Genuß gelegentl -ss, DatSg auch -sse; knapp 900 Belege; seine charakteristische Ausprägung gewinnt der Genußbegriff bei G durch die Überlagerung verschiedener semantischer Aspekte.1) So klingt vor allem in den actionis-Bedeutungen des Lebens-, Kunst- u Naturgenusses noch deutlich das neutrale Moment des Aufnehmens, Auffassens, des Sich-Aneignens, Innewerdens an. Weiterhin sind verschiedene Gegensätze kennzeichnend: Im Gegensatz zu ‘Leid’, ‘Schmerz’, ‘Verdruß’, ‘Elend’ verselbständigt sich ‘Genuß’ zum Inbegriff od Allgemeinbegriff der angenehmen, erfreulichen, positiven Seiten des Lebens. Im Unterschied zu ‘Kritik’, ‘Analyse’, ‘Erkenntnis’ bezeichnet ‘Genuß’ ein nichtrationales, sympathetisches Aneignen von Kunst u Natur, wobei in nachitalienischer Zeit Kenntnisse, Einsicht u Bildung des Kunstbetrachters durchaus als Voraussetzung des Kunstgenusses verstanden werden. Innerhalb der Polarität von ‘Genuß’ u ‘Streben’ wird der Begriff zur zentralen Kategorie, die einen wesentlichen Aspekt menschl Existierens benennt.2) Seine umfassendste Bedeutung gewinnt der Begriff im seelisch-emotionalen Bereich, wo er neben dem positiven Bedeutungsgehalt der Lebensfreude u Lebenslust auch das intensive Erleben und Empfinden seelischer Zustände überhaupt sowie das Auskosten schmerzlicher od disparater Empfindungen umfaßt. 1
(Recht zum) Gebrauch, Nutzen, Verfügen a
jur: Nießbrauch, Nutzungsrecht; Innehaben, Geltendmachen, Inanspruchnehmen von (Vor-)Rechten, Vorteilen; (Be-)Nutzung, Gebrauch von Gütern, Besitztümern (Haus, Garten, Wohnung) uä das Schloß [
Eger], wo der jetzige Platzcommandant, dem der G. gehört, durch Anlegung von Küchen- und Blumengärtchen .. Wegen und natürlich-artigen Lauben, das Innere des Hofes sehr erheitert hat GWBB35,67,23 August 30.8.21 Fürstliche Cammer .. hat die Steuern [
für G-s Haus am Frauenplan] gezahlt wofür sie jedoch durch den G. des auf dem Hause haftenden Brauloses entschädigt worden GWBB19,241,20 Voigt 2.12.06 Es kam ein wechselseitiges Testament zum Vorschein, wodurch sie [
die Mutter] im Besitz und G. [in der Nuznießung
Var] von allem .. blieb GWB23,51,23 Lj VII 6 [
von CThDalberg bewilligte] Rente .. in deren G. die Gesellschaft [
Wetterauische Ges für gesamte Naturkunde] mehrere Jahre verblieb GWB34
1,141,1 KuARheinMain GWBB41,31,23 SchmidtPhiseld [15.]5.26 K GWBB44,207,10 Beulwitz [18.7.28] A1,63,20 Reskr 9.4.79 K
uö b
(aus Leistung, Anstrengungen resultierender) Gewinn, Ertrag, Vorteil; überwiegend ideell, geistig, auch im Vergl sodann aber erlaube ich mir die Anfrage, wie es mit Ihren Geschäften und Unternehmungen [
Ankauf von Kunstwerken] geht und ob wir auch an unserm Theil bald davon erwünschten G. hoffen dürfen? GWBB40,233,5 Boisserée 8.1.26 Diese Bewegung [
internationaler geistig-literar Austausch] währt zwar erst eine kurze Weile, aber doch immer lang genug, um .. aus ihr baldmöglichst, wie man es im Waarenhandel ja auch thun muß, Vortheil und G. zu gewinnen GWB42
1,187,12 Carlyle,Schiller [
zweite Gesamtausg von G-s Werken bei Cotta] Zunächst kommt auch bey mir in Betrachtung, daß es vielleicht das letzte Mal seyn möchte, daß mir persönlich der G. aus den Arbeiten und Bemühungen meines ganzen Lebens zu Theil wird GWBB25,102,17 Cotta 21.12.14 GWBB39,117,1 Maria Paulowna 14.2.25 GWBB10,198,1 Batsch 24.9.94
uö iSv Belohnung [
Faust zu Meph:] Wie es auch möglich sei | Arbeiter schaffe Meng’ auf Menge, | Ermuntere durch G. und Strenge, | Bezahle, locke, presse bei! GWBFaust II 11553
‘G. (von jdm/etw) haben, ziehen’: iSv (von jdm/etw) profitieren Führen Sie ihn [
Lawrence] da und dort ein und lassen Sie ihn von Ihrer ausgebreiteten Bekanntschaft G. ziehen GWBB27,10,3 Gerning 3.5.16 GWBB9,267,4 CarlAug [Mai 91] GWB48,54,18 Preisaufg 1802 c
zum Ausdruck eines Habens, Teilhabens, Verfügens; wiederholt idVbdg ‘im G. von etw (sein)’; auch übertr auf höhere, geistige Güter Ferner nimmt er [
Voß dÄ] einigen .. Antheil an jenem dichterischen Freiheitssinn, der in Deutschland im G. zehnjährigen Friedens durch poetische Darstellungen geweckt und unterhalten wurde GWB40,271,28 Üb:Voß,Ged [G/ Voß dJ] Lili .. war im G. aller geselligen Vortheile und Weltvergnügungen aufgewachsen GWB29,37,13 DuW 17 [
Nichte zum Ritter:] Ich verlange nicht daß Sie im G. der fürstlichen Gunst, der einträglichen Stellen, in deren Besitz Sie sich bald befinden werden, an die Thränen eines armen Mädchens denken sollen GWB17,245,11 GrCoph V 8 Fausts Charakter .. stellt einen Mann dar, welcher .. den Besitz des höchsten Wissens, den G. der schönsten Güter für unzulänglich achtet, seine Sehnsucht auch nur im mindesten zu befriedigen GWB41
2,290,8 ÜbHelena ~ GWB15
2,198 Helena Plp 1,6 jeder bemüht sich, so viel Vermögen zu erwerben, als er für hinreichend hält, sein Leben im G. [
enjoyment] von Bequemlichkeit und Vergnügen zu beschließen GWB46,198,2 Hackert Tgb Knight A(MA13
2,403,6) Schrön 20.10.24 [Oberaufs] GWB18,161,15 u 164,5 Unterhaltungen
[] Tasso 476
uö iSv (Voll-)Besitz, in Berührung mit 8 In dem Umgange mit dem unsichtbaren Freunde [
Gott] fühlte ich den süßesten G. aller meiner Lebenskräfte GWB22,309,11 Lj VI 2
