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Unmensch

mhd. bis Dial. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
12 in 10 Wb.
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Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

Unmensch

Unmensch

Mensch m. höchstentwickeltes gesellschaftliches Lebewesen mit der Fähigkeit zu arbeiten und zu denken, ahd. mennisco m. ‘Mensch’ (8. Jh.), mhd. mensche, mensch m. n. ‘Mensch, Mädchen, Buhlerin, Magd, Knecht, das menschliche Geschlecht’, mnd. minsche, mnl. mensce, nl. mens sind aus einer Substantivierung des in ahd. mennisc (um 800), mhd. mennisch ‘menschlich, mannhaft’, asächs. mennisk, aengl. mennisc, anord. mennskr, got. mannisks vorliegenden Adjektivs germ. *manniska- hervorgegangen, einer Ableitung von dem unter Mann (s. d.) behandelten Substantiv. Das im Mhd. auftretende Neutrum steht bis ins 17. Jh. ohne abschätzigen Sinn neben dem Maskulinum, bezeichnet jedoch seit dem 15. Jh. häufig eine ‘weibliche Person’, besonders die ‘Magd’, und wird seit dem 18. Jh. durchgehend abwertend gebraucht; dazu auch der Plural Menscher (17. Jh.). – menschlich Adj. ‘den Menschen betreffend, ihm gemäß, hilfsbereit, gut’, ahd. mennisclīh (8. Jh.), mhd. menschlich ‘nach, von Menschenart’; dazu Menschlichkeit f. ‘Menschennatur, menschliche Würde, menschliches Gefühl, Freundlichkeit im Umgang mit anderen’ (16. Jh., Übersetzung von lat. hūmānitās, s. Humanität), geläufig seit dem 18. Jh., vereinzelt ‘Menschheit’ (nur 17. Jh.); vgl. spätmhd. menschlīcheit ‘Zustand des Menschseins, Menschheit’. Menschheit f. ‘Gesamtheit der Menschen’, ahd. mennischeit ‘alle Menschen, menschliche Natur, Menschwerdung’ (um 1000), mhd. menschheit, menscheit ‘alle Menschen, Natur und Leben eines Menschen, Menschlichkeit’. Menschenfeind m. ‘Menschenhasser, -verächter’ (16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. misanthropus (s. Misanthrop). Menschenfresser m. ‘Kannibale’, Übersetzung (17. Jh.) von gleichbed. lat. anthrōpophagus, griech. anthrōpophágos (ἀνθρωποφάγος); vgl. griech. ánthrōpos (ἄνθρωπος) ‘Mensch’ und phágos (φάγος) ‘Fresser’, phagé͞in (φαγεῖν) ‘essen, verzehren’. menschenmöglich Adj. ‘für einen Menschen möglich’ (18. Jh.), aus älterem menschmöglich (17. Jh.), das aus menschlich und möglich (16. Jh.) mit Ersparung der Suffixwiederholung zusammengerückt ist. Menschenrecht n. zunächst ‘von Menschen eingesetztes Recht’ (Ende 17. Jh.); Menschheitsrechte Plur. ‘dem Menschen von Geburt an zukommende Rechte und Würde’ (nach 1750). Danach (meist im Plur.) Menschenrechte ‘Reihe von Rechten, die die Stellung des Menschen in der Gesellschaft und sein Verhältnis zum Staat regeln’ (seit 1777). Durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung (1776) und die französische Déclaration des droits de l’homme et du citoyen (1789) wird der Begriff zum politischen Schlagwort und mit seinem damaligen bürgerlichen Inhalt (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Recht auf Eigentum und Sicherheit sowie Widerstand gegen Unterdrückung) auch im Dt. geläufig; wahrscheinlich geht auch die vorherrschende Verwendung im Plural auf das frz. Vorbild zurück. Menschentum n. ‘Wesen des Menschen, das Dasein als Mensch’ (Anfang 19. Jh.), zuvor ‘Menschheit’ (17. Jh.). Übermensch m. in der Theologie gebildet (16. Jh.) aus übermenschlich Adj. ‘in jeder Weise über das durchschnittliche menschliche Vermögen hinausragend’ (Anfang 16. Jh.) zur Bezeichnung eines ‘moralisch überdurchschnittlichen Menschen, eines übermenschlichen Wesens’ (so noch im 18./19. Jh.); bei Herder im Sinne von ‘Heros, Halbgott, Genie’; bei Nietzsche (Zarathustra) im Gegensatz zum Durchschnittsmenschen ‘derjenige, der den Menschen überwunden hat’. Daran anknüpfend wird Übermensch (wie Herrenmensch, Gegensatz Untermensch, s. unten) zum Schlagwort der faschistischen Rassenideologie. Unmensch m. ‘brutaler, grausamer Mensch’, ahd. unmennisco ‘Nichtmensch’ (um 1000), spätmhd. unmensch ‘was nicht den Namen Mensch verdient, Bösewicht’, frühnhd. ‘Bestie, Kannibale, Zauberer’ (16. Jh.), ‘Menschenfeind’ (18. Jh.). Untermensch m. ‘niedriges Wesen, das sittlich unterhalb der menschlichen Stufe steht’ (18. Jh.); danach Schlagwort der Faschisten für die Opfer ihrer Unterdrückungs- und Ausrottungspolitik.
3952 Zeichen · 117 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    unmenschstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    un-mensch stn. Wh. v. Öst. 51 a .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unmênsch

