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zofe

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zofe f.

Bd. 32, Sp. 17
zofe, f. , dienerin einer vornehmen frau für den persönlichen dienst, ein dem nhd. eigenthümliches wort. form und herkunft. zofe tritt zuerst im 17. jh. auf, und zwar in Obersachsen Corvinus fons latinitatis 623 (1623), Zesen Helikon 2, 4a (1656), Duez (1663), Reyher, Stieler: als ich in ihr haus kahm, so ward ich straks von einer zohffen in ein zimmer begleitet Zesen adriat. Rosemund 41 neudr.; doch sie hörten den bescheid, der edelmann vergäbe seine zofe dem verwalter Chr. Weise (1675) die drey klügsten leute 340. in den wbb. des 15. und 16. jhs., Brack, Maaler, Frisius, Dasypodius, Golius, fehlt es bei pedissequa, vgl. unten. Schaidenreiszer nennt die mädchen der Nausikaa hoffjungfrauen Odyssee 24a, dagegen heiszt es bei Prätorius: diese königin .. sol .. sich mit ihren gespielen oder zoffen in unsere landschaft begeben haben Blockesberges verrichtung (1662) 14. die heutige gedehnte aussprache des o wird früh durch schreibung (zoofe, zohfe bei Zesen) und reim bestätigt Grünwald vorrath d. männl. u. weibl. reime (1695) 198. daneben geben Stieler zaufe neben üblicherem zofe 2593 und Schottel zauffe neben zoffe 1447. andererseits bezeugt die im anfang, bis zu Günther, scheinbar überwiegende schreibung zoffe eine nebenform mit kurzem vocal, noch im reim auf hoffen, aber zofen geschrieben, bei Schiller 1, 192 (anthologie), auf welche auch die vorgeschichte des wortes hinweist. die eigenthümliche bedeutung von zofe ist im anfang dienerin, die der herrin nachfolgt, folgemagd, es wird von den lexikographen Reyher, Stieler durch nachtreterin (s. th. 7, 209), pedissequa glossiert: pedissequa .. eine aufwärterin, nachtreterin, zoffe, die einer auff dem fusze nachfolgt Corvinus; treulich will ich auch einen studiosum vermahnet haben, dasz er sich ja hüte vor dem stücke fleische, das der frauen hinten nachgehet, ich will sagen, vor einer sogenannten zofe der wohlgeplagte priester (1695) 55. es entspricht dem älteren zoffmagd, welches wie zochjungfrau, zottmagd, zottelmagd und elsäss. ketschmagd (th. 5, 629) dem 15. und 16. jh. angehört. in diesen verben ist der erste theil ein verb, welches 'nachlässig gehen, hinterherschlendern', auch von kleidern 'nachschleppen' bedeutet. die wörter sehen wie spottnamen aus, etwa auf eine neu aufkommende sitte, s. zoffen. auf zoffmagd beruht zoffe, die herrschende form zōfe geht dagegen entweder mittelbar durch zofmagd oder unmittelbar auf md. zōfen für obd. zaufen (s. bei zoffen) zurück, vgl. zaufe bei Stieler und Schottel. als 'sächsisch' wird zofe für kammerjungfer ausdrücklich bezeichnet von Estor teutsche rechtsgelahrtheit 3, 614 und Fulda versuch e. idiotikensammlung 603a. bedeutung. 11) wenn auch der eigentliche begriff nachtreterin bald verblaszt ist, so bleibt doch zofe die dienerin der vornehmen, früher ausschlieszlich adligen frau, die ihr persönlich aufwartet: zove, ist ein mädchen, so der adelichen frau ihren putz verfertiget, sie bedienet, und ihr täglich aufwartet. das gemeine volk an etlichen orten nennt sie aus unverstand treppenfleisch Amaranthes 2166; bei sich ereignenden vacanzen .. bekam einer der domestiquen, der eine zofe aus dem hause heirathete, den vacanten dienst der Leipziger aventurier 2, 128; noch sitzt sie auf dem stuhle geheftet, indessen dasz ihre geschäftige zofe die schwarzglänzenden haare ringelt, locken an locken aufbauet, und sie mit wohlgerüchen und juwelen durchwebt Hirschfeld 165; möchte der himmel es fügen, dasz ich das arbeitsame kind bald in einem guten adeligen hause als zofe anbrächte! J. Paul 3, 205. die zofe wird darum von anderen mägden unterschieden: drüber stehet eine vorwitzige zoofe auf (vorher ist von der magd die rede) Prätorius anthropod. plut. 1, 43; allermaszen solcher die käsemutter zu ihr (der köchin) und der zoffe gesagt Thomasius ged. u. erinner. 1, 9; die dorff-schänken, allwo ich mit denen bauer-mägden offt bessere kurtzweil triebe, als mit mancher hoch angesehenen, lumpichten zofe Zendorius a Zendoriis teutsche winternächte 25; nachdem er sie befragt, .. ob keine magd oder zofe etwas verschuldet Stifter 1, 226. 22) selten, von mägden allgemein: des morgens gehen I. F. G. ins bräuhaus und sehen wie allda mit den hainischen zofen gehauset sei worden Schweinichen denkwürdigk. 177. 