trichter,
m. ,
dazu trachter, trächter, trechter. entlehnt aus lat. trājectōrium,
nicht, wie zumeist angenommen, aus mlat. tractarium (
s. u.).
das wort ist mit anderen ausdrücken der romanischen weinkultur in das deutsche und in weitere westgerm. sprachen aufgenommen worden, vgl. ags. tracter,
mnl. trechter (trachter),
mnd., nl. trechter.
das ahd. kennt nur die formen mit ursprünglichem -a-
in der hauptsilbe, bzw. dessen umlaut: trahtare, trahter
ahd. gl. 3, 156, 55, 56, thratari 4, 203, 51, træhter 3, 420, 68, drehtere 3, 214, 25, trehtere 4, 236, 25, trechtere 3, 373, 45; 389, 18.
die im nhd. zur herrschaft kommende form mit -i-,
die schon gegenüber mhd. trahter, trehter
raum gewinnt, liegt zuerst in einer glosse des 12.
jh., im summarium Heinrici, vor: trîhtere
ahd. gl. 3, 156, 57.
die entstehung des lautwandels ist ungeklärt. eine entwicklung trihter < triehter <
mlat. *trēctorius (trahter < trāctorius),
wie Ehrismann
in Paul-
Braune beitr. 18, 233
u. a. annehmen, ist, obwohl belege mit dem diphthong -ie
vorliegen —
z. b. könig v. Odenwalde 1, 77; 97
Schröder; Diefenbach 199
c (
embutum), 254
c (
futilis), 298
a (
infundibulum);
städtechron. 3, 394 (
Nürnberg); Frisius 13
a, 78
b, 441
a; Ercker
min. ertzt (1580) 75
b; Artomedes
christl. ausleg. (1609) 1, 746 —
unwahrscheinlich. denn die mlat. formen sind nach Frings
nicht grundlage, sondern wiederspiegelung der germanischen umformungen von lat. trajectorium, s. Germania romana 61.
ansprechender ist die annahme einfacher (
ursprünglich nürnbg. u. ostmd., s. v. Moser
frühnhd. gr. 1, § 71, 1)
tonerhöhung von trehter
zu trihter,
parallelgehend mit einem wandel von gutturalem zu palatalem reibelaut ch,
vgl. den ähnlichen übergang von wächsen,
vb., zu wichsen,
s. Paul
dtsche gramm. 1, 196
und die entwicklung der römischen ortsbezeichnungen Ultrājectum > Utrecht (
bei v.
d. Schueren
theut. 406
Verdam: Utricht)
und Mosaetrājectum > Maastricht.
auch die -ie-
formen bieten keine schwierigkeit, denn die diphthongierung des i > ie
vor h
ist ein nicht seltener wandel, s. Braune
ahd. gr. § 154,
anm. 7; Weinhold
bair. gramm. § 90. —
die landschaftliche (
mundartliche)
verteilung der formen ergibt im groben folgendes bild. die gebiete der unumgelauteten form sind das bairisch-österr. (
auszer dem nordbair.),
daneben das schweizerische, das ost- und südostschwäb. (
und das friesische).
umgelautetes trechter
kennt die hauptmasse des schwäbischen, das elsässische, das gesamte niederdeutsche. die westmd. mundarten haben neben trechter
auch trichter.
dieses ist besonders für das luxemb. und sächs.-erzgebirg. einwandfrei belegt. die Schweiz hat, mit bedeutungsdifferenzierung (
s. u. 2 g),
neben trachter
diphthongiertes triechter
bewahrt. —
der vokal ist vereinzelt gerundet: tröchter Frischlin
nomencl. (1591) 253; W. Scherffer
grobianer (1640) 215; trüchter Hayneccius
Almansor (1582) k 2
b;
hierher die fälle, in denen u
blosz orthographisch für ü
steht: truchter (1351)
Mühlhaus. rathsgesetzgeb. 45; (1447)
bei Bech
aus Pegauer handschr. 19; (1514) Ziesemer
ämterbuch d. dtsch. ordens 74.
