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verfallen

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

verfallen verb.

Bd. 25, Sp. 295
verfallen, verb. zusammenfallen, fallend verschwinden, ahd. farfallan Graff 3, 461, mhd. vervallen, mnd. vorvallen; die vorsilbe ver verstärkt in den meisten fällen das einfache fallen, mitunter gibt sie ihm eine tadelnde nebenbedeutung oder sie beeinfluszt die bedeutung nicht weiter, so dasz fallen und verfallen gleich sind. 11) intransitiv, zusammenfallen, durch (allmähliches) zusammenstürzen zu grunde gehen: mhd. sît bî uns dit edele kint die keiserlîche gotes vruht, nu seht, wie sî (die götzenbilder) mit unzuht her unde dar zustrewet ligen unde aller crechte virzigen, vervallen unde verbrochen. pass. 39, 20 Hahn; nhd. verfallen, ruina opprimi Stieler 424; verfallen als ein gebäude, corruere, ruina disjici Frisch 1, 244c; verfallen sein: vormeinen eczlich, weil er (Sickingen) gesehen hett, das das schlosz Landstall szo hart geschossen und vorfallen were, das es unmochlich gewest vor dieser gewalt zcu erhalten .. solde er im selbst mit gifft abgeholffen haben. ernest. ges.-archiv 1523; drumb siht man itzt, das Welschlandt fast wust ist, kloster vorstorct ... stet vorfallen, land und leut vorstorben. Luther an d. chr. adel 19 neudruck; zu seiner zeit war der brunnen verfallen, den fasset er mit kupffer. Sirach 50, 3; da nu das volk zusamen kam und anfieng zu bauen, dieweil die maur uber dem bach gegen morgen verfallen war, baueten sie dasselbige stück wieder. 1 Macc. 12, 37; vile stett sind durch erdbidem verfallen. Reiszner Jerus. 2, 160b; es ist ein pallast und lusthausz gewesen, aber ietz der merteil ein steinhauff voll verfallens und ödes gepews. Frank weltb. 16b; verfallne äschen, wenn das fheür gar erlOeschen ist, cineres collapsi. Maaler 418a; verfallene häuser, aedes collapsae. Stieler 424; verfallen als ein brunne, terra illapsa repletus. Frisch 1, 244c; schon manche thräne hab ich dem abgeschiednen in dem verfallenen cabinetchen geweint, das sein lieblingsplätzchen [] war. Göthe 16, 7; über dem thore steht das alte verfallene schlosz in seinen groszen und ernsten halbruinen. 43, 61; wir kamen an einer verödeten verfallenen klosterkirche vorbei. Bettina tageb. 110; nicht immer waren so morsch und verfallen diese mauern mit ihren zahnlosen zinnen. H. Heine 4, 5; wirst du dich des alten, verfallnen nebengebäudes an dem tempelhause erinnern? Gutzkow ritter 1, 80; zu asche verfallen. Klinger 6, 183; bildlich: aldo verfiel (mir) die ganze welt. Murner geuchm. 1044 Scheible (ausdruck der verzweiflung, als ihm seine dirn untreu wird). 22) vom körper gesagt, zusammensinken, die gesunde spannkraft und ausdehnung verlieren, kraftlos werden: aber ich Daniel ward seer betrübt und meine gestalt verfiel. Daniel 7, 28; kein wunder denn, sagte der director, dasz der unkluge so verfiel und zum jammerbilde wurde. Tieck nov. 3, 144; meine gestalt ist verfallen fur trauren und ist alt worden. psalm 6, 4; du bist durch die kränklichkeit verfallen, morbo tabuisti. Steinbach (1724) 72; sie war so blasz die arme frau, so blasz und welk und verfallen. Spielhagen 18, 79; der general sah in der that grau und verfallen aus. in reih u. glied 4, 80; etwas schon an den schläfen verfallen. Gutzkow Serapionsbr. 3, 112; mit angabe der krankheit: (er) zog eine rührende elegie aus der einen tasche, worin (ich meine in der elegie) ein an der liebe verfallender edler sich selber niedersang. J. Paul 11, 16; von der körperkraft: seine augen waren nicht tunckel worden und seine krafft war nicht verfallen. 5 Mos. 34, 7; von körpertheilen: ich will euch heimsuchen mit schrecken, schwulst und fieber, das euch die angesicht verfallen und der leib verschmachte. 3 Mos. 26, 16; als er im öl badet, sind im alle glieder verfallen und krafftlos worden als ob er tod wer. Reiszner Jerus. 