drillen trillen,
drehen, umwenden, gewöhnlich transitiv. im mhd. weist das partic. gedrollen
auf ein starkes verbum drille dral drullen Ben. 1, 391
b,
das mit drehen
verwandt scheint. in Posen mit umstellung tirlen tirrelen Bernd 315,
im vorarlberg. trölla Frommann
Mundarten 2, 567.
in der Schweiz bei Maaler trüllen 47
d. 410
c. Tobler 154
b. Stalder 1, 313.
niederl. drillen,
ags. þyrljan,
engl. to drill,
schwed. drilla,
dän. drille;
vergl. erdrillen, dorlen. 11.
im kreise umdrehen, hin und her drehen. trüllen, umbtreiben
rotare volvere, trüllende
volvens Maaler 410
c. drillen Stieler 330. federvieh, du zierlich trillest je und je die zünglein rein geschliffen Spee 131. damit schwieg er still und trillete immer seinen hut herumb
Simpliciss. 2, 257. so reimt getrost, ihr werten brüder! begebt euch mutig in den strausz! nur sucht euch doch was würdigs aus zum vorwurf eurer schwären lieder! ists möglich dasz ihr eure leier bei einer jeden kirchweih trillt? ists möglich dasz von solchem feuer euch nur die kleinste ader schwillt? Drollinger 98. der hohle wind pfeift über die dächer und trillt die fahnen Fr. Müller 2, 128. horch! wie der sturm die fahnen trillt und kalter schlossenregen wild an dach und fenster schlägt Bürger 47
b. wirft sich einer mit gewalt über das thier, stöszt ihm einen starken, spitzen, oben umgebogenen und gleichsam zum handgriff gekrümmten draht ins herz und trillt ihn so lange darin herum bis das thier kraftlos niederstürzt und sein leben aushaucht Göthe 44, 218. ein schiff drillen
herbeiholen, heranziehen, franz. haler un bateau. drillen mit dem ruder
durch rudern forttreiben. uneigentlich. in dieser gemeinen, öfters getrillten (
besprochenen) und getriefelten materi Abele. und in dem buntsten einerlei von sinnenrausch den geist herum zu drillen. Wieland 18, 198. austrüllen, auseinanderen trüllen
auseinander wickeln, explicare Maaler 47
d.
s. abdrillen. andrillen. 22.
abrunden, drechseln tornare Frisch 1, 206
c. drillen, spulen
tramam rhombo glomerare Henisch 751. dryllen
tornare Teutonista 81
a.
das mhd. part. prät. gedrollen
wird in dieser bedeutung aber uneigentlich von dem menschlichen leib und einzelnen theilen desselben gebraucht und heiszt prall, jugendlich gerundet. veizt und gedrollen, der lîp ist gedrollen, ir hüflîn zart und gedrollen, ir arme gedrollen und blanc (
Gesamtabenth. 287, 23).
auf gleiche weise wird im mhd. auch das part. praet. gedræt.
verwendet, ir brüstelîn als si gedræt solten sîn
s. Ben. 1, 387
a.
in Östreich heiszt drln
sich drehen, runden Castelli 113.
vergl.drall. drell. 33.
bohren, perforare, terebrare Henisch 751. mit einem drillbohrer ein loch bohren Müllenhoff
zu Groths
Quickborn 287.
s. eindrillen.
diese bedeutung kommt auch im ags. (
daher das loch þyrel þyrl),
im engl., schwed. und dän. vor. man sagt auch drillen (
durchschneiden) mit der drillsäge Beil 153. 44.
fäden drehen, einen strick zusammen drehen, zwirnen, zwirn machen, duplicare, conglomerare fila Henisch 751. Schottel 1305. trille, rädchen, lang und fein, trille fein ein fädelein mir zum busenschleier Bürger 29
b. manchem reichen, wann sie kaum gefüllet seinen kasten, hoch bis an den rand, hat sie hinterher den strick getrillet und ihn aufgeknüpft durch eigne hand 57
b. doch dann prangst du (
flachs) glatt und schön: und wir drehn dich in saubre knocken (
bündel); und getrillt mit flinkem fusz, feucht vom kusz (
die spinnerin netzt mit dem mund den faden) läufst du uns vom rocken! Voss 4, 140. frisch, den knockenflachs getrillt, fein wie sommerfädchen 4, 239.