auffällig treüchter Paracelsus
op. (1616) 1, 54
Huser (
sonst trechter).
der auslautende konsonant ist dissimiliert: trechtel Block
id. v. Eilsdorf 98
b; triechten Stalder
schweiz. 1, 304.
unorgan. auslautendes t: trichtert (1526)
quellen z. gesch. der stadt Kronstadt 1, 688.
doppeltes suffix: treichtara Joh. Micko
ma. v. Muttersdorf 34.
vereinzelt dregter (15.
jh.) Diefenbach 127
a. —
aus dem mnd. und nd. ist das wort in die skandinavischen sprachen gedrungen: norw. tregt, trætt, træft,
f., älterdän. trægt(er), trat(t)er,
dän. tragt,
aschwed. tratt(h)er,
schwed. tratt(er),
s. Torp
nynorsk etym. ordb. 803; Hellquist
svensk etym. ordb. 1002.
deutsches lehnwort ist auch tschech. trahtár, trahtýř A. Mayer
dtsch. lehnw. i. tschech. 56. 11) 1@aa)
die eigentliche bedeutung von trichter
ist die des füllgeräts, '
infundibulum',
synonymisch auch mit gosse, füllhals, -hälslein
bezeichnet: trichtir
illud vas, quod superponitur lagene, quando infunditur vinum vel cerevisia (1340) Konrad v. Heinrichsau 396
Gusinde; die belege führen ihn oft unter gerätschaften, besonders hausrat, auf: eysenwerck ... von flaschen, von hantschuhen, von puhsen, von speislegeln, von triehtern und von allem plechwerck, daz man verzinte (
um 1300)
Nürnb. polizeiordn. 160
Baader; auch so hatt er weder sib,
noch die seck, gieszvasz, angster, leuchter, trachter, noch kain peck Hätzlerin
liederbuch 43; sechs stuck huszrats, nammlich einer plachen ... zweyer irdin häfen, einer hültzin schüssel, eins kochlöffels, eins sacks und eins trachters Riederer
rhetorik (1493) a 1
b;
im zusammenhang mit dem getränke- und kellereiwesen: ouch ein yclich winschenke sal einen truchter habe, bie der selbin pine (1351)
Mühlhaus. rathsgesetzgeb. 45
Lambert; 2 leste Thoronsches wines unde 2 trechtere (1395)
lüb. urkundenb. 4, 703; in eynen trechter, da man mit wijn in tunnen zo vullen pliet
pilgerfahrt d. träumend. mönchs 10220; des marschalks keller: ... 2 stelyne trichter (1422) Ziesemer
d. gr. ämterbuch d. dtsch. ordens 18; nota, was in dem weinkeller ist: 8 zinein flaschen, grosz und klain, 2 trachtter (1430)
bei Zingerle
hausinventare aus Tirol 206; dort fillet man dem fasz durch trechter seinen bauch Weckherlin 2, 385
lit. ver.; trichter
in sonstiger verwendung, z. b.: geusz das silberig scheidewasser durch einen langen gläsernen triechter Ercker
mineral. ertzt (1580) 75
b.
