thür,
thüre,
f. ahd. turi duri
und tura dura,
mhd. tür
und türe (
eigentlich plural),
md. tur dur
und ture dure,
alts. dura,
ags. duru,
altfries. dure,
altn. dyr,
meist nur in pluraler form auftretend, wie denn auch das ahd. turi
eigentlich ein zum singular gewordener plural ist, und der begriff '
thür'
in den indogerm. sprachen vielfach als dual (
die beiden thürflügel)
oder als plural erscheint, s. Kluge in den beiträgen von Paul und Braune 8, 512, Sievers
ebenda 5, 111
anm. aus dem gemeinindogerm. stamm dhur,
dessen ursprüngliche bedeutung nicht zu ermitteln ist, sind auch hervorgegangen skr. dvâr (
ved. dur),
griech. θύρα,
lat. fores.
altslav. dvĭrĭ (
und dvorŭ
hof),
lit. durys
u. s. w., s. Curtius
3 242
f. Fick
3 3, 151.
gramm. 3, 430.
vgl.thor n., mit dem thür
oft verbunden vorkommt. —
die jetzige schwache form des plurals ist früher auch im dativ singular nachweisbar, z. b. über der thüren
Eulensp. 66 (40)
neudr., vor der 67 (41), zu der thüren 74 (47), under der thüren
F. Platter 230, an der thüren Maaler 401
a, in der thüren Gryphius
horrib. 59
neudruck. 11)
die thür
ist eine zum ein- und ausgang oder zum ein- und austhun (
an behältern)
bestimmte öffnung sowie die bewegliche (
gewöhnlich auf angeln ruhende)
verschluszfläche derselben, im engern sinne besonders die haus-, saal-, zimmer-, kammerthür; auszerdem boden-, hof-, keller-, stall-, gartenthür; ofen-, kamin-, schrank-, wagenthür
u. s. w.: die thür, eingang in ein hausz. Maaler 401
a; zwei thüren (
zwei hausthüren, zwei häuser) weit davon. Haller
der mann der welt v. 87; getheilte thür, die zwifalt aufeinander gaht,
valva. Dasyp. Q 2
d; beide thür (
flügel) an der stadt
thor.
richter 16, 3. 1@aa) die thür (
im engeren sinne)
als subject: ein fauler wendet sich im bette wie die thür in der angel.
spr. Sal. 26, 14; die thür knarrt. Lenz 2, 173; die thür geht auf, öffnet sich, ist (
steht) offen
oder zu,
s. auch bei offen 3,
a, α: (
da) tet sich gein im ûf ein tür.
Parz. 569, 29; (
er sah) ein tür wît offen stên ..., er gienc zer kemenâten î
n. 566, 7; wie find ich meine thür weit offen stehn. B. Krüger
spiel (1580)
v. 1556; sein thür steht allzeit off, gleich wie in eines fürsten hoff. Eyering 1, 727; die thür ist euch offen und der weg bekannt.
kunst über alle künste 123, 5; statt dasz mir jetzo thür und thor ist offen. Rückert 2, 98; da gieng des nachbars tür auf. Stieler 2294; schon öffnet sich uns die furchtsam knarrende thüre (
der hütte). Lenz
ged. 45
Weinhold; da ging die thüre des saales auf. Scheffel
Ekkeh. 226; tonlos sprangen auf die thüren. Geibel
ged. 363; die thür ist zu, das licht ist ausz, wann nur nicht jemandt wacht im hausz. Krüger
a. a. o. 1518; jetzt war zu thor und thür. Fleming 4; hinter ihr flog schmetternd die thüre zu. Gotthelf
schuldenbauer 382;
sprichwörtlich: vor lieb hilft weder thür noch thor. H. Sachs 14, 18, 15; offene thür verführt einen heiligen. Simrock 560. 1@bb)
als object (
passivisch als subject): dône vant er loch noch tür, daʒ er kœme hin vür.
Parzival 6741; sein haus hat keine thür. Logau 2, 1, 63; die thür öffnen
oder schlieszen: bisloʒʒanô wârun thio duri (
et clausa est janua).
Tatian 148, 6; bispartên durôn (
bei verschlossenen thüren). Otfrid 5, 11, 3. 12, 14; der edel künec dô selbevil wol beslôʒ die türe: starke rigele zwênewarf er balde darfüre.
