gedränge,
n. ,
collectivum zu drang
oder subst. verb. zu dringen (
vergl.gedrang m.),
jetzt aber als zu drängen
gehörig empfunden, welchem umstande auch das festhalten des -e
zu danken ist (
z. b. neben getränk,
s. sp. 1610
unter β und 1616
unter δ);
ahd. gidrengi Graff 5, 263,
mhd. gedrenge.
oberd. auch dreng (
s. d.),
d. h. mit verschlucktem ge-,
daher genauer treng (
s. sp. 1606
fg.),
wie bei Maaler,
der doch auch tringen
schreibt, wie getreng Schönsl. Kk 2
d. gedrenge
auch noch im 18.
jahrh. bei Liscow, Lessing.
mnd. entspricht gedrangete
n. (
s. sp. 1610
γ). 11)
verstärkter oder wiederholter drang
oder dringen (
jetzt drängen). 1@aa)
premor, pressura, drank, getrenge (
so zu lesen). Mones
anz. 7, 299;
z. b. gedränge
in uns, inwendiges: diser mensch kompt etwan darzu, das er wenet, sein herz musz im brechen
von inwendigem getreng, das sein natur von solichem inbluten und abwurgen leiden musz. Keisersb.
seelenpar. 32
a,
vgl. bei demselben unter gedrang 4 'inwendiger getrang',
ein gleichsam feindlicher drang, andrang; doch kann in erster stelle der heutige begriff mitgemeint sein; s. aber auch das entsprechende mnd. gedrangete
für rechtliche beeinträchtigung, bedrängung bei Sch.
u. L. 2, 30
b,
gleich gedrang 3. 1@bb) gedränge
wie es von einer menge ausgeübt wird, unter sich wie auf den einzelnen: begert, das man den chor mit einer brustgewer verschlagen wolt, domit das getreng nit so grosz würd. S. Brant
s. 200
b Z., bei einer bischofsweihe im Straszburger münster; wann sie (
die verwundeten) also under den andern im gedreng auf dem wagen sitzen. Kirchhof
mil. disc. 118; gott leidet kein gedreng im menschen,
d. i. er will allein im herzen wohnen. Henisch 1408,
was auf Eckhart
zurückgeht: got der enlîdet enkein getrenge. 148, 25,
will allein und ungedrängt sein; wo das gedränge am gröszesten war, da drang er sich hinein. Ludwig 706,
man bemerke das drang
noch im 18.
jh., wo jetzt nur drängte
gesagt wird; um einen arzt und seine bühne stand mit erstaunungsvoller miene die leicht betrogne menge in lobendem gedrenge. Lessing 1, 59,
indem sie sich lobend um seine schaubühne drängen, denn es gehört natürlich auch zu sich drängen; ein Orpheus spielte, rings um ihn, mit lauschendem gedrenge stand die erstaunte menge.
ebenda; küchlein in frohem gedräng' und das perlhuhn pickten der jungfrau brot aus der hand Voss
Luise 1, 9. 1@cc) gedränge um
oder nach etwas,
bewerbung oder bemühung mit gedränge: es ward daʒ gedreng so grosz um daʒ (
zu liefernde) flaisch, daʒ man die gemein an éiner stat mit flaisch nit gespeisen mocht.
Nürnb. chron. 2, 308, 20; es ist nicht viel gedränge nach der waare. Adelung. es ist das treng um sie,
die freyer drengen sich nach ihr. Frisch 1, 207
b,
man bemerke den bestimmten artikel; vergl. von einem wirte, um dessen wein gedränge ist: wenn er im hawse hat vil trunkgest, das im das haws wil werden zu enge, und vor dem keller hat ein gedrenge, so sleicht er zu mit flaschen vol brunnen. Rosenblut,
fastn. sp. 1112. 22)
zugleich die drängende oder sich drängende menge selber, was doch begrifflich vom vorigen meist nicht zu trennen ist: maszen ich mich selbsten auch ins geträng schraubte, zuvernehmen was es da abgeben würde.
Simpl. 1713 3, 233; es war ein groszes gedräng auf dem Marcusplatze. Schiller IV, 200, 12,
in spätern ausg. gedränge; er verlor sich in dem gedränge. 200, 29; das gedränge risz ihn weg. 207, 3; doch wo die spur, die aus der menge, der völker flutendem gedränge .. den schwarzen thäter kenntlich macht? XI, 242.
das völlige übertreten ins concrete ist im folgenden recht klar: alles wimmelnde gedränge eilet nun dem lande zu. Göthe 40, 421 (
Pandora); zum anger eilt im blökenden gedränge, voll übermuth, der stier mit seiner kuh. Schmidt von Wern.,
alm. 1802
s. 22; dort lag der schiffe zahlenlos gedränge. Schiller VI, 348. 33)
bemerkenswert erscheint besonders noch folgendes: 3@aa)
von alters her namentlich auch vom gedränge im kampfe, wenns zum '
handgemenge'
kommt, schon ahd. githrengi Otfr. IV, 17, 10,
mhd. strîtes gedrenge
Parz. 339, 7: erst kômen sie (
die Böhmen) in ein gezweng, do ward umb sie ein grosz getreng, ir huf der wolt in werden klein. Hans Schnider,
die kön. schlacht 1504, Liliencron 2, 548
a,
zugleich bedrängung, bedrängnis; rant (
d. h. ritt) in das allergröst gedreng.
