wölben,
vb. , '
bogenförmig decken'.
ahd. nicht belegt, aber *faruuelben,
*faruualpen (
mit obd. umlautshinderung vor l +
konsonant Schatz
ahd. gr. 43) '
subvertere'
wird durch za faruualpnussi, za faruualpnassi '
ad subversionem'
ahd. gl. 2, 99, 65; 111, 8
vorausgesetzt; mhd. welben;
as. im comp. behwelbean '
überdecken' (
Heliand 1406 M),
ebenso ags. behwielfan '
bedecken, untertauchen, umstürzen'
; mnd. u. mnl. welven Schiller-Lübben 5, 667; Verwijs-Verdam 9, 2138.
an. hvelfa '
umkippen',
auch '
wölben, mit einem gewölbten dach versehen',
norw. kvelva '
wölben, stürzen',
schwed. välva,
dän. hvælve '
wölben, umstülpen, umkippen',
aschwed. hvælva '
mit einem gewölbe versehen',
causativum zu einem stv. *hwelban '
sich wölben'
in norw. kvelva,
aschwed. hvälva,
schwed. dial. (h)välva, gvälva Falk-Torp 442; Hellquist
21388; Torp 345,
von dem im an. nur das part. holfinn (Falk-Torp
spracheinheit 117)
und mhd. das prät. walb (
bei Nicolaus v. Jeroschin 11142; 13537)
bezeugt sind. gemeingerm. wurzel *hwelb (hwelf
ist nicht gesichert),
zu der ahd. uualbon '
sich drehen' (
vom himmelsgewölbe),
das subst. mhd. walbe,
m., '
einbiegung des daches',
nhd. walm (
s. o.),
ags. hwealf,
subst., '
gewölbe' (under heofenes hwealf),
an. hvalf '
gewölbe, gewölbte decke, gewölbte seite',
ferner ags. hwealf '
connexus'
gehören (
die bedeutungen der oben angeführten schw. verba erklären sich z. t. durch einwirkung dieser nomina, s. M. Schnieders
die einheim. schw. verben der jan-
kl. im an. [1938] 15),
ferner der got. dat. pl. hwilftrjom (
Luc. 7, 14
σορός) '
sarg, totenkiste'.
idg. wurzel *qelp,
zu der gr. κόλπος '
busen',
aber nicht lat. culcita '
polster' (
wz. *qelq)
zu stellen ist, s. auch Walde-Pokorny 1, 474; Walde-Hofmann 1, 302.
der stammvokal ö
für älteres e (
rundung durch einflusz der folgenden liquida l)
ist vom 15.
jh. an bezeugt, zuerst rheinisch und obd., dann schriftdeutsch seit dem 17.
jh., doch finden sich belege für welben
noch im 18.
jh.; die wbb. des 16.
jh. gebrauchen noch die ältere form welben,
z. b. Er. Alberus
dict. (1540) D 1
b; Frisius (1556) 275
a; Bas. Faber (1587) 130
b; Calepinus
XI ling. (1598) 190
a; 290
a; 581
b;
ebenso Luther.
die wbb. des 17.
jh. verzeichnen meist beide formen, so Hulsius (1618) 2, 197
a; 275
b und Stieler (1691) 2573; Widerhold (1669) 414
a bucht nur welben, Reyher (1668) 830
nur wölben.
aber noch Kramer (1700) 2, 1384
a und Rädlein (1711) 1, 1044
b; 1071
a führen beide formen an. spätere wbb. nur wölben,
so Adelung, Campe
u. a., s. auch teil 4, 1,
sp. 6654
f. s. v. gewölbe.
rückumlaut im prät. (walbte)
nur mhd. bedeutung und gebrauch. in den mhd. belegen des 13.
jh. (
ahd. belege fehlen)
überwiegt die bautechnische verwendung bereits so sehr, dasz der übrige gebrauch, besonders bei der beschreibung des menschlichen körpers (
s. u.B 2
und C 1),
als ableitung davon erscheint. diese bautechnische bedeutung, deren vordringen vielleicht mit der ausbreitung des römischen gewölbebaus zusammenhängt, fehlt noch in den frühesten westgermanischen zeugnissen, vgl. den einzigen as. beleg aus dem Heliand: ni scal neoman lioht ... te hardo behuuelbean (bihullean C)
zu Marc. 4, 21:
neque accendunt lucernam et ponunt eam sub modeo, ferner die ae. belege für hwilfan, ahwilfan, behwilfan, ofhwilfan
und hwealf (
subst. u. adj.). (
das engl. nahm als fachausdrücke der baukunst erst später die frz. lehnwörter to vault
und to arch
auf.)
