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gefähr

nhd. bis sprichw. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gefähr

Bd. 4, Sp. 2068
gefähr , adj., infestus, obnoxius, periculosus, gleich dem seltneren gefahr (sp. 2060); mhd. gevære, ahd. gifâri Graff 3, 576, auch nhd. noch lange fortgeführt; mhd. nebenform geværic (ahd. fârig), noch bair. gefärig Schm. 1, 551, nd. 16. jahrh. geferich Sch. u. L. 2, 95a, auch gefer 2, 93b. ursprünglich wol adj. verb. zu vâren, ahd. fârên, s. wegen der bildung sp. 1617 (ε), wegen der bedeutung unter gefahr f. nhd. übrigens mit verschiedener schreibung. 11, 1@aa) im eigentlichen sinne: gefeer, infestus. Alberus Tt 1a, feindlich nachstellend, mit einem in feindschaft u. ä., mhd. vielfach im kriegsleben, z. b. von überfällen, angriffen; mit dativ einem gefähr sein (vgl. feind und gefehr nachher bei Luther): gottes dienst hand si (die städte) gewendt und manige kirchen ausgeprennt, den hailigen sind geväre. Uhland volksl. 428; die vierd aigenschaft des häslin ist, das die hund dem häslin gefär seind. das bedeütt uns, das die hellischen hund, die teufel, den guoten gaistlichen menschen als gefär seind. Keisersberg has im pf. 1510 Aa 6b; die dann dem herren allwegen allergeferest und strengest doruf waren. post. 1, 7 (Scherz 494), wo es adv. zu doruf scheint (s. u. b von eifer auf etwas); als ob ihn der teüfel mer gefär sei dann sunst. Frank weltb. 133a; sie (die wölfe) sind den schafen so gefehr. Alberus Es. 97; der murnarr ist uns (mäusen) gar gefehr. 164; wie auch Xenophon schreibt, das Cyaxares dem Cyro gefehr gewesen. J. Jonas, Melanchthons pr. Daniel ausgel. deutsch Witt. 1546 s. 43; da wirstu finden, nicht allein frembde oder böse buben, sondern auch deine nehesten und besten freunde .. die dir gefehr und gram sein. Luther 6, 194a; sonst würden sie beide im und uns der person halben nicht so feind und gefehr sein. ders. bei Dietz 2, 35b, in stabreimender formel; dær mir gefær on uorsach war. Melissus ps. C 1b; den pawren war ich auch gefehr, that inen allerlei beschwer. Ringw. tr. Eck. G 2b; das ich euch (der sperling seine kinder) getrewlich warn und lehr, womit ander euch sein gefehr, womit man ewerm leben stellt, ehe denn ihr reiset in die welt. Rollenhagen froschm. Aa 5a. der ursprüngliche begriff des auflauerns als feind tritt auch nhd. noch deutlich auf, vgl. gefahr f. II, 1. noch im 18. jahrh. nach Frischs angabe 1, 239b 'einem gefähr seyn, insidiari, wird noch von einigen gesagt', s. aus mundarten unter b. 1@bb) manigfach übertragen auf andere verhältnisse, schon mhd.; eine krankheit z. b. ist mir gefähr, ich bin ihr ausgesetzt (vergl. die umgekehrte wendung unter 3): wiewol es den männern auch nützlich ist, denen das därmgegicht und krimmen gefehr ist. Tabern. (1588) 47. pferde dem kalten wasser, mäuse dem salze, stellen ihm nach: die pferde stecken den kopf (beim trinken) .. bis in die helfte in das wasser hinein, denn sie sind der kälte und feuchte von wegen ihrer hitzigen und truckenen complexion (s. unter kalt 3) sehr gefähr. Uffenbach 2, 4; man soll auf den höfen das salz wol verwahren, damit die mäuse nicht dazu kommen, als welchem sie sehr gefähr sein und allenthalben aufsuchen. Hohberg 3, 1, 63b. so noch z. b. westerwäldisch einer sache gföhr sein, sehr nachstellen, z. b. dat könd es dem geld sehr geföhr Schmidt 65, schwäb. gefähr Schmid 178, auch elsässisch; bair. die katze ist dem speck gefähr, darauf erpicht, auch der junge ist dem studieren nicht sehr gefähr, s. Schm. 1, 551. Mhd. z. b. so dem guote gevære, wie vâren und das subst. vâre von allerlei trachten, nachtrachten: (pfaffen, fürsten) seind dem guote mehr gefehre, dann heiliger und geistlicher lehre. Renner Frankf. 