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thüre

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

thüre f.

Bd. 21, Sp. 457
thür, thüre, f. ahd. turi duri und tura dura, mhd. tür und türe (eigentlich plural), md. tur dur und ture dure, alts. dura, ags. duru, altfries. dure, altn. dyr, meist nur in pluraler form auftretend, wie denn auch das ahd. turi eigentlich ein zum singular gewordener plural ist, und der begriff 'thür' in den indogerm. sprachen vielfach als dual (die beiden thürflügel) oder als plural erscheint, s. Kluge in den beiträgen von Paul und Braune 8, 512, Sievers ebenda 5, 111 anm. aus dem gemeinindogerm. stamm dhur, dessen ursprüngliche bedeutung nicht zu ermitteln ist, sind auch hervorgegangen skr. dvâr (ved. dur), griech. θύρα, lat. fores. altslav. dvĭrĭ (und dvorŭ hof), lit. durys u. s. w., s. Curtius3 242f. Fick3 3, 151. gramm. 3, 430. vgl.thor n., mit dem thür oft verbunden vorkommt.die jetzige schwache form des plurals ist früher auch im dativ singular nachweisbar, z. b. über der thüren Eulensp. 66 (40) neudr., vor der 67 (41), zu der thüren 74 (47), under der thüren F. Platter 230, an der thüren Maaler 401a, in der thüren Gryphius horrib. 59 neudruck. 11) die thür ist eine zum ein- und ausgang oder zum ein- und austhun (an behältern) bestimmte öffnung sowie die bewegliche (gewöhnlich auf angeln ruhende) verschluszfläche derselben, im engern sinne besonders die haus-, saal-, zimmer-, kammerthür; auszerdem boden-, hof-, keller-, stall-, gartenthür; ofen-, kamin-, schrank-, wagenthür u. s. w.: die thür, eingang in ein hausz. Maaler 401a; zwei thüren (zwei hausthüren, zwei häuser) weit davon. Haller der mann der welt v. 87; getheilte thür, die zwifalt aufeinander gaht, valva. Dasyp. Q 2d; beide thür (flügel) an der stadt thor. richter 16, 3. 1@aa) die thür (im engeren sinne) als subject: ein fauler wendet sich im bette wie die thür in der angel. spr. Sal. 26, 14; die thür knarrt. Lenz 2, 173; die thür geht auf, öffnet sich, ist (steht) offen oder zu, s. auch bei offen 3, a, α: (da) tet sich gein im ûf ein tür. Parz. 569, 29; (er sah) ein tür wît offen stên ..., er gienc zer kemenâten în. 566, 7; wie find ich meine thür weit offen stehn. B. Krüger spiel (1580) v. 1556; sein thür steht allzeit off, gleich wie in eines fürsten hoff. Eyering 1, 727; die thür ist euch offen und der weg bekannt. kunst über alle künste 123, 5; statt dasz mir jetzo thür und thor ist offen. Rückert 2, 98; da gieng des nachbars tür auf. Stieler 2294; schon öffnet sich uns die furchtsam knarrende thüre (der hütte). Lenz ged. 45 Weinhold; da ging die thüre des saales auf. Scheffel Ekkeh. 226; tonlos sprangen auf die thüren. Geibel ged. 363; die thür ist zu, das licht ist ausz, wann nur nicht jemandt wacht im hausz. Krüger a. a. o. 1518; jetzt war zu thor und thür. Fleming 4; hinter ihr flog schmetternd die thüre zu. Gotthelf schuldenbauer 382; sprichwörtlich: vor lieb hilft weder thür noch thor. H. Sachs 14, 18, 15; offene thür verführt einen heiligen. Simrock 560. 1@bb) als object (passivisch als subject): dône vant er loch noch tür, daʒ er kœme hin vür. Parzival 6741; sein haus hat keine thür. Logau 2, 1, 63; die thür öffnen oder schlieszen: bisloʒʒanô wârun thio duri (et clausa est janua). Tatian 148, 6; bispartên durôn (bei verschlossenen thüren). Otfrid 5, 11, 3. 12, 14; der edel künec dô selbevil wol beslôʒ die türe: starke rigele zwênewarf er balde darfüre. Nib. 612, 3; stêt eʒ als übel ûf der strâʒe, sô wil ich mîn tür beslieʒen. Walther 62, 5; (er floh) in sîn hiuselîn ... unde verrigelt ... de tür. Iwein 3293; hin fuorte er sî zestunt in sîn heimlîch gemacht ... unde beslôʒ ... die tür. arm. Heinrich 1193; Karsiê die tet zuo die tür (der kemenate). H. v. Freiberg Trist. 