Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
tausend
tausend
tausend Num. ‘zehnmal hundert’, übertragen ‘sehr viel, ungezählt’. Auszugehen ist von einem (ursprünglich, nach Ausweis des Got., zu den fem. jō-Stämmen gehörenden) Substantiv, das sich über adjektivischen (attributiven) Gebrauch auch zum Zahlwort der Zahlenreihe entwickelt. Ahd. thūsunt (8. Jh.), mhd. tūsent, asächs. (mit dem Suffix der Zehnerreihe) thūsundig, mnd. dūsunt, dūsent, mnl. dūsent, nl. duizend, aengl. þūsend, engl. thousand, anord. þūsund, schwed. tusen, got. þūsundi ‘tausend’ führen auf ein Kompositum, dessen erstes Glied germ. *þūs- mit s-Formans sich zu der Wurzel ie. *tē̌u-, *teu̯ə-, *tū̌- ‘schwellen’ (s. Daumen, deuten, düster) stellt und dessen zweites Glied dem ersten Bestandteil des unter hundert (s. d.) behandelten Zahlworts (vgl. anord. þūsundraþ neben þūsund) entspricht. Dieselbe Bildungsweise zeigt die baltoslaw. Gruppe lit. túkstantis, lett. tūkstotis, aslaw. tysęšti, tysǫšti, russ. týsjača (тысяча) ‘tausend’. Als Grundbedeutung kann ‘vielhundert’ angenommen werden. – Tausendfüß(l)er m. langgestreckter Gliederfüßler mit einem in viele Segmente gegliederten Körper und sehr vielen Beinen, zuvor Tausendfuß (18. Jh.), Tausendbein (Ende 17. Jh.), Übersetzung von lat. mīlipeda, mīllepeda, griech. chīliópūs (χιλιόπους) ‘Tausendfüßler’. Mit einer Steigerungsform Tausend-, die euphemistisch auch zur Umschreibung des Teufels dient (s. potz, potztausend), ist gebildet Tausendkünstler m. ‘Teufel’ als ‘Alleskönner, Zauberer’ (16. Jh.), dann ‘Gaukler, Magier’. Ebenso Tausendsas(s)a m. ‘vielseitig begabter, geschickter, oft auch leichtsinniger Mensch, Draufgänger’, aber auch ‘Glückskind’ und ‘Teufel’ (Mitte 18. Jh.), Substantivierung von tausend sa! sa!, einem aufmunternden Lockruf für Jagdhunde (vgl. hopsassa); vgl. mhd. zā, zazā, aus afrz. ça ‘hier(her), wohlan’ (frz. çà), dem lat. ecce hāc ‘sieh hierher’ zugrunde liegt. tausendschön Adj. ‘übermäßig schön’ (16. Jh.). Substantiviert Tausendschön n. Name der gefüllten Gartenform des Gänseblümchens (um 1600); heute meist als Deminutivum Tausendschönchen n. (seit 18. Jh.).