1549 s. 15, und noch im 16. jahrh. dem golde gefär sein: ach, wa vermag doch dis das gold, dem man doch ist so gfär und hold. Fischart 3, 24 Kurz. auch von neugier, die heimlichkeiten u. ä. nachstellt: wie wol es ist, das die frömbden nit wissen von den sachen der oberen (obrigkeit), das sie diesem gevär seind, nôch dem (deshalb) so wissen wir stattlüt das allein. Keisersb. post. 2, 84 (Scherz 493), wo im zweiten satze mit das das nit nachwirkt. 1@cc) auch von unredlichem thun, untreue u. ähnl.: ich sprach, junkfraw, ir seit mir gfer, nun ger ich doch von euch nit mer u. s. w. Folz ein pulschaft, Haupt 8, 512, d. h. ihr wollt mich boshafter weise nicht verstehen, verfahrt nicht redlich mit mir, es ist eigentlich wie mit den 'insidiae verborum' im rechtswesen (s. sp. 2063 fg.). auch als adv., in untreuer weise: gedenke doch der zeit, da wir verbunden waren .. mit höchster einigkeit. wie läst du nun den rauschen (fahren) den eifer (eifrige freundschaft) so gefehr? Rist Parn. 718. 1@dd) bemerkenswert ist, wie doch das sprachbewusztsein in dem adj. unsicher wurde und sich zu helfen suchte: darum ist kein wunder, das die kriegsknecht den klöstern so gefähr seind. Garg. 1594 253a, in der ausg. von 1617 aber so gefärd sind (Scheible 478), und so schon viel früher geferd bei Brant, Keisersberg, s. unter gefährde 3, c sp. 2077; d. h. das adj. mischte sich mit dem subst. und trat auch darein über, und so ist auch das gefehr bei Alberus Es. 164 unter 1, a mit groszem anfangsbuchstaben als das subst. gefaszt, etwa wie jetzt das ist eine gefahr für uns (ein ähnlicher fall sp. 2035). aber auch participisch umgebildet oder verstanden, noch henneb. einem gefährt sein, feind oder aufsäszig Reinwald 1, 41. 2, 48. 22) aber auch umgekehrt einer krankheit gefähr sein, gefährlich ausgesetzt: die esel sein den siechtagen (dieser krankheit) nicht so gefähr. Sebiz 488 u. ö.; s. bei dems. ebenso gefahr 2 sp. 2060 fg. 33) auch gleich gefährlich, gefahrbringend, gefahrvoll; eine alte drohet einem mit krankheiten, die sie ihm 'thun' wolle: ich wil dir die der (d. i. derre, darre) thuen .. geferen swintel, külsen und fueszspar. fastn. sp. 993, 12; vil ein geferern krieg fret der adler mit dem dracken .. weil der drack des adlers art (dat.) gefar ist, vervolgt in der adler wa er in ankumpt. S. Frank chron. 1536 1, 158a; so vil gefärer ist nun dise geistliche doppel welt dann jhene, wie vil heimischer. chron. 254b; denn an dem see wer sehr gefehr also sicher spatziren her. froschmeus. F 6a (I, 1, 9). noch spät im 17. jh. in den unechten zuthaten zum Simpl.: des teufels gefähre nachstellung. 1685 1, 366; und wird es heute für ein stück der beredtsamkeit und besonders edle gabe gehalten, wann einer ... von groszen streichen, herrlichen thaten, gefähren reisen ... daher zu lügen weisz. 1, 520; was für schwere und gefähre bürden gemeiniglich die hohen ehren und würden nach sich ziehen. 1, 150; sich freiheit erhalten ist thoren nur schwer, sie wieder erhalten ist weisen gefähr (klein geschrieben). Herder 8, 100.
6695 Zeichen · 186 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    gefähr