Nib. 612, 3; stêt eʒ als übel ûf der strâʒe, sô wil ich mîn tür beslieʒen. Walther 62, 5; (
er floh) in sîn hiuselîn ... unde verrigelt ... de tür.
Iwein 3293; hin fuorte er sî zestunt in sîn heimlîch gemacht ... unde beslôʒ ... die tür.
arm. Heinrich 1193; Karsiê die tet zuo die tür (
der kemenate). H. v. Freiberg
Trist. 680; (
sie) tet gar lîse ûf die tür. 5911; Lot gieng eraus .. und schlos die thür hinder im zu.
1 Mos. 19, 6; gehe hin .. in eine kamer und schleus die thür nach dir zu.
Jes. 26, 20; da die jünger versamlet und die thür verschlossen waren.
Jes. 20, 19 (und di turen waren beslossen
cod. Tepl.); meine thür thet ich dem wanderer auf.
Hiob 31, 32; eh das beschlossen wirt die thür. H. Sachs 14, 132, 25; (
zu achten,) ob die tühren in der nacht seind allenthalben zugemacht. Ringwald
l. warh. 292; die thür ist fest versperrt. Gryphius
trauersp. 692
P.; die thür zuothuon Maaler 401
a, zueziehen Stieler 2294, aufmachen
ebenda; das er die thüren solt aufschlieszen. B. Krüger
spiel (1580)
v. 1893; den knechten desto mehr thüren und thore zu öffnen. Klopstock 12, 65. —
oft bildlich: als er ... dem heiligen evangelion hie auch thür und thor aufthete (
ungehinderten eingang verschaffte). Mathesius
Syr. 95
b; wan man der trewlosigkeit und allem betrug .. thür und thor öffnen wollte. Chemnitz
schwed. krieg 1, 16
a; aller schwärmerei thür und thor öffnen. Kant 6, 286; (
dadurch) ward der vaterländischen breiten plattheit thür und thor geöffnet. Göthe 25, 73; da ihm (
dem anstande) weder thür noch thor verschlossen ist. 19, 151; heiszt dieses nicht der feigen verleumdung die thüre öffnen? Möser 3, 82; einer weiteren verbesserung wurde damit nicht die thür geschlossen. Herder
in Böttingers lit. zust. 2, 190. — einem die thür zeigen, weisen,
ihn schimpflich fortgehen heiszen: (
sie) zeigt dir ... gar bald die thür, ein unwerd gast wirst du sin ir. Gengenbach
gouchm. v. 1019; schreiben die vätter undienliche sachen für sie (
die römische kirche), so zeigt sie inen die thür und leszt sie lauffen. Fischart
bienenk. (1580) 50
b; die reimsucht, die mich einst verliesz, als ich ihr oft die tühre wies, beginnt aufs neue mich zu plagen. Drollinger 95; er muszte einen jungen edelmann unterrichten, der ihn dafür bezahlte, und ihm nach geendigter stunde auf eine höfliche art die thüre weisen konnte, wenn es ihm beliebte. Moritz
A. Reiser 323, 18
neudr. — die thür zuschlagen J. Paul
flegelj. 4, 16, einem die thür vor der
nase zuschlagen, zuschlieszen,
s.nase 4,
k: ich vermeinte gleichfalls hinein zu gehen, aber man schlug mir die thür vor der nasen zu. Albertinus
landstörzer 206; sie ... sagte ihr nahm wäre Justitia: da schlug ihr ein jeder die thür vor der nasen zu, mit vermelden, sie wiszten nichts von ihr, solte anderstwo umb herberg suchen. Philander (1650) 1, 31. 1@cc)
im genetiv, z. b.: sô hüetet der tür (
des saales), lât der Hiunen einenkomen niht derfür.
Nib. 1894, 1; ich wil lieber der thür hüten in meines gottes hause.
ps. 84, 11;
sprichwörtlich: er hat gefehlt der rechten thür, und ist darneben gangen für. Eyering 1, 799. 1@dd)
im dativ oder accusativ, abhängig von einer präposition. 1@d@aα) an,
mit dativ: auch waren die angel an der thür des hauses gülden.
1 kön. 7, 50; da er sas an der thür seiner hütten.