die erweiterung des vorstellungsinhaltes von wölben
zu '
bogenförmig durchkrümmen'
gehört der jüngeren zeit an. AA. wölben
als transitives verb. es verbindet sich in der bedeutung '
gewölbeartig bedecken'
mit affiziertem, in der bedeutung '
in form eines gewölbes herstellen'
mit effiziertem object. A@11)
einen steinbau mit bogendecke versehen, gewölbeartig bedecken; welben, gewelb machen
far la volta della casa Hulsius (1618) 275
b; wölben
nennt man es, wenn man einen raum mit einem gewölbe überdeckt Helfft
wb. d. landbaukunst (1836) 412; (
er wuszte nicht,) ob es (
das kloster) gewelbet was enboben
passional 400, 41
K.; do welbeten si daruf ir werc (
tempel), swie si daz obene wolden haben
ebda 575, 72; die geste half daz sêre, daz der sal gewelbet was: dâvon ir deste mêre in der nôt genas
Nibelungenlied 2178, 1
Zarncke; wie der chor an dem neuen bau under dasz tach kumpt und gewelbt wurd Knebel
chron. v. Kaisheim 150
lit. ver.; iedoch ward das münster ... volbracht, gwelbt, gedeckt inn 260 jaren Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 284
b; diser gang werde gewelbt und zu rings herumgefürt A. Dürer
befest. d. stett (1527) B 4
b; als man schreib tusent und 99, do hub man an zu welben dy kerchen zu sente Peter zu Erffort Stolle
thür. chron. 191
lit. ver.; wobei er den versuch machte, sie (
die bibliothek) auf eine besondere art zu wölben Archenholz
England u. Italien (1785) 2, 39; liesze sich nicht der keller etwas höher wölben? Fontane
ges. w. I 6, 384. A@22)
in der form eines gewölbes herstellen; welben
testudinare Diefenbach
gloss. 581
c; woluen
testudinem facere nov. gl. 363
b; welben ... zuo eim gwelb machen
s. v. concamero Frisius
dict. (1556) 155
a. A@2@aa)
mit acc. des inhalts, wobei das obj. in sich die vorstellung des gewölbten oder bogenförmigen schon enthält: um einen bogen zu wölben (
muszte) eine weit gröszere lücke als die thüre in die mauer gebrochen werden Göthe I 49, 1, 217
W.; seine (
Brunelleschis) erkenntnisz des antiken kuppelbaues ... setzte ihn in den stand, die kuppel des domes in Florenz zu wölben Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 32; heisze quellen ..., über welche die Türken ihre kuppel wölbten Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 114. A@2@bb)
in weiterer verwendung '
einen gegenstand bogenförmig gestalten, gewölbeartig aufbauen': des himmels bunte decken ... wölbt deine hand so rund Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 717; Luthers
übersetzung psalm 104, 3: du welbest es oben mit wasser, du ferest auf den wolcken,
die in der späteren literatur wiederholt begegnet, so bei Herder 6, 14
S., geht nicht auf den vulgata-text zurück, sondern folgt dem hebräischen in der ausdrucksweise (er bälket mit wasser sein obergemach Bindseil 3, 239
anm.);
dazu vgl. die angabe des protokolls: du hast droben ein gewelb gemacht, das deckestu mit wasser
dt. bibel 3, 568, 20
W.; ferner die kommentierenden bemerkungen Luthers: wir gehen unter den wolcken ut sub eim gewelb. aquas: er meint aerem et nubes
ebda 3, 129, 13
W. zweige wölb ich über deinem haupt und moos und blätter breit ich dir zum lager Hölderlin
ges. dicht. 2, 264
L.; freundlich erhob sich der greis und warf das geflecht aus den händen welches der bienenjugend er wölbete J. H. Voss
s. ged. (1802) 2, 313. A@33)
bogenförmig durchkrümmen, gewölbeartig erheben: hochauf wölbte der wind das volle segel J. H. Voss
Odyssee 33
Bernays; die flamme rauscht, die der sturm, laut wie ein mer, wölbet und hebt grafen Stolberg
ges. w. (1820) 5, 28; jener wölbte die schultern Chamisso
w. (1836) 4, 285; don Domenico wölbte die brust, (
um zu singen), stellte einen fusz vor den andern und legte den kopf zurück Werfel
geschwister v. Neapel (1931) 40. BB.
