bleuen ,
tundere, caedere, ahd. pliuwan plou,
mhd. bliuwen blou (Ben. 1, 211
a)
wie riuwen rou.
die starken praet. blau
und kau, rau
sind nhd. längst erloschen (
den ablaut au
kennen wir in dem einzigen taug, taugt,
mhd. touc),
und es gilt dafür bleute, reute,
zäher dauerten die starken part. geblauen (
z. b. Schweinichen 2, 23. Opitz
Arg. 1, 215), gekauen, gerauen,
bis auch hier gebleut, gereut, gekaut
durchdrang. einige geben auch dem praes. blauen
für bleuen,
z. b. Alberus
hat vapulo ich plaw, schlag aber ich blew,
crassa doceo Minerva (ich bleue ein); scutulum, ein rund holz, damit man den flachs blawt; da das Franciscus erfur, liesz er den münch ubel blawen.
Barfüszer Eulensp. no 537.
Wichtiger ist es die goth. nasalform bliggvan blaggv bluggvun
wahrzunehmen, deren G
zum lat. fligere
und flagellum
stimmt, vor welchem G
sich aber leicht ein N
entfaltete, wie z. b. in siggvan singen,
in blicken blinken,
oder im lat. tangere, frangere
gehalten zu tetigi
und fregi.
analog dem bliggvan: pliuwan
ist triggvs : triuwi,
treu, vgl. trauan.
mit dem vortritt des N
entsprang aber ein andrer ablaut, goth. bliggvan blaggv
steht in der ersten reihe, ahd. pliuwan plou
in der fünften; es wäre leicht bliggvan blaggv
zurückzuführen auf blivan blau;
merkwürdig erscheint auch ahd. pliugen
für pliuwen
in Karajans
denkm. 89, 17 (
vgl. hernach bleug).
die alts. ags. altn. sprache haben nichts diesem bliggvan
und bliuwan
ähnliches, doch kommt das engl. nomen blow
schlag in betracht, während das verbum blow
blühen und blasen heiszt. kaum übersehen läszt sich, dasz das anlautende BL
in bliggvan, bli
farbe und blîchan, blicchan
glänzen verwandtschaft ankündet. Gestörte lautverschiebung ist, wie anderwärts, zwischen bliggvan, fligere
und πλήσσω πέπληγα πέπληγμαι,
schlagen, hauen, πληγή hieb, wunde, lat. plaga,
franz. plaie,
πλῆκτρον = bleuel,
ahd. pliuwil.
Immer also führt die vorstellung des schlagens auf eine leichte wunde, auf blau und braun schlagen, auf livor
und lividus,
welchen die labialis abgefallen scheint, livor
für flivor, lividus
für flividus,
woran unser blau
und blei,
wegen der [] wundblauen farbe stöszt, in plumbum
zeigt sich wieder die tenuis, wie in plaga
und πλήσσω,
von μόλυβος für βόλυβος oder πόλυβος war oben sp. 89
die rede. Nach diesen weiten griffen kehren wir zu den bedeutungen des nhd. bleuen
zurück. 11)
hauptsächlich heiszt es percutere, prügeln, schlagen: und man hat uns all gebleut und geschlagen.
fastn. sp. 648, 24; het man euch im turnier zu tot gepleut, so wern eur frauen paid recht erfreut. 649, 22; das er trotzt und pocht, bis er wol gebleuet, geschlagen und verwundet wird.
Sir. 32, 38 (31, 41); wenn der lein reif ist, so reufet, röstet, dörret, plewet man in. Luthers
tischr. 221
b; verschmecht, vertriben und verjagt, gebleut, gemartert und geblagt. H. Sachs III. 3, 26
b; ein stockfisch wirt auch nimmer guot, den man nit weidlich plewen thuot.
grobianus P 4
b;
was im gewöhnlichen sprichwort lautet, stockfisch will gebleut sein; so er einen teufel aus ir bleuwet, an des statt zehen wieder hinein schlagen solte. Kirchhof
wendunm. 331
a; so geschicht dir hernach auch nit unrecht, wann sie schon das maul mit dir blewen und weschen, und dich zu dank also bezalen.