Verzehr, Aufnahme von etw a
Nahrungsaufnahme (bei Mensch u Tier) [
am Tage der Schlacht bei Bergen 1759] wir baten ihn [
den Vater] etwas Speise zu sich zu nehmen, die er den ganzen Tag entbehrt hatte; er verweigerte .. jeden G. GWB26,156,8 DuW 3 [
Eduard nach Ottilies Tod] Seine Theilnahme an der Unterhaltung, sein G. von Speis’ und Trank vermindert sich mit jedem Tage GWB20,414,13 Wv II 18 Seine Vertrautesten jedoch riethen ihm [
dem König von Preußen] ab, vom G. [
der überreichten Früchte] Vergiftung befürchtend GWB33,40,20 Camp Gar zierlich behandelt es [
das Eichhörnchen] ergreiflich kleine appetitliche Gegenstände, mit denen es muthwillig zu spielen scheint, indem es sich doch nur eigentlich den G. dadurch vorbereitet und erleichtert GWBN8,250,4 SkelNagetiere GWB51,102,10 ThS II 1 GWBB42,23,23 CarlAug 25.1.27 GWB27,9,26 DuW 6 GWBN6,427,34 MetamIns
uö ‘saurer G.’ für: vorzeitiger Verzehr GWB39,363,22 Iph
1 III 1 [
zit s v genießen 2 d]
mBez auf das christl Abendmahl iSv Empfang(en) Kirchgänger .. welche den G. des Nachtmahls verlangten GWB27,118,17 DuW 7 GWB32,187,2 ItR
im Bild für geistigen Genuß Sie [
Sophie La Roche] gehört zu den nivellirenden Naturen, sie hebt das Gemeine herauf und zieht das Vorzügliche herunter und richtet das Ganze alsdenn mit ihrer Sauce, zu beliebigem G. an GWBB14,135,12 Schiller 24.7.99
metonym für Frucht/Früchte GWBNatT 1310 b
für die (arttypische) Ernährung(sweise) von Tieren Diese Geschöpfe [
Nagetiere] haben einen lebhaften Nahrungstrieb .. Ihr G. ist vielfach; einige sind auf animalische Nahrung begierig, auf vegetabilische die meisten GWBN8,250,27 SkelNagetiere GWBN6,413,19 MetamIns
uö(selten) c
mBez auf prägenden Umwelteinfluß auf Pflanzen [
wechselnde] Pflanzenformen .. indem ja so viele Bedingungen darauf einwirken .. G. [< Einwirkung von] der Hitze GWB32,470,21 ItR Schema 3
Sinnengenuß a
für (angenehme) Sinneseindrücke, (Lust-)Empfindung einzelner Sinnesorgane; als Wirkung ästhetischer Reize od/u physiol Faktoren; auch als Bestandteil od Basis ästhetischer Urteile [
üb ‘transparente Schweizerlandschaften’ des Malers FNKönig] Ein kräftig Durchschienenes setzte sich an die Stelle des lebhaft Beschienenen und übermannte das Auge so, daß anstatt des entschiedensten Genusses endlich ein peinvolles Gefühl eintrat GWB36,169,19 TuJ Man schickte uns neulich einen Korb mit Obst, ich war entzückt wie von einem himmlischen Anblick .. Ich konnte mich nicht überwinden eine Beere abzupflücken, eine Pfirsche, eine Feige aufzubrechen. Gewiß dieser G. des Auges und des innern Sinnes ist höher, des Menschen würdiger GWB19,201,25 BrSchweiz I GWB23,203,5 Lj VIII 5 GWB45,183,14 RamNeffeAnm GWB49
2,19,15 Relief Phigalia GWB32,314,23u25 ItR KPhMoritz,Nachahmg dSchönen
vom Geruchs-, Gehör- u Geschmackssinn iUz urteilenden Gesichtssinn3) Und so .. halt ich das Sehen für eine Vorbereitung der übrigen Sinne denn der Geruch ist Genuss und das Gehör und der Geschmack, das Sehen nicht GWB37,62,17 Arianne an Wetty
für: Bedürfnis, Wunsch nach sinnl Genuß Diese Werke [
der niederländ Blumen- u Pflanzenmaler um 1700] haben den großen Vortheil, daß sie den sinnlichen G. vollkommen befriedigen. Blumen und Blüthen sprechen dem Auge zu, Früchte dem Gaumen, und das beiderseitige Behagen scheint sich im Geruch aufzulösen GWB49
1,380,9 Blumenmalerei b
im kulinar Bereich α
genießerisches Verzehren, Konsumieren wohlschmeckender Speisen u/od Getränke, häufig als bewußter, lustbetonter, auch feierlich-gastlicher Vorgang; auch im Bild u Vergl Der Caviar ist glücklich angekommen und bey’m G. desselben hat die sämmtliche Familie dich gelobt GWBB42,130,9 ANicolovius 11.4.27 K Und nun .. erscheint ein Kasten mit den wünschenswerthesten Speisewaren, dem Hauswirth höchst willkommen, seinen Tisch- und Tafelgenossen zu unerwartetem Genusse GWBB49,247,18 Marianne 23.2.32 [
Eugenie am Wandschrank:] So wie ich sonst verbotnes Zuckerwerk, | Zu listigem G., in dir versteckte, | Vertrau’ ich heute meines Lebens Glück | Entzückt und sorglich dir GWBNatT 995 Sie [
die Fliege] saugt mit Gier verräthrisches Getränke [
Wein] | .. Das Leben so sich im G. verliert GWB3,176 Parabol 6 Vs 7 GWB41
1,88,27 Anz:Div GWBB51,106 Waldersee 4.9.94 GWB33,125,23 Camp GWB1,287 Das Wiedersehn 6 BA17,256 FGAÜb moralSchönheit [Merck/G]
uö β
Tafelfreude, kulinar Vergnügen, Erquickung, Behagen beim Verzehr von Speisen u Getränken od beim Konsum von Genußmitteln Frau Hofräthinn Schopenhauer wird dir .. einen Braten und eine Schachtel mit Kirschen überbracht haben, wovon ich guten G. wünsche GWBB21,17,6 Christiane 1.8.09 Es ist eine Forderung der Natur, daß der Mensch mitunter betäubt werde ohne zu schlafen, daher der G. im Tabakrauchen, Branntweintrinken, Opiaten GWB42
2,119,3 MuR(99) GWB31,258,26 ItR
uö im Bild [
Karl:] Leider ist in unsern Zuständen alles zusammen gedrängt, alles ist bepflanzt, alle Bäume hängen voller Früchte, und wir sollen nur immer drunter weggehen, uns an dem Schatten begnügen und auf die schönsten Genüsse Verzicht thun GWB18,217,14 Unterhaltungen GWBB15,293,3 Hirt 29.11.01 K
uö γ