das füllen mit dem trichter gibt anlasz zu vergleichungen: und wann wir schon wachszen, so nympt unser leben ab, glych als der win durch den trechter loufft Keisersberg
bilg. (1512) 12
d; sie (
die gefräszigen) machen sich zu eim trechter, durch den in ein fasz der wirt schüt, waz er wil Pauli
Keiserbergs narrenschiff (1520) 43
d; andere lagen auff dem boden und lieszen sich einschütten als durch einen trichter Moscherosch
gesichte (1650) 1, 428;
vgl. schnapsdrishder
säufer Christa
Trier 72; hai het et dör den trechter jaget
er ist versoffen Wöste
westfäl. 274
a. 1@bb)
in der älteren arzneikunst das trichterartige gerät, das dazu diente, dämpfe oder rauch an die zu behandelnde körperstelle zu leiten: lasz laum von den gebeiszten dingen zwei oder 3 mol in die nase gon durch ein trächter
M. Hero
schachtafelen d. gesuntheit (1533) r 2
a; deck den hafen zu mit eim trächter, lasz also den dampff in die ohren gehn Dryander
ganz. arzenei (1542) 82
9; sette dar enen trechter up unde lat den rok dor den trechter in de thene gan
bei Schiller-Lübben 4, 606; wann sich begibt, das eym arbeyter ... eyn schlang in leib ist gekrochen, ist nichts bessers, sie herausz zu bringen, dann man zünde alte schuchsolen an und ziehe den rauch darvon durch eyn trächter in sich Sebiz
feldbau (1580) 96; dise stuck alle thue auff ein heiszen ziegelstein, ... darvon soll sie (
die kranke mit dem '
weiszen gesücht') den dampff durch ein trechter in den berleib (
gebärleib) gehen lassen Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 16; er habe (
gegen geschwollene mandeln) der schönsten weiszen caraba ... gepulvert auf ein glütlein gelegt, den rauch davon durch einen trichter lassen in dem munde gehen v. Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 275. 1@cc)
seit dem beginn des 16.
jh. erscheint der trichter
im bildlichen gebrauch als ein gerät, durch das man dem menschen einen geistigen inhalt, meist verstandesmäszige kenntnisse und fertigkeiten, eingieszt: der heylige geyst schüt es mit keynem trichter eyn wunderbarlich, so man eyn ding wol natürlich haben mag Eberlin v. Günzburg 3, 204
ndr.; unangesehen, das ein ungelehrter mensch nichts darnach fragt, das er ungelehrt ist und wol sagen darff, er wolte das maul nicht auff thun, so im einer die kunst könte mit einem drechter eingieszen
M. Stifel
arithmetica (1545) a 3
b; vermeinen also, das sie ... gelehrt gnug sein, gleich als wann sie die kunst schon gantz durch ein trechter hinab hetten gesoffen durch die viele der bücher Höniger
narrenschiff (1574) 2
b;
Syrach: den trüchter wir gefunden han.
Paulus: ey lieber, den trüchter zu der kunst? Hayneccius
Almansor (1582) k 2
b (
vgl.: der drechter Almansoris, mit welchen man den leuten ingegossen, ist lang verlohren Weidner
apophthegm. [1653] 227); wenn man die (
himmlische weisheit) lernen sol, so kan man sie einem nicht flugs mit einem trichter eingieszen Fr. Rhot
Jesus Sirach (1587) 1, 3
a; es hett dann die h. rö
m. kirch ihr urtheil darüber gefellet ... und gleichsam mit eim trechter eingegossen, was wir für gut annehmen solten Fischart
binenkorb (1588) 39
a; jetzt geuszt du mir die vernunfft ... gleichsam mit trachtern eyn Guarinonius
greuel d. verwüstung (1610) 1306;
als sprichwort schon bei S. Franck: mit eim trechter eingieszen
sprüchw. (1541) 2, 107
b;
im 17.