Petr. 16
b; als der fuchs geschlichen kompt, verrennen sie ihm das loch und bleuen auf ihn zu, bis sie ihn ergreifen. Schuppius 836; mich so schlagen und pleuen lan. Schmelzl
hochz. 22
a; Simon wüntschet, dasz sein weib eine Moschkowitin wäre, wann er ihr gleich bleut den leib, dasz sie sich doch nicht beschwere. Logau 1, 4, 4; der buchstabierer, welcher die wichter bläut =
der schulmeister. Klopstock 2, 14; habe dank, lieber schulmeister, dasz du mich so lange geblaut hast, bis ich habe lesen lernen. A. Wall
die beiden billets 3; euch schönen, denen kein latein schulmeister in die köpfe bleun. Gotter 1, 32,
vgl. einbleuen; lange schwankt des kampfes welle, bis sich Curt im siege freut, er entfernt sich von der stelle, überwinder und gebläut. Göthe 1, 193; es reiten die ritter, ta ta! und blauen sich beulen und hacken sich klein, es fliegen die splitter. ta ta! 42, 65. 22)
figürlich für repetere, obtundere: wenn man dem groben harten pöfel prediget, dem musz man es fürmalen, blawen und kawen. Luther 3, 234
b; befand aber, dasz der jude aus eigenem vorsatz, bei meinem herrn eine verehrung zu erlangen, vor geblauen (
falsches vorgeschwätzt, erlogen) hatte. Schweinichen 2, 23; so haben die propheten das exempel angezogen und wol geblewet und für gehalten. Luther 4, 109
a; da gilt es stark sein und kempfens, weil wir einen solchen feind haben, der uns allenthalben angreifet und zusetzet mit alle seiner macht und kreften, und on unterlasz zuschüret mit bösen gedanken und giftigen, schedlichen zungen beide ohren und herz voll blewet, das wir des lieben worts nicht achten sollen. 5, 510
b; wir hören und blewen teglich die wort davon, bis wir der sat und uberdrüssig werden. 3, 183; denn es werden da viel hunde bellen und die ohren so voll bleuwen (
tundere, verberare aures), das er wol möcht taub werden.
tischr. 347
b.
in solchem sinn verbindet Luther
auch treiben und bleuen: solchs solt man nu treiben und blewen. 4, 400
b; das haben sie geblewet, gebrewet und getrieben on unterlasz. 5, 220
b; welche (
frömmigkeit vor gott) wir in uns nicht finden und on den glauben nimermehr finden werden, wie lang und viel man des gesetzes lere blewet und treibet, doch on verstand und erkentnis. 6, 44
a; das ist eben die ursach, warumb auch die lieben apostel diesen artikel so fleiszig getrieben und geblewet haben. 6, 69
a; das man diese stücke alle nach einander treibe und blewe in der predigt, das man sie nicht vergesse. 6, 69
b.
der tribel
ist ein werkzeug wie der bleuel. 33) sich mit etwas bleuen,
sich damit herumschlagen, plagen, abmühen: wo die regenten, wie es itzt leider gehet mit denselbigen ceremonien und sinnlichen werken sich treiben und bleuen, als weren das die rechten werk. Luther 1, 229
b; sonderlich aber bleuen sich etlich des adels mit solchem gewesch, und allermeist die, so wol viel solten geloben und von geloben schwetzen, aber was halten sie, nicht viel versuchet haben. 2, 216
a; aber die leute warens nu gewont, das er (
Noah) sich so lang mit inen blewete, das es nicht half. 4, 52
b; es ist unser alte haut, die sich nicht wil abziehen
[] lassen, wie man sich mit ir blewet und schlegt. 4, 456
a; ir geist feret zu und lernt etliche sonderliche werk, damit sie sich uben und blewen sollen. 3, 90; darumb zeucht und blewet sich der prophet mit dieser sünden bis zu ende dieses capitels. 3, 236; würden sie freilich sich so blewen mit dem spruch Augustini. 3, 350
b; Christus blewet sich mit den sünden und fichtet mit dem tod. 3, 429; auch die hohen schulen sich damit so lange geblewet haben in aller welt. 3, 485; sondern wir müssen schüler darin bleiben und uns von tage zu tag damit blewen, das wir doch etwas davon erlangen. 6, 69
a; also hat Daniel sich mit den königen geblawet.
tischr. 81
b; den artikel haben alle propheten am meisten getrieben, sich damit geblewet. 137
a; wer heut zu tage ein stück brot haben will, der musz sich wol bleuen. Stieler 192.
vgl.abbleuen, durchbleuen, einbleuen, vorbleuen, zerbleuen.