33) dem mädchen von stande gegenüber ist die zofe die niedrig stehende: ein hausknecht oder eine einfältige zofe Bode Montaignes leben u. meinungen 1, 154; junge männer, welche ... als kellner, ladendiener, ... mit dem lächeln einer zofe dankbar vorlieb nahmen, ... verdrehen sentimentalen 'fräuleins' die köpfe, wenn sie akteurs sind oder auch nur heiszen Holtei erzählende schr. 35, 129; der (der sohn des schreibers) in den kargen feierstunden romane von der zofe borgt Droste-Hülshoff 1, 219. so bekommt das wort auch für sich einen herabsetzenden klang: den wer wolte der überligen zoffen und faulen ammen mehr Prätorius philosophia colus 191. mundartlich zaffe 'schlechtes mädchen' Hertel 261; zafentink 'schnippisches, freches mädchen' auf dem Eichsfeld Hentrich 29. 44) wie der dienst der zofe, so ist das wort schon früh vornehm geworden und hat sich in der gewählten sprache festgesetzt, der es jetzt ausschlieszlich angehört. aus dem eigentlichen gebrauch ist es am ende des 18. jhs. verschwunden. 'das wort ist im gewöhnlichen hd. sprachgebrauch veraltet, und blosz für die höhere und dichterische schreibart aufgesparet worden' Adelung; Heyse 2102. es war wohl nur auf einem beschränkten gebiet ein wort des hausgebrauchs und ist den anderen gegenden durch die schöne literatur vermittelt worden. doch scheint es in neuerer zeit noch in Österreich wirklich für kammerjungfer gebraucht zu werden: die zofe behauptete, just die ohren hätte sie sich verstopfen müssen Ebner-Eschenbach 4, 192. vgl. auch den beleg aus Stifter unter 1. sonst ist es ein ausgesprochen literarisches wort, auch wo es in briefen u. ä. vorkommt: nun was gehn mich die andern an, ich habe ja nichts mehr mit ihnen zu tun, auszer etwa mit deiner zofe Bismarck br. a. s. braut u. gattin 64. noch einige belege aus der poetischen und der roman literatur: der jünger, der bereits ins hohenpriesters hofe als wie zu hause war, der redet mit der zofe, die sonsten hüterin der thüre muszte seyn Schmolcke sämtl. trost- u. geistr. schr. 2, 303b; auf, zofen eilt Schiller 1, 316 (Semele); (die vertriebene Germania) ich musz alleine sein, von zofen unbedient Fleming deutsche ged. 1, 102 Lappenberg; zu eben dieser zeit ritten ... drei junge damen mit einem geleite von knappen und zofen Fouqué Zauberring 2, 69; die frau herzogin mit ihren zofen und pagen harret Arnim 10, 162; ich habe die herrin mit einer ... zofe auf seine nächste burg zu bringen C. F. Meyer der heilige 75. 55) zofe wird oft mit einem bestimmten nebensinn gebraucht. 5@aa) des zierlichen, gewandten, stehende beiwörter sind klein, niedlich, reizend: die kleine braune Delia, die niedlichste von allen zofen Pfeffel poet. versuche 1, 69; die kleinste zofe wird nichts mehr an dir beneiden Göthe 16, 35; ein weib voll hoher majestät, und neben ihr mit leichtem trippeln geht die kleine zofe Droste-Hülshoff 2, 223; ein schöner, vierzehnjähriger knabe, welchen der landvogt eigens ausgesucht und in das gewand einer reizenden zofe gekleidet hatte Keller 6, 225; die königin der feen. katze, werd' zofe, sanft und doch beiszig, katzennatur! Grabbe 4, 45 Blumenthal (Aschenbrödel). 5@bb) höfischer leichtfertigkeit, entweder scherzend: sieht scheel er einmal nur die zofe, den läufer und den schooszhund an, so mag der vogelfreie mann bald nach dem schlosztor um sich sehn Göckingk ged. 1, 33; die herrn und fraun am hofe, die waren sehr geplagt, die königin und die zofe gestochen und genagt Göthe 14, 106; als der könig Rhampsenit eintrat in die goldne halle seiner tochter, lachte diese, lachten ihre zofen alle Heine 1, 329. oder verächtlich, gehässig, wie schranze, besonders ende des 18., anfang des 19. jh. der miszbrauch wütet scharf, und macht uns so veracht, dasz jungfer, zoff und trosz mit steifen fingern lacht Günther 389; das andenken der pracht der .. kleider, in der sie sich oft der gaffenden menge der zofen und kammerdiener gezeigt hatte Nicolai Seb. Nothanker 1, 1; damit geschminkte zofen ihn befächeln Schubart 2, 68; pfui über dich buben hinter dem ofen unter den schranzen und unter den zofen Körner 1, 140 Hempel. unter den umgebungen (im gegensatz zu den 'groszen herren' selbst), den höflingen, kammerdienern, zofen, da erhebt sich das kreuz des künstlers Hegner 5, 129. in derselben auffassung braucht F. L. Jahn zofe als m. und das verb zofen: wer immer nur dann mit einstimmt, wenn andre leute der wahrheit und gerechtigkeit das wort reden, ist ein zofe und schranz 2, 473; solcher mag .. hinter papst Hildebrand als rauchfaszschwenker zofen 80. 5@cc) daher bildlich soviel als gefällige, käufliche dienerin: das glück ist eine zofe, so sich nach ihrer frau, der unbeständigkeit in allem richten musz Günther 1028; die kunst wurde eine zofe der königspracht Böttiger kl. schr. 2, 7; entsetzlich schnell verwilderte die bühne nach Shakespeares tode, sie ward eine zofe der Stuarts Treitschke hist. und polit. aufs. 1, 4.
9236 Zeichen · 139 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ZOFEswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)

