tölpisch,
adj. adv. ,
tölpelhaft, grob, ungeschickt, zu tölp (
s. oben sp. 650) Adelung, Campe, Heyne, Paul.
vgl. tölpelisch (
unter tölpelig,
sp. 667)
zu tölpel.
form. die ältere form dölpisch (
s.tölpel 1,
sp. 653), dolpisch
findet sich neben tölpisch
bis ins 17.
jh., so bei H. Sachs, Weckherlin, Moscherosch.
die wörterbücher zeigen allgemein den t-
anlaut, nur Maaler
hat beide formen. auffällig ist dölpisch
bei Wachter (1737),
aber aus der dort vorgetragenen etymologie zu erklären. die umlautlose form tolpisch, dolpisch
erscheint namentlich bei Luther (
s. tölpel 7,
sp. 654
f.). Rompler v. Löwenhalt
hat einmal tälpisch (
s. oben talp,
sp. 101,
vgl. ital. talpa,
tölpel, und die lat. form talpenses
neben tölpisch
bei Luther 6, 148, 11
Weim.)
und ebenso bezeugt mundartliches telpsch, talpsch,
tölpelhaft, Weinhold
schles. wb. 99
a. Sanders 2
2, 1334
b wollte danach dic ganze sippe von tölpel
zu talpen,
v., stellen; es liegt offenbar nur gelegentliche beeinflussung vor. eine bairische quelle des 17.
jh. (
s. unten I A 1
b)
hat dolbisch (
vgl.tolb
bei Henisch,
oben tölpel 3,
sp. 654).
bei Frisius
und Maaler
erscheint tülpisch
neben tölpisch (
s.tölpel 6,
sp. 654). dörfisch
in gleicher wendung s. th. 2,
sp. 1281.
in den wörterbüchern wird tölpisch
seit Dasypodius (1537)
aufgeführt: eyn tölpischer
und ungeschickter mensch, der niergend zu keyn gnad hat Ciij
b; ebenso Frisius (1556) 939
b, 978
a, 644
a, 689
a und Maaler (1561) 403
d, tülpisch,
gar torächtig und unartig. perfatuus 411
c, 91
d;
ungelehrt, grob, tölpisch
Epicurus hebes et rudis Henisch (1616) 1458; dölpisch,
obtuse, stolide, imperite, crasse. fatuari dölpisch
seyn Schönsleder
prompt. (1647) L 6
b;
ein narr, thor, püffel, alber, unweisz, unbedacht, tölpisch,
unvorsichtig Calvisius (1653) 194
a; tölpisch,
adj. rusticus, plumbeus, ineptus. tölpisch,
adv. inficete, inscite Frisch (1741) 376
c;
tölpelhaft, tölpelisch, tölpisch,
adj. lomp, boers, onbeschoft Kramer-Moerbeek (1768) 343
a.
mundartlich scheint tölpisch
nach ausweis der wb. selten zu sein; belegt ist es für Schlesien (
s. oben)
und Elsasz (
s. unten III).
bedeutung. II.
als menschliche eigenschaft. I@AA.
