tratt,
trat(t)e trade,
f.; zu treten
gehörig, s. Walde-Pokorny 1, 796. 11)
das land, das (
vom vieh)
betreten werden darf, '
brachland', '
viehweide'
; frühmhd. trata;
mhd. trat, trat(t)e;
an. tröd,
pl. tradir '
pascuum';
dän.-norw. traa '
festgetretener platz'
; norw. dial. tro, trad '
eingezäunte weide'
; schwed. träde '
ruhe des ackers, brachland'.
im deutschen nur oberdeutsch; mundartlich bei Unger-Khull
steir. 164; Lexer
kärnt. 67; Schöpf
tirol. 752; Zingerle
lusern. 55
b; Stalder
schweiz. id. 1, 299; Tobler
appenzell. 149
a;
in obd. familiennamen als Trater, Tratter, Trattner Tarneller
zur namenskunde (1923) 129
b; Frommann
dtsch. maa. 4, 202.
der stammvokal ist meist kurz; länge zeigt: ûf den trâten Hadamar 508
Schm.; ze waid, ze trâten
Fürstenb. urkdb. 6, 23,
mit schwäb. diphthongierung draut
Aulendorfer arch. bei Fischer schwäb. 2, 325;
in den maa. trat(e) Lexer
kärnt. 67; Schöpf
tirol. 752.
die flexion ist stark und schwach; stark nach der i-
decl. mit umlautlosen formen: dat. auf der tratt
quellen z. alt. gesch. d. fürstenth. Bayreuth 2, 2; von der trat
corp. constit. Brandenb.-Culmbac. 2, 1, 1209;
acc. an ir trat Neidhart xlv, 16
H.; ein gemeine tratt
urkdb. d. klosters Heiligkreuztal 2, 390;
umgelautet gen. plur.: irer trib und trätt
württ. gesch.-qu. 21 (1924) 290;
acc., wohl gleichfalls plur., auf die trätt
tirol. weist. 4, 17;
schwach: dat. sing. auf der tratten
steir. u. kärnt. taidinge 235;
salzbg. taidinge 21; 36; 77; in der dratten
niederöst. weist. 3, 453;
acc. sing. die tratten
salzbg. taid. 23; 41; 50,
mit n
im nom.: wann die dratten pestellt ligt
niederöst. weist. 3, 453; tratn Schönsleder
prompt. (1618) G g 5
b;
schwach ist wohl auch frühmhd. trata, trate
ahd. gl. 4, 114, 22; trata
mon. Boica 12, 416;
das geschlecht ist in der regel feminin; masculina sind jedoch nicht ganz selten: wo zween, drei oder mer nachtbarn am tratn ain pluemgsuech (
weiderecht) ... mit einander haben
salzb. taidinge 57; gemeiner tratt
Fürstenberger urkdb. 6, 214
s. Fischer 2, 325; Frommann
dtsch. maa. 4, 448; Schöpf
tirol. 752; Buck
flurn. 281;
das neutrum bei Tobler
appenz. 149
a; Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 1119
s. v. trattlauf.
zu trap, trab
in der formel trib und trap
s. unten 1 b. 1@aa) '
viehweide', '
brachland'
im wechsel der dreifelderwirtschaft: in tertio ... anno, quando campi ... sine semine jacent, quod vuglo dicitur trat (
a. d. j. 1269)
mon. Boica 12, 416,
s. mhd. wb. 3, 101; (
es soll) deme, welcher küe halt, kein gaisz, jenen aber, so dise nit vermag, einen nit mehr dan drei, wie obbemelt unschödlicher orthen ... in veldern, trathen und eigens auszgezaigten hochen älben auftreiben zu können (
erlaubt sein)
steir. u. kärnt. taidinge 462;
so wohl auch der älteste beleg: tradidit etiam decimam veteris emporii, scilicet illorum atriorum et camporum, quod dicitur teutonice trata, at eundem locum pertinentem (
a. d. j. 1128) J. v. Zahn
urkdb. d. hzt. Steiermark 1, 135;
auf der tratt
wird nur futter ausgesät: item darnach frag, ob er icht ruben oder wicken hab gesät auf die trätt oder sunst mer, dann recht ist
tirol. weist. 4, 17.
in, zu (
der)
trat(
ten)
liegen '
brach liegen': wo aber die velder ... in tratten legen
niederösterr. weist. 4, 435; alle wiesen, wan sie sonsten in der tradt liegen
taiding v. Friedberg bei Jelinek
mhd. wb. 721;
contrastiert: swo die drey man die velder mit marchsten (
gemarkungsstecken) ausznemen und taylen haizzent ze dem pau und zu der trat
stadtrecht v. München 120
Auer; vgl. mundartlich tråt lassn '
eine wiese durch ein jahr ungemäht lassen' Lexer
kärnt. 67.
die tratt
ist gemeindeland: compascuus ager trata, trate
ahd. gl. 4, 114, 22 (12.