680; (sie) tet gar lîse ûf die tür. 5911; Lot gieng eraus .. und schlos die thür hinder im zu. 1 Mos. 19, 6; gehe hin .. in eine kamer und schleus die thür nach dir zu. Jes. 26, 20; da die jünger versamlet und die thür verschlossen waren. Jes. 20, 19 (und di turen waren beslossen cod. Tepl.); meine thür thet ich dem wanderer auf. Hiob 31, 32; eh das beschlossen wirt die thür. H. Sachs 14, 132, 25; (zu achten,) ob die tühren in der nacht seind allenthalben zugemacht. Ringwald l. warh. 292; die thür ist fest versperrt. Gryphius trauersp. 692 P.; die thür zuothuon Maaler 401a, zueziehen Stieler 2294, aufmachen ebenda; das er die thüren solt aufschlieszen. B. Krüger spiel (1580) v. 1893; den knechten desto mehr thüren und thore zu öffnen. Klopstock 12, 65. — oft bildlich: als er ... dem heiligen evangelion hie auch thür und thor aufthete (ungehinderten eingang verschaffte). Mathesius Syr. 95b; wan man der trewlosigkeit und allem betrug .. thür und thor öffnen wollte. Chemnitz schwed. krieg 1, 16a; aller schwärmerei thür und thor öffnen. Kant 6, 286; (dadurch) ward der vaterländischen breiten plattheit thür und thor geöffnet. Göthe 25, 73; da ihm (dem anstande) weder thür noch thor verschlossen ist. 19, 151; heiszt dieses nicht der feigen verleumdung die thüre öffnen? Möser 3, 82; einer weiteren verbesserung wurde damit nicht die thür geschlossen. Herder in Böttingers lit. zust. 2, 190. — einem die thür zeigen, weisen, ihn schimpflich fortgehen heiszen: (sie) zeigt dir ... gar bald die thür, ein unwerd gast wirst du sin ir. Gengenbach gouchm. v. 1019; schreiben die vätter undienliche sachen für sie (die römische kirche), so zeigt sie inen die thür und leszt sie lauffen. Fischart bienenk. (1580) 50b; die reimsucht, die mich einst verliesz, als ich ihr oft die tühre wies, beginnt aufs neue mich zu plagen. Drollinger 95; er muszte einen jungen edelmann unterrichten, der ihn dafür bezahlte, und ihm nach geendigter stunde auf eine höfliche art die thüre weisen konnte, wenn es ihm beliebte. Moritz A. Reiser 323, 18 neudr. — die thür zuschlagen J. Paul flegelj. 4, 16, einem die thür vor der nase zuschlagen, zuschlieszen, s.nase 4, k: ich vermeinte gleichfalls hinein zu gehen, aber man schlug mir die thür vor der nasen zu. Albertinus landstörzer 206; sie ... sagte ihr nahm wäre Justitia: da schlug ihr ein jeder die thür vor der nasen zu, mit vermelden, sie wiszten nichts von ihr, solte anderstwo umb herberg suchen. Philander (1650) 1, 31. 1@cc) im genetiv, z. b.: sô hüetet der tür (des saales), lât der Hiunen einenkomen niht derfür. Nib. 1894, 1; ich wil lieber der thür hüten in meines gottes hause. ps. 84, 11; sprichwörtlich: er hat gefehlt der rechten thür, und ist darneben gangen für. Eyering 1, 799. 1@dd) im dativ oder accusativ, abhängig von einer präposition. 1@d@aα) an, mit dativ: auch waren die angel an der thür des hauses gülden. 1n. 7, 50; da er sas an der thür seiner hütten. 1 Mos. 18, 1; an der thür horchen. Sir. 21, 26; an der thüren losen Maaler 401a; da uns ein groszer ansehnlicher pater an der thür (des hospitiums auf dem Gotthard) empfing. Göthe 16, 290; als ich ihm an der thüre begegnete. Schiller 5, 1, 137; geh, schaw, wer an der thür ist pochen. H. Sachs 14, 156, 23; an der thür klopfen Eulensp. 103 (66) neudr. Klinger 1, 195. uneigentlich: ob nun wol ihr und mein spott nächst an der thür stund (bevorstund). französ. Simplic. 