im äuszeren verhalten. I@A@11) '
ungebildet im ganzen auftreten und benehmen, in der lebensart',
und zwar I@A@1@aa)
mit erkennbarer beziehung auf die grundbedeutung von tölpel: '
bäurisch, unhöfisch, ungeschliffen, ungebildet, unhöflich'. tölpisch,
nicht mit hüpschen gebärden, inciuil Hulsius
dict. teutsch-frantz. (1640) 391
b; tölpisch
inurbanus rusticus Schottel
haubtsprache (1663) 1432; tölpisches
gesinde, famuli rustici Steinbach (1734) 2, 822; dölpisch
rusticus Wachter (1737) 297; du tölpischer sauhirt Schaidenreiszer
Odyssea (1537) 90
a; weil sie diese kunst (
musik) verachten und ihren nutz nicht betrachten, so bleiben sie die gröbsten knolln als die tölpischen acker trolln Agricola
musica instr. 135
Eitner; Jäckel (
ein bauernjunge) ist aber zu tölpisch (
zum studieren) Schoch
studentenleben (1657) D v j
b; sprach, es weren unverstendige, grobe und tölpische leut in der statt, ausz denen ursachen, dasz sie einen menschen vor dem andern .. nit .. zuo entpfahen wüszten Kirchhof
wendunmuth 1, 233; manche elttern balgen und bochen über ihre kinder, dasz sie so grob, ungezogen und dölpisch sind, und mit zierlichen geberden und ehrerbietung niemand wissen zu begegnen Moscherosch
insomnis cura 87
neudr.; ach monsieur, was ist für ein unterscheid, wenn ich den närrischen Damon und meinen tölpischen mann gegen sie betrachte! sie sind die galanterie selbst! Gellert 3 (1775) 296; zu viel höfflich ist tölpisch Lehmann
florilegium (1642) 131.
entsprechend adverbial gebraucht: sind wohl die sitten so fein am wilden tische des junkers? er sitzt tölpischer, als ein knecht, bey stolzen couverten, unter plumpen schmarotzenden gästen als witzling bewundert Zachariae
tageszeiten (1757) 43;
die beziehung auf den ungesitteten bauerburschen liegt überhaupt nahe, wo es sich um mangelnde tischzucht handelt: faul Fritz stets in der schüssel lag und duncket vil der schnitten ein, hielt sich auch dölpisch zu dem wein H. Sachs 17, 281, 19
Keller-Götze; hier ist mein schwerdt, o fühlts, ihr brüder! beym element! es hält sich frisch. gleich schlägt mein held es auf den tisch, und wirfft die kannen tölpisch nieder Hagedorn
versuch (1729) 29, 220
Sauer. I@A@1@bb)
allgemeiner: '
ungeübt, ungeschickt, plump, schwerfällig, steif'.
apalœstros id est, homo palestrœ imperitus, eyn tölpischer
und ungeschickter mensch, der niergend zu keyn gnad hat Dasypodius (1537) Ciij
b,
danach Frisius, Maaler
und Reyher
lex. lat.-germ. (1686) 162; tölpisch ...
wie tölpelhaft,
aus schwerfälligkeit oder dummheit ungeschickt Adelung; Pan der hirten gott, eyner ausz den satyris, mit eyner sackpfeiffen, dölpisch und ungeschickt Franck
morie encomion (Ulm o. j.) 12
b; musz dir beschneiden die knorn rauch. ey, wie bistu so dolbisch auch!
Regensburger fastnachtspiel (1618),
in: Bayerns mundarten 2, 10, 741; der hochmütige esel, was hat er mich einen groben, ungehobelten tölpischen teutschen zu nennen gehabt? Moscherosch
gesichte (1650) 2, 49; Jocrisse, ein charakter, der dem italiänischen Pierrot auf ein haar gleicht, ein tölpischer mensch, der alles verdirbt, indem er alles gut machen will Kotzebue
erinnerungen aus Paris (1804) 507; die tochter soll sehr wohlerzogen und schön, der sohn hingegen ein tölpischer bengel, ein verzognes, dummes müttersöhnchen (!) sein Fr. L. Schröder
irrthum auf allen ecken (1810) 27; vom sims gestoszen! oh, Semo war tölpisch, wenn's der herr erfährt, in so viel stücke läszt er Semo hau'n, als scherben sind P. Heyse 9 (1872), 187.
verbunden mit zu, '
ungeschickt zu einer fertigkeit, kunst': das die, so am ersten im teutschen zuo lernen haben angefangen, hernachmals zum lateyn und andern zungenungeschickter und tölpischer gewesen sein Joh. Muschler
von schuolzuchte (1529) B 7;
in der verbindung toll und tölpisch: lasz die anblick hin und herfliegen, getrewe botten deiner gunst, der neyder torheit zu betriegen, toll und tölpisch zu diser kunst Weckherlin 1, 159, 10.