jh.); es soll kainer kain wiszmad (
wiesenstück) in aim veld einzeinen auf der traten
salzb. taidinge 77; und sol ouch niemant uf der burger tratt kainen sunder hirten han
württ. gesch.-qu. 21, 108;
daher gemeine tratt: was ain ieder burger oder beiwoner im summer auf gemain tratt (
an vieh) schlacht (
austreibt)
ebda 21, 302.
als ort, wo der blutbann geübt wird: das malefizisch recht soll mann besizen auf der tratten neben Arndorf, auf derselben tratten soll mann richten mit dem radt, schwert und prant
steir. u. kärnt. taidinge 235.
abgaben für ihre nutznieszung (trattgeld
s. d.)
sind geregelte gemeindeeinkünfte: (
der fremde) soll von jedem haubt viech, so er auf der gemeinde trätt laufen lasst, jährlich 2 fl. ze geben pflichtig syn
urk. v. 1693
bei Staub-Tobler
schweiz. id. 2, 272
s. v. trettgeld;
kleinere teile können eingefriedet und in private bewirtschaftung genommen werden: wer ain viertlacker hate, der mag auf der tratten ze seiner notturft ain tagwerch lands einzeinen und peunten und es hab ainer vill oder wenig viertl, so vill mag er tagwerch zue peunten machen
salzb. taidinge 36,
ähnl. ebda 21,
vgl.trattpeunt
sp. 1282.
die tratten anschlagen '
den privat bestellten, abgeernteten acker durch eintreiben des viehs zur tratt
machen': es soll auch kainer seinen nachbarn im kornfeld die traten vor unser frauen geburtstag und im haberfeld vor st. Michaelstag anschlagen
salzb. taidinge 23; es soll auch kainer dem andern im auszwerchen (
ernte bestellen) die tratten in die felder anschlagen, bisz solang der lest schober darausz kombt
ebda 41. 1@bb) '
viehweide'
überhaupt, ohne bezugnahme auf den dreifelderturnus; so als nicht bestellbares waldgrundstück: '
ein gröszerer oder kleinerer ort, so mit einem holz beschüttet, und mit gras so schlecht bewachsen ist, dasz hierauf meistens nur die schweine geweidet werden'
waldprotokoll in den steir. u. kärnt. taidingen 651
b (
register zum worte trat);
als flurnamen: (
in einer grenzfestlegung) von dem Maderkhogl bisz auf die Vorsttratten, von der Vorsttratten der wassersäg nach bisz auff den Teuffensatl
ebda 359;
mundartlich: tratt
holztrift, waldhut, welche meist einer genossenschaft angehört (
silva pascua) ...
auch gras, welches, wenn es dort geweidet wird, tratt
heiszt; junger wald Tobler
appenz. 149
a.
auch für die unbebaute stadtwiese: freitags den 9. juni kamen die 14 fendlein landsknecht, lagerten sich fur Culmbach auf der tratt
quellen z. alten gesch. d. fürstenth. Bayreuth 2, 2; von einer klafter flösholz zu Culmbach von der trat und in die stadt zu führen 5 oder 6 kreuzer
corpus constit. Brandbg.-Culmb. 2, 1, 1209. —
in der höheren literatur kaum mit ausgesprochenem gefühl für die ursprüngl. bedeutung, sondern als '
weide, wiese'
schlechthin: in walden, ûf dem brande, an wazzer, ûf den trâten, swâ man gesellen mande, dâ sol geselle geselleclîchen râten, und helfe niht gesell gesellen vor behalten Hadamar 508
Schmeller. 1@cc)
das recht zum betreten eines grunds und bodens mit vieh; trat
recht und ort des beweidens Buck
flurn. 281; Fischer
schwäb. 2, 324;
auch viehtrat
s. teil 12, 2
sp. 98: die von Hayingen haben auf die güter zu Vainhusen tratt und zufahrt, dürfen aber keine 'schwaig' (
rinderherde) darauf treiben
regeste v. 1435
Fürstenb. urkdb. 6, 73;
mit persönl. object: auf jem. tratt haben '
das viehweidrecht auf seinem grund und boden haben': es ist ze wissent, das der rat und zunftmaister gemeinlich besantent für sich alle die, uff die man tratt solt han
württ. gesch.-qu. 21, 195; auf diesen äckern ist gemeiner tratt
regeste von 1434
Fürstenb. urkdb. 6, 214; das feld ist frei eigen ohne tratt. sollte gleichwohl tratt und last darauf ruhen, so ist das kloster zu nichts verbunden
ebda 6, 259
regeste von 1427; dasz dort die tratt den zwei höfen von Helmenstorf zustehe
ebda 6, 259
regeste v. 1431;
weiter verbreitet in der verbindung trieb und trat: trib ist, da ainer zu treiben, aber nit zu waiden gewallt, tratt und trib zusammen ist, da ainer zu treiben und zu waiden fg und macht hatt
bei Fischer
schwäb. 6, 1766; anno domini ... hat Reinbotho ... zway holzer dem gottshausz zuo kaufen geben ... mit trib und tratt Knebel
chron. v. Kaisheim 99
lit. ver.; wun, waid, trieb und tratt Besold
thes. (1697) 1, 985
b,
s. auch Schmeller-Fr.