    ZOFE swm. ziehe. keyn Garten zofte (: hofte) Jerosch. 2,480. a. vgl. zâf, zâfe.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Zofe

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Zofe , plur. die -n, Diminut. das Zöfchen, eine weibliche Bediente, welche unter dem Nahmen der Kammerjungfer am bek…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Zofe

    Goethe-Wörterbuch

    Zofe [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Zofe

    Rheinisches Wb.

    Zofe -ōf Köln-Stdt f.: en al grau Z. ein altes Weib.

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zofe‑ als Erstglied (10 von 10)

Zofeli

Idiotikon

Zofeli Band 17, Spalte 336 Zofeli 17,336

zofendienst

DWB

zofen·dienst

zofendienst , m. : statt dessen ( statt einer zofe) erscheint jeden morgen und jeden abend ein kleines scheuszliches gespenst .., das zofend…

zofengöttin

DWB

zofen·goettin

zofengöttin , f. , der liebe gott hat männer und weiber erschaffen und keine lakaiengötter und zofengöttinnen Ludwig 3, 713 , vgl. 1 zofe 4 …

zofenhaft

DWB

zofen·haft

zofenhaft , adj. : schon hat sich ein heimlicher briefwechsel gebildet, den Dorchen befördert. Lisette steht ihr gefällig zur seite .. beide…

zofenknabe

DWB

zofen·knabe

zofenknabe , m. : kaum hatte er sie in die wohnung hinaufgeführt, wo sie von frau Marianne und dem zofenknaben sogleich bedient wurden Kelle…

zofenmaul

DWB

zofen·maul

zofenmaul , n. , heute etwa ' das mundwerk einer zofe ' s. maul th. 6, 1782: zofenmaul ist sonst doch viel geschwinder Müllner dram. w. 5, 1…

zofensorgfalt

DWB

zofen·sorgfalt

zofensorgfalt , f. : wer sah, mit zofen-sorgfalt, mich, den schönsten zu gefallen, schmücken? Göckingk ged. 1, 93 . —

zofenstimme

DWB

zofen·stimme

zofenstimme , f. : eine zofenstimme ertönt: 'die gnädige frau läszt bitten' Kotzebue sämmtl. dram. w. 31, 96 .

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APA
Cotta, M. (2026). „zofe". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/zofe/dwb?formid=Z07832
MLA
Cotta, Marcel. „zofe". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/zofe/dwb?formid=Z07832. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „zofe". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/zofe/dwb?formid=Z07832.
BibTeX
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