1 Mos. 18, 1; an der thür horchen.
Sir. 21, 26; an der thüren losen Maaler 401
a; da uns ein groszer ansehnlicher pater an der thür (
des hospitiums auf dem Gotthard) empfing. Göthe 16, 290; als ich ihm an der thüre begegnete. Schiller 5, 1, 137; geh, schaw, wer an der thür ist pochen. H. Sachs 14, 156, 23; an der thür klopfen
Eulensp. 103 (66)
neudr. Klinger 1, 195.
uneigentlich: ob nun wol ihr und mein spott nächst an der thür stund (
bevorstund).
französ. Simplic. 1, 230; aber nun liegt an der thür (
zeigt sich). Logau 2, 6, 100;
mit accusativ: die frauwe quam an die (
verschlossene) tür, und bat durch got sich laʒʒen ein.
Renner 12855; er hieʒ in (
den leichnam) legen an die türe.
Nib. 945, 1; den slüʒʒel stieʒ er an die tür. 1217, 1; an die thüre pochen Stieler 1463. Göthe 14, 127, klopfen (
theil 5, 1224),
uneigentlich: die blutrache klopft an die thüre. 49, 117. 1@d@bβ) auf: welcher dran (
an der bosheit) gefallen hat, auf desz thür klopfet eigner schad. Kirchhof
wendunm. 426
a; auf die thür schreiben (H. Heine 1, 226), stecken
u. dergl.: mein treues wünschen steckt auf thüre, thor und schwelle ... den grünen maien-baum. Günther 595. 1@d@gγ) aus, auszer: aus der thüre treten
u. dergl.: er schritt klirrend aus der thür. Freytag
ges. werke 8, 342; er sprang aus der thür und über den hof. 9, 131; auszer der thür des hauses. Stieler 2294. 1@d@dδ) bei: auswendig bei der tur
cod. Tepl., Joh. 15, 16; und dann man sol steen bei der thür, dich sehen greiffen und betasten. Weller
dichtungen des 16. jahrh. 84; bei der hindern thür, da niemand geht wider und für. H. Sachs 17, 9, 5; da doch ein verachtester metzger oder schuster bei deiner thür sitzet. Schuppius 706; ich stiesz sie bei der thür hinaus.
Siegwart 1, 60. 1@d@eε) durch: durch die thür gehen, bringen
u. s. w., thuruh thio duri (
per ostium).
Tatian 133, 6; der nit inget durch die tur
cod. Tepl. Joh. 10, 1; sein blick, der spähend durch die thür sich stahl. P. Heyse
ges. werke 2, 16; dann entliesz ihn die mutter durch eine andere thür. 4, 42; springt dreist durch die thür! Freytag
ges. werke 9, 195. 1@d@zζ) für,
s. vor. 1@d@hη) hinter,
mit dativ: wer nit wil jetzund sin veracht, der syg trutzlich und für ein bracht, so kumpt er in der welt herfür, ein ander blibt hinder der thür (
verborgen, unbeachtet). Weller
dicht. des 16. jahrh. 119; dennoch bleibst du (frümbkeit) hinter der thür, mein (
der schalckeit) reich diener zeucht man herfür. H. Sachs 3, 182, 35; hinter der thür
abschied, urlaub nehmen,
ohne abschied, insgeheim fortgehen Stieler 2294,
s. abschied
und hinter II, 1,
a: er nimpt urlaub hinter der thür (
postico discedit). Eyering 2, 416.
mit accusativ: er lief in die stuben hinder die tür.
minnes. 3, 197
a; man zücht die buren jetz har für, die gelerten müssen hinder die thür. S. Brant 103, 47; wo der knecht sich über den herren setzt .., sol man den knecht hinder die thür stellen. Weller
a. a. o. 57. 1@d@thθ) in,
mit dativ: wiʒʒit thaʒ her nâh ist in durôn (
prope est in januis).
