Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
ellende Adj.
1.1 ‘nicht heimisch’ (im Ahd. überwiegend, vgl. AWB 3,256ff.)
1.2 ‘fern (einer Sache, Person/ von etw., jmdm.)’
1.3 rechtl.
2 ‘armselig, einsam, elend, beklagenswert’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden)
1 ‘fremd’ 1.1 ‘nicht heimisch’ (im Ahd. überwiegend, vgl. AWB 3,256ff.): ouch sprach her nekunde / die sprache uon deme lande, / her were enelende Ägidius 783; er endiente vaste / dem ellenden gaste, / der mit sîner swestr geriten kam UvZLanz 2796; Parz 382,15; wâ sint die vriunde mîn, / die durch mîne liebe wellent ellende sîn, / die suln mit mir rîten in der Hiunen lant? NibB 1282,2; Domicius habet in versant / in ein ellentez lant, / in eine iselen, diu heizet Patmos HimmlJer 24; du woltest sîn ûf erden gast / und ein ellender pilgerîn KvWLd 1,70. – swer Zürich zem zapfen win verkouffet, es si ellender win oder lantwin StBZürich 58; StRZürich 240. – subst.: daz ih die ellenden nien geherbergote BenedGlB 337,28; von den ellenden / wolt er den portenære / gerne vrâgen mære Iw 6234. – im Ggs. zum Himmlischen ‘diesseitig, irdisch’ unze got sinen sun sande ze den ellenden landen AvaLJ 139,3; swer dize ellente leben / umbe daz ewige hat gegeben HimmlJer 378 1.2 ‘fern (einer Sache, Person/ von etw., jmdm.)’ alse lange so wir in dirre werlte birn, so mvͦzen wir ellende sin von gote Spec 38,1; ThvASu 136,31; hôher muot ist her gewesen von uns lange ellende: / wol uns des, er ist nu wider komen KLD:UvL 34: 2,1; won sy was ellend des landes und der lút dannen sy geboren was Stagel 111,22. – subst. mit vorangestelltem Gen. zum Ausdruck einer Negation: ich freuden ellende [Freudloser] , / zem urteillîchem ende / beklage ich eine iuch alle Parz 788,1 u.ö.; der vröuden enlende, / der trôstlôse marke HvFreibTr 6726; der gnâden ellende / hât danne den bœsern teil erkorn Greg 24; WernhMl 11221 1.3 rechtl.: vnd in welhem gerichte ein mort geschiht, er sey gefreunt oder niht, vnd der niht clager hat von freunden noch von nimant, daz heisset ein ellender mort StRBamb 47; den ellendin eit zuͦ dune UrkMoselQ 170,6 (a. 1338) (vgl. ellende stN.) 2 ‘armselig, einsam, elend, beklagenswert’ (nicht immer klar von 1 zu scheiden): ein haus vnd ein hofstatt in der ellenten strazz [oder bereits Name?] UrkCorp 299,8; der man ist ellend âne guot, / swaz er kan od swaz er tuot Freid 57,12; SM:Had 7: 4,6; EnikWchr 15655; alsô, lieber mensch, wenne dû von disem ellenden mer diser armen werlt schaiden muost BdN 182,27; er wirt gefuͤrt einen gar wilden weg, der gar vinster und ellent ist Tauler 161,14; owe und owe, und minem ellenden herzen iemer we, waz han ich getan Seuse 211,18. – subst.: si gaben ez den armen und den ellenden, also Job tet PrOberalt 159,24
MWB 1 1580,16; Bearbeiter: Diehl