2, 92a; das mündlein von corallen wird ungestalt die händ als schnee verfallen und du wirst alt. Opitz 2, 195; Lea aber hatte ein blöde gesicht, nicht weis ich, ob er von blöden augen oder vom ganzen angesicht redet, als wir sagen: mager, dürr und bleich von angesicht, verfallen und nicht voll. Luther 4, 163; verfallene angesicht, genae flaccidae. Stieler 424; wenn mit tiefem verfallneren auge die todtengräber durch die leichname wandeln. Klopstock 3, 551; hierher gehören auch ausdrücke von schwindenden sinnen: ab eim die oren verfallen, das er nit wol gehören mag, der neme ein gallen eines widders, temperir die mit brauen gespün und trauf das in die oren. Schöner nützlich büchl. viel bewehrter arznei (1534); das alter verzehret man in jammer und elend ... die glieder zittern, die nase triefft, der kopf wird kahl, das gehör verfällt. Simpl. 2, 112, 24; kranke, welchen die sprach allbereit verfallen. Hohberg 3, 1, 176b; baldriansaft ist gut in die oren getropft fur die orengeschwer, fur verfallens gehör. Fischart horn des heils (kräuterb. 1576) 62. 33) durch fallen schaden nehmen: das obst verfällt. Schm. 1, 703 Fromm.; von menschen, durch fallen sich beschädigen, todtfallen: mhd. Cuncz Katerpek sein son, der in aim perfrid verfil. städtechron. 1, 90, 23; nhd. im selbigen bergwerck sind auff ein tag etlich hundert heuer verfallen. Mathesius Sar. 17a; verfallen, under einem faal umbkommen. Maaler 418a; überhaupt sterben: wo einer unter ihnen ohne erben vorfiele. weim. staats-archiv 1614 (Leutenthal); er verfiel im jahr 1186 und liesz einen einigen sohn nach. Micrälius a. Pomm. 3, 305; wo ich in diesem unwesen (nach dem 30jährigen kriege) euch plötzlich verfallen sollte. Moscherosch christl. serm. 17; eure leibe sollen in dieser wüsten verfallen, und alle die ir gezelet seid .. die jr wider mich gemurret habt. 4 Mos. 14, 29; wenn aber beide in gott dem herrn verfallen sind. Adelung versuch 4, 1413; mit erklärenden zusätzen: und so derselbigen kinder auch nach dem willen gots dar nach todtshalben sein verfallen. ernest. ges.-archiv 1500; so seine söhne und nepoten tödtlich verfielen. weim. staats-archiv 1702 (Wien); todes verfallen. Adelung versuch 4, 1413; in älterer zeit auch mit tode verfallen: so aber die gedachte unser liebe schwester nach dem willen gottes mit tode vorfallen were. Arnstädter urkb. herausg. v. Burkhardt 427 (vom j. 1496); selten von sachen, zu grunde gehen: also hat Judas auch gethan und was fur bücher, weil kriege im lande gewesen sind, verfallen, wieder zusammengebracht. 2 Macc. 2, 14. [] 44) auf abstracte dinge angewandt, verfallen, fortfallen, aufhören, wertlos werden: so hab ich noch den schatz, der da ewig bleibt und kan mir nicht feilen noch verfallen. Luther 7, 62b; gott werde uber seinem worte halten und viel ehe lassen himel und erde vergehen, ehe ein einiger tüttel oder buchstabe davon verfalle. 2, 65b; (es) ist kein wunder, das ir (der vorfahren) redliche wort und that verfallen seindt. Frank weltb. 22b; daher kumpt es, das die alten nammen so vieler ding .. verfallen und vom neuwen volck neu genent worden seindt. vorr. 2b; besonders von zeit und fristen: da ich dann bei verfallender zeit gehörig gutte zahlung tuhn wil. Butschky kanzl. 629; die zeit ist verfallen, die zeit ist verstrichen. Adelung versuch 4, 1413; ei, wie schad ists um die zeit, die mit reimen ich verspiele! übler würde reimen sichs, wann mit nichtsthun sie verfiele. Logau 2, 17, 44 (302 Eitner); es ist noch nirgends das ziel (zum zahlen) verfallen, wirt auch nit verfallen. Wickram rollw. 54; der wechsel verfällt, der wechsel ist verfallen, die wechselfrist ist zu ende; zinsen verfallen, die frist für die zinszahlung ist vorbei: als begehren wir hiermit ihr wollet nunmehro denen neuen vasallen die verfallenen zinszen auszahlen. weim. staats-archiv 1713; die fernerweit den 5. juli 1723 verfallenen 40 fl. zinszen (fällige zinsen). ebenda 1724. 