gatter,
m. f. n. cancelli. II.
Form und nebenformen. I@11, I@1@aa)
die hauptform selbst ist ziemlich manigfach, vermutlich von alters her, obwol ahd. aus den paar zeugnissen bei Graff 4, 144
wenig sicher zu entnehmen ist, als etwa ein schwaches m. kataro, gataro;
die anlässe zur niederschrift brachten es mit sich, dasz von nicht abstractem das wenigste zur verzeichnung kam. auch die mhd. überlieferung (
s. wb. 1, 489)
wird nicht vollständig sein, nachgewiesen sind ein starkes und schwaches m. gater (gatere)
und ein starkes n. gater. I@1@bb)
stark und schwach wechseln noch nhd., z. b. in dem von W. Grimm
ausgezogenen rollwagenbüchlein Wickrams
steht auf derselben s. 25 (
vgl. unter II, 3,
a) wie er einen
gattern antraf
und thut den gatter zuletzt selbst auf (und er solt im
das gatter aufthun),
wo die ausg. von Kurz
s. 23
durchaus den gatter
hat. noch geben aus Baiern Schmeller 2, 80,
aus Österreich Höfer 1, 275,
aus Tirol Schöpf 178 der gatter
und der gattern
neben einander, das zweite als das häufigere, mit dem -n
in den nom. vorgedrungen, wie auch anderwärts, z. b. in Frankfurt a. M.; ein östr. nom. ein
gattern aus dem 15.
jh. bei Lexer 1, 744,
aus einem Nürnb. nom. von 1530
bei Dief. 94
b,
aus dem 15.
jh. rhein. gattern, gadern 125
c. I@1@cc)
wenn jetzt schriftdeutsch das n. herscht, wie es Adelung
allein ansetzt (
entsprechend der obersächsischen mundart),
auch M. Kramer 1787,
vorher Ludwig, Schmotther,
so braucht doch z. b. noch Göthe
sein heimisches m.: ein scheinbarer fallgatter. 43, 66 (III, 1287
unrichtig scheinbares).
von wbb. geben noch im 18.
jahrh. Rädlein, Steinbach,
Frisch nur m. an, wie im 17. Stieler,
M. Krämer, Henisch,
es ist auch in den mundarten das weitaus vorherschende, schweiz., schwäb.; das n. bei schriftstellern z. b.: nun stiegen sie über das gatter. Voss
Luise 1795 1, 602;
ein beispiel aus dem 16.
jh. unter b, mhd. ist zur zeit nur einmal daʒ geter
nachgewiesen (
s.gätter).
auch Luther
mag in folg. das n. meinen: und fiengen in (
den löwen) in iren gruben und stieszen in gebunden in ein gatter.
Hesek. 19, 9,
vulg. caveam,
einen käfig, vgl. II, 6,
b. I@1@dd)
aber auch fem. besteht; wie schon ahd. Graff
ein gatara
für möglich hält, so im 15.
jh. gatter
f., schwachformig: die ein (pforte) het ein schoszgattern. under der liesz er seinen trabanten .. stehn (
als wache), besorgent, wen die bürger ir masz darin hetten (
zu befehlen hätten), möchten sie die gattern vallen lassen.
Wilw. v. Schaumb. 117.
noch gibt aus Kärnten Lexer 110 die gàtter
neben der gàtter (
und das gátter,
s.gätter),
aus Aachen die ga'r (
d. i. gader) Müller
u. Weitz 62,
vgl. rhein. die underste gader II, 2,
a; auch nd. im Götting. gâder
f., ein aus flachen holzstäben zusammengesetztes gitterförmiges kuchenbret. Schamb. 58
a.
vgl. das fem. unter gätter 3,
auch Rückert
unter II, 4,
b. I@1@ee)
der plur. ist bei Adelung, Steinbach gatter (
beim letztern als m.),
schwachformig gattern
z. b. Nürnb. wb. mit bildern 69
a,
zum starken m. aber auch mit umlaut gätter Tobler 215
a,
z. b. fallgätter
Amadis 75,
vgl. östr. unter II, 4,
a, getter
alem. z. b. weisth. 1, 204. 5, 161,
vgl. Lexer 1, 744;
es mischt sich freilich mit dem plur. von gätter. I@22, I@2@aa)
mit einfachem t
gater erscheint bis ins 16.
