gefährde,
f. n. eig. nur vollere nebenform von gefähr
f. n. (
vergl. d. und sp. 1616),
die sich doch länger gehalten hat und auch etwas früher bezeugt ist, mhd. geværde
f. n., es würde ahd. gifârida
f. und gifâridi
n. sein, die doch noch fehlen. auch älter nd. gevêrde Sch.
u. L. 2, 93
b,
älter nl. gheveert Oudem. 2, 630.
Die früh eintretende kürzung gevrd, geferd
führte notwendig auch zu der aussprache und schreibung gefert, gefehrt (1,
e, γ.
δ. 2,
b),
vermittelnd geferdt
Teuerd. 54, 52 (1,
d, auch e, γ u. ö.);
ebenso gedingt gleich gedinge (
zugleich nachträglich zu sp. 2025. 2030),
alem. 16.
jahrh.: dise grechtigkait und gedingt .. haben wir .. Oheim
chr. von Reichenau 73, 5; mit söllichem gedingt. 46, 16,
d. i. mhd. gedingede, gedingde.
der eigentlich falsche schwache plur. doch schon im 16.
jh.: grosze geferden.
Zimm. chr. 3, 337, 36 (
vgl.gefahr I, 5).
s. auch fährde, das doch erst eine neuere bildung ist (
noch nicht ahd., mhd., wie J. Grimm
ansetzt),
nach fahr
gleich gefahr (
s. d. I, 1),
in den wbb. zuerst bei Stieler 402 frde. 11)
arglist, tücke, untreue u. ä., arglistiges streben nach etwas, schädliches trachten und thun, betrug, unredliches verfahren u. ä., d. h. die ursprüngliche bedeutung des feindlichen auflauerns und überfallens (
s.gefahr II, 1, gefähr 1)
gleichsam ins kleine gezogen, ins alltagsleben übertragen. 1@aa)
so schon mhd. im 13. 14.
jahrh., auch schon in mildester anwendung (
aber auch noch kriegerisch, s. a. e. aus Frisch): ê daʒ die fürsten (
den könig) kiesen, sô suln si ûf den heiligen sweren, daʒ si durch liebe noch durch leide noch durch guotes miete, daʒ in geheiʒen oder gegeben sî, noch durch niht enwelen daʒ geværde heiʒe, wan als in ir guot gewiʒʒen sage.
Schwabensp. 109, 3 (
noch nicht im Ssp. 3, 57),
das ist schon der eid für gefährde
im späteren rechtsleben (
s. c, γ); der (
welt) tuon ich mîn vröude schîn, und ie doch mit der geværde, daʒ daʒ herze duldet leit.
MSH. 2, 129
b,
mit der täuschung, eigentlich unredlichkeit (
vgl. u. d);
eine frau will dem sänger nur unverfängliche minne gönnen, dasz er meide [] vrävenlîch gebærde und alle geværde, und wilt mit liebe sús lieplich âne geværde triuten mich
u. s. w. Heinz. v. Konst.
minnelehre 2252
ff.; wêr aber daʒ, daʒ kain (
irgend ein) burger daruber tæt frevelichen (
offen und keck dawider handelte) oder wurbe mit kainer gevêrde.
Augsb. stadtb. 14,
dawider insgeheim und untreu arbeitete (
noch nicht in den alten cap. aus dem 13.
jh.);
der meister soll seinen lehrjungen zwar schlagen dürfen, aber nîmant der sal sîme lernekinde mê slege slân wenne zwelfe, alle âne gevêrde.
Kulmisches recht 5, 18,
so dasz er ihm nicht schade (
s. dazu 3,
a),
mit willen oder ohne willen (
eigentlich aber das erste),
vgl. e, α.
als ruf, im kampfe: gevêrde, gevêrde! Frisch 1, 239
a aus einer md. bibelübersetzung 2 kön. 9, 23,
vulg. insidiae! Luther es ist verrheterey!
vergl. dazu unter gefährte
n. 3,
e. 1@bb)
nhd.: geverde,
farus, dolus. voc. 1482 m 4
b; geferde,
dolus, fraus, varus (
aus mhd. vâr
m., s. vara
c, γ a. e.). k 5
b; nachdem von etlichen, die die märkte diser stat besuchen, in irem kaufen und verkaufen vil und manicherlei geverde und vorteil fürgenomen, gesucht und gebraucht werden .. soliche geverde und unbillichhait abzesneiden .. gebieten wir
u. s. w. Nürnb. poliz. 134, 15.