bair. 1, 678;
dafür auch mit assimilation des auslauts trib und trab (trap): item als wit die allment vnd gueter zuo B. begriffend in holz vnd feld, hat nieman ... waeder holtz noch weidrecht, trib noch trap (
a. d. j. 1518,
schweizerisch)
weisth. 4, 321; sie sitzent auf der herschaft grund und boden und muosz man si (
die kleinen bauern) beschützen und schirmen und mit trib und trab und holz fürsehen
bei Schade
satiren u. pasqu. 2, 149; trib und trap
zimmer. chron. 1, 391
B. auch auf die verbindung etzen und tretten, etz und trett
mag tratt
gewirkt haben, s. 2treten
teil 11, 1, 2
sp. 237. 22)
der durch den druck des tretens
oder fahrens im erdboden hervorgerufene sichtbare eindruck; im unterschiede zu 1
vorwiegend niederdeutsch. 2@aa)
vestigium, als einzelne stelle und, meist pluralisch, als fortlaufende spur; as. trāda (trăda?);
mnd. trade;
mhd. trat;
vgl. ahd. trata
conculcationem (
das zertreten, zerstampfen)
glosse zu Jes. 5, 5
ahd. gl. 1, 597, 44; an êna starka strâtun, thâr stôpon gengun, hrosso hôfslaga endi helido trâda
Heliand 2400; hie mite so kam er an den sin, ez wære niwan des hirzes trat Gottfried
Tristan 17423
Ranke. heute nur in einigen maa.: trede, träde, trē, trä
tritt, schritt, fuszspur ten Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 431
b;
in abgewandelter form (
s. 2 b): trāme
fuszspur Bauer-Collitz
waldeck. 105
a;
auch der ausgetretene pfad, besonders den das vieh auf dem wege zur tränke macht Schiller-Lübben 4, 605
a; Gilow
de diere 657
a. 2@bb)
wagenspur, wagenrinne im erdboden, s. auch wagentrade.
nur nd. in der form trade,
selten tradel (Benzler
deichb. 2, 228),
in den maa. meist in lautlichen varianten: mit schwund der media trae; trahe
in wagentrahe Löns
haidbilder6 27;
durch verschmelzung der media mit dem plural-n
oft tran, trn, trane,
auch tram(e).
neben vorwiegend fem. genus vereinzelt masc.: gleisen, im niedersächsischen traden, sind die spuren, welche wagen und karren in die wege drücken Benzler
deichb. 2, 174; ein jederman, die op dat sine nit kommen kan, so dat hie over sines nabers lant misten und düngen moet, sall hie alsdan sinen naber bidden, dair over he faren wirt, und alsdan in einem trane mit dem düngelwagen blieven, und wann he gedahn hefft, sall he denselvigen weg wedder tho seyen met derselvigen saat, als darob geseyt isz
weisth. 3, 30.
auch die künstlich in schlechten wegen angelegte fahrschiene: und wann die weege trüg seynd, soll ein jeder an seinem anschusz die traden oder wagenleisten instechen, und da es vonnöthen mit reisern und dörnern unterlegen und höhen
gülich- und bergische polic. ordn. (1751) 37.
mundartlich vorwiegend im nordwestdeutschen: trade, traan, traam
spur, gleise brem.-nieders. wb. 5, 94; trn Frederking
Hahlen bei Minden 32; trāne Flemes
Kalenberg 370; Deiter
Hastenbeck 150; trn
für trden Woeste
westf. 273
b; trâne Schambach
Göttingen u. Grubenh. 233
a; troon Leithäuser
Barmer ma. 160
b; Köppen
Dortmund 59; trâne Andree
Braunschw. volksk. 123; trad Mi
mecklenb.-vorpomm. 94
a.
im 15./16.
jh. übertragen von der fahrtrinne einer wasserstrasze: (
was man tun solle,) aff (
mit der flotte) in den Oressundt samptlicken to lopende were ader sustes up de trade in de szeh to lopen und de intonemende (
a. d. j. 1522)
recesse d. hansetage III 8, 189; uns hevet schipher Peter Detloffs ... to kennende gegewen, wo dat Bartholomeus Voet ... und Clockenar ... eme upter trade in Blanckeshaven zin schip und al dat gut, dar inne geladen, hebben ghenomen (
a. d. j. 1428)
ebda I 8, 355; dat de vnsen de trade hir bynnen Sundes (
bei Stralsund) noch tor tijd nicht rumeden
Lübecker urkdb. 7, 183 (
a. d. j. 1428),
vgl. weiter Schiller-Lübben 4, 605
a;
nd. jahrb. 46, 9; Koppmann
seebuch 119
b;
aus der sprache der hanse im 15.
jh. ins engl. als trade
entlehnt, s. Murray 10, 1, 222. 33)
lager der wölfin: in Kurland wählt (
die wölfin) ... zu ihrem wochenbette erhabene, dicht mit holz bestandene stellen in den groszen morästen, welche nicht leicht von menschen oder weidevieh betreten und von den jägern traden,
d. h. aufenthaltsorte der wölfe, genannt werden Brehm
tierl. 2, 27
P.-L.; ob mit 1
u. 2
überhaupt zusammengehörig?