jh.: gater,
cancellus. voc. inc. teut. h iij
a,
bei Dief. 94
b gater, gatir
aus mehreren vocc.; im 16.
jh. z. b. bei H. Sachs: ein pauer wolt gwinnen ein gfatern. da pekam im vor seinem gatern (
s. II, 3,
a) unser hergot. R. Bechsteins
d. mus. 1, 182; den schuszgater mit schaden lieszen sie fallen nun. Körners
hist. volksl. 267 (1587).
so wird es auch an der verlängerung gâter
nicht gefehlt haben, z. b. in dem reime gatern: hadern III, 3,
c, wie nd. gâder
unter 1,
d (
vgl. gâte
gleich gatte
dort unter I, 2). I@2@bb)
im rhein. gebiete mit d,
wie z. b. gade
für gatte (
s. d. I, 3):
posticinum, gader. Nyerup symb. 318 (
um 1100); ist der hoffmann gedultig (
d. h. will er den durchgang durch seinen hof dulden), so sollen sie den wegh halten durch den hoff (
nicht daneben treten) und den gader nach ihnen zu thun.
weisth. 2, 396,
von der Mosel, 16.
jh., vgl. die gader II, 2,
a, auch bei Dief. 94
b. 125
c gader, gadir. I@2@cc)
niederd. gadder
Brem. wb. 2, 473, Dähnert 139
a,
schon im 16.
jh. Chytraeus 57,
im 15.
jh. bei Dief. 94
b. 126
a aber auch gaddre
und merkwürdig goder 94
b.
auszerdem nur nl. bei Kil. 147
b ghæerde van yser,
clatrum ferreum, und plur. gheerden, tralien,
clathri, cancelli, treillis (
diesz auch bei Junius
nom. 161
a),
mit gaerde
virga vermischt durch umsprung von d
und r. I@33)
der ursprung ist unsicher, die ableitung von 'gatten
verbinden',
die Scherz 477
und Adelung
gaben, äuszerlich ansprechend, sodasz urspr. das verbinden der stäbe damit bezeichnet wäre, s. u. gatte III, 2;
vgl. was Diefenbach
goth. wb. 2, 375. 374
weiter beibringt. s. auch gitter. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11) gatter
ist wesentlich ein aus stäben, latten u. ä. hergestellter verschlusz mit lücken, im unterschiede von thür
und thor,
die aus sich anschlieszenden oder eingefugten bretern bestehn. wie die stäbe stehn, ob neben einander oder gekreuzt, oder auch über einander liegend, ist dem begriffe jetzt gleichgültig, doch fehlt wenigstens eine kreuzende latte fast nie; im 13.
jahrh. aber wird das kreuzen, verschränken auch als dem gater
wesentlich gedacht nach folg., von einem mantel der mit borten gatterförmig benäht, gegatert
ist (
vgl.gätter 2,
e am ende): edele borten von Arâbî ... (
die man) gegateret drûf hete genât. dâ der gater zesamene gât, dâ sîn der nagel solde, daʒ was ein buckel von golde.
