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Blöde

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
19 in 14 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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35
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30

Eintrag · Adelung (1793–1801)

Blöde

Bd. 1, Sp. 1081
Blöde, -r, -ste, adj. et adv. welches heut zu Tage noch in einer gedoppelten Bedeutung üblich ist. 1. Für schwach, im Gegensatze dessen was scharf ist, und in dieser Bedeutung wird es theils von den Augen, theils aber auch figürlich von dem Verstande gebraucht. 1) Von den Augen. Blöde Augen haben, die nicht gut sehen. Ein blödes Gesicht. Aber Lea hatte ein blödes Gesicht, Rahel war hübsch und schön, 1 Mos. 29, 17. 2) Von dem Verstande. Ein blöder, d. i. schwacher, Verstand. Er ist etwas blöden Verstandes, Weiße. Den Blöden leuchtet sein Verstand, Weiße. Wie oft sah ich mir nicht den blöden Aberglauben, Die Hoffnung und die Ruh des ganzen Lebens rauben! Weiße. Wie mancher siegt durch eine feine Miene, Der blöder ist, als Holz und Stein! Gell. 2. Für furchtsam, und zwar, 1) * in Ansehung der Gefahr, zaghaft. Rehabeam war jung und eines blöden Herzens, daß er sich vor ihnen nicht wehrete, 2 Chron. 13, 7. Gott hat[] mein Herz blöde gemacht, und der Allmächtige hat mich erschrecket, Hiob 23, 16. Also stehet das blöde Herz der Narren in seinem Vornehmen wider kein Erschrecken, Sir. 22, 22. Werde nicht blöde, denn du sollt nicht zu Spott werden, Ef. 54, 4. Zähle meine blöden Schritte, Gryph. In dieser Bedeutung ist es im Hochdeutschen veraltet, wo man es, 2) nur noch von dem zu geringen Zutrauen zu sich selbst im gesellschaftlichen Umgange gebraucht, im Gegensatze des dreist: Der Mensch ist sehr blöde, schüchtern in Gesellschaft. Er thut ein wenig blöde. Der Redner war zu blöde. In dieser Bedeutung gebrauchen auch die Niedersachsen ihr blöde, blöe, bloodhartig. Im Dithmarsischen ist dafür auch hödel, im Hannöverischen milern, und im Bremischen miren üblich. Anm. Die Abstammung dieses Wortes ist bisher noch nicht hinlänglich untersucht worden. Schilter lässet es von dem alten blide, fröhlich, lustig, abstammen. Wachter bleibt bey der Bedeutung der Furcht stehen. Nach Frischen ist es so viel als belöten, belösen, oder auch als bloß. Weil blöd, blödig, im Schwedischen furchtsam, blöt aber weich, feucht bedeutet, so hält Herr Ihre beyde für zwey verschiedene Wörter, ohne sie doch genauer zu untersuchen. Im Deutschen ist die Bedeutung der Furcht die älteste. Ploden bedeutet in den Monseeischen Glossen sich fürchten; bey andern Fränkischen und Alemannischen Schriftstellern kommt es nicht vor. Hingegen ist im Angels. blithe einfältig, im Isländ. blaudur furchtsam, und im Schottländischen bleat verzagt. In einem 1501 zu Rom gedruckten Deutsch-Italiänischen Vocabelbuche wird debile durch ploed gegeben. Wenn man, wie es wohl scheinet, für die heutigen Bedeutungen dieses Wortes zwey verschiedene Stammwörter annehmen muß, so wird für die Bedeutung der Schwäche und vielleicht auch der Furchtsamkeit das alte lat, wofür die Hoch- und Oberdeutschen jetzt laß sagen, eine vielleicht nicht unbequeme Abstammung an die Hand geben. In einigen gemeinen Mundarten ist lätsch weich, faul, träge. Im Schwed. bedeutet lat, im Isl. latur, im Angels. laet, im Dän. lad, gleichfalls träge, faul, verzagt, bey dem Ulphilas ist latjan zaudern, und im Nieders. lad, im Engl. late, spät. Das b ist die verkürzte Partikel be. So fern aber blöde, schüchtern, unzeitig schamhaft bedeutet, gehöret es vermuthlich zu blühen in seiner weitesten Bedeutung, und druckt alsdann eigentlich den Begriff der Schamröthe aus. Erblöden und entblöden haben diese Bedeutung zum Theil noch, und in dem Überbleibsel eines alten Gedichtes auf Carls des Großen Feldzug bey dem Schilter von 1300 bedeutet erploten vor Zorn roth werden. S. Blühen und Blut.
3560 Zeichen · 59 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    BLŒDEadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    BLŒDE ( ahd. blôdi Graff 3,251 ) adj. zaghaft; schwach. der blôde hovewart, swenner nahtes iht vernimet durch sîn blôdik…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    ¹blö̑deadj.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 blö̑de , adj. , schwach, blöde, furchtsam, verzagt, b. gesichte „obscuritas, imminutio visus”.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Blöde

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Blöde , -r, -ste, adj. et adv. welches heut zu Tage noch in einer gedoppelten Bedeutung üblich ist. 1. Für schwach, im G…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    blöde

    Goethe-Wörterbuch

    blöde 14 Belege, nur in Versdichtungen a schüchtern, zurückhaltend, scheu, verschämt, zaghaft, unentschlossen, auch: fur…

  5. modern
    Dialekt
    blödeAdj.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    blöde Adj. : 1. 'schwach, dünn'. a. De Aaⁿzuch is bleed (blēd) 'fadenscheinig, abgenützt' [BZ-Gossw, südl. VPf KU-Altkch…

  6. Spezial
    blöd(e)

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    blöd(e) adj. 1 (dumm) da tec, stupido (-di, -da), ignorant (-nc, -a) 2 (unerfreulich) desplajor (-s, -a).