jh., wol plur.; darmit wir (
die eidgenossen) aller not und zwang durch gottes güet erledigt werden, der dann dsünd haszt (
gott), gsicht unser gferden. Ruff
etter Heini 3531,
unser untreues, '
gefährliches'
gebaren, in der andern hs. gebessert die gschicht mit gferden,
die schwache form, eigentlich falsch, ist doch alem. richtig, s. Maalers gfaaren
pl. unter gefahr I, 5
und aus Tschudi
nachher. im 17. 18.
jahrh.: geferde,
betrug. Henisch 1418; ehrliche und gerade leut handeln mit einander trewlich und ohn falsch und geferde.
das., in stabreimender formel; gefärde
f. Stieler 402, gefährde '
gefahrbringung, hintergehung' Rädlein 331
a, gefehrde Ludwig 707,
aber wieder gefährd Aler 859
b,
doch immer nur in der formel mit ohne (
s. e). 1@cc)
entwickelt ward es hauptsächlich im rechtsleben, vielleicht von anfang, besonders gleich dem captio, insidiae verborum
unter gefahr II, 2,
c, aber auch von allerlei '
gefährlichem'
thun. 1@c@aα)
so bis ins 13.
jahrh. zurück: diuhte die liute, dâ wære geværde bî, ob er einen (
bürgen) anspræche und die andern niht.
Schwabensp. 9, 1; uns dunkt, das solliche gifte (
schenkungen) mit geferden sint und durch fluchtsal geschehen. Haltaus 609
aus dem Straszb. stadtr. 2, 99,
um das angeblich verschenkte dem gläubiger zu entziehen (
vgl. unter d aus weisth. 1, 369); verzihe mich ... aller andern uszzügen (
ausflüchte), schirmungen, fünden und gevaerden.
urkunde von 1380
bei Tschudi 1, 499. 1@c@bβ)
aber auch nhd., bis in neueste zeit: also liesz der pfalzgrave (
als richter) daʒ also im rechten hangen und gab den sachen kein ent, darinnen er geferds verdacht ward.
Nürnb. chr. 2, 124, 15.
jahrh.; kainen haimlichen verstand noch pact und geverde brauchen.
bair. landordn. von 1553 Schm. 1, 551; dasz hierin gefährde gebraucht würde.
Frankf. ref. II, 8 § 2; sonst sol man euch weiters nichts zu thun sein, und hierinn alle gefärde ausgedingt. Fronsp.
kriegsb. 1, 23
a.
im 18.
jh.: wenn ein vormund eines unmündigen, dasz er dessen gläubiger oder schuldner sey, aus gefährde verschweiget. J. N. Schwarz
wb. üb. die chursächs. ges. 1792 1, 204
a,
vom j. 1782; diejenigen (
verhandlungen), wobey der andre theil eine gefährde gebraucht hat.
das.; der verdacht der begangenen gefährde.
das.; indem ich endesunterz. ... die wider mich angestellte klage näher beleuchte, so finde, dasz in selbiger eine besondere gefährde verborgen liegt, welche zuförderst gehoben werden musz. Göthe
als rechtsanwalt im j. 1775 (Kriegk
kulturbilder 444),
vgl. nachher chicaniren
das., schikane 445; ein über alle gefährde erhabenes unpartheiisches recht. Pestalozzi 6, 105 (
vergleiche gefährlich II, 2,
b parteiisch, schon mhd.); der gewaltthätigkeit, gefährde und allem aussaugen einhalt thun. 2, 370.
hierher auch folgendes: was thiere gleich nicht reden, das weisen die geberden: die menschen werden reden, was sie nicht meinen werden, sind also bei den menschen, als thieren, mehr gefärden. Logau 3, 6, 24,
völlig die alten insidiae verborum,
doch zugleich gefahr. 1@c@gγ)
dazu der eid für gefährde (
d. h. gegen gefährde,
wie auch vorkommt),
bei anfang eines processes zu schwören, dasz man dafür achte, eine gerechte sache zu haben, dasz man immer nur die wahrheit aussagen und den streit weder gefährlicher, d. h. hinterlistiger weise verlängern noch jemand bestechen u. s. w. wolle. [] Schmeller 1, 551
nach der bair. gerichtsordn. tit. V
art. 17,
den begriff der gefährde
vielseitig beleuchtend; wer also vor dem landrechten appelliern will, der soll schwern den ait fur
gevert oder gelübt thuen.