1, 230; aber nun liegt an der thür (zeigt sich). Logau 2, 6, 100; mit accusativ: die frauwe quam an die (verschlossene) tür, und bat durch got sich laʒʒen ein. Renner 12855; er hieʒ in (den leichnam) legen an die türe. Nib. 945, 1; den slüʒʒel stieʒ er an die tür. 1217, 1; an die thüre pochen Stieler 1463. Göthe 14, 127, klopfen (theil 5, 1224), uneigentlich: die blutrache klopft an die thüre. 49, 117. 1@d@bβ) auf: welcher dran (an der bosheit) gefallen hat, auf desz thür klopfet eigner schad. Kirchhof wendunm. 426a; auf die thür schreiben (H. Heine 1, 226), stecken u. dergl.: mein treues wünschen steckt auf thüre, thor und schwelle ... den grünen maien-baum. Günther 595. 1@d@gγ) aus, auszer: aus der thüre treten u. dergl.: er schritt klirrend aus der thür. Freytag ges. werke 8, 342; er sprang aus der thür und über den hof. 9, 131; auszer der thür des hauses. Stieler 2294. 1@d@dδ) bei: auswendig bei der tur cod. Tepl., Joh. 15, 16; und dann man sol steen bei der thür, dich sehen greiffen und betasten. Weller dichtungen des 16. jahrh. 84; bei der hindern thür, da niemand geht wider und für. H. Sachs 17, 9, 5; da doch ein verachtester metzger oder schuster bei deiner thür sitzet. Schuppius 706; ich stiesz sie bei der thür hinaus. Siegwart 1, 60. 1@d@eε) durch: durch die thür gehen, bringen u. s. w., thuruh thio duri (per ostium). Tatian 133, 6; der nit inget durch die tur cod. Tepl. Joh. 10, 1; sein blick, der spähend durch die thür sich stahl. P. Heyse ges. werke 2, 16; dann entliesz ihn die mutter durch eine andere thür. 4, 42; springt dreist durch die thür! Freytag ges. werke 9, 195. 1@d@zζ) für, s. vor. 1@d@hη) hinter, mit dativ: wer nit wil jetzund sin veracht, der syg trutzlich und für ein bracht, so kumpt er in der welt herfür, ein ander blibt hinder der thür (verborgen, unbeachtet). Weller dicht. des 16. jahrh. 119; dennoch bleibst du (frümbkeit) hinter der thür, mein (der schalckeit) reich diener zeucht man herfür. H. Sachs 3, 182, 35; hinter der thür abschied, urlaub nehmen, ohne abschied, insgeheim fortgehen Stieler 2294, s. abschied und hinter II, 1, a: er nimpt urlaub hinter der thür (postico discedit). Eyering 2, 416. mit accusativ: er lief in die stuben hinder die tür. minnes. 3, 197a; man zücht die buren jetz har für, die gelerten müssen hinder die thür. S. Brant 103, 47; wo der knecht sich über den herren setzt .., sol man den knecht hinder die thür stellen. Weller a. a. o. 57. 1@d@thθ) in, mit dativ: wiʒʒit thaʒ her nâh ist in durôn (prope est in januis). Tatian 146, 2; last uns in der thüren (in der thüröffnung) stehen. Gryphius horrib. 59 neudr.mit acc. sich in die thüre stellen, treten u. s. w.: der tritt gantz lustig in die thür. Ringwald laut. warh. 36; sie lieszen ihn ungehindert in die offene thür treten. G. Keller ges. werke 7, 397; eben wollte ein zierlicher stutzer in die aufgehende thüre schlüpfen. 392; Eggo ... trat in die thür und führte die gäste ... hinauf in das gemach. Freytag ges. werke 9, 33. 1@d@iι) mit, sprichwörtlich mit der thür ins haus fallen, s.fallen 4, a und haus II, 1 (sp. 642): und fallt nicht mit der thür ins haus. Ringwald tr. Eck. P.; mancher fallt mit der thür ins hausz, fragt viel an und richt nichts ausz. Lehmann 19, 51; ist es nicht bescheidener, den leuten die wahrheit mit lachen und auf eine verdeckte art sagen, als wenn man mit der thür ins hausz fällt? Liscov 282; ich machte es ungeschickt, ich gesteh es, dasz ich so mit der thür ins haus fiel, aber wahr bleibt wahr! Schiller 14, 237; elliptisch nur nicht gleich mit der thür ins haus! 3, 360 (kab. 1, 1). 