jh. wird trichter
in diesem sinne als buchtitel gebraucht: W. Schickardt der hebraische trächter, die sprach leicht einzugieszen, das ist unterweisung, wie ein teutscher leser ohn lateinischen behelff die h. sprach behend erlernen möge (
Tübingen 1627);
in enger anlehnung an dieses werk, in der vorrede 7
b auch einbekannt, folgt: G. Ph. Harsdörffer poetischer trichter, die teutsche dicht- und reimkunst ohne behuf der lateinischen sprache in 6 stunden einzugieszen (
Nürnberg 1647);
der vielzitierte poetische trichter
ist als Nürnberger trichter
seither sprichwörtlich: (
es schien) Aristoteles hätte ihme seine ethica durch einen nürnbergischen trachter eingegossen
Springensfelds kurzweil. raisz (1676) 49; wann jemand kein unverständiger esel bleiben will, so musz er die bücher lesen, sonst wird ihme der trachter von Nürnberg schlecht doctorconcepten mitteilen Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1 (1699) 306; der poetische
hat weitere trichter
im gefolge: M. H. Fuhrmann musicalischer trichter (1706); des hrn. prof. Muzelius übrige schriften, nämlich der grosze trichter, in welchem alle grammatikalische schwierigkeiten erörtert sind
bei Fr. Muzelius
introductio in linguam lat. (1778)
vorr. 4
b; der kleine grammatische trichter
ebda 3
a;
neben dem Nürnberger
wird ein Tübinger trichter
erwähnt, wohl nach dem erscheinungsort des oben erwähnten hebräischen trichters: gegenwärtiges tractätlein zielt eintzig und allein auff diejenigen unerfahrnen stimpler, einäugichte schnaderbüchsen und schädliche plaudermatzen, die etwann ihnen (
sich) durch den teutschen Gabelkhofer, Wirsung oder Colerum, als durch einen trichter von Tübingen, viel kunststück haben lassen eingieszen v. Ettner u. Eiteritz
medic. maulaffe (1719) 962;
vgl. noch: man kann einem nicht mit dem Wiener trichter eingieszen Wander 4, 1314; K. Kovács neuester ungarischer trichter oder der beredte Ungar (1882). 22)
sinnliche übertragungen. sie geschehen vornehmlich von der visuellen seite her, z. b.: in diesen spitz zulaufenden trichter von treppen (
d. arena zu Verona) H. Laube (1875) 8, 286;
sprichwörtlich: in den trichter jagen
in die enge Fischer
schwäb. 2, 302.
selten ist die blosze, ähnliche sache anlasz der bedeutungsübertragung: trechter
im brauerhandwerk holzwanne mit abfluszröhrchen C. Schumann
Lübeck 60.
mundartlich ist eine reihe scherzhafter übertragungen zu belegen: der het ouch kein kleinen trechter (
kopf) Martin-Lienhart
elsäss. 2, 741; vom Wanzenauer Schulz, wo en unbändje trechter (
nase) krumm stehn het ghet im gsicht Arnold
pfingstmontag (1886) 122; tràchtar
verächtlich das ohr Lexer
kärntn. 70. —
seit dem 14.
jh. ist aus übertragungen eine reihe fester, selbstständiger bedeutungen erwachsen. 2@aa)
vornehmlich im 14.
und 15.
jh. bedeutet trichter '
zapfen', '
faszhahn',
der sache nach ursprünglich ein zugespitzter, kegelförmig verjüngter stöpsel, dann der sogenannte laszzapfen, s. teil 15, 258, 259
s. v. zapfen, du Cange 2, 390
c s. v. clepsydra und Heyne
hausaltertümer 2, 365: trichtir
clepsedra, que est foramentum in lagena (1340) Konrad v. Heinrichsau 396
a Gusinde; clepsedra trechter oder zappfe Niger Abbas 1150;
ductileus trechter (
nd., 1420)
bei Diefenbach 192
a;
duciculum drechter (1477)
ebda; früh literarisch: man macht uz hten (
kuhhäuten) flaschen triehter unde zaphen drin, daz beheltet den win (14.
jh.) könig vom Odenwalde 1, 97
Schröder; man sol auch nit weder wein noch pier niht hoher verchaufen auzer der stat, den ez gilt und gelten mag bei dem trichter und bei dem zapfen (
d. h. im ausschank) (
Nürnb. 1333)
oberbayr. archiv f. vaterländ. gesch. 23 (1863) 170. 2@bb) '
wasseruhr',
im princip ein trichterförmiges gefäsz, aus dessen unterer öffnung gleichmäszig tropfen fallen: eyn trichter of eyn uyrwerck
clepsedra, docillus v.