östr. weisth. 1, 232, 41; und er begeret den eid für gefehrd zu schweren. Ayrer
proc. 1, 11; der eid vor gefährde,
juramentum calumniae (
s. calumnia verborum sp. 2064). Frisch 1, 239
a,
mlat. juramentum de vara (
vgl. u. b),
nd. vârêd
Brem. wb. 1, 348,
schwed. fared ( Adelung).
sachlich schon im Schwabenspiegel bei der kaiserwahl, s. unter a. 1@dd)
besonders in den wendungen zu, durch, mit gefährde: wær aver, daʒ ieman
ze geværd ein lentstechen (
stock zum landen am ufer) auszüg und lieʒ dem flôʒman seinen flôʒ auf daʒ waʒʒer. Schm. 1, 386
aus dem bair. rechtsb. von 1332,
in böser absicht, nicht aus versehen, vgl. mhd. ze vâre,
nhd. zu gevär
sp. 2070; wer ist er? oder ist er kumen her uns zu geferde? Scherz 494 (
mit dat., wie bei gefär
sp. 2070); den von Nürmberg zu groszem geferde.
Nürnb. chr. 2, 131, 29; so versehent wir uns, das es
durch geverde geschehen si. Haltaus 609, Scherz 543,
aus dem Straszb. stadtr.; mit geværde Lexer 1, 956,
vgl. schon u. a und mit gefar
sp. 2062, mit gefär
sp. 2070; mit gevêrde sweren,
absichtlich falsch, nd. Sch.
u. L. 2, 93
b; Unfalo redt das mit geferdt.
Teuerd. 54, 52; vergebt, es ist nit mit geferde geschehen.
wegkürzer 77
a, Steinh.
Bocc. 87
b (mit gferd); rüst dich gar heimlich mit gefehrd, eh es dein anherr innen werd. H. Sachs III, 2, 229
d (1588 171
b),
mit list, nicht öffentlich, wie in folg. stelle; auch im plur.: ich sandt ein botten heim mit gferden. Murner
schelmenz. 16
b; were auch, das iemant mit geverden sein gut hingeben welte, es were seinen kinden oder seinen freunden .. das er welt dem gotshus sein recht abbrechen.
weisth. 1, 369,
wie die gifte mit geferden
unter c, α; (
was mangelt an der beschreibung) ist nit mit fleisz oder gefärden versaumpt, sondern aus unwissenheit unterlassen. Stumpf
Schweiz. chron. 672
a (Frisch 1, 239
a); welcher gestalt ich mit
gefährten hintergangen worden.
Simpl. 2, 98
Kurz. 1@ee)
namentlich aber ohne gefährde,
wie ohn gefähr. 1@e@aα)
so seit der mhd. zeit: umbe pfant (
wird bestimmt) .. daʒ sol der veiltrager in der stat ûf und nider tuon (
auf und ab tragen, zum verkauf) âne geværde, dar umbe daʒ diu selben pfant einem ieglîchen dester baʒ vergolten werden.
Meraner stadtr. 6, Haupt 6, 418,
dasz der möglichst höchste preis erzielt werde, soll er nicht etwa gassen umgehen, es dem ersten besten geben o. ähnl., was dem gepfändeten ze geværde
wäre, vgl. die erlaubten schläge âne gevêrde
im Kulm. recht unter a; eide swern âne geværde.
Dinkelsbühler stadtr. 23, Haupt 7, 100,
ohne hintergedanken; und sülen die meʒʒer (
kornmesser) .. meʒʒen âne geværde dem armen und dem rîchen und sülen daʒ chorn in die schaff schütten âne geværde und niht mit der hant drîn druchen (
drücken)
u. s. w. Augsb. stadtb. 52.
Später besonders mit getreulich
gleichsam verdeutlicht: alles getreulich und ohne gefährde
steht oft am schlusse der verfänglichsten gerichtsinstrumente. Schm. 1, 551; wie man in dem gemeinen sprichwort zu sagen pflegt 'treulich und ohne gefehrde'. Abele
unordn. 4, 411; dasz er alles getreulich und ohne gefährde erzehlete.