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit bloede

27 Bildungen · 16 Erstglied · 10 Zweitglied · 1 Ableitungen

bloede‑ als Erstglied (16 von 16)

Blöde (Adj.)

Wander

Blöde (Adj.) Blöde (Adj.). 1. Besser blöd und furchtsam als unvorsichtig. – Henisch, 321. Holl. : Beter bloô Jan dan doô Jan, zei de schutte…

blœdecheit

Lexer

blœdec-heit , blœdekeit stf. ib. Lampr. Frl. diumuot ist vür die wârheit zwischen hôhverte und blœdekeit Wg. 9996. man sol sich vor blœdekei…

blœdeclîche

Lexer

bloede·cliche

blœdec-lîche , blœdec-lîchen adv. zaghaft Kindh. 100, 11. Lieht. 500,8. Troj. 23475 ; ebenso .

blœdekeit

BMZ

bloede·keit

blœdekeit stf. zaghafte schwäche. Lampr. Alex. 1174 (1524). Frl. 389,7.

blödekeit

FWB

1. ›Schwäche, Gebrechlichkeit, Hinfälligkeit‹; 2. ›Zaghaftigkeit, Furchtsamkeit, Feigheit‹; 3. ›Unvermögen, Unwissenheit, Beschränktheit, Du…

BLÖDELEI

DWB2

bloede·lei

DWB2 BLÖDELEI f . DWB2 abl. von DWB2 blödeln vb. DWB2 alberne, unsinnige bemerkung, idee, auch benehmen: ⟨1926⟩ die gespräche des herrn sold…

blödeln

Pfeifer_etym

bloed·eln

blöd blöde Adj. ‘dumm, schwachsinnig’ (16. Jh.), ahd. blōdi ‘träge, furchtsam, körperlich schwach’ (9. Jh.), mhd. blœde ‘gebrechlich, zart, …

blö̑delse

MNWB

bloed·else

blôdelse , blö̑delse , Blutrunst, blutige Verletzung durch Schlag.

blöderlich

RhWB

bloed·erlich

blöderlich blē·ă.dərlĭχ Siegld Adj.: trübe, schwach, blöd, von den Augen.

BLÖDERWEISE

DWB2

bloder·weise

DWB2 BLÖDERWEISE adv. DWB2 abl. von DWB2 blöd adj. DWB2 bedauerlicherweise, leider: 1949 benzin kostet in Stuttgart 60 pfennig, .. blöderwei…

Blöde (Subst.)

Wander

bloede·subst

Blöde (Subst.) Blöde (Subst.). 1. Den blöden ist das glück thewer, den kühnen hilfft das ebenthewer. – Henisch, 422. 2. Die Blöden verlieren…

bloede als Zweitglied (10 von 10)

2(ge)blö̑de

MNWB

2 (ge)blö̑de , (ge)blö̑te , n. , Geblüt, gleiches Blut.

kindischblöde

GWB

kindisch·bloede

kindisch-blöde zu kindisch 4 [ nach Schlegel für: fond mad ] GWB 9,230 RomJul 1105 Bernd Hamacher B.H.

kopfblöde

DWB

kopf·bloede

kopfblöde , f. bei Herder, blödigkeit des geistes: mithin sehen wir auf einmal, dasz es nicht kopfblöde, naturstiefmutterschaft dieses gesch…

naturblöde

DWB

natur·bloede

naturblöde , adj. von natur blöde, schwach: naturblödes unvermögen. anm. zum Simplic. 1, 107 K.

saublöde

PfWB

sau·bloede

sau-blöde Adj. : ' sehr blöde ', saubleed [vereinzelt], häufiger PfWB saudumm . Obwohl jeder wäß, / wie saubleed die Därmele (s. PfWB Turmel…

vokalblöde

DWB

vokal·bloede

-blöde , adj. : in jenen vocalblöderen sprachen, d. h. solchen, die die reinen vokale a i u nicht festhalten, sondern erweichen J. Grimm kl.…

wasserblöde

DWB

wasser·bloede

wasserblöde , f. in aufstoszen von wasser sich äuszernde magenschwäche ( s. adj. blöde 2), in Tirol Hintner, zeitschr. f. d. mda. 1910, 219 …

Ableitungen von bloede (1 von 1)

2(ge)blö̑de

MNWB

2 (ge)blö̑de , (ge)blö̑te , n. , Geblüt, gleiches Blut.