55) in rückgang kommen, selten von menschen, geistig zurückgehen: Herder verfällt wirklich zusehends und man möchte sich zuweilen im ernst fragen, ob einer der sich jetzt so trivial, schwach und hohl zeigt, wirklich jemals auszerordentlich gewesen sein kann. Schiller briefw. mit Göthe (780) 6, 25; von dingen, zurück, zu grunde gehen: dann etlich achten er (der christliche glaube) sei bei den teutschen gleichwol durch apostolisch menner angericht .. aber wider verfallen. Frank weltb. 35b; (hat) die unter den heutigen christen so sehr verfallene liebe wieder in schwang gebracht. ehe eines m. 284; auf der andern seite lieszen die bonzen von der blauen partei .. diesen anlasz ihre verfallenen angelegenheiten wieder herzustellen, nicht unbenützt. Wieland 7, 90; (wir setzten uns) unter den ersten besten baum, wo wir unsern ehmahligen gefährten Sinan, den dichter, in ebenso verfallnen umständen antrafen. 8, 64; die bildsäule (war) aber in sehr verfallnen und wurmstichigen umständen ... noch zur zeit des gegenwärtigen zu sehen. 20, 65; der damals in verfallenen umständen mit seinen drei söhnen von der güte seines schwagers lebte. Dahlmann n. gesch. 1, 442. 66) verfallen, hinfallen, fallen; ver hat also hier und in den folgenden bedeutungen seine verstärkende wirkung eingebüszt. sinnlich (selten): mhd. die unwissen treme an der valschen brucken begonden sich entzucken und lieʒen in vervallen. pass. 272, 26 Köpke; nhd. ich wurde ubergnöpfen und über den grusamen felsen verfallen. T. Platter 9 Fechter; so verfalle nu mein blut nicht auff erden, von dem angesichte des herrn. Samuel 1, 26, 20 (die sogenannte probebibel, Halle 1883, übersetzt: so falle nun mein blut nicht auf die erde ferne von dem angesichte des herrn); deiner vollen brust geschwister künte vor zusammen spielen; was bedeuts, dasz sie von sammen, Pinca, jetzt hinab verfielen? Logau 3, 256, 224 (670 Eitner); wie wir sagen das wasser fällt, d. h. es sinkt, verläuft sich, so auch das wasser verfällt. dieser ausdruck noch im hüttenwesen: verfallen, von wassern, durch klüfte oder andere im gestein befindliche öffnungen ablaufen. Veith 522; bildlich: allen, welche von der rechten bahn auf verkehrten weg verfallen. gesang 'Jesus nimmt die sünder an' v. 1; er sehe nur zu, dasz er von seiner einbildung und reichthumb nicht verfalle und endlich arm werde. pers. baumg. 7, 29; ebenfalls bildlich: der ton fällt auf die silbe, Logau verfällt: deutscher reimkunst meistes werck steht im beilaut oder schalle, ob der silben auszspruch kurz, lang und wo er hin verfalle. 2, 124, 26 (333 Eitner). 77) zu dieser bedeutung gesellt sich gern die nebenbedeutung an einen falschen ort fallen, und verfallen steht daher mit tadelndem sinne: und wenn er die plick (die silberkuchen) auff einem rost abgewermet, so zuschlagt er sie auff einem stock, der in der mitt ein krinne hat damit nichts davon verfalle. [] Mathesius Sar. 150a; so aber auch ein sahmen zwifach felt und fürnemlich so einem alle sahmen zwifach fallen, werden zwei kinder darausz: das ist allein die ursach, das die sahmen ungleich fallen oder verfallen oder zwen ungleich sahmen zusammen kommen. Paracelsus 2, 66b; bildlich: es ist nicht eins verfallen aus allen seinen guten worten, die er geredt hat durch seinen knecht Mose. 1n. 8, 56; und wären auch eure ohren vom gehör verfallen. Luther br. 3, 356; als auch die berg von jrer voriger fruchtbarkeit weit seind verfallen. Frank weltb. 176a; hierher der nautische kunstausdruck: das schiff verfällt auf die fremde küste, ein schiff weicht vom bestimmten laufe ab und kommt an fremdes land. Adelung 4, 1412. 88) abstracter gebrauch, aus diesen sinnlichen verwendungen (6, 7) entwickelt, wo sich näher bestimmende substantiva mit präpositionen (in, auf) anfügen. 