Mai 41, 4
ff., vgl. Lichtenst. 296, 29
ff., der gater,
das ganze gitterwerk (
vgl. II, 7
und gättern 2),
vielleicht wesentlich nach den stellen der kreuzung benannt, wo die nägel sitzen, was denn mit dem angenommenen ursprunge (I, 3)
ganz wol stimmt. begrifflich verallgemeinert bei Maaler 158
a: gatter (der),
es seye von holz oder von eysen, crates, wo denn nach dem lat. worte der begriff des verschränkens oder verflechtens entschieden auftritt. ebenso im voc. th. 1482: gatter oder schrank,
cancellus, clautrum, clatrum k iij
a (schrank, gytter,
cancellus cc 8
b),
wie bei Engelhusen gatter, sranke,
cancellus Mones
anz. 7, 299
b,
denn schrank
meint da verschränktes überhaupt. II@22)
hauptsächlich ein solcher verschlusz als thüre, aber doch wesentlich von thür
verschieden: in welcher weise ursprünglich, wäre nötig, ist aber schwer zu ermitteln. II@2@aa)
die paar ahd. zeugnisse bezeichnen ihn neben ostia besonders als valva, das Aachener wort aber (
s. I, 1,
d)
wird als '
halbe thür aus latten'
erklärt, d. h. halb der höhe nach, nicht der breite nach wie valva
thürflügel, das lat. wort scheint in den alten glossen auf die letztere thürform übertragen. nach dem folg. scheinen aber beide stücke der halbierten thüre, auch das obere, rhein. die gader
geheiszen zu haben: die knecht (
als theilnehmer des feierlichen kesessens
in dem klostergute) .. kommen alle mit sambt dem konig (
den sie aus sich gewählt, s. könig 10,
d) vor die hausthuer, alsdann der pater schaffener (
sie empfangend) .. in dem haus stehet, die underste gader oder thuer zuhalt, und fragt die knecht, was ihr begehren were.
weisth. 2, 509,
von der Mosel (
vom j. 1580). II@2@bb)
übrigens ist da wol die gader
von thür
verschieden, ein gatter das auch bei geöffneter thüre doch einen halben verschlusz herstellt und dicht hinter der thüre angebracht ist, wie mans noch in bauerhäusern sieht (
vgl. unter gatterthür
aus dem öcon. lex.); als Immo das gatter öffnete, welches bei tage den untern theil der thüröffnung verschlosz, fand er im hausflur ... Freytag
ahnen 2, 320.
daraus begreift sich ein nrh. sprichwort: wer seinn finger zwischen angel und thür, oder wie die Cölner sagen, zwischen thür und gaddern steckt, der klempt sich gern. Frank
spr. 2, 131
b; wer seine finger zwischen thür und gadder steckt, der klemmet sich gern. Henisch 1100, 60. II@2@cc)
der '
halben thür'
ähnlich ist gatter
als kleine thüre bezeichnet: gater,
hostiolum .. vel thurlin.
voc. inc. teut. h iij
a; so muosz der, desse das guot (
d. h. acker oder wiese) ist, ein thürle oder gatter in eeren halten. Maaler 96
d (
s. das ganze unter ehefade),
d. h. eine gatterthür in ungefähr halber mannshöhe, in eeren
gleich in gutem stande. II@33)
vorzugsweis als gatterthür im hofzaun oder der hofmauer, das mag seine ursprüngliche bestimmung sein; vgl. unter gasse III, 1,
c die nordische, noch einfachere einrichtung der zaunlochstäbe, die dem gater
vorausgegangen sein könnte. II@3@aa)
im 13.
jh. erscheint der gater
auch als hinterthür im gegensatz zum vordern tor
eines hofes im Helbling 1, 692
fg., wo räuber in dem überfallenen hofe ein feuer mit allerlei holzwerk nähren: holz was in niht tiuwer die wîle (
so lange) bran daʒ vorder tor. hinden was ein gater vor, der lac ouch dâ ze glüete. Haupt 4, 21.
im bauerhofe aber auch als hauptthor ('
hofthor' Schm. 2, 80): urloup nam er zuo dem vater, hin drâte er (
sauste zu rosse) durch den gater.
Helmbr. 648. hausthür
und gatter
als der doppelte verschlusz: offen stund hausthür und der gatter. H. Sachs 3, 3, 7
b,
vgl. unter I, 2,
a, wo einem bauer vor seinem gatern
der herrgott begegnet, d. h. gleich nachdem er aus seinem hof getreten. Wickram
erzählt einen schwank auf kosten der Baiern (
die nach dem aderlasz, wie es hiesz, sich neun tage lang schonten),
wo zugleich lage und bedeutung des gatters hübsch deutlich wird: es begab sich dasz ein reicher kaufmann seiner handtierung nach durch das Beyerland reit, und wie er ungeferd einen gatter antraff bei eines bauren haus, dardurch er reiten muoszt, den kund er nit aufthuon, ruoft dem bauren zuo, er sol im den gatter aufthuon. der baur (
im hause) schruw mit heller stimm: 'es ist niemant in dem haus .. und ich ligen hinder einem umbhang, bin ein läszer' ... also thuot der kaufmann mit übelzeiten (
d. h. den bauer verwünschend, ihm wiederholt übel zeit
anwünschend) den gatter zeletst selb auf und spricht zum bauren: 'sehin, da auf dem gatter ligt ein taler und thuo der läszy gnuog' (hat aber nichts dar gelegt) ..
