311)
3.2 mit zuo : ‘passen, gleichkommen, angemessen scheinen’
4 ‘kommen, eintreten, sich ergeben’
1 ‘fallen, stürzen’, ‘verfallen’, ‘zufallen, zuteil werden, fällig sein’, auch mit Präp. wie ‘fallen auf (etw.), über (jmdn. her-) fallen’ → vallen 2 ‘einer Seite zuneigen, zustimmen’ (vgl. auch UrkCorp (WMU) 2302,37 zu vallen ‘wie die Mehrheit entscheidet’): swederthalb der [Obmann] gevellet, des sol man bede site gevolgig sin UrkCorp (WMU) 225,4. swaz ovch der vierr ietwederthalben, die da baidenthalben genomen sint [...], gesprechent ze reht oder der von Oͤtingen mit den vieren, da zue er gevellet ebd. 1540,6. – mit Gen.: ez sol auch ietweder herre di sinen betwingen, swez si mit dem rehten oder mit minne gevallen, daz sie daz vͦf der stat vergwizzen vnd verpvrgen UrkCorp (WMU) 2500,17 3 ‘jmdm. gefallen’ (häufig mit wertendem Adv. wol, baʒ, meist, übele): Gunther der edele vrâgte sîne man, / wie in diu rede geviele NibB 1457,4; diser scheit [Schiedsspruch] geviel dien teilen beidenthalb wol UrkCorp (WMU) 2583,28; RvEBarl 16064; mir geuellet uile uͦbele, / der des morgenes in den wingarten gét, / daz er uor uesper uz uert Rol 976; GrRud δ 34; diz geviel im übele unde wol Tr 7317; swa ich aver iemannen vant, / der ein irrære was, / der geviel mir al deste baz; / den chos ich mir ze gesellen SüklV 549; Eckh 5:189,6; PassSpM 1174; SM:Go 2:5,11. – mit Gen.d.S.: dise boten si wurben etswaz / des [La. das ] in geviel UvZLanz 8776. – ~ lâʒen: die wunnechlichen engel clar / geschûf got mit worten gar, / daz liez er im gevallen GvJudenb 13; sehestu deheinen irrær, swa er wol tu, daz la dir wol gevallen PrOberalt 140,6. – subst. ‘Wohlgefallen’ zuͦ Jherusalem alleine wer wol sin gros trost und gesmack und gevallen Tauler 83,30. 213,18 3.1 mit nieman ‘niemand kann allen gefallen’ (Sprichwort?, vgl. Friedrich, PhrasWB, S. 311): zwein ein man niht dienen kan: / niemàn in allen / mag eben wol gevallen KLD:BvH 13: 2,9; und swas die boͤsen reden darzuo, / das sî in reht als ein slag / in einen bach; wan nieman mag / menglich gevallen wol Ammenh 407; KvWLd 25,93 3.2 mit zuo: ‘passen, gleichkommen, angemessen scheinen’ wir jehen û [Alexander] alle samen, / daz under disen kuningen allen / neheiner mach zô û gevallen, / der mit sulher frumicheite / sîn here ubir lant leite SAlex 1501; Achilles unde Hector, / Aiax unde Nestor, / di manic tûsint irslûgen / unde ouh scarfe gêre trûgen: / iz ne mohte undir in allen / ze Alexandro niht gevallen ebd. 1848; der iu dar zuo gevalle, den sul wir voget wesen lân NibB 522,4. – ‘belieben, angemessen erscheinen’ daz er [Joseph] si begienge [die Gefangenen versorgte] swie iz ime geviele Gen 1925; âne die tage, sô ime ze wazzere unde zu brôte gevellet ze vastene, sô sal er ûf einer blôzen tavelen ezzen StatDtOrd 88,22. 119,16 4 ‘kommen, eintreten, sich ergeben’ sit do geviel sente Johannis tac / daz sente Vͦlrich sicher lac / an dem libe gar virswachet / von einem troume was er irwachet Albert 1408. 1460; eines tages dô der juden hôhzit gefiel SchwSp(W) 128,24; daz dar nah zwischen inen gevallen mivge enhein missehellvnge UrkCorp (WMU) 1645,19; Gen 1310; Tr 9673; Eckh 5:256,5. – ‘ergehen, geschehen’ disv vrtail geviel ze Visherhvsen an den næhsten dvnrstage vor sant Margaretvn tac UrkCorp (WMU) 1444,4
MWB 2 655,62; Bearbeiterin: Czajkowski