reflexiv. B@11)
als bautechnischer terminus; bildlich: diu hôhe (
der minnegrotte) deist der hôhe muot, ... die wîle er sich gehaben wil hin ûf, dâ sich der tugende gôz (
gewölbeschluszstein) zesamene welbet an ein slôz Gottfried v. Straszburg
Tristan 16948
R.; wie majestätisch wölbt sich die vierte (
rede Schleiermachers) gleich der kuppel eines tempels Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 2, 292; kauflauben wölbten sich davor (
vor dem hause) H. Zillich
zw. grenzen u. zeiten (1936) 248. B@22)
in freier verwendung: '
sich im bogen erheben, ausbreiten',
häufig mit lokal- oder zielangabe: zwô brawen heten sich dar obe gewelbet und gekrümbet wol Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 19925
K.; dâ sich diu brüstel und diu kel z'ein ander welbent under in
ebda 20229; ein auge, über dem sich die ... augenbrauen majestätisch wölbten Miller
Siegwart (1776) 2, 528; frei und offen musz die stirne (
des menschen) sich wölben Schiller 10, 57
G.; allein wie herrlich diesem sturm ersprieszend, wölbt sich des bunten bogens (
regenbogens) wechseldauer Göthe I 15, 6
W. (
Faust II,
v. 4722); wenn ... hoch und höher die nacht sich über seinen klagen wölbte
ders. I 11, 294
W.; ein lieblicher himmel wölbte sich über uns Ulr. Bräker
s. schr. (1789) 2, 236; die berge wölben sich immer einer höher als der andere weiter fort gen himmel Heinse
s. w. 4, 364
Sch.; (
ein) hof in dessen mitte sich ein ... baum über einem ... springbrunnen wölbte Eichendorff
s. w. (1864) 2, 294; o dann wölbt sich ruhig einst der hügel meines grabes über mir Schubart
s. ged. (1825) 3, 31; orangenbäume wölbten sich zu lauben Kerner
bilderbuch (1849) 4; kam ein wildbach rauschend hergeschossen, hoch sich wölbend stürzte er vom felsen Agnes Miegel
ges. ged. (1927) 14; gerade dem einsamen haus gegenüber wölbt sich mächtig der blaugrüne Kolmberg Kluge
Kortüm (1938) 18;
um etwas: der weinstock wölbt sich um die fenster Adelung
lehrgeb. 2, 151;
sich vom ausgangspunkt weiter entfernend als '
emporsteigen': wie eine lerche wölbt sich ihr gesang, wie eine wachtel fällt er Hippel
lebensläufe (1773) 3, 2, 92; das herz, das ... sich zu Gott wölbte
ebda 3, 1, 202. CC.
part. als adj. C@11)
part. prät. gewölbt. C@1@aa)
vom steinbau. gemaurete und gewelbte steinine gemach, die man etwan für das fheür macht Frisius
dict. (1556) 429
b s. v. saxea dissepta; ein gewölbte kammer
camera fatta in volto Hulsius (1618) 2, 70
a; ein gewölbter keller, gewölbtes zimmer, gewölbtes grab Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1384
a: (
ein) turn der gantz stainen und alles (
durchaus) gewelbt was (1509)
Fortunatus 86
ndr.; gewölbte cellen oder gemächlein Braun
beschr. u. contrafactur (1581) 3,
register; kunstreyche gewelbte brucken Stumpf
Schweizerchron. (1606) 8
b; (
zum rösten des erzes braucht man) ein gewelbten ofen Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1621) 222; (
er) führte (
sie) durch einen gewölbten gang A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 4, 665; ein gewölbtes untergeschosz Göthe IV 35, 43
W.; ein ... gothisch gewölbtes gemach Eichendorff
s. w. (1864) 2, 294; über ihnen erhob sich ... die halb gewölbte decke des saales G. Keller
ges. w. (1889) 3, 160. C@1@bb)
in weiterer verwendung für bogenförmig, gerundet, gebogen, konvex, konkav: ein gewelbt wäglin
covinus Alberus (1540) e 1
b; ein ... kast mit einem gwelbten deckel
arca camerata Frisius
dict. (1556) 113
b.
besonders von körperteilen, schon mhd. von augenbrauen (
Mai und Beaflor 9, 40),
lippen (Frauenlob
minneleich 27, 3)
gesagt. nhd.: des hirss füsse sind stumpff und ist die schal gewelbt Sebiz
feldbau (1579) 573; doch sind sie (
die schalen des hirsches) gewölbter und nicht so spitzig Hohberg
georg. cur. (1682) 2, 612; ist sie (
die stirne) nicht feiner gewölbet als ... Grimmelshausen
Simpl. 118
Sch.; hinter den breiten, hohen, schön gewölbten stirnen Schopenhauer
w. 1, 24
Gr.; Gutzkow
ges. w. (1872) 6, 288; (
Apollo v. Belvedere hat) augen ... mit groszheit gewölbet Winckelmann
bei Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 133; ein stolzer wuchs, eine gewölbte brust
dtsche erzähler d. 18.
jh. 32
Fürst; Herder 15, 132
S.; die ... haltung des schön gewölbten nackens Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 88; die augenbrauen (
waren) gewölbt Forster
s. schr. (1843) 1, 218; eine gewölbte, stark zweigeteilte stirn mit vortretenden schläfenadern Th. Mann
Dr. Faustus (1948) 23; mit schön geformten, ovalen, gewölbten nägeln
ebda 268.
von baum, fels: eine ... grosse, schön gewölbte linde Heinse
s. w. 10, 198
Sch.; die nymfe Thoosa, ... die im gewölbeten fels sich dem Poseidon gesellet J. H. Voss
antisymb. (1824) 2, 459. C@22)
part. präs. wölbend
für schwellend, gerundet: zwischen der stadt und dem berg verbreiten felder und auen ihren wölbenden rücken J. J. Bodmer
Noah (1752) 6; im wehen wölbender buchen Eschenburg
beispielsammlung (1788) 4, 232; die höchsten gebirge schlieszt winzigklein der wölbende bogen des himmels ein Blumauer
ged. (1782) 4; zarte wölbende brüste Hans v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 4. DD.
kompositionen. sie entstammen vornehmlich der bautechnik: wölbbogen: arc d'une voûte Schwan
dict. (1783) 2, 1067
a; Schönermark-Stüber
hochbaulex. 892;