Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
bilde stn.
1. dasjenige, was einem andern dinge bil, gemäß ist, ihm gleicht. — das, dem es gleicht, wird bezeichnet
a. durch den genitiv.Ein ähnlicher genitiv wurde dem alten lîh vorgesetzt, mannolîh u. m., so wie er sich auch noch jetzt in 'mannsbild, weibsbild' findet. swer sich von pfaffen bilde gote gemachet wilde erst ein geistlicher war und dann sich gott entfremdet Greg. 1345. nie schœner mannes bilde was Parz. 497,29. unglîch menschen bilde Parz. 517,24. vgl. 462,24. wîbes bilde zuo zim dranc, eine frau, die er sogleich anredet 'frouwe hêre' und die in der folgenden strophe daʒ minneclîche wîp heißt MS. 1,37. a. êre an mir wîbes bilde thue an mir was dir als einer frau zur ehre gereicht MS. 1,27. a. lieb unde lust die hânt gesworn beide ze stricke, swar si wîbes bilde hetzet Frl. ML. 21,4. siben krônen die truoc ein frouwen bilde eine frau MS. 2,236. a. frouwen bilde eine frau Gfr. l. 2,1 (lobges. 16,4). daʒ du gebære âne pîn den schepfær dînes bildes g. sm. 1149. daʒ mir gelückes bilde sô gar ist worden wilde Engelh. 5643. sîns herzen bilde sein herz Frl. 819,11. ir zweier bilde sie zwei kam ûf den orsen dar geflogen troj. 3923.
b. durch ein vorgesetztes adjectiv. sît mich in banden hât dîn wîplich bilde du MS. 1,190. b. sîn menschlich bilde was anders harte wilde Iw. 25.
2. das äußere ansehen eines dinges, dem gemäß es als einer gewissen classe von dingen zugehörig erkannt wird. der slange wart verwandelot in eine gerte, weiʒgot, in ir rehteʒ bilede Exod. fgr. 2,93,32. in das was er wirklich war, in einen stab. disiu (in eine schlange verwandelte gerte) wart ave widere ze holze zire bilede (zur gerte) das. 99,30. daʒ golt lât in dem viure valisk unde bilde daʒ iʒ hât fundgr. 2, 130,20. wart des ie kein bilde, daʒ dîn muot ze riuwe stât gewann das je das ansehen, daß du büßen willst Greg. 2814. esn wurde nie kein bilde, beginnet manger sprechen so etwas habe es nie gegeben Parz. 238,18. — alles sînes gesindes het er bî im dô niht ein einig bilde Tit. 21,11. waʒ bildes was an ihm wære geschehen Kolocz. 180. liep allen reinen bilden allen wesen, die rein sind Gfr. l. 2,18 (lobges. 61,4). der elliu bilde schaffen kan, daʒ reine wîp, ir liebeʒ kint, dar zuo den wol gemuoten man MS. 2,161. b. — si habent guot pilide, und ne habent guoter werke nieht Diut. 3,26. got gescuof die gescephide zuo sînem bilde Diut. 3,32. eines bilde haben ihm gleichen, sei es innerlich oder äußerlich Diut. 3,27. 32. 88. îsen unde man geworhten schœner bilde nie Trist. 6695. si bâren guot bilde der werlde unde gote Trist. 1802. der friunde friundes bilde treit und in dem herzen vîent ist Trist. 15058. sô lobesan du (Maria) bist in wîbes bilde Gfr. lobges. 34,13. Dieterich reit alleʒ hin in Engelhartes bilde Engelh. 4593. vgl. 4629. der name (missehellunge) wol bewant was an ir lîbe schœne, der nîdic unde hœne bî minneclîchen bilden was troj. 1267. sich het dîns (dîn?) menschen bilde sô wunderlîche entschicket fragm. 37. a. got sprach von sînem (des meeres) orden und ouch von sînem bilde (der jungfrau Maria) daʒ elliu waʒʒer wilde etc. g. sm. 936. 945. dîn kürlîcheʒ bilde von schœne was durchliuhtic 1158. ir senfteʒ bilde Boner 43,80.
3. ein bild, ein werk der bildenden kunst. dô leitte mich diu frowe in eine kemenâte dâ si behalden hâte ein bilide nâch mir getân.. mîn bilide Lampr. Alex. 65. a. (6149). matraʒe rîche geworht mit guoten bilden mit golde wol erhaben Nib. 347,3. ein bild ân alle genâde Boner 38,35. ein leib ohne seele: ein sprichwörtlicher ausdruck, den Henisch mit asinus übersetzt, von den so genannten gnadenbildern hergenommen. Vgl. Steinhöwels schluß dieser fabel, und Seb. Franken sprichw. 1541, th. 2. s. 25. — ein bild von golde, von kinderlosen eltern nach dem h. grabe gebracht. Tit. 1,63. — Der künstler, öfters gott selbst, schaffet, würket, thut, gießet, misset das bild. er solt iemer bilde gieʒen der daʒ selbe bilde gôʒ Walth. 45,25. ach got daʒ dîn kunst mit vlîʒe hât gegoʒʒen nâch wunsch ein schœne bilde MS. 1,195. b. troj. 19626. vgl. Grimm d. mythol. 20.
4. ein vorbild, beispiel. mit bilde und mit lêre Ulr. 378. daʒ gewîhte bilde (Maria), diu sich uns vor gebildet hât Gfr. l. 2,54 (lobges. 12,4). daʒ si der werlte ein bilde vor truch Maria 51. ir junger habent ouch wol erkant wie in ir meister hânt vor getragen daʒ bilde tod. gehüg. 69. die hœhsten tragent uns bilde vor, diu manegen leitent in daʒ hor Vrid. 69,23. vgl. Grimm zu gr. Rud. Db, 15. Frl. 24,6. krone f. 138 f. — durch daʒ si bilde künden geben Engelh. 111. guot bilde geben Vrid. 69,21. mir gît des bilde dirre lewe Iw. 152. gerehtekeit bilde er in gab livl. chron. 729. nu wolt ouch unser herre got an im geben ein bilde uns sundern Theoph. 156. sît er selbe mit kiuschem leben uns bilde unt lêre hât gegeben Maßm. Al. s. 120. b. — ein bilde an einem nemen fragm. 42. c. Lohengr. 147. dâ ensol niemer an dehein sündiger man genemen bœseʒ bilde Gregor. 3793. dâ sol der sündige man ein sælic bilde nemen an Gregor. 3812. der site bî dem sô maneger bilde nimet büchl. 1,267. dâ nemet ir guot bilde bî Vrid. 71,5. eʒ solt ein künne bilde bî dem andern nemen Frl. 21,1. dâ bî man sælic bilde und edele bîschaft nemen sol troj. 3. a. — daʒ die liute ein sælic bilde kiesen dran Engelh. 157. dar an er sælic bilde ze triuwen schiere funden hât Engelh. 206. des muge wir an der kerzen sehen ein wâreʒ bilde geschehen a. Heinr. 102. — ein bilde (gleichnis) sprach got Diut. 3,29.