für (delikate) Nahrungs- od Genußmittel; Leckerbissen, Näscherei uä Die freundliche Hoffnung .. von dem köstlichen Honig wieder ein Fäßchen zu erhalten, bewahr ich geheim vor jungen und alten Leckermäulern, die sich an der vorigen Sendung nicht wenig zu Gute thaten, um .. sie mit gleichem G. zu überraschen GWBB48,95,5 Marianne 25.1.31 Von den Gedichten, welche die verschiedenen Genüsse, als Kaffee, Branntewein und dergleichen anpreisen GWB40,247,5 Üb:Grübel,Ged GWB40,265,12 Üb:Voß,Ged [G/Voß dJ] GWB28,20,27 DuW 11 GWB49
1,133,17 Philostrat
uö c
das Auskosten sinnl-erot Empfindungen, sexueller Lust; Sinnenfreude, Lust, Wollust Das Rößlein wehrte sich und stach, | Aber er vergaß darnach | Beym G. das Leiden GWB1,371 Heidenröslein 19 Var In der heroischen Zeit, da Götter und Göttinnen liebten, | Folgte Begierde dem Blick, folgte G. der Begier GWB1,236 Vs 50 RömEleg III [
Euphor:] Schlepp’ ich her die derbe Kleine | Zu erzwungenem Genusse. | Mir zur Wonne, mir zur Lust | Drück’ ich widerspenstige Brust GWBFaust II 9795 Der Mund [
der Perserkönigin] ist weich, zum G. der Liebe reizend GWB49
1,85,17 Philostrat ô möchte sich der betrogne Glückliche nicht schmeicheln, ein Frauenzimmer könne uns mehr gewähren, als den gegenwärtigen Genuss GWB37,65,10 Arianne an Wetty GWB53,16 Vs 146 VenEpigrNachtr 38 GWB53,6 Vs 80 RömElegNachtr II
uö umfassender für sinnl-seel Erfüllung, verfeinerte Sinnenfreuden; das Glück in der Liebe, Freude üb die Gegenwart des/der Geliebten, [] häufig im Spannungsverhältnis mit Hoffnung, Entbehrung, Sehnsucht; mehrf in Berührung mit 8 Das Schnäbelchen [
des Kanarienvogels] machte den Weg von ihrem [
Lottes] Munde zu dem meinigen, und die pickende Berührung war wie ein Hauch, eine Ahndung liebevollen Genusses AA97,18 Werth
2 II [
Leonore:] er [
Tasso] könnte ja | Nach Rom, auch nach Florenz sich wenden; dort | Träf’ ich in wenig Wochen ihn, und könnte | Auf sein Gemüth als eine Freundin wirken. | .. [
Prinzessin:] Du willst dich in G., o Freundin, setzen, | Ich soll entbehren; heißt das billig sein? Tasso 1725 Jedes Wort ist ein Versprechen | Jeder Blick ist ein G. GWB6,476 Div Plp Es wird mein bester Augenblick seyn wenn ich dich wieder sehe. Glaube mir ich habe immer den stillen G. deiner Liebe GWBB7,11,6 ChStein 10.2.85 GWB23,268,6 Lj VIII 9 AADiv3,66,49u53u55 Plp
uö ‘wahrer G.’ GWB4,89 Wahrer Genuß Titel 4
Naturgenuß; das (lustvolle, belebende) Wahrnehmen, Aufnehmen einer Landschaft, der Jahreszeiten, des Wetters uä; geistig-sinnl Inbesitznahme einer Gegend, Umgebung; die Freude beim Betrachten, Erleben der Natur; das Vergnügen am Schönen od Erhabenen in der Natur; auch in literar Parodie für empfindsame Naturschwärmerei Vom 1. bis zum 8. September verweilte ich im Rheingau, dessen G. und Übersicht ich der Brentanoschen Familie schuldig geworden GWBB25,71,19 FAWolf 8.11.14 Leider ward der schöne G. dieser reizenden Gegend [
rechtes Rheinufer] oft durch den Donner der Kanonen gestört GWB18,103,22 Unterhaltungen Seit fünf Wochen ist mir alles gelungen, das günstigste Wetter, der G. eines zurückgehaltnen, endlich gewaltsam durchbrechenden Frühlings GWBB33,47,1 Boisserée 26.5.20 Der Mond ging dazu voll hinter einem Vorgebirge herauf und schien in’s Meer; und diesen G., nachdem man vier Tage und Nächte auf den Wellen geschwebt! GWB31,92,8 ItR GWB32,120,13 ItR GWBB38,294,31 CarlFriedr [Jan 24] GWB17,19,22 TriumphEmpfindsamk II
uö im Verhältnis zu (wiss) Erkenntnis, distanzierter Beobachtung (auch als Voraussetzung eines gesteigerten Naturgenusses); auch im Schema Wir müssen Ihnen leider zugeben, daß es eine ganz andere Empfindung sey, durch einen Orangenwald in vollem und daurenden Genusse zu spazieren, als hinter einer Fensterscheibe augenblicklichen und vergänglichen Wirkungen der Natur aufzulauern GWBN13,430,22 Naturlehre G. und Wissen im Widerspruch GWBN9,384 BildgErde Var
4) GWBN9,274,13f BildgErde
metonym für Pflanzen, Blumen Sehr lieblich ist es .. die Prager Straße hinab zu gehen. Alle unbelaubten Bäume .. werden nach und nach sichtbar, wie sie ihre Blätter entfalten .. an dem wachsenden G. kann man sich gewiß noch vierzehn Tage ergötzen. Denn selbst zu Pfingsten wird das erste Grün noch nicht völlig entwickelt seyn GWBB33,29,15 Zelter 3./11.5.20
uö 5
Kunst-, ästhetischer Genuß a
iSv Rezipieren, Betrachten, Erfassen, Sich-Aneignen von Kunstwerken; (lustvolles) Wahrnehmen, Innewerden des Schönen; häufig in grundsätzl Äußerungen u mit Hinweis auf die Bedingungen des Kunstgenusses wie die Aufgeschlossenheit u (Aus-)Bildung des Betrachters od den einwandfreien Zustand der Kunstwerke uä; auch iUz begrifflicher, intellektueller Auffassung Das Kunstwerk fordert die Menschen zum G. auf. Und zu mehrerer Theilnahme daran. Zum G. der Kunstwerke haben alle Menschen eine unsägliche Neigung GWB47,323,5u7 ÜbDilettantism weit Schema ein Kunstwerk, dessen Ganzes in großen, einfachen, harmonischen Theilen begriffen wird, macht wohl einen edlen und würdigen Eindruck, aber der eigentliche G., den das Gefallen erzeugt, kann nur bei Übereinstimmung aller entwickelten Einzelnheiten statt finden GWB27,272,16 DuW 9 Ich las die drei Bände dieses .. Romans [