rollw. 23
Kz., vgl. dieselbe geschichte aus dem 18.
jahrh. bei Schmeller 2, 493,
wo aber ein feldgatter
daraus geworden ist. II@3@bb)
der gatter
bezeichnete auch rechtlich die grenze des hofbesitzers in gewissen fällen, von ihm hat z. b. der gatterzins
seinen namen (
s. Grimms
rechtsalt. 388
fg., wo gatter
nach 2,
b verstanden ist): und als er (
der amtmann) kompt und heischet dem herrn sein recht, so sal er (
der arme man) es ime reichen uber sinen gadern.
weisth. 1, 535,
aus dem Rheingau 14.
jh., bei Bodmann
aber steht uber sin gadere
weisth. 4, 573,
vermutlich das rhein. fem. 2,
d; und soll der, der dieselben zinse da sament, den zins fordern vor dem gattern, und soll (
im notfall) des zinses allda warten den tag dieweil dasz er den thürriegel bei tag dannoch gesehen mag. 3, 563,
aus Franken 15.
jh.; und sol man den habern uber den gadern heischen.
RA. 389,
vgl.gatterhaber;
s. auch bei Schm. 2, 81,
weisth. 3, 725. 726,
wie ein übelthäter im hofe durch den gattern
der hofmark ausgeliefert wird. das vor dem gattern
ist wie bei H. Sachs
unter a, über den gatern
plaudern z. b. hofnachbarn mit einander: so ein gevater (
fem.) gên ir gevatern beginnet snatern über den gatern.
Renner 18228. II@3@cc)
redensarten erzählen von dem leben am gatter: hoichta, ju ju! den gatter zu, das ausflieg kein ku!
Garg. 85
b (
Sch. 145); (
weiber) die tag und nacht kiefen .. greinen .. wie eine sau an eim gatter. Fischart
ehz. 542
Sch., aus dem hofe herausbegehrend; (
wie hunde die) ann gattern und vorn heusern und tischen umb ir speis greinen und bellen.
Agricola spr. 227
a. den hals im gatter brechen,
beim einsteigen als dieb (über den gatter steigen Steinbach 1, 562): wiltu nicht alt werden, so brich den hals im gatter ab oder lasze dich jung henken. Mathesius
Syrach 1, 49
b,
was doch ein hohes gatter voraussetzt, wie auch folg. vom geier u. ä., der auf beute im hofe lauernd sich auf den gatter setzt (
der vogel findet ja da eine stange zum fuszen, s. auch hennegättere
unter gätter 3): wo der geier auf dem gatter sizt, dä drühen (
gedeihen) die küchlin selten. Liliencron 1, 450
a,
vgl. die nachweisungen unter druhen; ir herren all im teutschen land, last still stan unter euch eur hadern, ir habt den weihen aufm gatern. 4, 296
b, Wolff
hist. volksl. 112.
eine bair. redensart deutet noch auf anderes: gêts ann gattern oder ann zaun,
sei es getroffen oder gefehlt Schm. 2, 81. II@44)
als gatterthür oder thor auszerdem. II@4@aa) gatter in einem zaune, vor einem garten,
gegittertes thor Adelung.
besonders als zaunthor in feld und wiese: (
die grenze geht) dem panzaun nach durch das puechach (
buchenwald) .. zum gattern, vom gattern ab bisz in den pach ..