Aimon g; und da Reinhart durch das gedreng was.
das. n; kurz von der sache zu reden, der prinz kam in das gedränge, dasz er mehr maulschellen einfrasz, als er unterthanen hatte. Chr. Weise
erzn. 230,
zugleich schon mehr bildlich nach 4; doch nun zurück, wo Rüdiger der held mit Rodomonten blieb im kampfgedränge. Gries
Bojardo 3, 5, 2. 3@bb) gedränge der welt, des hofes
u. ähnl., unruhiges treiben, durcheinandertreiben u. ä., entnommen von dem drängenden treiben auf dem markte u. ä.: seit ich, frei vom gedränge des hofes, müszig geh. Canitz (1734) 268; edle seelen entdecken einander mitten in dem gedränge der welt. Gellert;
dafür auch blosz gedränge: gieb, dasz ich beim gedräng noch still und einsam sei! Cronegk 2, 39; das prächtige gedräng mühsamer eitelkeiten soll mein erstarrtes herz zu keinem wunsch verleiten. 2, 18,
ich bin stumpf geworden gegen den reiz der höfischen weltlust; vergl. hofgedränge
bei Göthe: im dichten, bunten hofgedränge. 41, 71 (
Faust, 2.
theil).
er braucht es auch sonst noch, doch im besten sinne, von dem treiben lebhafter, froher tage: zerstoben ist das freundliche gedränge .. mein leid ertönt der unbekannten menge. 12, 5 (
Faust, zueignung); jenes süsze gedränge der leichtesten irdischen tage. 1, 316 (
Euphros.). 3@cc)
übertragen auf anderes, das in bewegter menge erscheint. hübsch z. b. von den atomen: doch du, o seele! wirst du bleiben? wie? oder must du mit vergehn? ist denn dein stoff auch ein gedränge, von teilen ungezählter mänge, als wie ein körper, zugericht? Drollinger 18.
von den weltkörpern in ihrer durcheinanderbewegung: wir (
auf unsrer erde) sind nicht im mittelpunkt, sondern im gedränge, wir schiffen, wie andre erden, im strom umher und haben kein maas der vergleichung. Herder
id. (1784) 1, 11.
von gedanken, worten: das gedrenge der gedanken, von denen immer einer eher als der andere heraus will, ist so grosz in dem gehirn dieser unglückseligen, dasz
u. s. w. Liscow 554; und ein gedräng der worte (
in Odysseus munde), wie stöbernde winterflocken. Voss
Il. 3, 222. 44)
als redensart geläufig ist ins gedränge kommen (
u. ä.),
in arctum desilire, inter malleum et incudem esse Aler 856
b,
in discrimen venire, angi Frisch 1, 207
a,
wie in die enge, klemme. 4@aa)
die entstehung aus dem kampfgedränge hauptsächlich blickt noch aus folgendem heraus: wenn jemand deinen leib in das gedränge brächte, da auf einer seite ein kopfstosz, auf der andern eine haarhusche erfolgte. Weise
kl. leute 304: da sie (
die Karthager) .. dabei mit völkern ins gedränge kamen, die sich nicht mehr als barbaren behandeln lieszen. Herder
ideen 3, 106 (1787),
in schwierige verhältnisse, reibungen; im gedränge zwischen den Schweden und den Kaiserlichen bot endlich herzog Georg von Lüneburg der landgräfin seine vermittelung
an. Schlosser
weltg. 14, 297. 4@bb)
in übertragung auf allerlei andere verhältnisse: ich darf mein kloster nicht ins gedränge bringen. Gotter 3, 113,
mit hereinziehen lassen in die schwierige lage; hüben hell und drüben helle, ja die nacht kommt ins gedränge. Göthe 5, 226 (
div.); hier kommt die strafgerechtigkeit ins gedränge. Kant 5, 173; wenn man sich (
beim denken) im gedränge sieht und sich in seinen speculationen weder zu rathen noch zu helfen weisz. 3, 300; bei der gröszten wahrheitsliebe kommt derjenige, der vom absurden rechenschaft geben soll, immer ins gedränge. Göthe 28, 111 (
it. reise),
in schwierigkeiten, hindernisse, die eine auskunft unmöglich zu machen scheinen. im 17.
jh. gibt Henisch 1408
als redensart ich wil nicht mehr ins gedreng,
nicht mehr verbunden (
d. h. gebunden)
sein, nolo iterum antiquo me includere ludo; bei Stieler 338 sich aus dem gedränge heraus reiszen,
emergere ex malis, asserere se in libertatem. 4@cc)
auch ausgeführter: die vernunft sieht sich in einem gedränge von gründen und gegengründen befangen. Kant 2, 371,
die sich drängen und den denker ins enge drängen; sich aus dem gedränge von gründen und gegengründen heraus wickeln. 5, 379; während so die gemäszigte partei ... sich zwischen Sigmund und den fanatikern im gedränge fanden. Schlosser
weltg. 9, 188; das criminalgericht sah sich zwischen dem neuen kaiser und der öffentlichen stimmung .. im gedränge.
gesch. des 18.
jh. 6, 506.
auch mit
wird verwendet: die lust kommt ins gedräng mit ihrem stolz. Wieland
Oberon 11, 65,
wo man jetzt conflict
liebt, wie in manchen andern fällen hier; wie viele berühmte .. schriftsteller kamen .. mit ihrem ruhm ins gedränge. Klinger 11, 143,
wo zugleich der ruhm
das bedrängte ist; er kam deshalb beständig mit seinen ausgaben ins gedränge. Schlosser
weltg. 7, 327. 55)
ganz ungewöhnlich im pl.: aus den gedrängen der ämter gezogen. Hippel 10, 213,
bedrängungen, bedrängenden ansprüchen.