Pierot 3, 222.
wieder auch mit plur.: von narren kaufen on geferden. Murner
schelmenz. 64, 14.
auch mit sonder: sunder gevêrde.
Karlm. 455, 1; sonder argelist und gefärde. Stieler 402. alles treulich und sonder gefährde,
sans fraude. Rädlein 331
b.
in einer Mainzer urkunde von 1259
heiszt es einveldiclich unde slechtlich âne schalcheit
anz. des germ. mus. 1878
sp. 9. 1@e@bβ)
auch verstärkt, wie ohn alles
oder alle gefähr
sp. 2071: si (
die fleischhäckel) sullent ouch eim ieglîchen der fleisch koufen wil, ob er dar nâch frâget, sagen bî irn triuwen ân alleʒ geværde, wenne daʒ fleisch geslagen sî.
Meraner stadtr. 5, Haupt 6, 418,
ohne ausflüchte u. ä.; so sol er den span (
von dem in pfand genommenen hause) dem unterkäufel antwurten, und der sol den span in ainer kluppen offenlich auf dem margt an allʒ gevrd vail tragen.
Münchner stadtrecht (
herausg. von Auer)
art. 503,
wie im Meraner stadtrecht u. α; iedlichem sein gepürlich recht zu geben, getreulich und on alles geverd.
Nürnb. chron. 4, 232, 17; ich wünsch dir, fraw, an alles gefert alles das dein herz begert.
minnelied 15. jahrh., Schm.
2 1, 741;
[] und mit zugesetztem arge list
u. ä.: seitmals es das leben nit antraf und ohne alles arg und geferden beschehen, ward zu letst ein gelechter daraus.
Zimm. chr. 4, 128; inen zu überantworten ... ohne alle widerrede, arge list und gefehrde. Waissel
chron. 185
b.
s. auch nd. bei Sch.
u. L. 2, 93
b,
aber auch unter δ. 1@e@gγ)
aber auch ungefähr (
s. sp. 2070
fg.),
eigentlich ohne arg, durch bloszen zufall, bis ins 17.
jahrh.: da (
bei der festlichen gelegenheit, mit groszer menschenmenge) geschah
on geferd vor dem Newen tor, das des Toplers knecht .. und der herzogen von Sachsen trumeter .. riten
ongeverde gen ainander, und ranten von ganzen kreften .. und
ongeverde stieszent die pferd an ainander an die stirn, das si paide nider vieln und sturben an der stat.
Nürnb. chr. 4, 383; ich bin neulich gefallen, on geferde, in die geschichte des concilii zu Constenz. Luther 6, 318
b; das wild fellt oft on geferde ins netz.
Agricola spr. 126
b; hat sich aber ohne
geferdt gefuegt, das desselbigen tags wochenmarkt.
Zimmer. chr. 2, 82; fuegt sich ohne geferdt, das .. 4, 43; so findt der graf one
gefert ain diener aldo (
in Venedig), ain Deutschen. 4, 14;
saltuatim scribere, unordenlich schreiben, wie es eim on gefrd zfalt (
vergl.zufall) oder in kopf kumpt. Frisius 1175
b; do nam, die mich trg, ein püschelin strow, das on gfert in der stuben was, leit mich druf. Th. Platter 5; alles dasjenig ist nit ohn gefehrd oder mit betrug, sondern aus sonderlicher fürsehung gottes geschehen. Ayrer
proc. 1, 15,
nicht menschen sind schuld daran, ohne oder mit willen; dasz (
was) der würfel ohn gefrd geben hat,
quod cecidit forte. Henisch 974,
zur begrifflichen bezeichnung des zufalls (
vgl. unter gefallen); kom ohn gefährd ich einem für, der mir kont hilf verleihen. Weckherlin 139 (
ps. 31, 17). 1@e@dδ)
selbst die mit all
verstärkte wendung (
β)
mit diesem verdünnten begriffe, gleich '
ganz von ungefähr': ille venit insperato, on alle geferd. Melber
voc. n 1
b; in solchem ghen on alles geferd sich begab, das sie den stattknechten mit dem todten corpel bekamen (
begegneten). Steinhöwel
Bocc. 96
b,
c. 36 (
ital. per caso advenne); indess ist ain kriegsman .. der kellerin und dem gespenst ohn alle geverd begegnet.