d. Schueren
Theutonista 405
Verdam; jedoch so hat man nit gewisszt, welche zeit es gewest ist, wenn der hymmel dunckel oder gewolcket was, bitz uff die nächst römische reformation, uff welche der Scipio Nasica ... die stunden tags und nachts mit eim drächter, darausz das wasser tröpfflet, gleich teylet und hat denselbigen seyger under ein dach gestellet Eppendorff
Plinius (1543) 39;
mnl. trechter
auch '
sandläufer', '
sanduhr',
s. Verdam
mnl. handwb. 601
a. 2@cc)
ein gefäsz zum einschütten des pulvers in die büchse: vor einen trechter, dar me pulver in de bussen mede deid, 16 d (1425)
Hildesheim. urkundenb. 6, 293; (
das feindliche gewehrfeuer) könnte, da die gewehre ohne trichter sind und die infanterie nur in zwei gliedern steht, gar nicht viel zu bedeuten haben Rebmann
d. neue graue ungeheuer (1796) 6, 92. 2@dd) trichter
bedeutet zumindest seit dem 16.
jh. den sich nach unten verjüngenden turm im brettspiel, durch den man die würfel in das spielfeld fallen läszt, meist als glosse zu (
m)
lat. pyrgus, turricula, fritillus, orca: pretspil oder lareten, in die man durch den trachter wirfft Pinicianus
promptuarium (1516) f 4
c; zuletzt, so itzt das billich podagram in die finger hat erkrümpt, so besolden sie etwan einen vicari an ir statt, der für sie die würfel in trächter werf S. Franck
morie encom. 72
Götzinger; ludere fritillo den würffel durch die bränten oder trechter werffen Golius
onomasticon (1585) 247; es soll auch der scholder (
veranstalter von glücksspielen) als mit allerley würfflen in den brendten und trachter, item trädlen u. drgl. auf das blosze glück gestellten spil abgestellt und verboten seyn (1616)
bei Schmeller-Fr. 2, 407; trachter fürs würfflspiel
fritillus, pyrgus, orca, turricula Schönsleder
prompt. (1647) I i i 2
b; der trichter, durch den die würfel geworfen wurden Böttiger
kl. schriften (1837) 3, 212. 2@ee) '
mühlrumpf'
: infundibulum der trechter ob der mülen, darein man die frucht schüttet Golius
onomasticon (1585) 232;
de molitore et mola: infundibulum gösser, trächter Frischlin
nomencl. (1591) 279;
infundibulum molis frumentum subministrans der trächter, da man das getreyd auffschüttet Zehner
nomencl. (1645) 341; diese siebe ... werden am riemen ebenso angehänget, wie der schuhe unter dem trichter über dem mühlstein L. Chr. Sturm
mühlenbaukunst (1718) 15; und der mühlknecht stürzt in den trichter hinab, wenn er just aufgieszet das korn jetzt Platen 2, 317
Redlich ähnlich trichter
füllrumpf, durch den von der gichtbühne aus der möller (
hochofenerz)
in den schacht des hochofens gestürzt wird, s. P. Gerhard
Siegerländer bergmannsspr. 169; 151. 2@ff) '
hohler wirbel', '
strudeltiefe'
: cataractae drechter, zwirbel Alberus (1540) Y y 4
b; und reiszend sieht man die brandenden wogen hinab in den strudelnden trichter gezogen Schiller 11, 221
G.; leichte strudelwellen spielten schon mit dem kahne und spielten ihn hin zum verschlingenden trichter v. Sallet
sämtl. schriften 3, 293; dasz sie dem tod entronnen und aus dem trichter heraus seien Fontane I 4, 195;
im bild: (
strudel der disputation) deren wirbelnden trichter er gerne umfahren hatte Kolbenheyer
Paracelsus 2 (1922) 85.