8@aa) in etwas: in straf verfallen, mulctam facere. Stieler 424; die Römer muszten dies (das genaue setzen der bindewörter) wegen der kürze ihrer worte thun, wenn sie nicht in den abgeschnittenen stil verfallen wollten. Herder 2, 176; aber ich verfalle wiederum in die kritik des stückes und ich wollte von den schauspielern sprechen. Lessing 7, 13; wenn dieser letztere (der ausgebildetere zustand) als vorher und zuerst gewesen angenommen wird, so musz der mensch doch nachmals wieder verwildert und in rohigkeit verfallen sein. Kant 10, 384; besonders bei krankheiten und krankhaften zuständen: in eine schwere krankheit verfallen; er verfiel in wahnsinn; wo dieses geschicht, so wird der arme Jacob in einen schlechten zustand verfallen. Weise comödienpr. (1696) 127; ich verfiel zur bestimmten zeit in einen wahren zauberschlaf. Thümmel 1, 39; sie verfiel in eine wehmuth, die ihr um desto ängstlicher ward, als sie solche zu verbergen und ihre thränen zu verschlucken suchte. Göthe 16, 185; der kranke verfiel in ein fieber. 19, 55; doch verfiel man zu geschwind wieder in sorglosigkeit, und ehe man sichs versah, brachen wieder neue übelthaten hervor. 21, 27; ein wahn, in den man leicht verfällt, wenn man einem meister zusieht, dem alles bequem von der hand geht. 21, 209; gar viele vergeuden hiedurch den schönsten theil ihres lebens und verfallen zuletzt in wundersamen trübsinn. 31, 8. 8@bb) verfallen auf etwas, nachdenkend zur beschäftigung mit etwas kommen; oft mit dem gedanken des unerwarteten: er verfällt aufs böse, ruit in pejus. Steinbach 1, 376; wie konnten sie darauf verfallen, dasz die gelindigkeit der aldermänner .. die so viel pöbels als sie wollen landes verweisen können, allein schuld daran wäre, dasz .. Klopstock 12, 159; das liebe publicum würde wahrhaftig, wenn es gedächtnisz hätte, am ende darauf verfallen, die guten bücher lieber mehrmals zu lesen. Tieck 15, 5. — nichts will ihm mehr schmecken, bis er endlich auf etwas verfällt, was jedem gesunden magen abscheu erwecken würde, auf faule eier. Lessing 7, 147; um seiner los zu werden, verfiel ich auf das einzige mittel, das uns bei einem schwätzer übrig bleibt: ihn selbst zu verlassen. Thümmel 2, 60; sie (die baumeister) verfielen, indem sie nur nicht ebendasselbe machen wollten, auf falsche wege. Göthe 43, 44; kein denkender kopf wird darauf verfallen. Tieck 5, 499; erlaubte vergnügungen sättigten ihn (den reichen) nicht mehr, seine begierde verfiel nun auf heimliche. Schiller hist.-krit. ausg. 9, 138; indem ich als mensch auf den allertollsten gedanken verfalle. Tieck Sternb. 1, 223; verfallen allein scheint auch möglich: verfiel ich, einen kammerassessor in die welt zu schicken. Merck briefw. 1, 251. 8@cc) verfallen mit einem, eigentlich zusammen mit einem andern niederfallen, mit der nebenbedeutung nach verschiedenen richtungen auseinanderfallen, von einander abfallen (gewöhnlicher heute zerfallen): sie ist mit ihrer familie verfallen! sie hat unter den vorurtheilen derselben zu leiden. Gutzkow zaub. v. Rom 4, 244. 99) verfallen und besonders auch die participialconstruction verfallen sein einem, einer sache, eigentlich vom bisherigen hinweg und einem andern zufallen, daher in fremde gewalt kommen, aus dem bisherigen zustande, besitze in einen andern, in die gewalt eines andern übergehen. absolut: ich seh es ein, verfallen ist mit recht, was ich im irrthum mein genannt. Tieck 3, 153; mit angabe desjenigen, in dessen besitz etwas übergeht: so name des marschalgs knecht das pferdt, dar uff der furst gesessen was, das was dem marschalg hern Sigmonden von Papenheim verfallen. Janssen reichscorr. 2, 1, 433 (vom j. 1486); [] die schöne locke, dieses seidne haar, verfallen schon den finstern todesmächten, gebraucht, den sklaven ewig zu umflechten. Schiller hist.-krit. ausg. 12, 507 (M. Stuart 3, 6); der kranke ist dem tode verfallen; der verbrecher verfällt dem gerichte; dem teufel verfallen; es ist erkannt durch vierzig stimmen gegen zwei, dasz ihr die akte vom vergangnen jahr gebrochen, dem gesetz verfallen seid. Schiller hist.-krit. ausg. 12, 434 (M. Stuart 1, 7); als ausdruck im gerichtswesen: wenne ein gotzhusman sinen herren verratet an lib oder an sinen eren ... des lib und guot ist dem gotzhus vervallen und nit dem ammann. weisth. 