österreich. weisth. 1, 14,
der gatter des bannzauns, vgl. das. 101, 46. 166, 17
ff.; an des heiligen crüz tag im meigen, desglich an des heiligen crüz tag zuo herpst (
sollen) guot fridbar heg und
getter gemachet sin.
weisth. 1, 204. 205,
schweiz.; ist aber der panfrid sonst paufellig nit allain in den panzeunen sondern auch in hägern und gättern, dadurch dem satfeld oder andern gründen (
wie wiesen) mag schaden beschechen.
österr. weisth. 1, 153, 39,
der bannfriede wird vom bannzaun und gatter gebildet, daher letzterer auch fridgatern oder ester 1, 56,
auch feldgatter
das. 379
b; das der gatter von Pruck alle wismäder friden süll.
weisth. 6, 169,
bair., d. h. kein wismad (
n.)
darf mehr betreten werden, nachdem der gatter,
der sonst herausgenommen ist, eingehängt oder gehenkt
worden: fridung der zäun .. wie gätter und faltor angehengt sein sollen.
österr. weisth. 1, 94, 44; desglich (
ist es zu halten) mit gettern zuo henken.
weisth. 5, 161,
schweiz.; s. auch gatterstall. II@4@bb)
ähnlich der thorartige gatter
in einer landwehr u. ähnl.: (schranken) dardurch ein umbgender gatter zu der fare gemacht (
ist). Tucher
Nürnb. baum. 211, 1; gatter oder schneller, die man versperren mocht,
in der landwehr. 210, 23; so was in dem klein geszlein, das gen der klein Reut geet, ein umbgeender gatter über die strosz. 214, 7.
ähnlich noch im wildzaun: tretend aus des wildes zaune schliesz die gatter hinter dir. Rückert
ges. p. w. 2, 532,
wie es scheint als fem., nach gatterthür?
vgl. I, 1,
d. II@4@cc) fallgatter
am thore der alten städte und burgen: wen die bürger ir masz darin hetten, möchten sie die gattern vallen laszen,
s. I, 1,
d; cataracta, pensiles clathri, hengende gaddern vOer den dOeren, schotporte, schlachporte. Chytraeus
c. 12,
vgl. bei Dief. 106
b cataracta schuszgatter, schoszgetter
u. ä., s. auch fallgatter; dasz einer auf eim halben pferd, welches ein fallender schuszgatter entzwei getheilet, noch etlich meilen sei geritten.
Garg. 105
a (
Sch. 186). II@4@dd)
andere gatter
als verschlusz: vorn umb den hals ein zaun mit stricken, da einer gerad dut über plicken wie über ein gateren die hunt (
auf den hinterfüszen) zu zeiten in ein kuchin thunt (
begehrlich). H. Folz,
fastn. sp. 1276,
als halber verschlusz der küche, wie unter 2,
b, die stricke,
d. h. schnüre vor der brust entsprechen den gatterstäben, auch nur bis zur halben höhe reichend; hausthüren und kellersgatter (
nach der strasze zu).
würt. bauordn. 1654
s. 49; dieser wasserbehälter ist völlig erhalten, sogar dasz die zwo gatter von erz, durch welche das meer hinein flieszet, die alten gatter von des Augustus zeit zu sein scheinen. Winkelmann 6, 232; einige dieser höhlen sind mit felsstücken zugesetzt, andere mit thoren und gattern verschlossen, alles roh und derb. Göthe 40, 373,
auf dem schauplatz der Pandora; unterirdisches ... gewölbe, unterbrochen mit rohen gattern. 57, 288,
zugleich als kerkerthüren. solche gatter
finden sich in kellern, auf hausböden, s. schon aus dem alten Augsburg unter I, 1,
e. II@4@ee)
auch an fenstern, eisernes gatter, wie man sie noch an alten häusern sieht: auswärts waren diese ihre fenster nicht, wie itzo, mit eisernen
gattern verwahret, sondern anstatt derselben war ein von metall mit kreuzstäben gegossenes
gitter, welches in angeln hing und auf und zu gemacht werden konnte. es hiesz clathrum. Winkelmann 1, 394.
vergl. bei Schottel 1323 'gatter, schrankfenster,
cancelli',
bei Henisch 1371 gatter, gitter, geschränkte fenster,
d. h. die gitterfenster selber. gewöhnlich doch gätter,
s. d. 2,
c. II@55)
übertragen im gewerbsleben. II@5@aa) gatter, flecht, hurd, wagenkorb,
crates, gerrae. Henisch 1371.