in vergleichen, '
steif wie ein stock', '
linkisch und ungeschickt wie ein knabe': der Omer, dölpisch als ein stock, und sein weib, lieblosz als ein block, beed träg zu der lieb süssen sachen Weckherlin 2, 424; sehet, diese meine liebe geliebte da, wie hat sie mich mit ihren schelmereien und bösen kühlen redensarten so meisterlich geplagt, dasz ich wie ein rechter knabe stumm und tölpisch wurde P. Heyse 4 (1872), 55 (
l'arrabbiata).
adverbial gebraucht: denn weil sich zu Münster der böse geist, nur wie ein simpeler schulteufel, so grob und dölpisch mercken liesz, dasz er sich leicht .. zu erkennen gab Mathesius
Luther (1583) 107
b; wer ist doch der neue Duns, der ihren sieg des liebesgottes, so tölpisch angegriffen, wie mir herr Leszing gesagt hat? Gleim
an Uz 294
Schüddekopf; ich hatte nämlich bemerkt, dasz man bei'm fouragiren um die dörfer und in denselben tölpisch geradezu verfuhr Göthe 33, 63, 23
Weim.; in einem leichten oxymoron: wie sol ich doch mit euch gebarn? ich thue fein tölpisch einher fahrn, ihr müst mirs nicht vor vbel han, ich machs so gut traun, als ich kan Hayneccius
Hans Pfriem 2437
neudr. I@A@1@cc)
auf das körperliche aussehen gewandt, '
groß und plump'
im gegensatz zu feinem, zierlichem leibesbau (
vgl. tölpicht 1): er, der teütsch, haut nach, und trifft als dan nächst oberhalb des knües den tälpisch-grosen mann, dasz alsobald das bluth komt starck herausz geflossen Rompler v. Löwenhalt (1647) 105; nach mehreren jahren sah ich ihn (
einen harfespielenden knaben) wieder, wo er gröszer und tölpischer geworden war, ohne in seiner kunst viel zugenommen zu haben Göthe 28, 92, 9
Weim.; die maulwürffe auf denen dörffern werden zweifels ohne stärker und tölpischer seyn, als die bey denen städten Schmidt
rockenphilosophie (1718) 2, 198. I@A@22) '
ungebildet, ungeschickt im einzelnen thun, im gehen, lachen usw.' I@A@2@aa)
adverbial: tölpisch
gehen, aller, ou marcher lourdement .., tölpesch
lachen, rire comme vn paisan Hulsius
dict. teutsch-frantz. (1640) 391
b;
er lacht tölpisch,
rustice ridet Steinbach (1734) 2, 822; wer klopffet also dölpisch an? halt! halt! ietzt wil ich dir auffthan H. Sachs 21, 66, 26
Keller-Götze; jedermann neckt' ihn und lachte ihn aus, weil er so tölpisch dahergieng, alle augenblick' über stock und stein stolperte, alle vögel begaffte, und nie zu seinen füssen sah Bräker
arme mann im Tockenburg (1783) 291
Füszli. I@A@2@bb)
übertragen (
wie 1 c)
auf einzelne glieder: er kont nicht mit den .. fatziolen umbgahn: kont nicht den küchleinthurn unzerrürt abnemmen, sein finger waren zu tölpisch stumpff darzu
Garg. 64
neudr.; ein gewisser Hofmann, ein mensch, dessen tölpisches gesicht und plumper körper den bauernlümmel, so wie seine physionomie einen dummen .. menschen karakterisirte Bahrdt
geschichte seines lebens (1790) 1, 107. I@BB.
als eigenschaft des menschen in seiner gesinnung, seinem herzen, verstärkt und vertieft aus A, '
plump, flegelhaft, roh, wild, wüst'.
den übergang bilden fälle wie die beiden nächstfolgenden. man helt dafür dasz .. die lepp- undt hangörichten ... tölpisch
und lümmelhafftig (
seien) ...