Zimmerische chr. 2, 202.
vergl.on alles gefär
sp. 2071. 1@e@eε)
und schon im 15.
jh. auch mit un-
für ôn (
s. sp. 2071): insperato,
ungeferd. Melber
a. a. o.,
vgl. das. m 8
b inopinatum, ungemeint, ungedacht,
was ebenso ongemeint, ongedacht
heiszen kann (
ohne es zu denken),
war doch allenfalls selbst ungeferd
so participisch zu verstehen, zu gefähren (
s. d. 2),
wie es z. b. bei Henisch 1418, 43
scheint: unbedachtlich, ungeferd, unweislich,
inconsulto, inconsiderate, extempore, necopinato u. ä. (
unter gefert
gestellt); erzelter schusz geriet ungfert.
weim. jahrb. 6, 432.
Den übergang zeigt das zusammenschreiben: do was herr Reusz von Plawen .. ongeverd hinausz gegen Lauf geriten, und west nichtz von den gefangen.
Nürnb. chr. 2, 195,
ohne darauf gefaszt zu sein, ohne an so etwas zu denken; s. auch den wechsel der schreibung unter γ; so wechseln in der Zimm. chronik ongeferd
und ungeferd
und ohne geferd
u. ähnl. (
s. das register).
z. b.: hat sich mit fleisz ohngeferd begeben, das in allem danz die liechter sein verlescht worden. 3, 69,
anscheinend zufällig, doch mit absicht; kompt der Schott ungeferdt auch an die porten. 3, 147;
selbst unegeferdt 1, 424, 34.
und wie ungefehr auch ungefar schon im 15.
jh.: a. 1464 ward des Endorfers sun sein hand bei nacht abgeschlagen von der stat vogt ungefar.
Augsb. chr. 1, 330,
was doch Lexer 2, 1878
nicht als mhd. ansetzen sollte (
wegen ungefar
im lieders. s. gefahr
adj. 1). 22)
auch von der lage des gefährdeten, also wie gefähr
gleichfalls und unser gefahr (
s. d. II, 1,
c). 2@aa)
im 16.
jh. mit gefähr
und gefahr
gleich wechselnd: und (
die reisläufer) sehend nit uf kein geferd (
var. geferde) uf straf, verbott noch d'oberkeit. Ruff
etter Heini 164; schrihen: alhie ist kein gefert ( : herd).
P. Lewe 154 (
weim. jahrb. 6, 429); in wie vill groszer gferden ich oft bin gsin mins lybs und läbens. Th. Platter 3,
mit gen. des gefährdeten; in solchen geferden. Luther
br. 1, 350; wie grave Gotfriden .. ein grosze geferde in der Ill begegnet.
Zimm. chr. 3, 554; welches .. mer dann ain geschlecht in die euszerest gefrd und not het gebracht. 3, 514; an dem enthielt er sich mit höchsten sorgen und geferden die ganz nacht. 3, 3; mit groszer geferd seines lebens. 3, 11; probirt .. in allerlei gefehrde. Ringwald
ev. G 3
b.
[] 2@bb)
seltener schon im 17.
jh., wo gefahr
vordrang: stief-brüder man begehrt mit leib und seel
gefehrt. Opel
u. Cohn
30 jähr. kr. 400; éin wucher bringet nicht gefärde, den wirthe treiben mit der erde. Logau 1, 4, 15; die redligkeit ist gold, die heuchelei ist erde; zu suchen jen' ausz der darf kunst und hat gefährde. 2, 2, 6; es auf eine gefärde hinaus wagen,
pericula inire. Stieler 402. 2@cc)
seit dem 18.
jahrh. nur noch in alterthümelnder weise (
vgl. Adelung),
während das zeitwort davon frisch auflebt (
s.gefährden);
aber das fem. hatte nun den sieg, durch gefahr
veranlaszt: ohne gefährde der sämmtlichen damen und feen. Wieland 5, 57 (
Amadis 14, 16); ohne gefährde und schaden. 21, 28; gott! sei der schutz Zamors, sein retter in gefährde. Gotter 2, 448; unsre zufriedenheit bringt keine gefährde der welt. Göthe 1, 276 (
röm. el. 12); dasz weder seinem leben noch des prinzen noch irgend eines hier gefährde droht. Schiller
Turandot 4, 1; er liesz im buch und in den handschriften auf gefährd hin lücken offen, dasz er hineinschreiben könne was er wolle. Pestalozzi 2, 309,
in mundartlicher form, auf alle gefahr, auf alle fälle hin (
vgl.gefahr 3,
f, β); ein spielraum, dessen bedenklichkeit und gefährde wir uns nicht verhehlen können. 15, 351; sturm und meersgefährde. Platen 2, 26; diese maszregel war bei der unwahrscheinlichkeit neuer kriege ohne gefährde. Gervinus
gesch. d. 19.