bair. der sträugattern,
bewegliches gitter, um einen mit nadelstreu beladenen wagen hinten und vorne zu sichern Schm. 2, 81,
einem zaungatter gleichend. ähnlich die niederd. gâder
im backhause unter I, 1,
d und schweiz. gatter
m. ein drahtsieb in der mühle, s. Tobler 215
a. II@5@bb)
in der sägemühle, das viereck von balken in denen das sägeblatt auf und nieder geht, s. Frisch 1, 323
c, Adelung,
im 15.
jh. bei Tucher
baum. 122, 30. 317, 1.
bair. der säggattern Schm. 2, 81. II@5@cc) 'das gatter
oder lenksteur,
das steurruder auf den obersächsischen schiffen, so nach Hamburg fahren' Frisch. II@5@dd)
im alten hüttenwesen, gitterweise gegossenes blei oder zinn (
s.gattern 1,
b),
im 16.
jh. gätter
pl. Bechius
Agric. 345. II@5@ee)
schweiz. beim weber, der rädgatter,
s. Tobler 357
a,
vergl.gattern 1,
c. II@66)
erweitert über den begriff thür hinaus zu dem eines stangenzauns, wie gitter (
s. d.);
vgl.gätter 2,
g. II@6@aa)
noch Adelung, Campe
wissen nichts davon, obwol der letztere ähnlich schon anführt ein gatter um einen baum machen,
als schutz, wie auch ein gatter
um ein grab; jetzt aber wird auch z. b. der wildzaun selbst (
s. Rückert 4,
b) gatter, wildgatter
genannt, vielleicht nur von städtern die nicht kenner sind. auf welchem wege der begriff sich erweiterte, vom hofgatter selbst aus (
s. 3),
zeigt folgende angabe vom j. 1731: »gatter, gatterwerk, gitter
heiszen .. vorzüge von latten, wodurch man .. z. e. einen theil des hofes von dem übrigen raum abzusondern pfleget«.
öcon. lex. 778,
d. h. eigentlich als durchgang und abtrennung zugleich. nun aber auch mit wegfall des durchgangs, z. b. ein gatter,
das zwei gartenstücke scheidet, ja wol auch von der lattenumhegung des gartens überhaupt, wie gitter.
auffallend schon bei Henisch 1331 gader,
zaun, sepes (
von Stieler 591
wiederholt als veraltet),
was wol nur auf misverständnis beruhen kann, wie manches bei ihm, z. b. 'gatter, strudel,
catarrhacta, catadupus'
etc., s. dazu 4,
c. II@6@bb)
auch gatter
gleich kerker (
eigentlich nur die kerkerthüre)
zeigt eigentlich schon bei Luther
u. I, 1,
c, einen in ein gatter stoszen,
diese begriffliche erweiterung; ostfries. he sitt achter de gadders,
im kerker Stürenburg 64
b.
so zwischen gattern
als käfig: und nun wirst du künftig flattern zwischen gattern dieses rosengartens nur. Rückert
ges. ged. 1, 292. II@6@cc)
eisernes gatter,
in kirchen z. b. zur abtrennung des chores vom schiffe u. ä., auch diesz schon alt, wenigstens nd.: he licht begraven in dem nygen kore zwischen den gadderen.
script. brunsv. 3, 348, Frisch 1, 323
c;
hd. gätter,
s. d. 2,
b. als einhegung einer terrasse: die terrasse mit dem eisernen gatter kennst du. das müszt ein schlechter liebhaber sein, der nicht herüber wollte (
zum stelldichein). Göthe 57, 164 (
Claud. v. Vill.).
nach gatterknecht
auch von den gerichtsschranken, s. gätter 2,
g. II@77)
von der bloszen form des gatters: einsamer ward der dichte hain, gespaltener des lichtes schein, der sich in gattern um uns legte. Tieck 4, 137.
ähnlich schon mhd. gater
unter 1,
vgl.gegateret
das. und gegättert
unter gättern.