ähnlich von einer trombe: wie der dunst ... sich im kreise dreht, ein dünnes rohr herabläszt und wie er, wenn das schwarze gewölk sich satt gesogen, den fusz des trichters zurückzieht Humboldt
kosmos (1845) 2, 59. 2@gg)
eine eigentümliche ausbildung hat vorige bedeutung im schweizerischen erfahren, und zwar in der art, dasz die bedeutung an der diphthongierten form triechter
hängt, während trachter,
davon genau geschieden, das füllgerät ist: abyssus tieffe, der triechter, abgrund Frisius (1556) 13
a;
altum der triechter und tieffe desz meers, das meer 78
b;
vela in altum dare den sägel aufrichten oder austennen, über den triechter oder über das meer ze faren 441
a; auf dem triechter ist es mächtig ungestüm
in alto tempestas magna est Maaler 408
a; tieffe, der triechter, abgrund
abyssus, altitudo fluminis 402
b;
in neuerer mundart: triechten, triechter
die tiefeste stelle eines gewässers. beynahe veraltet, und nur an der stelle des Vierwaldstätten- und Zürcher sees bekannt, wo der tiefeste abgrund ist Stalder
schweiz. 1, 304.
vgl. triechteregli
egli, d. i. barsche, welche in der tiefe gefangen werden Staub-Tobler 1, 144.
hierzu wäre anzuziehen: trichter
seemännische bezeichnung des zwischen den Shetlandsinseln und Norwegen liegenden meeresteils Kluge
seemannsspr. 794: den 23. schifften wir durch den trichter, wo wir schon das vorgebirge von Hitland sehen konnten
M. J. Chr. Trampler
walfischfang (1771) 20; wie waren wir so froh, als wir in den trichter und von da in die nordsee einschiffeten 77. 2@hh)
militärisch ist trichter '
die öffnung, welche eine gesprungene mine macht, weil selbige die figur eines trichters vorstellet' Eggers
kriegslex. (1757) 2, 1172; '
vertiefung, welche durch das herauswerfen der erdgarbe von einer spielenden mine gebildet wird' Hoyer
kriegsbaukunst 3, 186;
auch von artilleristischen geschossen hervorgerufen: die letztere (
kanone) ward mit 1 pfd. pulver geladen, bei 2 pfd. ladung ging die granate so tief in die erde, dasz sie bei dem zerspringen keinen trichter herauswarf Hoyer
wb. d. artillerie, suppl. 50; in dem ... kampf gelang es dem angreifer, die vom verteidiger gesprengten trichter benutzend, sich ... auszubreiten v. Alten
handb. f. heer u. flotte 2, 168.
im weltkrieg 1914-1918
erlangte der ehedem mehr fachmilitärische gebrauch ein schauriges leben: hart neben den ziehenden kolonnen schleuderten einschlagende granaten die schwarze erde baumhoch empor und wühlten mächtige trichter auf W. Flex
d. wanderer zw. beiden welten (1919) 59; ganz vorn gibt es gar keine unterstände, man hockt im trichter oder in der sappe W. Beumelburg
sperrfeuer um Deutschland (1929) 353; betonbunker mit fetzen von drahtverhau zwischen zahllosen wassergefüllten trichtern
so war der krieg (1928) 19
Schauwecker; zwischen den trümmern und trichtern erhebt sich deutsches leben, deutsche kraft und deutscher wille Hindenburg
aus meinem leben (1920) 242.
componiert granattrichter: da zuckte plötzlich ein grellrotes licht (
munitionsstreik 1918) aus Deutschland auf und warf den schein bis in den letzten granattrichter der feindlichen front Adolf Hitler
mein kampf (1933) 216.