jh. 1, 99. 33)
zum begriff und gebrauch ist noch zu vermerken, 3@aa)
dasz auch hier wie bei gefahr (
s. d. 3,
g)
und gefähr 2,
b der gesteigerte begriff wirklicher, nicht blosz drohender schade auftritt, s. schon unter a die schläge âne gevêrde,
zugleich als nicht beschädigende gemeint; mit schade
gesellt: so rupfen sie den adler (
des reiches), die in beschirmen solten, und der vögel meniklich richt im zu geferd und schaden. Meisterlin
Nürnb. chr. (
städtechr. 3) 58, 11,
wo zugleich noch die bed. 1
mit unterliegt; hat dise stat (
Rotweil) .. anfahen .. wie ein kreps an eim mentschen umb sich zu fressen. was dörfer und gueter sie an sich zogen, ... (
ist) denen vom adel, so noch allernechst umb sie gesessen, wol bewist, auch das deglichs mit irem groszen schaden und geferden noch erfaren.
Zimm. chr. 3, 350;
vergl. noch Wieland
unter 2,
c. ähnlich gefährde und not,
z. b.: in die euszereste geferde und not verfuert.
Zimm. chron. 2, 239. 3@bb)
und auch hier die verlegung ins innere (
s.gefähr 3, gefahr II, 4),
bedenken, eigentlich gefürchtete oder furcht vor gefährde, '
religio': so haben wir auf igliche artikel (
von Luthers bekenntnis in Augsburg) ein sonderliche und christliche meinung, wie zu halten sei, aufs kürtzte begriffen, des sich ein ieder fromer christ one alles
geferd oder
zweivel mag wissen zuhalten. Wimpina
u. a., Luther 5, 17
a.
nur an der beobachtung fehlt es, wie bei gefähr,
dasz davon mehr vorläge, während jenes noch in Östreich lebt. 3@cc)
merkwürdig aber auch adjectivisch, d. h. gleich gefähr (
das ja selbst auch subst. war),
in der bedeutung 1,
nachstellend, nachtrachtend: sie sint dem pfenning (
gelde) also gferd, als ob kein tag me wer uf erd. Brant
narr. 95, 36; die hund woren gern under der metzig (
dem schlachthause), sie sint dem blut geferd. Keisersb.
narrensch. 89 (Scherz 494).
s. schon sp. 2069
unter gefähr
adj. 2,
d aus dem Garg. und der hennebergischen mundart. 44)
zu beachten endlich eine mischung mit gefährt (gefährte)
n., treiben aller art, besonders auch arges, was sich, bei gleicher sprechform, mit gefährde 1
nahe berühren muszte: und sprach meniglich, es (
die erscheinung) were des bösen gaists geferdt und betruegnus.
Zimm. chron. 1, 30,
eigentlich des teufels fâra,
wie es ahd. hiesz, feindliche nachstellung, aber nach folgender stelle auch als gefährt
zu fassen; und mischt sich immerdar der bös gaist zu, der treibt dann sein gefert und gaukelspiel, bisz er ain unfal uszer dem andern laitet. 2, 326, 33,
wo doch unfal
wieder auch den begriff gefährde
heranzieht (treiben
ist bei beiden gebraucht); in den kunkelstuben do hat er (
der junker) vil geferts gehapt. 2, 374, 25,
lustiges treiben mit den mädchen, aber doch auch nachstellung, denn das hauptsächlich ist gemeint. auch im mnd. geverde
zeigt sich diese mischung, s. Sch.
u. L.
[] 2, 94
b,
z. b. auch von einem wunderliken geverde to Erferde
in einem kloster, einem gespenste; auch in dat geverde hebben
das. 94
a aus Wiggert 2, 19
klingt neben so und so verfahren doch auch an: die vorsicht brauchen, darauf achten.