bardi atque blitei Comenius
ianua aurea (1640) 82;
grob, unhöfflich, tölpisch,
ein flegel, pengel. rusticus, inurbanus, infacetus Calvisius (1653) 315
b; und die si sonst für die barbaros, das ist für grob, wild, tölpisch leut hielten Aventin 1, 346, 25 (
dtsch. chronik); es wer denn in der gantzen pfarr ein mann der aller-gröst stocknarr, so dölpisch, grob, wild und ungfüg, der ein weib unverschuldet schlüg H. Sachs 17, 140, 5
Keller-Götze; woher kompt aber solche weisz, gottes wort also zu meistern, welchss man doch keinem weltlichen fürsten thun dörffte ... gewiszlich nirgends her, denn von dem groben, tölpischen, seuwischen teuffel, dem leydigen sauffteuffel
theatrum diabolorum (1569) 321
b A.
adverbial: wer hat doch ye freveler und dabey tölpischer gott gelestert? Butzer
bericht P 4
b. I@CC.
als verstandeseigenschaft (
s. a. unten IV A),
und zwar I@C@11) '
stumpf gegen äuszere eindrücke, unempfänglich für geistige reize, von mangelndem auffassungsvermögen, dumm, blöde'
: wer nichts achtet, der ist träge: der nichts vernimpt, tölpisch (
qui nihil percipit, stupidus) Comenius
ianua aurea (1640) 102;
unlehrhafftig, tölpisch,
ingenium infimum, tardum, socors, negligens Calvisius (1653) 729
b; Stosch
versucht bei einer begriffsbegrenzung gegen plump tölpisch
auf diese bedeutung festzulegen: beide, der tölpische
und der plumpe, sind dumm und grob; aber bei dem ersten, ist die dummheit, bei dem zweiten, die grobheit gröszer. wenn man jemand einen tölpischen
menschen nennet, so will man damit sagen, dasz er dumm und klotzig sey: wenn man ihn einen plumpen menschen nennet, so giebt man mehr zuverstehen, dasz er grob sey, und durch dumme grobheiten anderen beschwerlich falle Stosch
versuch in richt. bestimm. einiger gleichbedeut. wörter 2 (1780), 532; aber was gott im hertzen wirckt, und der heilige geist im menschen thut, das kan er (
der teufel) nicht wissen noch sehen,
am rande: da ist er zu tölpisch Luther
tischreden (1568) 209
a; dort war ich stutzer, dort wildfang, dort tölpisch, dort empfindsam Klinger
sturm und drang I 1,
in: stürmer und dränger I 67, 15
Kürschner; es achten solche gesellen weder klugheit noch feine gedanken; es bleibet dem groben tölpischen volke der werth von aller weisheit verborgen Göthe 30, 163
Weim. (
Reineke fuchs 11, 263). I@C@22) '
grob von verstand, plump im urtheilen und unterscheiden, unausgebildet in geistigen fertigkeiten': er (
Satanas) hatt biszher mitt myr alleyne gerungenn durch eytell grobe tölpische köpff, die nichts denn lestern und liegen kunden Luther 10
2, 12, 6
Weim.; denn die andern sind noch grobe tolpische teuffel als Sabellij, Manichei und andere ketzerey 28, 117, 36
Weim.; darümb den jüden als eim groben tolpischen volck waren die bilder allein verbotten, daran sie gott wolten eine ehre thun 16, 442, 28
Weim.; er sey gleich reich oder arm, jung oder alt, gelert oder ungelert, kunstreich oder tölpisch, gescheid oder närrisch Schumann
nachtbüchlein 4, 14; wer tölpisch ist und nichssen kan, der ist im land ein edelmann H. Sachs
fabeln und schwänke 1, 10, 97; Hans Düppels weib von Milichtahl . . . . . . sie hat ein grobn, dölpischen man, der nichtsen denn eyfferen kan 14, 235, 7
Keller-Götze; '
ungelehrt'
: ungelehrt, grob, tölpisch,
Epicurus hebes et rudis .. Henisch (1616) 1458; tölpisch,
adj. et adv. ... stupidus, inconditus, inscitus et: indoctè ... infabrè Stieler (1691) 2282.