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +2 Parallelbelege

    gefähr , adj., infestus, obnoxius, periculosus, gleich dem seltneren gefahr ( sp. 2060); mhd. gevære, ahd. gifâri Graff …

  2. modern
    Dialekt
    gefährAdj.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    ge-fähr Adj. : jemandem g. sein 'jemandem nachstellen'; einem Ding g. sein 'auf etwas versessen sein', gefähʳ seiⁿ [(193…

  3. Sprichwörter
    Gefähr

    Wander (Sprichwörter)

    Gefähr Anderer Gefähr sei deine Lehr'. – Körte, 1845. Frz. : Belle doctrine met en lui qui se châtoye par autrui.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gefaehr

28 Bildungen · 23 Erstglied · 2 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von gefaehr

ge- + faehr

gefaehr leitet sich vom Lemma faehr ab mit Präfix ge-.

gefaehr‑ als Erstglied (23 von 23)

gefährde

DWB

gefährde , f. n. eig. nur vollere nebenform von gefähr f. n. ( vergl. d. und sp. 1616), die sich doch länger gehalten hat und auch etwas frü…

Gefährde (bis ins 18. Jh.)

DERW

Gefährde (bis ins 18. Jh.), F., ›List, Be- trug‹, mhd. gevürde, F., ›Hinterlist, Be- trug‹, Deutschenspiegel um 1275, s. Gefahr

Gefährdeeid

DERW

gefaehrde·eid

Gefährdeeid, M., ›Gefährdeeid‹ 15. Jh. (1484 Nürnberg) Lüs. lat. iuramentum calumniae, N., ›Gefährdeeid‹, s. Gefährde, Eid gefährden, V., ›i…

gefährdeid

DWB

gefährdeid , m. gefärdeid, juramentum calumniae, eid vor gefärde. Stieler 364 ; s. gefährde 1, c, γ sp. 2074.

gefährden

DWB

gefaehr·den

gefährden , zeitwort zu gefährde, wie gefähren, gefahren zu gefähr, gefahr. 1 1) mhd. geværden, doch selten ( nicht in den wbb. ); reflexivi…

gefährdlich

DWB

gefährdlich , adj. zu gefährde, wie gefährlich zu gefahr; ein mittelbares zeugnis gibt verdligkeit im 16. jahrh. s. unter fährlichkeit .

gefährdung

DWB

gefaehr·dung

gefährdung , f. subst. verb. zu gefährden, seit kurzem sehr geläufig ( s. gefährden 3), z. b.: man war ohne sonstige gefährdung ( durch den …

Gefährdungsdelikt

DERW

gefaehrdung·s·delikt

Gefährdungsdelikt, N., ›Delikt zu dessen Verwirklichung die Herbeiführung einer Gefahrenlage für das im Tatbestand vor- ausgesetzte Schutzob…