Tatian 146, 2; last uns in der thüren (
in der thüröffnung) stehen. Gryphius
horrib. 59
neudr. —
mit acc. sich in die thüre stellen, treten
u. s. w.: der tritt gantz lustig in die thür. Ringwald
laut. warh. 36; sie lieszen ihn ungehindert in die offene thür treten. G. Keller
ges. werke 7, 397; eben wollte ein zierlicher stutzer in die aufgehende thüre schlüpfen. 392; Eggo ... trat in die thür und führte die gäste ... hinauf in das gemach. Freytag
ges. werke 9, 33. 1@d@iι) mit,
sprichwörtlich mit der thür ins haus
fallen,
s.fallen 4,
a und haus II, 1 (
sp. 642): und fallt nicht mit der thür ins haus. Ringwald
tr. Eck. P.; mancher fallt mit der thür ins hausz, fragt viel an und richt nichts ausz. Lehmann 19, 51; ist es nicht bescheidener, den leuten die wahrheit mit lachen und auf eine verdeckte art sagen, als wenn man mit der thür ins hausz fällt? Liscov 282; ich machte es ungeschickt, ich gesteh es, dasz ich so mit der thür ins haus fiel, aber wahr bleibt wahr! Schiller 14, 237;
elliptisch nur nicht gleich mit der thür ins haus! 3, 360 (
kab. 1, 1). 1@d@kκ) über der thür, die thür: wir bemerkten eine sammlung .. bücher über der (
stuben-)thür. Göthe 16, 278; da nam er kreiden .. und malet über die thür ein üle und ein spiegel.
Eulensp. 66 (40)
neudruck; den teuffel uber die thür malen. Luther
fab. 12
neudruck, s. teufel II, 4. 1@d@lλ) unter der, die thür: under die türe des hûsessaʒ er ûf dem stein.
Nib. 1772, 1; er schloff .. under der thüren uff dem rucken ligendt hinein (
in den keller).
F. Platter 230
B.; unter der thür drehte er sich noch einmal nach mir um. Thümmel
reise 10 (1805), 41; ich wollte in garten, muszte aber unter der thüre stehen bleiben, es regnet sehr. Göthe
br. 301 (2, 241)
Weim.; wenn er nicht unter der thüre erschienen wäre. Gotthelf
schuldenbauer 244. 1@d@mμ) von: von einer thur zur anderen, von hausz zuo hausz,
ostiatim Maaler 401
a; der ... den traurenden patrioten von seiner thüre sties. Schiller 2, 103. 1@d@nν) vor (für),
mit dativ: vor der thür ist drauszen. Simrock
sprichw. 560; ich heiʒe zwelf mîn ir man vor des salis ture stâ
n. Rother 3919; stêt Mardôcheus vor der tür.
Renner 1136; gebiet auch keinem so gethan, das er dir vor der thür wöl stan. Weller
dicht. des 16. jahrh. 85; Petrus stund drauszen fur der thür (
des palastes).
Joh. 15, 16 (auswendig bei der tur
cod. Tepl.); ein armer .. lag fur seiner thür.
Luc. 16, 20 (zu seiner ture
cod. Tepl.); welche fraw vil vor der thüren stet.
Eulensp. 67 (41)
neudruck; was hör' ich dort vor thüren gehn? Günther 297; die nackte wahrheit rief vor den verschlosznen thüren. 655; vor den thüren betteln. Göthe 18, 79; sein brot vor den thüren suchen. Weise
erzn. 124
neudruck. —
uneigentlich vor der thür sein, stehn, liegen, sitzen: treuwe und zucht stênt vor der tür.
Renner 6265;
instare, imminere (
gleichsam drauszen stehend und auf eintritt wartend): ich hoff der iungst tag sei fur der thur. Luther
an den adel 62
neudruck; das dasselbig regiment bereit von gott verworfen, und sein end vor der thur ist. Melanchthon
ausricht. der lat. schul (1543) a 4
a; darumb ist das ende des erdtreichs vor der thür. Mathesius
Syr. 89
a; wan ellend ist mir vor der thür. Gengenbach
die 10
alter v. 637; die jahre sind nunmehr vor der thür, da man sagt sie gefallen mir nicht. Ettner
unw. doct. 461; es dunkte ihn, als sitze der tod schon vor der thür drausz. Wätterstorf
Bacchusia 337; dein tod ist für der thür! Gryphius
trauersp. 697
P.; die krankheit warf dich hin, der tod stund vor der thüre. Günther 634; bist du aber nicht fromm, so ruhet die sünde vor deiner thür. Weise
erzn. 140
neudruck; die astrologi reden von zukünftigen dingen, und wissen nicht was ihnen vor der thür ligt. Schuppius 410; der krieg, der schon vor der thur war. Forberger
Guicc. 274
a; weil die zahlungszeit vor der thür. Butschky
kanzl. 53; ihre bekehrung musz vor der thür sein. Lessing 1, 432; weil die messe gerade vor der thür war. Göthe 26, 91. Schiller 7, 36; die ferien sind vor der thür. Freytag
ges. werke 6, 40. —
sprichwörtlich vor seiner thür fegen, kehren (
theil 5, 407),
sich um seine eigenen (
noch nicht geordneten),
nicht um fremde angelegenheiten kümmern: jeder fege vor seiner thüre. Simrock 559; wen man ietzund strafet hart, mit worten fart er glich herfür, heiszt fegen mich vor meiner tür. Murner
narrenbeschw. 57, 6; straff dein kind und kere für deiner thür. Mathesius
Syr. 130
b; ich kehre vor meiner eigenen thür. Liscov 107; gut gekehrt vor eines andern thüre! K. G. Lessing
die maitresse 94, 25
neudruck. mit accusativ: den rigel für die tür stôʒen
gesamtabent. 3, 121, 389; schiebe alle beide riegel vor die tür. Stieler 2294; vor die thür (
heraus) kommen, treten (H. Heine 1, 45); vor die thür kommen (
einlasz begehrend): das beste kumt nicht für sein tür.