1, 3 (14. jahrh.); so ein inwoner zu Reichenbach der pfaltz leibseigen angehoriger .. tods verscheiden, so sei der pfaltz ein houptrecht und auch ein hertrecht verfallen. 1, 476 (von 1514); welcher mensch diese wort verendert, von des hause sol man einen balcken nemen und auffrichten, und jn dran hengen und sein haus sol dem gericht verfallen sein. Esra 6, 11; als güter dem obern verfallen, in fiscum principi redigi. Frisch 1, 244c; hier stand die figur als ein heiliger engel mit dem beisatze eingetragen, dasz er bei der ersten besitzerin des hauses versetzt worden und ihr für aufgelaufene zinsen verfallen sei. Thümmel 3, 66. häufig ist die person als verfallend gedacht, der, dem etwas zufällt, mitunter als selbstverständlich ausgelassen; dasjenige, wodurch busze geleistet wird, tritt auf mannigfaltige weise zu. mit genitiv: darnach fragt man, wes ainer schuldig und verfallen wäre, der ain urbargut entlidet. Salzb. taidinge 1, 2, 7; so sol und wil ich darumbe zcu pene dem sogenanten mym gnedigen herren verfallen syn alles myns veterlichen erbteils. ernest. ges.-archiv 1468; procurator. was ist dessen straffe? meierdingsleute. ist seines guts verfallen. Hohberg 3, 1, 22b. 23a; mit präpositionen: deszgleichen an vielen enden der miszbrauch, so ein schiffmann mit seinem schiff verferet, schiffbrüchig würde, dasz er alsdann der oberkeit desselbigen orts mit schiff, leib und güttern verfallen sein solt. Carolina art. 218; daruf hat der scheffen vor recht gewist, wo iemand wider die obangezeigte erlangte freiheit gehandelt und daruber gefrevelt hette, soll mit der poen verfallen sein, wie die kaiserl. freiheitsbrieve inhaltet. weisth. 1, 648 (vom j. 1556); der gerichtssprache scherzhaft nachgebildet: sy, so bistu mir mit einem guten trinkgelt verfallen. Kirchhof wendunm. 286b. in älterer zeit ist das verwirkte am liebsten im accusativ beigefügt: spricht man zurecht derselb wär ain halb pfund pfenning verfallen. Salzb. taidinge 1, 1, 16; hette auch ein herre mit deheine sime manne icht zu schaffen oder ob er im icht verfallen were, wollen wir daʒ er sich mit mie riechte minnecliche oder rechtecliche. Böhmer cod. dipl. moenofr. 565 (vom j. 1340); wer den andern anspricht umb ein e, es syge frowen oder man behept er die nit an einem rechten, so ist er vervallen den burgern zehen pfundt. weisth. 1, 85 (vom j. 1501); dazwischen ist ein seil, wer disz übertret, der ist den kopff verfallen. Frank weltb. 193b; so iemant eins handtwercksmans aug oder handt verletzt und erlämpt, der ist das leben verfallen. 193a; tut er das nit, so ist er dryg schilling verfallen. weisth. 1, 57; wer in miner herren und vögten gerichtten dem andren uff sin lehen stellet und das kuntlich wirt, der ist ein busz vervallen namlich fünff pfund pfening än alle gnade. 1, 75; der ist dem schultheis einen gülden verfallen. Reutter v. Speir kriegsordn. 37; auszer gerichtes: das ist das schuldopffer, das er dem herrn verfallen ist. 3 Mos. 5, 19; demnach ich mich mit Kaspar Heilungen versprochen hatte, welcher vor freien werde, der solle dem andern das ross mit samt dem schmucke verfallen sein. Schweinichen 2, 89; fragt mir di ritter und di knecht, wie man ainn solchen püsz mit recht, und was straf ain solcher sei verfallen. fastn. sp. 710, 3; mit infinitiv und zu: welchir ouch under uns egenanten pristeren zcu sulchin begenckenissen zcu yder wichfasten nicht enqueme .. so sal unser einer addir mehir unde unsir iglichir der so uszen blibet, von stund an vorvallen unde phlichtig syn, ein phunt wachs zcu geben. Arnstädter urkundenb., herausg. von Burkhardt 274 (vom j. 1443). 