‘Gabriele’ von JSchopenhauer] .. zwischen den hohen Fichtenwäldern von Marienbad .. mit aller Empfänglichkeit, die man zum G. eines jeden dichterischen Erzeugnisses mitbringen sollte GWB41
2,5,9 Üb:JSchopenh,Gabriele Leider wird dadurch [
durch Beschädigung alter Kunstwerke] der G. weder natürlich noch ästhetisch, sondern er wird kritisch, oder er muß wenigstens durch diese Prüfung durchgehen GWB47,45,12 PropylAnz Ich kenne Musik mehr durch Nachdenken als durch G. und also nur im Allgemeinen GWBB19,19,17 Zelter 19.6.05 GWB40,355,20 Üb:Wunderhorn GWB24,309,18 Wj II 4 GWBB11,66,6 Meyer 20./22.5.96 GWBB37,38,10 Schultz 7.5.23 [Beilage] GWBB41,193,26 Zelter 11.10.26
uö als ein zwischen Sinnlichkeit u Verstand vermittelndes Vermögen; auch mBez auf (Produkte der) Einbildungskraft Paganini hab ich denn auch gehört .. Mir fehlte zu dem was man G. nennt und was bey mir immer zwischen Sinnlichkeit und Verstand schwebt, eine Basis zu dieser Flammen- und Wolkensäule GWBB46,139,21 Zelter 9.11.29 Wenn das außerordentliche Genie etwas hervorbringt, das Mit- und Nachwelt in Erstaunen setzt, so verehren die Menschen eine solche Erscheinung durch Anschauen, G. und Betrachtung jeder nach seiner Fähigkeit GWB40,319,7 Üb:Böhlendorff,Ugolino Alles Kunstwerk steht zum G. da, und wenn es dem reinen ästhetischen Sinn genügt, so werden Vernunft und Verstand freylich nicht an ihrer Seite widersprechen können GWBB41,38,5 Zelter 20.5.26 GWB18,224,8 Unterhaltungen [
für: jouissance] GWB41
2,181,27 Anz: Oeuvres dramat de G GWBB22,195,18 Zelter 11.11.11
uö iUz (Text-)Kritik Die Kritik muß in ihrem vollen Rechte bleiben .. der Glaube jedoch läßt sich nicht irre machen, und wenn er dem Kritiker für die Vorbereitung dankt, so läßt er sich im G. nicht stören GWB42
2,453,15 Üb:Campbell,Lect on Poetry GWB42
2,454,3 ebd
uö einmal idWdg ‘zum G. kommen’ GWBB39,28,18 Zelter 3.12.24 b
als Resultat ästhetischer Rezeption α
ästhetisches Vergnügen; Freude an Kunstwerken, künstlerischen Darbietungen od am Schönen, Anmutigen uä (in der Kunst) Es gibt keinen höhern G. und keinen reinern, als sich mit geschloss’nen Augen durch eine natürlich richtige Stimme ein Shakespeare’sches Stück .. recitiren zu lassen GWB41
1,54,23 Shakesp u kein Ende Auf dieser Reise .. will ich mein Gemüth über die schönen Künste beruhigen, ihr heilig Bild mir recht in die Seele prägen und zum stillen G. bewahren GWBT1,266,3 v 5.10.86 [
üb die Restaurierung des ‘Herkules Farnese’] Die Beine des Porta werden abgenommen, die echten an die Stelle gesetzt, und man verspricht sich .. nunmehr eine ganz neue Anschauung und mehr harmonischen G. GWB30,255,10 ItR Und wenn ich jetzt bedenke, was das heißt, alle Woche nur einmal eine Oper zu hören .. in sich zu erneuern und diese Stimmung in die übrigen eines thätigen Lebens aufzunehmen; so begreift man erst, was das heiße, einen solchen G. zu entbehren, der wie alle höhren Genüsse den Menschen aus und über sich selbst, zugleich auch aus der Welt und über sie hinaus hebt GWBB37,192,5 Zelter 24.8.23
[] uö ‘wehmütiger G.’, in Berührung mit 8 e Wenn es einmal ein Kenotaph seyn soll, wenn es erlaubt ist mit seinen Schmerzen zu spielen; so würde ich rathen .. ein Paar Urnen .. mit allem Aufwand .. zu besorgen und sie zu einem wehmütigen G. und zu einer bedeutenden Zierde eigner Wohnung aufzustellen GWBB15,185,14 AWSchlegel [28.2.01]
‘himmlischer G.’, in Berührung mit 8 d [
Wilh an Mariane üb seine Theaterpläne:] hoffen will ich, daß wir einst als ein Paar gute Geister den Menschen erscheinen werden, ihre Herzen aufzuschließen, ihre Gemüther zu berühren, und ihnen himmlische Genüsse zu bereiten, so gewiß mir an deinem Busen Freuden gewährt waren, die immer himmlisch genennt werden müssen, weil wir uns in jenen Augenblicken aus uns selbst gerückt, über uns selbst erhaben fühlen GWB21,100,21 Lj I 16
in Berührung mit 3 c ich sehe die himmlischen Augen | Wieder offen .. | Bleibt geschlossen! Ihr macht mich verwirrt und trunken, ihr raubet | Mir den stillen G. reiner Betrachtung zu früh. | Diese Formen, wie groß! wie edel gewendet die Glieder! GWB1,251 Vs 288 RömEleg XIII β
für ein undifferenziertes, sentimentales ästhetisches Vergnügen daß jene sogenannten Volkslieder .. sich meist in weicher Tonart ergehen und so das Gemüth in eine Lage des Mitgefühls versetzen, in der wir, einem gewissen allgemeinen unbestimmten Wohlbehagen wie den Klängen einer Äolsharfe hingegeben, mit weichlichem Genusse gern verweilen GWB41
2,137,5 SerbLieder der Liebhaber sucht nur einen allgemeinen unbestimmten G.; das Kunstwerk soll ihm ungefähr wie ein Naturwerk behagen GWB23,250,16 Lj VIII 7 [
für: jouir] GWB40,240,7 Staël,Dichtgn γ
iUz Kritik, Analyse, Belehrung, Erkenntnis Wer von den Künsten nicht sinnliche Erfahrung hat, der lasse sie lieber .. Er bedenke, daß er sich durch alle Theorie den Weg zum wahren Genusse versperrt GWB37,207,18 FGA Sulzer,SchöneKünste [G/Merck] Es ist ein großer Unterschied, ob ich lese zu G. und Belebung oder zu Erkenntniß und Belehrung GWB42