Gefährdungshaftung

DERW

gefaehrdung·s·haftung

Gefährdungshaftung, F., ›einseitig ver- pflichtendes gesetzliches Schuldverhältnis in dessen Rahmen Ersatz zu leisten ist wenn durch eine ab…

gefähren

DWB

gef·aehren

gefähren , wesentlich gleich gefahren, mhd. nur væren belegt ( vgl. unter 1, b ) nebst erværen ( noch nhd. erfähren), ahd. neben fârên auch …

gefährlich

DWB

gefaehr·lich

gefährlich , adj. zu gefahr, aber eben so gut zu gefähr und zu gefahren oder gefähren, ja auch zu den adj. gefahr und gefähr, als adv. I I. …

gefährlichen

DWB

gefaehr·lichen

gefährlichen , altes adv. zum vorigen, mhd. gevârlîchen ( s. unter gefährlich), noch nhd. bis ins 17. jahrh.: das alles geferlichen was ( au…

gefährlichkeit

DWB

gefaehrlich·keit

gefährlichkeit , f. subst. zum vorigen, noch nicht mhd., im 16. jh. auch noch gefärlichheit Dasyp. 55 a . 337 a ( s. u. keit), gevarligkeit …

gefährte

DWB

gefährte , m. fahrtgenosse, mhd. geverte, ahd. giferto ( eigentlich gifertio), auch noch kafarto, s. Graff 3, 585 , aus fart f. mit dem zusa…

gefährten

DWB

gefaehr·ten

gefährten , zeitwort zu der gefährte, wie gesellen zu geselle, sich gefährten, sich gesellen, als gefährte vertragen; Sertorius erklärt: Aug…

gefährtenlos

DWB

gefaehrten·los

gefährtenlos , ohne gefährten, unbegleitet: aber nicht gefährtenlos soll er sinken, viele müssen ihn jetzt begleiten. Fr. Müller 1, 368 .

Gefährte(tin)

LDWB2

gefaehrte·tin

Ge|fähr|te(-tin) m./f. 1 compagn(-a) m.(f.) 2 (Freund) amich(-ca) m.(f.) 3 (Partner) partner(-a) m.(f.)

gefährtin

DWB

gefaehr·tin

gefährtin , f. weiblicher gefährte ( s. d. 4, das mhd. gevertîn Frauenlob 233, 4 ist sehr fraglich ): die schönheit hat gemeiniglich die hof…

Gefährts

LothWB

Ge-fährts [-férts Lix. u. s. ; –fér D. ; –fíər Si. ] n. das Gefährte, Fuhrwesen, Fuhrwerk: wat as dat fir e G.? D. Si. Ich wäre misse met em…

gefährtschaft

DWB

gefaehrt·schaft

gefährtschaft , f. reisegesellschaft ( s. gefährte m. 1, b ): doch weil euch gfelt mein gfertschaft wol, so will ich euch ein gferten geben …

gefährung

DWB

gefaehr·ung

gefährung , f. fraudatio Steinbach 1, 408 , dolus, fraus Aler 860 a , gefährung eines worts, laqueus verbi ders., s. unter gefähren 1, b.

gefaehr als Zweitglied (2 von 2)

ohngefähr

DWB

ohngefähr , adv. , auch als adj. und substantiv verwendet. die entstehung des wortes aus mhd. ân gevære, die bedeutungsentwickelung und die …

ungefähr

DWB

ung·e·faehr

ungefähr , adv. (I), adj. (II), subst. (III). die entstehung aus älterem âne vâr(e), âne gevær(e) ist th. 3, 1246; 4, 1, 1, 2070 ff.; 7, 121…

Ableitungen von gefaehr (3 von 3)

Gefähre

RhWB

Ge-fähre gəfīr Saarbr-Köllert ; -fīăr, –ēă-, Pl. -rər Saarbg , Trier , Bitb , Prüm ; -fēər Siegld ; -fEr, –ēə- OMosfrk, Rip, Berg, SNfrk bis…

ungefähr

DWB

ungefähr , adv. (I), adj. (II), subst. (III). die entstehung aus älterem âne vâr(e), âne gevær(e) ist th. 3, 1246; 4, 1, 1, 2070 ff.; 7, 121…

ungefährlich

DWB

ungefährlich , adj. adv. , gegentheil von gefährlich, doch bes. in bedeutung 3 selbständiger und reicher entwickelt als dieses, deutlich auf…