1@d@kκ) über der thür, die thür: wir bemerkten eine sammlung .. bücher über der (stuben-)thür. Göthe 16, 278; da nam er kreiden .. und malet über die thür ein üle und ein spiegel. Eulensp. 66 (40) neudruck; den teuffel uber die thür malen. Luther fab. 12 neudruck, s. teufel II, 4. 1@d@lλ) unter der, die thür: under die türe des hûsessaʒ er ûf dem stein. Nib. 1772, 1; er schloff .. under der thüren uff dem rucken ligendt hinein (in den keller). F. Platter 230 B.; unter der thür drehte er sich noch einmal nach mir um. Thümmel reise 10 (1805), 41; ich wollte in garten, muszte aber unter der thüre stehen bleiben, es regnet sehr. Göthe br. 301 (2, 241) Weim.; wenn er nicht unter der thüre erschienen wäre. Gotthelf schuldenbauer 244. 1@d@mμ) von: von einer thur zur anderen, von hausz zuo hausz, ostiatim Maaler 401a; der ... den traurenden patrioten von seiner thüre sties. Schiller 2, 103. 1@d@nν) vor (für), mit dativ: vor der thür ist drauszen. Simrock sprichw. 560; ich heiʒe zwelf mîn ir man vor des salis ture stân. Rother 3919; stêt Mardôcheus vor der tür. Renner 1136; gebiet auch keinem so gethan, das er dir vor der thür wöl stan. Weller dicht. des 16. jahrh. 85; Petrus stund drauszen fur der thür (des palastes). Joh. 15, 16 (auswendig bei der tur cod. Tepl.); ein armer .. lag fur seiner thür. Luc. 16, 20 (zu seiner ture cod. Tepl.); welche fraw vil vor der thüren stet. Eulensp. 67 (41) neudruck; was hör' ich dort vor thüren gehn? Günther 297; die nackte wahrheit rief vor den verschlosznen thüren. 655; vor den thüren betteln. Göthe 18, 79; sein brot vor den thüren suchen. Weise erzn. 124 neudruck.uneigentlich vor der thür sein, stehn, liegen, sitzen: treuwe und zucht stênt vor der tür. Renner 6265; instare, imminere (gleichsam drauszen stehend und auf eintritt wartend): ich hoff der iungst tag sei fur der thur. Luther an den adel 62 neudruck; das dasselbig regiment bereit von gott verworfen, und sein end vor der thur ist. Melanchthon ausricht. der lat. schul (1543) a 4a; darumb ist das ende des erdtreichs vor der thür. Mathesius Syr. 89a; wan ellend ist mir vor der thür. Gengenbach die 10 alter v. 637; die jahre sind nunmehr vor der thür, da man sagt sie gefallen mir nicht. Ettner unw. doct. 461; es dunkte ihn, als sitze der tod schon vor der thür drausz. Wätterstorf Bacchusia 337; dein tod ist für der thür! Gryphius trauersp. 697 P.; die krankheit warf dich hin, der tod stund vor der thüre. Günther 634; bist du aber nicht fromm, so ruhet die sünde vor deiner thür. Weise erzn. 140 neudruck; die astrologi reden von zukünftigen dingen, und wissen nicht was ihnen vor der thür ligt. Schuppius 410; der krieg, der schon vor der thur war. Forberger Guicc. 274a; weil die zahlungszeit vor der thür. Butschky kanzl. 53; ihre bekehrung musz vor der thür sein. Lessing 1, 432; weil die messe gerade vor der thür war. Göthe 26, 91. Schiller 7, 36; die ferien sind vor der thür. Freytag ges. werke 6, 40. — sprichwörtlich vor seiner thür fegen, kehren (theil 5, 407), sich um seine eigenen (noch nicht geordneten), nicht um fremde angelegenheiten kümmern: jeder fege vor seiner thüre. Simrock 559; wen man ietzund strafet hart, mit worten fart er glich herfür, heiszt fegen mich vor meiner tür. Murner narrenbeschw. 57, 6; straff dein kind und kere für deiner thür. Mathesius Syr. 130b; ich kehre vor meiner eigenen thür. Liscov 107; gut gekehrt vor eines andern thüre! K. G. Lessing die maitresse 94, 25 neudruck. mit accusativ: den rigel für die tür stôʒen gesamtabent. 