vgl. auch trichterfeld, -gelände, -stellung. 2@ii) '
krater eines vulkans': wir hatten einen ganz deutlichen ausblick von dem trichter des Strombolo Campe; zuweilen soll man auch zu diesem trichter (
des Makuluba) sehr leicht kommen können Seume (1826) 2, 254; ich könnte eher in den trichter des berges steigen, wo ein dichter ein schwefelblauer brodem deckt roth lava kochen Immermann 13, 248
Boxberger. 2@jj) trichter
bergmännisch '
tagebruch von trichterförmiger vertiefung Veith
bergwb. 501. 2@kk)
in naturwissenschaftlicher terminologie dient trichter
zur bezeichnung verschiedener teile des menschlichen und tierischen körpers. '
nierenbecken': infundibulum, remum, der trichter, das wasserbecken ist die höhe der nieren, in welche der harn zusammenflieszt, umb von da durch die harngänge zu der blase gebracht zu werden Blancard
med. wb. (1710) 330; trichter
pyelus remum Kirsch
cornucop. (1741) 986;
vgl.: ihr (
der harngänge) ursprung ist in denen nieren, allwo sie, nachdem sie als ein trichter erweitert sind, das becken machen Fleming
vollk. soldat (1726) 346. '
infundibulum cerebri',
der trichterförmige fortsatz der zirbeldrüse, s. Höfler
krankheitsnamenbuch 749,
wohl schon in der älteren anatomie, vgl.: weiter ist noch (
im gehirn) ein hölin oder sümpflin, die hat die form und gestalt eins drächters Ryff
anatomi (1541) m 1
a;
eindeutige belege seit dem 18.
jh., z. b. Blancard
arzneiwiss. wb. (1788) 1, 538
a; Bock
handb. d. anat. (1838) 517; Hyrtl
kunstworte 148. '
ein theil im ohre (
scyphus),
dessen weite öffnung der spitze der schnecke zugewandt und mit der kuppel bedeckt ist' Campe; '
die höhlung am ende des schneckenkanals am ohr' Bock
handb. d. anat. (1838) 697.
bei tieren: man nennt den vordern, engern, darmartig gewundenen theil dieses schlauches (
des tubus genitalis) eierleiter, oviductus, wovon der sogenannte trichter, infundibulum, den anfang ausmacht Naumann
naturgesch. d. vögel 1, 52. — trichter
ein muskulöses fortbewegungsorgan der tintenfische Knotterus-Meyer
zool. wb. 198. '
die leibeshöhle der rippenquallen'
ebda. 2@ll) trichter
schallbecher, schallstück bei blasinstrumenten C. Sachs
reallex. d. musikinstr. 392
a;
bei einem grammophon: hinter den staket mit den sonnenblumen sang der trichter des grammophons mit gedehntem tenor das 'holka roztomila' Paul Wiegler
das haus an d. Moldau (1934) 123;
s. auch trichtergrammophon. 2@mm) trachter
der obere, zugespitzte teil eines thurms, auch helm genannt Zuccalmagno-Waldbrühl
worterkl. z. mittelalt. baukunst in: deutsche eiche 2, 250
Brugqer. 2@nn)
in der druckersprache '
satz eines titel, auf dem die zeilen in ihrer breite nicht abwechselnd, sondern nach unten spitz zulaufen' Klenz 104.
vgl. trichtersatz. 2@oo)
zoologisch, eine muschelart: der magellanische trichter
eine art klippkleber Campe.