adverbial: wenn könig Heyntz auch seynes königreychs hett gewartet odder basz ynn der schrifft studieret, wurde er nicht so tolpisch alfentzen mit gottis wortten Luther 10
2, 248, 23
Weim. IIII.
als eigenschaft von thieren (
bär, fluszpferd, esel, kuh): und es sind keine thier so geschwind schaden zuothuon, und einem böse tück zuobeweisen, als eben die dölpische grobe bären Heyden
Plinius (1565) 184; der elephant ist ein grosz ungehewer, tölpisch thier (1584) 86; unser könig ist edel geboren und mächtig und gnädig, dacht' ich im stillen bei mir: es wär' ein trauriger wechsel einen bären und tölpischen taugenicht so zu erhöhen Göthe 50, 63, 66
Weim.; wiewol das wasserpferd ein dölpisch närrisch thier von vielen geachtet wirdt, so soll doch etliche sondere witz in jm stecken Gesner-Forer
fischbuch (1598) 201
a; denn unser gott hat nicht allein die angeneme nachtigall erschaffen ... besondern er lesset auch die grobe ochssen und tölpische esel auff dem erdreich herümme lauffen Rist
rettung der edl. teütsch. haubtspr. viij
b.
prädicativ: zieht, zieht, sie (
die kuh) ist bald droben: sie ist so tölpisch und ungeschickt, dasz sie ihr selbst nicht helffen kan
schildbürger (1678) 131.
adverbial, von der schlaftrunkenheit verstanden: die thiere eilten tölpisch aus dem schlafe, und flohen, ängstlich durch einander irrend Brentano
Gustav Wasa 31, 7
neudr. IIIIII.
als eigenschaft von gegenständen, '
plump, roh verfertigt, gestaltet': tölpisch
unwercklich (
vgl. unwercklich,
on ein sundere arbeit und fleysz gemacht),
infabre, ignaue Maaler (1561) 403
d; tölpisch,
nicht artig gemacht .. lourdement fait, ein tölpische
bettlade .. un chalict mal accomodé, ein tölpischer
schuch, .. un soulier lourdement faict Hulsius
dict. teutsch-frantz. (1640) 391
b; tölpisch
und ungeschickt gemacht, lourd, groszier, mal faict ou bâti Frisch
teutsch-frantz. wb. (1730) 555;
ein tölpischer
schuch, calceus rustice factus Steinbach (1734) 2, 822; sie (
die Samiuten) haben auch bilder von holz geschnitten, so gar schlecht und dölpisch sein L. Hulsius
schifffahrten (1598
ff.) 3, 31 (
z. f. d. phil. 13, 376); was vermögliche und stattliche baurn, soll mancher 50 ... starckhe dölpische sülberne löffel beysamen haben S. Kiechel,
bei Fischer
schwäb. wb. 2, 253.
adverbial: scalptum infabré .. unmeisterlich, oder tölpisch
gegraben Frisius (1556) 689
a.
in dieser verwendung auch aus der lebenden mundart bezeugt: das kommod is
t tölpisch geschafft,
die kommode ist grob, roh gearbeitet Martin-Lienhart 2, 681
b. IVIV.
in verbindung mit abstracten, in der polemik der reformationszeit besonders gern gebraucht. IV@AA.