3, 121, 389; schiebe alle beide riegel vor die tür. Stieler 2294; vor die thür (heraus) kommen, treten (H. Heine 1, 45); vor die thür kommen (einlasz begehrend): das beste kumt nicht für sein tür. Renner 13983; bisz ein unglück kumbt für syn thür. S. Brant 99, 89; wenn ich eim puren kumm für die thür. N. Manuel vom papst v. 566. vor die thür, hinaus: des muose der hêrre für die tür (wurde vertrieben). Walther 17, 21; man stôʒʒet in für die tür. Renner 702; meint iemant das in nit rr, der gang (gehe aus dem narrenschiffe) zuon wysen fur die thür. S. Brant vorr. 134; Lot gieng eraus zu inen fur die thür. 1 Mos. 19, 6; ich darf kein tritt thun für die thür. H. Sachs 17, 30, 11; sie geleitet ihn für die thür. Fischart Garg. 73a; (die liebe) jaget überall den kummer vor die thür. Günther 689; denn vor die thüre werden wir (der kälte wegen) nicht viel kommen. Göthe 16, 297. — sprichwörtlich, einem den stuhl vor die thür setzen, ihm den dienst u. s. w. kündigen, alle verbindung mit ihm aufheben, s. Wander 4, 938: der herr vater setze mir nicht den stuhl vor die thür. Freytag ges. werke 18, 154 (vom jahre 1708). 1@d@xξ) zu der (einer), zur thür: Petrus stuont ûʒe zi then durôn (ad ostium foris). Tatian 186, 2; Lazarus .. lag zi sinen turûn (ad januam ejus). 107, 1, zu seiner ture cod. Tepl., Luc. 16, 20; sô er thô zi einen durôn quam. Otfrid 4, 18, 5: sie gie im engenezuo der tür stân. Nib. 1166, 1; so gond sie allsampt neben für und gar keiner zuo der rechten tür. N. Manuel Barbali v. 613. zur thür hinein oder heraus: dô gienc zer tür în aldâ ein ritter blanc. Parzival 407, 11; so laszt uns zu der thür auszjagen. fastn. sp. 378, 25; wer nicht zur thür hinein gehet. Joh. 10, 1 (durch die tur cod. Tepl.); ich wil mich zur hindern thür ausdrehen. H. Sachs 17, 154, 15; (er) von stundan zur thür ausrent. B. Krüger spiel (1580) v. 1402; er gieng .. zuo der thüren usz. Eulensp. 74 (47) neudruck; er woll zuor thür uszlauffen. 84 (53); den ungehobelten gast warf ich zur thür hinaus. Schiller 3, 416 (kabale 2, 6); als ein seltner gast sich zur offnen thür herein bewegt. Göthe 1, 243; elliptisch so zur thür hinein. 1, 248; zur thür hinaus wer sich e ntzweit! 12, 103 (Faust 2081 Weim.); ich faszte ihn wohl oben am arm, und fort zur thüre hinaus. Hebel (1843) 4, 92. 1@d@oο) zwischen, sprichwörtlich zwischen thür und angel oder zwischen thür und wand (vgl. thürängeln): wer sein finger oder hendt selbs legt zwischen thür und angel, der klemmet sich, musz leiden mangel. H. Sachs 9, 411, 12; wan sein finger zwischen angel und thür, oder wie die Cölner sagen, zwischen thür und gaddern (s.gatter II, 2, b) steckt, der klempt sich gern. Frank sprichw. 2, 131b; wiewol ich zwischen thür und angel (in die klemme) komme und gedrenget musz werden. Luther tischr. 91b; zwüschend thür und angel ston, in groszer angst sein, die nit wüssend was sy thuon söllend. Maaler 401a; das heist zwischen thür und angel hängen, wann hoffnung und furcht mit einander kämpfen. colica 204; Solande liesz sieh eine rechte bangigkeit ankommen, indem er so zu reden zwischen thür und angel gerathen. polit. stockf. 66; man musz es nur machen wie du, so ist man bald zwischen thür und angel. Pestalozzi 3, 132; stack sein wagen nicht im hohlweg zwischen thür und angel eingeklemmt. Göthe 42, 5; hier sitz ich zwischen thür und angel. br. 76 (1, 262) Weim.; zwischen thür und wandt sol niemandt legen sein handt. Frank sprichw. 