1010) besonders üblich als ausdruck des lehenswesens das lehen verfällt, geht aus dem bisherigen besitze in einen neuen über oder fällt dem lehensherrn zu, sei es in folge eines lehensfehlers oder des todes des bisherigen lehensmannes: mhd. were auch daʒ, unsir dheiner ... ane libes lehins erbin von todis [] wegin ehir denn der andir abginge und tochtir hindir im am leben liesze die unbestatet weren, die tochter solde der undir uns am leben und by der herschaft, die also von todis wegin verviele, blebe, erberlichin haldin. Arnstädter urkundenbuch herausg. von Burkhardt 183 (vom j. 1411); nhd. item darnach ist geteilet worden das jar zwischen dem bapst und regierenden bischoffen und stifften, das der bapst sechs monat hat im iar, einen umb den andern zuvorleihen die lehen, die in seinem monat vorfallen, damit fast alle lehen hinein gen Rom werden getzogen .. und wilche einmal szo gen Rom fallen, die kummen darnach nimmer widder erausz, ob sie hinfurt nimmer in des bapsts monat vorfallen. Luther an d. adel 22 neudruck; was gestalt Veit Richter zu Nürnberg nicht nur der ihm beschehenen belehnung sondern auch dem bergwerksgebrauch zuwider, das Unkeroder und Kupfersuhler bergwerk eine geraume zeit hero liegen laszen, dahero denn höchstged. h. f. durchl. wohl befugt, wider solch bergwerk alsoforth ins freie verfallen zu erkennen. weimar. staatsarchiv 1693 (Eisenach); geruhen .. sich zurücke zu entsinnen, wie das .. diejenigen lande, so herzog Moritz Wilhelm zurückgelassen, verfallen. ebenda 1719. lehen und überhaupt güter verfallen auf jemand, d. h. gehen an ihn über: ob sy (die das leben verwirkt) nit begriffen und flüchtig werdent ... da ist einem herren zu Kiburg sölicher personen gut .. ligends und varends uff sin gnad vervallen. weisth. 1, 18; war in solchen unsz gnedieg vohrgedeutet das nach tödtlichen hintriett ... die herrschafften Blanckenhain und Crannichfelt uf ewr. gn. vielgeliebte gemahlin .. verfallen. weim. staats-archiv 1636; wir haben uns entschlossen ... uns dazu allergehorsamst vorzustellen, dasz es (das lehen) nach tödlichem hintritt des von Obernitz auf uns verfalle. ebenda 1721; zu empfahung der lehn über den nach absterben meines vaters auf mich verfallnen und zu Winzerle gelegenen weinbergk. ebenda 1685. 1111) transitiv. 11@aa) durch fallen beschädigen: hab acht, dasz du nit selbst aus dem sattel reitest, dasz du nit das maul verfallest. Lehmann 82. 11@bb) eine strafe verfallen, in eine strafe verfallen: sy wolten nit sagen, was er verbrochen habe, wan ob ainer gar vil guotz hette, das ertaile man doch dem künig nit oder er verfalle im des nit, sundern er verfalle im den leip. anzeiger d. germ. mus. (1886) 205; denn ein jglicher hat gerne in seinem haus friede und wer jm denselben nemen wil, der hat den hals verfallen. Luther 4, 512; dem schuldherren um schuld den lyb verfallen, jm für leibeigen zuogesprochen werden; ein buosz verfallen oder in ein straaff kommen, facere multam. Maaler 418a; wer unghorsam thet widerstreben, derselb verfallen hat das leben. H. Sachs 3, 1, 23 (10, 99, 34 Keller); so will ich leib und leben verfallen, wenn nicht in vier und zwantzig stundt den herrn ich mach frisch und gesundt. J. Ayrer 376c (3, 1886, 7 Keller). 1212) reflexiv, sich verfallen, durch fallen an einen falschen ort kommen: eine grosze schlang verfiel sich in eine höle. Melanchthon bei Schuppius 835; wann man den saamen gleich hinein wirfft, so verfällt er sich gern. Hohberg 2, 25b; durch fallen sich beschädigen: der oberknecht hatte so eben heirathen wollen, da hatte er sich beim holzmachen verfallen. Heyse Meraner nov. 394. aus älterer zeit führt Birlinger schwäb.-augsb. wb. 158 auf: esz verfällt sich, von gilten und abgaben = die abgabe verfällt, ist verfallen; aus der baierischen mundart führt Schm. 1, 704 Fromm. auf: der gesang, die stimme, die musik verfällt sich, verhallt ohne wirkung.
23317 Zeichen · 371 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Verfallen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Verfallen , verb. irreg. neutr. S. Adelung Fallen , welches das Hülfswort seyn erfordert, und nach Maßgebung sowohl der …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    verfallen