2,251,18 MuR(1057) So stehen Natur und Kunst, Kenntniß und G. gegen einander, ohne sich wechselsweise aufzuheben, aber ohne sonderliches Verhältniß GWB45,255,24 Diderot,Malerei Anm Wie gern möcht ich in eurem unschätzbaren Museum [
dem ‘Neuen Museum’ am Lustgarten] mein Erkennen und Wissen recapituliren, meine Unwissenheit gestehen, meine Begriffe bereichern und vervollständigen, am meisten aber einen freyen G. einmal, ohne Kritik und Geschichte, mir gewinnen. Das Denken über ein Kunstwerk ist eine schöne Sache; der Beyfall aber muß vorausgehen und das Urtheil folgen GWBB47,309,11 Zelter 29.10.30 GWB42
2,413,18 Lyr Volksb GWB36,190,12 TuJ GWB28,75,12 DuW 11
uö δ
als charakteristische Wirkung antiker Kunst iUz romantischer Der Unterschied zwischen alter und neuer Kunst ist kein solcher, wie ihn die Herren Unterscheider von Antik und Romantisch machen, sondern die neue Kunst ist nur eine limitierte alte, eines Unzulänglichen in Form und Stoff. Hier tritt die Sehnsucht ein statt der Befriedigung. Auf die Befriedigung kann jedoch eine neue Sehnsucht (nach der Fortdauer, Wiederkehr
etc.) eintreten, aber die Sehnsucht nach dem G. ist ein anderes als die ohne allen G. Gespr(He2,576) Riemer 1.10.10 ε
für ein durch Einsicht, Kenntnis u Bildung verfeinertes ästhetisches Vergnügen, häufig in Vbdgn wie ‘wahrer, größter, vollkommener, reiner, einsichtiger, ganzer, sinnlich geistiger G.’ Was im Anfang einen frohen Genuß gewährte, wenn man es oberflächlich hinnahm, das drängt sich hernach beschwerlich auf, wenn man sieht, daß ohne gründliche Kenntniß doch auch der wahre G. ermangelt GWB30,257,18 ItR daß ein Leben voll Thätigkeit und Übung kaum hinreicht unsre Kenntniß auf den höchsten Punckt der Reinheit zu bringen. Und doch wäre nur diese Sicherheit und Gewißheit die Dinge für das zu nehmen was sie sind, selbst die besten Sachen einander subordiniren zu können, iedes im Verhältniße zum andern zu betrachten der größte G. nach dem wir im Kunst wie im Natur und Lebenssinne streben sollten GWBB8,97,11 Hzgin Louise [12./]23.12.86 Hieraus ist denn abermals deutlich, daß nichts schön, gut und erfreulich seyn kann, ohne gewissermaßen bedenklich zu seyn, wir aber wollen die Nutzanwendung daraus ziehen, daß der Gedanke, er mag denken oder bedenken, dem G. so sehr zu Statten kommt, den er nicht stört, als der G. dem Gedanken, wenn er ihn auch auf kurze Zeit stören sollte GWBB27,297,7f Willemer 31.12.16 Durch den frischen Gesellen [
einen Maler] entstand jedoch für Wilhelm ein neuer G. .. In gesprächiger Hindeutung auf die wechselnden Herrlichkeiten der Gegend, mehr aber noch durch concentrirte Nachahmung, wurden ihm die Augen aufgethan GWB24,357,10 Wj II 7 man lernt einsehen, daß man das Vortreffliche nur in dem Maße kennen lernt, in so fern man das Mangelhafte einzusehen im Stande ist. Die Restauration von den ursprünglichen Theilen, die Copie von dem Original zu unterscheiden, in dem kleinsten Fragmente noch die zerstörte Herrlichkeit des Ganzen zu schauen, wird der G. des vollendeten Kenners, und es ist ein großer Unterschied, ein stumpfes Ganze mit dunklem Sinne, oder ein vollendetes mit hellem Sinne zu beschauen und zu fassen GWB47,26,4 PropylEinl GWB40,123,7 Wunsch freundlBegehren GWB45,240,1 RamNeffeNachtr II GWB53,218,5 Bilder am Hause G-s GWBB8,45,18 Weim Freunde 7.11.86
uö im ‘Faust’-Schema (Plp 1)5) Genuss mit Bewußtseyn GWB14,287,10 Faust I Plp ζ
metonym für Kunstdarbietungen od -gegenstände [
B. hatte Abgüsse nach Terrakotten des Brit Museums und einigen modernen Arbeiten übersandt] Nehmen Sie für diese wahrhaft seltenen Genüsse meinen verpflichteten Dank GWBB42,10,3 Beuth 11.1.27 K GWBB16,97,20 Schiller 5.7.02
uö(selten) c
Freude, ästhetische Befriedigung bei produktiver, kreativer künstlerischer Tätigkeit od Wahrnehmung [
Plan zur ‘Achilleis’] Da ich nur denken kann in so fern ich producire, so wird mir ein solches kühnes Unterfangen zur angenehmsten Beschäftigung und es mag daraus entstehen was da will, so ist mein G. und meine Belehrung im Sichern GWBB14,43,17 Knebel 15.3.99 Wir sprachen sodann über andere Künstler, die in ihren Werken leichtsinnig verfahren und zuletzt in Manier zu Grunde gehen. “Die Manier, sagte Goethe, will immer fertig seyn und hat keinen G. an der Arbeit.” Gespr Eckerm 28.2.24 GWB27,172,4 u 188,17 DuW 8
uö(selten) ‘mäßiger G.’ als Kennzeichnung des Gemütszustands des ‘nachahmenden Künstlers’ das Gemüth, das sich mit einer solchen Arbeit beschäftigt, muß still, in sich gekehrt, und in einem mäßigen G. genügsam sein GWB47,78,13 Nachahmg,Manier,Stil 6
geistiger Genuß; für [] die (erfreuliche, erbauliche) Rezeption theoret Texte od Beschäftigung mit Gegenständen der (wiss) Forschung, die Freude am Studium, an Erkenntnis, Aufklärung u Bildung; auch komplementär zu ‘Belehrung’ uä, gelegentl mit Attr wie ‘hoch’, ‘höher’, ‘geistig’ [
Neuordnung der UnivBibl Jena] Der Transport der Manuscripte und alterthümlichen Merkwürdigkeiten in einen trocknen, hellen, sowohl Studien als G. begünstigenden Ort würde sodann das Erste seyn A(Vogel 76) Votum 30.10.17 und so erscheint uns hier [