1, 88a. 2, 131b; zwischen zwei thüren stellen (vgl. zwischen zwei stühle setzen): ich war willens, sie (Gleim) zu bitten, ihm (Bürger) die stelle zu verschaffen ...; aber in der zeit hatte er die gewisseste aussicht auf einen wichtigen posten, und ich konnte ihn nicht zwischen zwei thüren stellen. Boie bei Bürger 457b. 22) formelhaft ohne artikel: thür an thür (neben einander) wohnen Holtei vagab.5 2, 274; die buben jauchzen mit hellem hauf tühr ein tühr aus. Göthe br. 119 (2, 55) Weim.; von thür zu thür, von einer thür zur andern, von haus zu haus. Rädlein 877b: wir betteln ... von thüre zu thüre. Schiller 3, 481 (kab. 5, 1); vielleicht der weichlichkeit lernst du noch entsagen, wonicht, so must du stets von thür zu thür anfragen. Rückert Bostan 157, 9; von thür zu thüre wallet der traum, ein lieber gast. Geibel ged. 245. 33) sonst ein eingang wozu, mit oder ohne den nebenbegriff des verschlieszens, eigentlich und bildlich. 3@aa) des nestes tür (des königsvogels) ist gegen der sunnen underganch. Megenberg 185, 22; wer hat das meer mit seinen thüren (ufern und dämmen) verschlossen? Hiob 38, 8, vgl. 10; die ober, die unter thür der schleusen. Ernstinger raisbuch 38; (auf den jenner:) unser antrit in die zeit, unser thür ins erste jahr setzt in eisz, schnee, frost uns ausz. Logau 2, 10, 31; indem ich (der februar) das wintereisz brechen, und dem lieblichen frühling gleichsam die thür eröffnen musz. Abele gerichtsh. 1, 787; nach Orient hin hat er (Reuchlin) uns die thür geöffnet. Herder phil. 13, 73; des reiches thür. F. Dahn die Bataver 599. 3@bb) thür des himmels, der hölle (s. himmels-, höllenthür): thir (Petrus) willu ih geban ... sluʒila himiles, thaʒ thu waltes allesthes selben inganges; thaʒ then thie duri sîn bîdân (verschlossen),thie tharin ni sculun gân. Otfrid 3, 12, 39; der suones tacwil schiere komen, ir leien seht iuch vür: sich müeʒen liebe vriunde scheidenvor des himelrîches tür. minnes. 3, 76b; und er gebot den wolken droben, und thet auf die thüre des himmels, und lies das man auf sie regnen. ps. 78, 23; welche ... an der thür des himmels anklopften und in die glori gehen wolten. Albertinus landstörzer 361; wenn er (der papst) um ablaszgeld die thüren des himmels öffnet. Freytag ges. werke 11, 51; thür der hölle: Christus steige vom grabe stark herfür ein bezwinger der hellen thür. Kehrein kirchenl. 1, 228, 6. 3@cc) thür des lebens, des todes, des grabes: gegen in hete der tôt sînes hûses tür entlochen. Biterolf 12055, in dim schweisz nüsz din brot hinfür, bis du wider triffst dins usgangs thür (vgl. 1 Mos. 3, 19). Salat verl. sohn v. 1476; auf dasz wir nicht von dir scheiden, sondern durch des todes thür zu dem leben folgen dir. Leibnitz 1, 437; des grabes thür (der eingang zum grabe). Matth. 27, 60; sehn will ich, ob begeistrung mit den warmen gluthhauchen kann des grabes thür erweichen. Rückert 2, 45; in dem zarten pulse klopft und dringt ein zerstörer an die thür des lebens, bis der einbruch, den er droht, gelingt. Tiedge Urania 1, 333. 3@dd) der schamen thür, vulva Keller erz. 259, 32; wenn ain fraw ainen undersatz macht mit nesseln und rauten, der .. öffnet der muoter (gebärmutter) tür. Megenberg 423, 33; das sie nicht verschlossen hat die thür meines leibes (die gebärmutter). Hiob 3, 10. 3@ee) thür der (äuszern oder innern) sinne; jâ hât ieglich man und wîp vümf tür in sînem lîp. Thomasin 94, 50; ûʒerhalp des mundes tür ragten sî (die zähne) im her vür. Iwein 457; stôʒ den rigel für die tür (den mund), lâ kein bœse wort dar für. Walther 87, 11; (der betrunkene) stôʒet für des mundes tür, daʒ nüehtern nie wær komen für. Renner 10155; beware die thür deines mundes fur der, die in deinen armen schläft. Micha 7, 5; auf das gott uns die thür des worts (den mund) aufthue, zu reden die geheimnis Christi. Col. 4, 3; aug und ohren sind die fenster, und der mund die thür ins haus. Logau 1, 9, 74; dîner ôren tür müeʒen dir versloʒʒen sîn. Neidhart 94, 17; der leie sol durch der ôren tür lâʒen die guoten lêre vür. Thomasin 9465; sîns edelen herzen tür durch milte slieʒens sich bewiget. minnes. 