Renner 13983; bisz ein unglück kumbt für syn thür. S. Brant 99, 89; wenn ich eim puren kumm für die thür.
N. Manuel
vom papst v. 566. vor die thür,
hinaus: des muose der hêrre für die tür (
wurde vertrieben). Walther 17, 21; man stôʒʒet in für die tür.
Renner 702; meint iemant das in nit rr, der gang (
gehe aus dem narrenschiffe) zuon wysen fur die thür. S. Brant
vorr. 134; Lot gieng eraus zu inen fur die thür.
1 Mos. 19, 6; ich darf kein tritt thun für die thür. H. Sachs 17, 30, 11; sie geleitet ihn für die thür. Fischart
Garg. 73
a; (
die liebe) jaget überall den kummer vor die thür. Günther 689; denn vor die thüre werden wir (
der kälte wegen) nicht viel kommen. Göthe 16, 297. —
sprichwörtlich, einem den stuhl vor die thür setzen,
ihm den dienst u. s. w. kündigen, alle verbindung mit ihm aufheben, s. Wander 4, 938: der herr vater setze mir nicht den stuhl vor die thür. Freytag
ges. werke 18, 154 (
vom jahre 1708). 1@d@xξ) zu der (einer), zur thür: Petrus stuont ûʒe zi then durôn (
ad ostium foris).
Tatian 186, 2; Lazarus .. lag zi sinen turûn (
ad januam ejus). 107, 1, zu seiner ture
cod. Tepl., Luc. 16, 20; sô er thô zi einen durôn quam. Otfrid 4, 18, 5: sie gie im engenezuo der tür stâ
n. Nib. 1166, 1; so gond sie allsampt neben für und gar keiner zuo der rechten tür.
N. Manuel
Barbali v. 613. zur thür
hinein oder heraus: dô gienc zer tür în aldâ ein ritter blanc.
Parzival 407, 11; so laszt uns zu der thür auszjagen.
fastn. sp. 378, 25; wer nicht zur thür hinein gehet.
Joh. 10, 1 (durch die tur
cod. Tepl.); ich wil mich zur hindern thür ausdrehen. H. Sachs 17, 154, 15; (
er) von stundan zur thür ausrent. B. Krüger
spiel (1580)
v. 1402; er gieng .. zuo der thüren usz.
Eulensp. 74 (47)
neudruck; er woll zuor thür uszlauffen. 84 (53); den ungehobelten gast warf ich zur thür hinaus. Schiller 3, 416 (
kabale 2, 6); als ein seltner gast sich zur offnen thür herein bewegt. Göthe 1, 243;
elliptisch so zur thür hinein. 1, 248; zur thür hinaus wer sich e ntzweit! 12, 103 (
Faust 2081
Weim.); ich faszte ihn wohl oben am arm, und fort zur thüre hinaus. Hebel (1843) 4, 92. 1@d@oο)
zwischen,
sprichwörtlich zwischen thür und angel
oder zwischen thür und wand (
vgl. thürängeln): wer sein finger oder hendt selbs legt zwischen thür und angel, der klemmet sich, musz leiden mangel. H. Sachs 9, 411, 12; wan sein finger zwischen angel und thür, oder wie die Cölner sagen, zwischen thür und gaddern (
s.gatter II, 2,
b) steckt, der klempt sich gern. Frank
sprichw. 2, 131
b; wiewol ich zwischen thür und angel (
in die klemme) komme und gedrenget musz werden. Luther
tischr. 91
b; zwüschend thür und angel ston, in groszer angst sein, die nit wüssend was sy thuon söllend. Maaler 401
a; das heist zwischen thür und angel hängen, wann hoffnung und furcht mit einander kämpfen.