in AHumboldts Aufsatz ‘Ideen zu einer Physiognomik der Gewächse’] das im Einzelnen so kümmerlich ängstliche botanische Studium in seiner Verklärung auf einem Gipfel, wo es uns einen lebhaften und einzigen G. gewähren soll GWBN7,93,19 Rez:AHumboldt Die Naturlehre hat uns auch, sowohl durch neue Entdeckungen als durch die immer mehr sich erweiternde Theorie, großen G. gegeben GWBB15,136,16 Knebel 3.11.00 Erinnern wir uns nun lebhaft jener Zeit wo Herder und Eichhorn uns hierüber [
poetische Teile der Bibel] persönlich aufklärten, so gedenken wir eines hohen Genusses, dem reinen orientalischen Sonnenaufgang zu vergleichen GWB7,7,13 DivNot Die Kantische Anthropologie folgt hier mit vielem Danke zurück der doppelt ist, da sich Ihre Frau Gemahlin dieses Genusses um meinetwillen bisher beraubt hat GWBB13,347,7 Voigt [Ende Dez 98] K [Korr B50,221] Gespr(He1,491) Heyne 30.1.91 GWBB31,55,9 Schultz 8.1.19 GWBB45,175,9 Loder 22.2.29
uö für die Zufriedenheit mit den Resultaten einer subjektiven Denk- u Wahrnehmunsgweise wenn sich Menschen nach ihrer Fähigkeit ein Ganzes .. von dem Zusammenhange der Dinge gebildet .. haben. Sie werden dasjenige was sie am bequemsten denken, worin sie einen G. finden können, für das Gewisseste und Sicherste halten GWBN11,318,17 StudSpinoza [1784/85] 7
Lebensgenuß a
Auskosten des Lebens, freudiges Erleben, Innewerden der (jeweiligen) Wirklichkeit; häufig in Vbdgn wie ‘G. der Stunden, Tage, Gegenwart, des Gegenwärtigen, des Lebens, der Welt, der Freuden, des Guten’ uä; auch iSv Teilhaben Natur! du ewig keimende, | Schaffst jeden zum G. des Lebens GWB2,175 Der Wandrer 128 [
Prinzessin zu Tasso:] Mein Freund, die goldne Zeit ist wohl vorbei: | Allein die Guten bringen sie zurück; | .. Noch treffen sich verwandte Herzen an | Und theilen den G. der schönen Welt Tasso 1004 [
Arkas:] Den edlen Stolz, daß du dir selbst nicht g’nügest, | Verzeih’ ich dir, so sehr ich dich bedaure; | Er raubet den G. des Lebens dir GWBIph
2 119 ~ GWB39,327,20 Iph
1 I 2 so gaben die schön gelegenen wohleingerichteten Landhäuser, Ettersburg, Belvedere und andere vortheilhafte Lustsitze, G. des Gegenwärtigen GWB29,173,8 DuW 20 Möge .. eine leidliche Gesundheit Ihnen den G. der beschiedenen Tage freundlich vergönnen GWBB47,178,20 CSartorius 12.8.30 GWBB23,58,2 Reinhard 13.8.12
uö ‘dunkler G.’: für ein unentwickeltes, phantasieloses Erleben Alle die andern | Armen Geschlechter | Der kinderreichen | Lebendigen Erde | Wandeln und weiden | In dunkelm G. | Und trüben Schmerzen | Des augenblicklichen | Beschränkten Lebens GWB2,60 Meine Göttin 53 b
allg für die Freuden, die angenehmen, positiven Seiten des Lebens; auch für einzelne Vergnügungen, Annehmlichkeiten, Lustbarkeiten uä; häufig als Gegenpol zu ‘Leid, Entbehrung, Elend, Schmerz, Verdruß’ uä Vielfach ist der Menschen Streben, | Ihre Unruh, ihr Verdruß; | Auch ist manches Gut gegeben, | Mancher liebliche G. GWB1,38 Antworten bei gesellschaftlFragespiel 25 [
Wilh zu Werner:] Sieh die Menschen an, wie sie nach Glück und Vergnügen rennen! Ihre Wünsche, ihre Mühe, ihr Geld jagen rastlos, und wonach? nach dem, was der Dichter von der Natur erhalten hat, nach dem G. der Welt, nach dem Mitgefühl seiner selbst in andern, nach einem harmonischen Zusammensein mit vielen oft unvereinbaren Dingen. Was beunruhiget die Menschen, als .. daß der G. sich ihnen unter den Händen wegstiehlt, daß das Gewünschte zu spät kommt, und daß alles Erreichte und Erlangte auf ihr Herz nicht die Wirkung thut, welche die Begierde uns in der Ferne ahnen läßt GWB21,128,14u19 Lj II 2 [
Er:] wozu .. soll man denn sein Geld verwenden, als auf einen guten Tisch, gute Gesellschaft, gute Weine, schöne Weiber, Vergnügen von allen Farben, Unterhaltungen aller Art? Eben so gern möchte ich ein Bettler sein, als ein großes Vermögen ohne diese Genüsse [
jouissances] besitzen GWB45,18,1 RamNeffe [
Faust:] Stürzen wir uns in das Rauschen der Zeit, | In’s Rollen der Begebenheit! | Da mag denn Schmerz und G., | Gelingen und Verdruß, | Mit einander wechseln wie es kann GWBFaust I 1756 Doch hat das vorüberrauschende Leben unter andern Wunderlichkeiten auch diese, daß wir, in Thätigkeit so bestrebsam, auf G. so begierig, gar selten die angebotenen Einzelnheiten des Augenblicks zu schätzen und festzuhalten wissen GWBB49,191,3 CJMSeebeck 3.1.32 GWB7,221,12 DivNot GWBB42,214,4 Zelter 9.6.27 GWB24,146,9 Wj I 8 GWB51,269,26 ThS III 14
uö als Gesamtheit der angenehmen, erfreulichen (sinnl, ästhetischen, kulturellen) Eindrücke, Erfahrungen, Erlebnisse bei einer Reise, einem Aufenthalt in einem fremden Land; einmal idVbdg ‘abstrakter G.’ [
mBez auf Zelters Reise nach Wiesbaden, Frankf, Heidelberg u Darmstadt] Deine schönen Erfahrungen und Genüsse gönne ich dir, du verdienst die Welt zu sehen und dich ihrer zu erfreuen, da du sie verstehst und billigen Theil an ihr nimmst GWBB27,149,12 Zelter 28.8.16 Der G. auf einer Reiße ist wenn man ihn rein haben will, ein abstrackter G., ich muß die Unbequemlichkeiten, Widerwärtigkeiten .. bey Seite bringen GWBT1,232,1u2 v 25.9.86 GWBB41,160,3 Reinhard 20.9.26 GWBB47,55,3 August [10.]5.30 K [Korr B50,251]