mit allgemeinen und farblosen substantiven wie art, gedanke, wort, sprache
verbunden. vgl. I C 1: auch ist es jedermann kundt, und bedarff keiner beweysung, dasz dem menschen (er sey dann gar dölpischer und beürischer art) nichts anmütigers ist, dann die belustigung des gemüts, im lesen .. Höniger
weltspiegel (1574) Aij
a;
vgl. I A 1 b: wie wol das alt sprichwort doch jach: neun schand man ob eym ay entfach. solch neun schand ich doch doppaliert solch dölpisch weisz in mir regiert H. Sachs
fabeln und schwänke 1, 508, 80; zwar seine tölpisch schlüffliche art so wenig als seinen kohlschwarzen bart, seine lust in den weeg zu — hab nicht können aus der wurzel reissen Göthe 38, 47, 5
Weim. (
Hanswurst's hochzeit)
vgl. I B: das sind alles solch kindische, tölpische,; schendliche gedanken und luogen unternander, das sie nicht werd sind verantworttunge Luther
wider die himmlischen propheten 2, A 2
b; der teufel hat auch ein zungen. non veniunt pseudoprophetae nostri mit tolpischen wort, sed sapientibus 20, 536, 38
Weim.; do uberfeldt der gotlose den gerechten, und tregt Paulum herfürer mit einem sölchen tölpischem verstanndt, dasz es den kindern auch zum poppenspill wirdt Müntzer
schutzrede 22
neudr.; vgl. I C 2: Mopsus hat ein grob verständnüsz, meint, es sey ihm trefflich nützig, dann was tölpisch, tauret lange, stumpff wird leichtlich, was zu spitzig Logau 3, 123
nr. 20; es were die teutsche sprache gar unedel und tölpisch, aller edlen spraachen zier ohne W. Scherffer
bei Drechsler 4; es ist schande, das man solch latin auch tzu den deutschen schreybt und solch tölpisch auszlegen der schrifft vernunfftigen leutten thar furgeben Luther 11, 356, 23
Weim.; er thut der gantzen universitet ein schand und unehr an, mit diser tolpischen tragedia Vogelgesang
gespräch v. d. trag. J. Hussen 3
neudr.; freier: in einem moment, wo in der ganzen nation eine so mächtige antipäpstliche regung überhand genommen, hatte er (
Eck) man möchte sagen, die tölpische dienstbeflissenheit, eine frage in gang zu bringen, deren beantwortung immer sehr zweifelhaft gewesen Ranke
2 1, 278. IV@BB.
mit miszbilligenden und herabsetzenden ausdrücken verbunden. IV@B@11)
entsprechend I A: was Eulenspiegel beifall verschaffte, war nicht so sehr seine tölpische grobheit und spaszhaftigkeit, als die ironie .. Ranke
2 1, 172. IV@B@22)
von gesinnungen, entspr. I B, tölpische
lügen und zoten: .. haben sich doch daneben auff nichts, denn auff tölpische und unhöffliche lügen gesteürt, da sie aus disem sacrament (
dem abendmahl) eyn opffer haben gemacht Speratus
übersetzung von Luthers de instituendis ministris F 2
b: das ist doch zumal ein grobe, tölpische lügen, die sich gar nicht gleuben lesst Luther 28, 431, 28/30 (
zusatz)
Weim.; o du kaltes entschuldigen unnd tolpischs heuchlen 6, 581, 29
Weim.; das ich widderumb auch meine lust an yhm (
dem hoffärtigen, spöttischen teufel) busse, gott zu ehren und spotte yhn widder ynn solchen seinen tolpisschen zoten, denn er sol und mus gotts wort unterligen 23, 94, 7
Weim.; wer würt dich (
Treger) nit verlachen mit solchen tölpischen, lammen zotten? Butzer
bericht G 3
a. IV@B@33)
von verstandeseigenschaften, entspr. I C, tölpischer
einfall, unwissenheit, tölpischer
irrthum: so meint er, und gibt für; dasz redligkeit der sinnen nur tölpisch einfalt sey, und bäurisches beginnen Logau 3, 218; der grosz theologus .., der unser tölpische, grobe, ungeschickte unwissenheit, nit genuog verhönen kan Butzer
bericht E 4
a; gotts zorn, der dem teufel den zaǔm lesst, solch grobe, tolpissche yrthǔm .. anzurichten Luther 23, 72, 14
Weim.; von plumpheit des denkens und fühlens: .. den eusserlichen groben verstand, also so man steyn und holtz anbettet .. das ist die grobe und tölpische abegötterey 16, 462, 22
Weim.