name mehrerer napfschnecken, patella graeca, nimbosa Sanders 3, 1375
b. 33)
uneigentlicher gebrauch. 3@aa) '
verlegenheit', '
verwirrung'
u. ä.; der beleg steht völlig vereinzelt: das macht in also angsthafft, das er gantz verdacht stund, nit wuszt, wes es sich weiters halten solt. wie er nun also in einem semlichen trächter stoht, kumpt zu im ein kauffman Wickram 2, 167
Bolte (
von guten u. bösen nachbarn). 3@bb)
vereinzelt '
ursache', '
grund': ich habe hin und her studiret und finde doch den trichter nicht, woher der jungfern kopffweh rühret Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 2, 395,
oder wäre hinter dem abstracten gebrauch einfach der Nürnberger trichter (
s. oben 1 c)
zu suchen und die verkürzte ausdrucksweise aufzulösen etwa in '
trichter, durch den ich mir das wissen eingieszen könnte'? 3@cc)
in einigen redensarten liegt bedeutungsmäszig z. t. eine anknüpfung an oben 1 c
nicht zu fern, schwierigkeiten bietet jedoch die syntaktische fügung. sich auf den (dem) trichter finden
begreifen, verstehen, das richtige erfassen, im bilde sein u. ä.: und war nahmentlich dieser (
mangel), dasz darbey (
bei der rüstung) kein turnierhelm, sondern nur ein schlechte sturmhaub ohn visier und helmlin sich befande. aber wie dem allem, fand er sich bald auff den trichter und durch spitzfündigkeit seines anschlägigen kopffs ersetzte er den gantzen mangel gar artlich Bastel v.
d. Sohle
Don Kichote (1648) 19; (
in einem mit erotischen bildern versehenen hause belauschen zwei freunde durch ein wandloch ein im bett liegendes mädchen) unter währender zeit nun befanden die beyden hertzensfreunde sich durch die wiedererinnerung obgedachter hurischen sinnbilder vollens auf den trichter und hielten gewisz dafür, es muste diese vermeinte jungfer eine von denen daselbst hausenden fleischhändlerinnen (
huren) sein
der grosze klunkermutz (1671) 65; erwiese doch einst ein weib zu Breslau mehr raison, in deren gegenwart von einigen luthrischen jünckergen auff disz büchlein gestimpfft worden, um dasz ihnen etwan die historie von der zofen darinnen nicht gefallen, sagende (
nämlich das weib): das büchel ist ja dem hertzog zugeschrieben (
gewidmet), der würde sichs annehmen
etc., worüber jene (
die junker) sich bald auffn trichter befunden und die pfeiffe eingezogen
zuckerrösigen auff herrn Valentin Alberti (1694) a 4
a;
Gredl: ihr habt mir gesagt, wie ich mich verhalten solle, also werdet ihr mir nicht vor übel haben, wenn ich gleichfalls euch vorstelle, was mir zuwider ist.
Fuchsmundi: ja, ja, ich finde mich schon auf dem trichter
ollapatrida 234
Werner. auf den (rechten) trichter bringen, helfen
belehren, begreiflich machen u. ä.: bey denen, die mich annahmen, muszt ich mich durch ein geschwader umständlichkeiten durchhauen, eh ich sie auf den rechten trichter bracht Musäus
physiogn. reisen (1778) 2, 32; so weit sollte die kunst doch fortgerückt seyn, dasz man, besonders nach so weitschichtigen abhandlungen von stirnformen, nicht erst nach einem dic mihi oder zubläser sich umsehen dürfte, der den physiognomisten auf den rechten trichter helfen müszte 3, 199.
anders, etwa wie '
in stimmung bringen': ich habs mein tage gehört, dasz die verwünschten und verzauberten weder eszen, schlafen noch schwatzen, und mein herr schwatzt euch, wenn man ihm nur auf dem(!) trichter hilft Bertuch
don Quixote (1785) 2, 291. auf den (rechten) trichter kommen:
Wilhelm: ich glaube wohl, dasz es schwer für einen jungen studenten hält, ohne besondre empfehlungen oder connoiszanzen sogleich entree zu finden.
Wurzel: da kommen sie auf den rechten trichter; das war es eben, was ich meynte! Bretzner
leben eines lüderlichen (1787) 1, 131.
sprichwörtlich, soviel wie '
auf keinen grünen zweig kommen': der kann nicht auf den trichter kommen K. Rother
schles. sprichw. u. redensarten 407. 3@dd)
eigentümlich im ausruf walts der trichter,
schlesisch: je, ducht ich, walts der trichter, Miezle, willste a floimla hoan? Wander 4, 1314.