in dieser bedeutung sagt man auch den bart drillen
zupfen, zusammen drehen. o ihr weibermäuler, ihr unhaarige! in den löffeljahren gehet ihr zu zopfen, zu trillen, zu ropfen bisz die gauchshaar herauswollen Philander 2, 77.
s. drillbart.
intrans. den rechten lebensfaden spinnt einer der lebt und leben läszt: er drille zu, er zwirne fest, der liebe gott wird weifen Göthe 3, 116. 55.
intransitiv, wirbelnd flieszen, dän. trille,
fortlaufen und sich dabei umwälzen. in Östreich drAel
kreis, wirbel Castelli 113. der angenehme ton der trillenden fontainen Fleming 52. hier da der kalte quell aus starken adern dringet und durch das stille thal mit sanften rauschen trillt 632. wo der krystallne quell aus reichen adern trillt 644.
ähnlich im mhd. dræjen
wirbelnd sich bewegen, fortspringen, daz ûzer dem schilde dræte genuoc des edelen gesteines
Nib. 926, 2. Ben. 1, 387
a. 66.
einüben, exercieren, besonders soldaten. in dieser bedeutung auch im niederl. engl. und dän. trillen
exercere Schönsleder Hh a,
exercere milites Schottel 1305. 1434. Stieler 330. Rädlein 202
a. Frisch 1, 207
a.
s. drillen
n. man musz rekruten ausheben und sie zu soldaten drillen. vorhin hatten sie sich exercirt, mit büchsn und schwerten wol vexirt; das solte drillen heiszen. Soltau (
lied vom j. 1606) 2. 298, 5. wie will ein hauptmann oder ein leutenant eine compagnie trillen, wann er keine soldaten oder knecht hat? Abele 133. die soldaten lassen sich nicht gern trillen Stieler 330. ich musz sie (
die soldaten) besser trillen Menantes 1, 185. 77.
quälen, plagen, belästigen, foppen, necken, ebenso im engl. schwed. und dän. der fried ist zwar gestift, die krieger handeln linde: die steuer trillt uns noch, noch arbter und gesinde. Logau 3,
zugabe 51. das geschrei der getrillten bauern
Simpliciss. 1, 22. wie die bauren getrillt und geschurigelt worden 53. 2, 58. tribulieren und wieder getrillt werden 1, 59. die soldaten seind darum erschaffen, dasz sie die bauren drillen sollen 2, 58. einen einfalt mit der spitzfindigkeit des studirens trillen Abele 2, 308. deine kopfgrillen welche mich zu zeiten trillen 3, 13. er ist wol getrillt mit dem menschen
sat vexatur et exagitatur ab eo Stieler 330. einen ziemlich trillen
negotium alicui facessere ders. sie trilleten ihn so lange bis er einen contract mit ihnen abschlosz
Felsenburg 4, 229. die rednerin will mich zum besten haben, das geht zu weit: die absicht merk ich schon. doch bin ich herr, mich musz man so nicht trillen. Hagedorn 2, 164. hier wo der schmerz eines unauslöschlichen brandes uns ohne hoffnung eines endes trillen musz Bodmer
Milton. eine von den grillen die einer jungen frau das leichte hirnchen drillen. Wieland 18, 153. wenn auch das glück uns trillt Gökingk 1, 62. doch muszt er schon, der arme tropf, nach ihrer pfeife tanzen. sie wedelt über ihm den hut, und seinen schläfen thats nicht gut. um ihrer liebe willen bat er ihn sanft zu drillen Overbeck
Ged. 151. aber Boje habe aus lauter gutmeinen die sache nicht verstanden und seinen schwager (
Voss) so lange getrillt bis dieser die anmerkungen (
zum Virgil an Heyne) schickte Böttiger
Literar. zustände 2, 48. die kinder trillen mich den ganzen tag Bernd
Sprache in Posen 321.
es wird auch für prügeln gebraucht das. 88.
intransitiv, spielen, drüllen
ludos facere Frisch 1, 206
c. 2, 392
a. 99.
im drillhäuschen
einen zur strafe umdrehen. 1010.
intransitiv, weggehen, sich fort machen, wie sich drollen. sie drillten in den tiefen graben vom wall hinunter und musten baden. Soltau (
lied v. jahr 1606) 2. 309, 67. den feinden giengs nicht nach ihrem willn, sie musten wieder abwärts drilln 312, 81.
auch sich drillen, so werdet ihr gewis so viel damit ertrillen ohn eines trillers fusz, dasz sich der feind aus ost und süden wird durch westen trillen fort
Friedens wehklage.