uö c
für eine durch günstige Umstände, Wohlstand geprägte Lebenssituation, auch idVbdg ‘bürgerlicher G.’ Wir sind in Sicherheit, | Er in Gefahr; wir leben im G., | Und er entbehrt GWB13
1,164 Prol 15.10.93 Vs 33 Doch übernimmt die Jugend wohl manches in Hoffnung durchzukommen und nach einigen Prüfungsjahren zu einem erwünschten G. zu gelangen GWBB15,297,13 LTieck [17.12.01] GWB27,389,18 DuW 7 Plp [zit Sp 1490,18] GWB21,298,5 Lj III 9 ~ GWB52,153,14 ThS V 8
uö d
als (kollektive) Art der Lebensführung; auch in Berührung mit 1 [
mBez auf Frankf] Überhaupt ist die Lage, wie ich sie an einem schönen Morgen vom Thurme wiedergesehen, ganz herrlich, und zu einem heitern und sinnlichen Genusse ausgestattet, deswegen sich die Menschen auch so frühzeitig hier angesiedelt und ausgebreitet haben GWBB12,215,28 CarlAug 9.8.97 GWBB40,165,1 Elsholtz 11.12.25 GWBT2,101,20 v 28.8.97
uö e
für eine Grundhaltung menschl Lebens, als Gegenpol od Komplement zu Streben, Tätigsein, Leistung uä; verharrendes, müßiges, ruhiges Auskosten, Innewerden des Erreichten, Gegenwärtigen; auch in schemat [] Darstellung [
mBez auf ein Preisausschreiben] Man nehme die beyden Enden menschlicher Thätigkeit Genuß und Streben, mit den dazwischen liegenden Zuständen Gewohnheit und Resignation, als empirische Data für einmal an, man lege diesen Maßstab .. an die Völkergeschichte .. ja, an die Lebens und Tagesgeschichte eines einzelnen Menschen GWBB15,228,10 An ? 1.5.01 K [
Faust:] Werd’ ich beruhigt je mich auf ein Faulbett legen, | So sei es gleich um mich gethan! | Kannst du mich schmeichelnd je belügen | Daß ich mir selbst gefallen mag, | Kannst du mich mit G. betrügen; | Das sei für mich der letzte Tag! GWBFaust I 1696 Das Liebste muß ich immer liegen lassen und für lauter Treiben und Arbeiten komme ich zu keinem G. GWBB28,307,16 Rochlitz 24.11.17 GWB42
2,433,7 Preisausschreiben Zenobio Schema GWB41
1,57,13 Shakesp u kein Ende GWBB43,84,9 Iken 27.9.27
uö für eine kontemplative Haltung iUz ‘Begierde’6) [
Faust:] So tauml’ ich von Begierde zu G., | Und im G. verschmacht’ ich nach Begierde GWBFaust I 3249f
in der Kennzeichnung weltgeschichtl Epochen Die zweite Epoche [
der Weltgeschichte] ist die des Benutzens, des Kriegens, des Verzehrens, der Technik, des Wissens, des Verstandes. Die Wirkungen sind nach außen gerichtet; im schönsten und höchsten Sinne gewährt dieser Zeitpunct Dauer und G. unter gewissen Bedingungen GWBN3,133,20 FlH III
idVbdg ‘G. seiner/ihrer selbst’ für das Empfinden, Bewußtwerden, Entfalten des Selbst, Gewahrwerden der eigenen Kräfte, Identität [
mBez auf Tendenzen des Lebensgefühls in Deutschland nach 1750] Doch entwickelten sich .. gewisse Strebungen. 1) Bey der Jugend, Strebung nach Naturgenuß, freyer G. der Kräfte. 2) Bey den Ältern, Streben nach Befestigung des Rechtes, und Sicherung des bürgerlichen Genusses .. Die Tendenz zu einem einfachen Naturgenuß und einem frohen G. seiner selbst ward bey der Jugend zurückgedrängt, durch pedantischen Schulunterricht .. GWB27,389,16u21 DuW 7 Plp Möge ich noch erleben daß die edle [
dt] Nation, die sich .. jetzt in Kampf und Streben Luft macht, endlich zu dem wahren G. ihrer selbst gelange GWBB24,372 Radlof [20.3.14] K 8
seelisch-emotionaler Genuß; positive, gehobene Stimmung, gesteigerter Gemütszustand, glückhaftes Lebensgefühl a
Lebensfreude, Lebenslust als Reaktion auf äußere Lebensumstände, Begegnungen uä, als Ausdruck einer inneren Haltung od bei Tätigkeiten; gelegentl als Auskosten angenehmer Gefühle7); auch iSv Zufriedenheit, Glück Es gibt problematische Naturen, die keiner Lage gewachsen sind, in der sie sich befinden, und denen keine genug thut. Daraus entsteht der ungeheure Widerstreit, der das Leben ohne G. verzehrt GWB42
2,122,20 MuR(134) [
Therese an Natalie:] Mich ängstigen nur die innern Mißverhältnisse, ein Gefäß, das sich zu dem, was es enthalten soll, nicht schickt; viel Prunk und wenig G., Reichthum und Geiz, Adel und Rohheit, Jugend und Pedanterei, Bedürfniß und Ceremonien, diese Verhältnisse wären’s, die mich vernichten könnten GWB23,184,15 Lj VIII 4 die Sorge .. verhindert mich .. meine Zeit mit dem G. angenehmer Empfindungen hinzubringen GWB21,213,20 Lj II 12 [
der Seemann zu sich:] Nein, in deinem Alter ist es noch nicht thöricht, an’s Freien zu denken .. und siehst du noch Kinder in deinem Hause, so werden dir diese spätern Früchte den größten G. geben GWB18,163,7 Unterhaltungen Damals sehnt ich mich in glücklicher Unwissenheit hinaus in die unbekannte Welt, wo ich für mein Herz alle die Nahrung, alle den G. hoffte, dessen Ermangeln ich so oft in meinem Busen fühlte AA87,13 Werth
1 II ~ Werth
2 GWB18,162,10 Unterhaltungen GWB32,346,13 ÜbItal GWBB5,97,18 ChStein 27.3.81 GWBB28,208,18 Münchow 1.8.17 K GWBB16,205,20 Zelter 22.3.03
uö iSv Reiz, Nervenkitzel Ist es denn aber nicht mit ieder Leidenschafft dasselbe, in der die Mächtigen und Reichen einen höhern und stärckern G. des Lebens suchen! Hunde, Pferde, Jagd, Spiel, Feste, Kleider und Diamanten, was für Capitale von Baarschafft stecken darinne GWBB6,139,23 Herder 20.3.83