colica 204; Solande liesz sieh eine rechte bangigkeit ankommen, indem er so zu reden zwischen thür und angel gerathen.
polit. stockf. 66; man musz es nur machen wie du, so ist man bald zwischen thür und angel. Pestalozzi 3, 132; stack sein wagen nicht im hohlweg zwischen thür und angel eingeklemmt. Göthe 42, 5; hier sitz ich zwischen thür und angel.
br. 76 (1, 262)
Weim.; zwischen thür und wandt sol niemandt legen sein handt. Frank
sprichw. 1, 88
a. 2, 131
b; zwischen zwei thüren stellen (
vgl. zwischen zwei stühle setzen): ich war willens, sie (
Gleim) zu bitten, ihm (
Bürger) die stelle zu verschaffen ...; aber in der zeit hatte er die gewisseste aussicht auf einen wichtigen posten, und ich konnte ihn nicht zwischen zwei thüren stellen. Boie
bei Bürger 457
b. 22)
formelhaft ohne artikel: thür an thür (
neben einander) wohnen Holtei
vagab.5 2, 274; die buben jauchzen mit hellem hauf tühr ein tühr aus. Göthe
br. 119 (2, 55)
Weim.; von thür zu thür,
von einer thür zur andern, von haus zu haus. Rädlein 877
b: wir betteln ... von thüre zu thüre. Schiller 3, 481 (
kab. 5, 1); vielleicht der weichlichkeit lernst du noch entsagen, wonicht, so must du stets von thür zu thür anfragen. Rückert
Bostan 157, 9; von thür zu thüre wallet der traum, ein lieber gast. Geibel
ged. 245. 33)
sonst ein eingang wozu, mit oder ohne den nebenbegriff des verschlieszens, eigentlich und bildlich. 3@aa) des nestes tür (
des königsvogels) ist gegen der sunnen underganch. Megenberg 185, 22; wer hat das meer mit seinen thüren (
ufern und dämmen) verschlossen?
Hiob 38, 8,
vgl. 10; die ober, die unter thür der schleusen. Ernstinger
raisbuch 38; (
auf den jenner:) unser antrit in die zeit, unser thür ins erste jahr setzt in eisz, schnee, frost uns ausz. Logau 2, 10, 31; indem ich (
der februar) das wintereisz brechen, und dem lieblichen frühling gleichsam die thür eröffnen musz. Abele
gerichtsh. 1, 787; nach Orient hin hat er (
Reuchlin) uns die thür geöffnet. Herder
phil. 13, 73; des reiches thür.
F. Dahn
die Bataver 599. 3@bb) thür
des himmels, der hölle (
s. himmels-, höllenthür): thir (
Petrus) willu ih geban ... sluʒila himiles, thaʒ thu waltes allesthes selben inganges; thaʒ then thie duri sîn bîdân (
verschlossen),thie tharin ni sculun gâ
n. Otfrid 3, 12, 39; der suones tacwil schiere komen, ir leien seht iuch vür: sich müeʒen liebe vriunde scheidenvor des himelrîches tür.
minnes. 3, 76
b; und er gebot den wolken droben, und thet auf die thüre des himmels, und lies das man auf sie regnen.
ps. 78, 23; welche ... an der thür des himmels anklopften und in die glori gehen wolten. Albertinus
landstörzer 361; wenn er (
der papst) um ablaszgeld die thüren des himmels öffnet. Freytag
ges. werke 11, 51; thür der hölle: Christus steige vom grabe stark herfür ein bezwinger der hellen thür. Kehrein
kirchenl. 1, 228, 6. 3@cc) thür
des lebens, des todes, des grabes: gegen in hete der tôt sînes hûses tür entlochen.