    Goethe-Wörterbuch

    verfallen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    verfallen

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    verfalle n 1. durch Hinfallen zu Grunde gehen, verderbt werden, zerfallen allg. Er het s ganz Gsicht v. Str. 2. fällig s…

  4. Sprichwörter
    Verfallen

    Wander (Sprichwörter)

    Verfallen 1. Wilt verfallen, so verfall nach Gold; wilt je liegen, so thu es Ehren halben; wilt in die Hell, so thus vmb…

  5. Spezial
    verfallen1

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +3 Parallelbelege

    ver|fal|len 1 vb.intr. 1 (baufällig werden) jí en rovina, jí en malora, tomé adöm 2 (geraten, sich preisgeben) tomé (tom…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit verfallen

8 Bildungen · 1 Erstglied · 6 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von verfallen

ver- + fallen

verfallen leitet sich vom Lemma fallen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von verfallen 2 Komponenten

ver+fallen

verfallen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

verfallen‑ als Erstglied (1 von 1)

verfallen als Zweitglied (6 von 6)

altverfallen

DWB

alt·verfallen

altverfallen , vetustate obsitus: doch alt und halbverfallen ist das haus — nein in das altverfallne laszt mich ziehn. Göthe 9, 382 .

anverfallen

DRW

anverfallen was jetwäders in der ee erblich anvervallt 1559 SGallenOffn. II 564 Faksimile

halbverfallen

DWB

halb·verfallen

halbverfallen , part. : halbverfallene burgen; halbverfallene gänge ( eines schlosses ). W. Hauff phantas. im Bremer ratskeller.

heimverfallen

PfWB

heim·verfallen

heim-verfallen st. : 'anheimfallen', vgl. PfWB heimfallen 2. a. 1563: Wer es unterläßt, den Waldfrevler anzuzeigen, der soll der gemein in d…

todverfallen

DWB

tod·verfallen

todverfallen , partic. dem tode, dem untergange verfallen: dich warnen wollt' ich, dein kind den tod-verfallnen ( Burgunden ) zu verbinden. …

unverfallen

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unver·fallen

unverfallen , part. adj. adv.; nl. onvervallen. zu verfallen 4: guet, das unvorfallen ist stadtrecht v. Eisenach 49; unverfallener peinliche…

Ableitungen von verfallen (1 von 1)

unverfallen

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unverfallen , part. adj. adv.; nl. onvervallen. zu verfallen 4: guet, das unvorfallen ist stadtrecht v. Eisenach 49; unverfallener peinliche…