im Oxymoron ‘bitterer G.’: iSv Schmach, Demütigung Wer sich seiner [
Amors] schämt, der muß erst leiden; dem Heuchler | Streut er bittern G. unter Verbrechen und Noth GWB1,260 Vs 450 RömEleg XIX b
im Rahmen utopischer, paradiesischer Vorstellungen [
Tasso:] Die goldne Zeit wohin ist sie geflohen? | .. Da auf der freien Erde Menschen sich | Wie frohe Heerden im G. verbreiteten Tasso 982 [
Werner zu Wilh:] Wenn nur auch die Menschen .. wie die Vögel gemacht wären, und, ohne daß sie spinnen und weben, holdselige Tage in beständigem G. zubringen könnten! GWB21,130,3 Lj II 2 ~ GWB51,124,6 ThS II 3 GWB6,271 Div Gute Nacht! 11 c
Zustand intensiven (rauschhaften), auch disparaten (lustvollen u/od schmerzl) Empfindens od Erlebens; gelegentl im Oxymoron; auch in literar Parodie G., dieses unerklärbare Herumdrehen, Schweben, Aufgelöstliegen in einer Empfindung, das ist, wie wir glauben, der Zweck, oder vielmehr der Endpunkt alles dessen, was in dem Menschen ist GWB38,371,43 FGA Gesch dSelbstgefühls [G?] Ich hab einen offnen frischen Morgen! O Gustgen! Wird mein Herz endlich einmal in ergreifendem wahren Genuss und Leiden, die Seeligkeit die Menschen gegönnt ward, empfinden, und nicht immer auf den Wogen der Einbildungskrafft und überspannten Sinnlichkeit, Himmel auf und Höllen ab getrieben werden GWBB2,293,19 Gfin Stolbg 18.9.75 Er [
Wilh] erinnerte sich der Zeit, in der sein Geist durch ein unbedingtes hoffnungsreiches Streben empor gehoben wurde, wo er in dem lebhaftesten Genusse aller Art, wie in einem Elemente schwamm GWB21,226,10 Lj II 14 [
Faust zu Meph:] Du hörest ja, von Freud’ ist nicht die Rede. | Dem Taumel weih’ ich mich, dem schmerzlichsten G., | Verliebtem Haß, erquickendem Verdruß. | Mein Busen, der vom Wissensdrang geheilt ist, | Soll keinen Schmerzen künftig sich verschließen, | Und was der ganzen Menschheit zugetheilt ist, | Will ich in meinem innern Selbst genießen GWBFaust I 1766 GWB17,65,5 TriumphEmpfindsamk VI
uö verallgemeinernd: ‘echter G.’ als ein durch das Erlebnis von etwas Überwältigendem vorbereitetes (existentiell bedeutsames) Empfinden, Erfahren [
Montan, auf einem Berggipfel:] Es ist nichts natürlicher .. als daß uns vor einem großen Anblick schwindelt, vor dem wir uns unerwartet befinden, um zugleich unsere Kleinheit und unsere Größe zu fühlen. Aber es ist ja überhaupt kein echter G. als da, wo man erst schwindeln muß GWB24,42,3 Wj I 3 d
als lustvolle Erfahrung der Selbstaufgabe, Entgrenzung, Entäußerung (in der Hingabe an ein Gefühl); einmal in der Beschreibung des Todes Im Gränzenlosen sich zu finden | Wird gern der Einzelne verschwinden, | Da lös’t sich aller Überdruß; | Statt heißem Wünschen,
[] wildem Wollen, | Statt läst’gem Fordern, strengem Sollen, | Sich aufzugeben ist G. GWB3,81 Eins u Alles 6 [
Prometh:] Wenn alles — Begier und Freud’ und Schmerz — Im stürmenden G. sich aufgelös’t, | Dann sich erquickt in Wonneschlaf, — | Dann lebst du auf, auf’s jüngste wieder auf, | Von neuem zu fürchten, zu hoffen, zu begehren! GWB39,212 PromethFragm 1773 Vs 420 e
Freude, Lust an schmerzlichen Empfindungen, Auskosten von Trauergefühlen daß aber auch der Mensch .. eine dunkle Sehnsucht nach dem Genusse des Schmerzens habe, ist schwerer zu bemerken GWB51,149,5 ThS II 5 GWBPand 583 GWBNatT 1560 Tasso 1811 f
für religiöses Entzücken; Schwärmerei; Schwelgen in religiösen Gefühlen [
Faust:] Sonst stürzte sich der Himmels-Liebe Kuß | Auf mich herab, in ernster Sabbathstille; | Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle, | Und ein Gebet war brünstiger G. GWBFaust I 774 GWB23,264,11 Lj VIII 9 GWB48,213,20 MuR
uö(selten) → GWB
Beigenuß GWB
Doppelgenuß GWB
Erinnerungsgenuß GWB
Fleischgenuß GWB
Frohgenuß GWB
Gartengenuß GWB
Geistesgenuß GWB
Hochgenuß GWB
Hochzeitgenuß GWB
Jugendgenuß GWB
Kartoffelgenuß GWB
Kunstgenuß GWB
Lebensgenuß GWB
Liebesgenuß GWB
Menschen- GWB
Mit- GWB
Musik- GWB
Nach- GWB
Natur- GWB
Pracht- GWB
Ruhe- GWB
Reise- GWB
Schöpfungs- GWB
Seelenruh- GWB
Selbst- GWB
Sinnen- GWB
Taten- GWB
Traum- GWB
Über- GWB
Un- GWB
Viel- GWB
Voll- GWB
Vor- GWB
Wein- GWB
Wieder- GWB
Zusammen- Syn zu 1
GWB
Benutzung GWB
Gebrauch GWB
Nießbrauch GWB
Nutznießung GWB
Nutzung zu 1 b
GWB
Ertrag GWB
Gewinn GWB
Nutzen GWB
Vorteil zu 3 c
GWB
Lust GWB
Wollust zu 5 b
GWB
Erbauung GWB
Ergötzen GWB
Ergötzung zu 7 b
GWB
Freude GWB
Lustbarkeit GWB
Vergnügen GWB
Vergnügung zu 8
GWB
Freude GWB
Lebensfreude GWB
Lebenslust GWB
Vergnügen GWB
Wonne 1) zur Auffächerung u Interpretation des Belegvorkommens bei G vgl MGräfe, Der Bedeutungsgehalt der Wortgruppe genießen — Genuß bei G, Phil Diss, Berlin 1956 2) vgl WBinder, G-s klass Faust-Konzeption. DVjs 42, 1968,55—88, bes 71—76 3) zum naturphilos u anthropolog Kontext vgl MA 12,768f u FfA I 8,1089—91 4) vgl Komm in FfA I 25,1199 5) zur Interpretation des Schemas vgl WBinder, Faust-Konzeption, 75 6) zur Interpretation s WBinder, “Genuß” in Dichtung u Philosophie des 17. u 18. Jhs. Archiv für Begriffsgeschichte 17, 1973,66—92, bes 88, vgl auch FfA I 72,316 7) zum Aspekt des “potenzierten Genusses” s WBinder, “Genuß” ...,80fDorothea Kühme D. K.