Biterolf 12055, in dim schweisz nüsz din brot hinfür, bis du wider triffst dins usgangs thür (
vgl. 1 Mos. 3, 19). Salat
verl. sohn v. 1476; auf dasz wir nicht von dir scheiden, sondern durch des todes thür zu dem leben folgen dir. Leibnitz 1, 437; des grabes thür (
der eingang zum grabe).
Matth. 27, 60; sehn will ich, ob begeistrung mit den warmen gluthhauchen kann des grabes thür erweichen. Rückert 2, 45; in dem zarten pulse klopft und dringt ein zerstörer an die thür des lebens, bis der einbruch, den er droht, gelingt. Tiedge
Urania 1, 333. 3@dd) der schamen thür,
vulva Keller
erz. 259, 32; wenn ain fraw ainen undersatz macht mit nesseln und rauten, der .. öffnet der muoter (
gebärmutter) tür. Megenberg 423, 33; das sie nicht verschlossen hat die thür meines leibes (
die gebärmutter).
Hiob 3, 10. 3@ee) thür
der (
äuszern oder innern)
sinne; jâ hât ieglich man und wîp vümf tür in sînem lîp. Thomasin 94, 50; ûʒerhalp des mundes tür ragten sî (
die zähne) im her vür.
Iwein 457; stôʒ den rigel für die tür (
den mund), lâ kein bœse wort dar für. Walther 87, 11; (
der betrunkene) stôʒet für des mundes tür, daʒ nüehtern nie wær komen für.
Renner 10155; beware die thür deines mundes fur der, die in deinen armen schläft.
Micha 7, 5; auf das gott uns die thür des worts (
den mund) aufthue, zu reden die geheimnis Christi.
Col. 4, 3; aug und ohren sind die fenster, und der mund die thür ins haus. Logau 1, 9, 74; dîner ôren tür müeʒen dir versloʒʒen sî
n. Neidhart 94, 17; der leie sol durch der ôren tür lâʒen die guoten lêre vür. Thomasin 9465; sîns edelen herzen tür durch milte slieʒens sich bewiget.
minnes. 3, 169
b; täglich schickst du (
gott) zu uns bohten, klopfst an unsrer hertzen thür durch die grosze zahl der todten. S.
Dach 136; (
dasz) gleichsam offen stehet ein thür des gemüts. Schuppius 763. 3@ff) thür
des glücks, der liebe, freude, gnade u. s. w.: (minne,) tuo mir ûf der sælden tür.
minnes. 1, 93
a; seht wie er dannoch dranc vür ze jungest hin zer sælden tür. Thomasin 6886; (
sie,) deu gegen mir der gnâden tür ouf tet, dô ich arm was. H. v. Neustadt
Apoll. 5646; so trit ich vor der künste tür.
minnes. 3, 165
b; liegen, triegen gên herfür, die hüeten gern des nîdes tür.
Renner 15627; wie er den heiden hetten die thür des glaubens aufgethan.
apost. gesch. 14, 27 (die thore des gelaubens
cod. Tepl.). Aventin. 4, 752, 27; allgemach fiengen sie an die thüer zu folgender abgötterei leider aufzuthun. Micrälius
a. Pr. 1, 41; das glück thut mir selb auf die thür. H. Sachs 12, 425, 31; die ihr der gutthat thür mir wisset aufzusperren. S. Dach 782; man soll sich wol bedenken, ehe man die thür der freigebigkeit aufthut, wenn sie aber aufgethan, musz man sie nicht sobald im zorne wieder zuschlieszen.
pers. rosenth. 1, 15; also wurde ich hinder ihm gelassen vor der thür der äuszersten verzweiflung.
Simpl. 4, 154, 13
Kurz; das ohr der neugier liegt nun an den thüren des glückes und der leidenschaft. Schiller 5, 2, 263 (
don Carlos 2, 14); ich habe geklopft an der liebe thür. Rückert 3, 211; heut hab' ich aufgemacht des friedens thür für dich.
Bostan 123, 23. 3@gg)
persönlich: ih bin duri (
ego sum ostium).
Tatian 133, 10; ich bin die thür zu den schafen, ... so jemand durch mich eingehet, der wird selig werden.
Joh. 10, 7 (ich bin ein tur der schaf
cod. Tepl.); er hat den himmel aufgethan und ist hinein die thür und bahn. S. Dach 376; ja du (
der friede) bist die rechte thür, da wir ehr und guht durch haben. Rist
Parnasz 850.