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Unmênsch , des -en, plur. die -en, der Gegensatz von Mensch, so fern es in engerm Verstande einen gesitteten Mensche…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Unmensch

    Goethe-Wörterbuch

    Unmensch [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Unmenschm.

    Pfälzisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Un-mensch m. : ' roher, erbarmungsloser Mensch ', Uⁿmensch, Un- [verbr., Lambert Penns 144 Krämer Gal 223]. Sei kee U.! …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unmensch

18 Bildungen · 18 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von unmensch

un- + mensch

unmensch leitet sich vom Lemma mensch ab mit Präfix un-.

unmensch‑ als Erstglied (18 von 18)

unmenschen

DWB

unmenschen , verb. ; vgl. ent-, er-, vermenschen. abhominari unmenschen Schröer vocab. 5 a (unmenschlich sein, gebern Diefenbach gl. 2 c ): …

unmenschheit

DWB

unmensch·heit

unmenschheit , f. , gth. der menschheit, mangel derselben. mhd. unmenschheit abhominatio, inhumanitas, sodomia, saevitia; indolentia, stupor…

unmenschlich

DWB

unmensch·lich

unmenschlich , adj. adv. , i. a. gth. v. menschlich. ags. unmennisclîc, mhd. unmenschlîch, -lîche, mnd. unminsklich, mnl. onmenschelijc, -li…

unmenschliche

BMZ

unmensch·liche

unmenschliche adv. auf unmenschliche, übermenschliche weise. von des heiligen geistes kraft von dem ein maget lîphaft unmenschlîche ein kint…

unmenschlîchen

Lexer

unmensch·lichen

un-menschlîche , un-menschlîchen adv. ib. auf un-, übermenschliche weise Heum. 445. Krol. 2987. N. v. E. 6,36.

unmenschlichkeit

DWB

unmenschlich·keit

unmenschlichkeit , f. , gegentheil und mangel der menschlichkeit. mhd. unmenschlîcheit (unmenschlichheit Fischart lob der lauten 47 ). mnl. …

unmenschlīche

KöblerMhd

unmenschlīche , Adv. nhd. unmenschlich, übermenschlich, nicht menschlich, auf unmenschliche Weise, auf übermenschliche Weise Hw.: vgl. mnl. …

unmenschlīcheit

KöblerMhd

unmenschlīcheit , st. F. Vw.: s. unmenschlicheit*

unmenschlīchen

KöblerMhd

unmensch·līchen

unmenschlīchen , Adv. nhd. unmenschlich, übermenschlich, nicht menschlich, auf unmenschliche Weise, auf übermenschliche Weise Q.: s. unmensc…

unmenschlīken

KöblerMnd

unmenschlīken , Adv. Vw.: s. unminschlīken