3, 169b; täglich schickst du (gott) zu uns bohten, klopfst an unsrer hertzen thür durch die grosze zahl der todten. S. Dach 136; (dasz) gleichsam offen stehet ein thür des gemüts. Schuppius 763. 3@ff) thür des glücks, der liebe, freude, gnade u. s. w.: (minne,) tuo mir ûf der sælden tür. minnes. 1, 93a; seht wie er dannoch dranc vür ze jungest hin zer sælden tür. Thomasin 6886; (sie,) deu gegen mir der gnâden tür ouf tet, dô ich arm was. H. v. Neustadt Apoll. 5646; so trit ich vor der künste tür. minnes. 3, 165b; liegen, triegen gên herfür, die hüeten gern des nîdes tür. Renner 15627; wie er den heiden hetten die thür des glaubens aufgethan. apost. gesch. 14, 27 (die thore des gelaubens cod. Tepl.). Aventin. 4, 752, 27; allgemach fiengen sie an die thüer zu folgender abgötterei leider aufzuthun. Micrälius a. Pr. 1, 41; das glück thut mir selb auf die thür. H. Sachs 12, 425, 31; die ihr der gutthat thür mir wisset aufzusperren. S. Dach 782; man soll sich wol bedenken, ehe man die thür der freigebigkeit aufthut, wenn sie aber aufgethan, musz man sie nicht sobald im zorne wieder zuschlieszen. pers. rosenth. 1, 15; also wurde ich hinder ihm gelassen vor der thür der äuszersten verzweiflung. Simpl. 4, 154, 13 Kurz; das ohr der neugier liegt nun an den thüren des glückes und der leidenschaft. Schiller 5, 2, 263 (don Carlos 2, 14); ich habe geklopft an der liebe thür. Rückert 3, 211; heut hab' ich aufgemacht des friedens thür für dich. Bostan 123, 23. 3@gg) persönlich: ih bin duri (ego sum ostium). Tatian 133, 10; ich bin die thür zu den schafen, ... so jemand durch mich eingehet, der wird selig werden. Joh. 10, 7 (ich bin ein tur der schaf cod. Tepl.); er hat den himmel aufgethan und ist hinein die thür und bahn. S. Dach 376; ja du (der friede) bist die rechte thür, da wir ehr und guht durch haben. Rist Parnasz 850.
23902 Zeichen · 616 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    thüref.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    thür , thüre , f. ahd. turi duri und tura dura, mhd. tür und türe ( eigentlich plural ), md. tur dur und ture dure, alts…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit thuere

14 Bildungen · 4 Erstglied · 9 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von thuere

thun + -er + -e

thuere leitet sich vom Lemma thun ab mit Suffixen -er und -e, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

thuere‑ als Erstglied (4 von 4)

Thürelröhre

Campe

Die Thürelröhre , Mz. — n , im Bergbaue, die am Kunstgezeuge über der Schlung= oder Saugröhre stehende Röhre, an welcher eine Klappe ist, we…

thuere als Zweitglied (9 von 9)

gelthü̑re

MNWB

gelt·huere

gelthü̑re , -hûre , f. , Pachtzins, Schuld, Einkommen aus Pacht, Mietgeld.

gichthü̑re

MNWB

gicht·huere

° gichthü̑re (Hdschr. gihthüre ) gemeint ist eine geringe jährliche Abgabe, die der Vorbesitzer des Gutes dem Herrn, dem er es unterstellt h…

Ableitungen von thuere (1 von 1)

ērthü̑re

MNWB

ērthü̑re , -hûre , f. , Grundpacht.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „thuere". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/thuere/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „thuere". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/thuere/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „thuere". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/thuere/dwb.
BibTeX
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